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Alphantis – Episode 1

Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst

Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten wanderten aufgeregt und gleichzeitig interessiert auf den Schotterstraßen durcheinander. Sie begutachteten die reetgedeckten, aus Baumstämmen gezimmerten schlichten Häuser, deren Fenster teilweise offenstanden und deren Türen keine Vorrichtungen boten, um abgeschlossen zu werden. Die Menschen, die sie unterwegs trafen, wurden freundlich gegrüßt und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Einige von ihnen schöpften Wasser aus den Brunnen oder pflegten die Gemüsegärten, die sich in dem pflanzenreichen Ort verteilten. Die Gebäude und die Straßen fügten sich so in die farbenprächtige Natur ein, als seien diese ein Teil von ihr; aus ihr erwachsen. Schließlich lief den Fremden ein Mädchen über den Weg, und die Besucher sprachen es an: »Guten Tag, mein liebes Kind.«
»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?«
»Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und wir möchten gerne wissen, wo man in diesem schönen Dorf etwas kaufen kann. Kannst du uns das verraten?«
»Kaufen?«, schaute Ariana fragend.
»Ja, kaufen, weißt du denn nicht, was kaufen ist?«
Ariana schüttelte den Kopf und DIE fragten weiter: »Müsst ihr denn nie einkaufen? Etwas zu Essen, Kleidung, technische Geräte, die einem das Leben erleichtern und vereinfachen. Eben all die Dinge, die man so dringend benötigt. Kennst du das nicht aus der Werbung?«
»Werbung? Was ist das? Und nein, hier bei uns kann man nichts einkaufen und erleichtern … wieso eigentlich erleichtern? Unser Leben ist doch nicht schwer.«
»Du kennst keine Werbung? Aber ihr benötigt doch Werbung, die euch sagt, welche neuesten und vor allem lebensnotwendigen Errungenschaften ihr benötigt?«, fragten DIE skeptisch.
»Och«, machte Ariana, schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »ich weiß auch nicht? Wir leben halt und es ist doch alles da, was wir brauchen, da müssen wir nichts kaufen, schon gar keine neuesten Errungenschaften … was auch immer das sein mag.«
»Wie, es ist alles da, was ihr braucht?«, zweifelten DIE, »du veralberst uns doch?!«
»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«
»Es ist nicht zu fassen!«, staunten DIE. »Also gibt es wirklich keine Supermärkte, keine Technikgeschäfte, keine Boutiquen. Aber wir haben doch so schöne Sachen mitgebracht, die wir gerne euren Händlern zum Weiterverkauf anbieten möchten.«
»Händler? Seid ihr Händler?«
»Ja, ganz recht. Großhändler!«, erklärten DIE und nahmen eine aufrechtere Haltung an.
»Und ihr als Großhändler braucht also Kleinhändler, denen ihr was verkaufen könnt?«
»So sieht es aus. Aber sag uns doch einmal, Ariana, wenn ihr weder einen Laden noch einen Markt habt, wo bekommt ihr denn zum Beispiel euer Essen her?«
»Das Essen kommt zum Teil vom Spielplatz, den Gemüsebeeten hier im Ort oder aus dem Wasser und dem Wald.«
»Vom Spielplatz?!«, riefen DIE verblüfft.
»Sicher, woher denn sonst? Wollt ihr ihn vielleicht mal sehen?«

***

Und ob sie wollten, ganz versessen waren DIE darauf, diese Stätte kennenzulernen und so führte Ariana die Großhändler über die Hauptstraße aus dem Dorfkern hinaus. Auf ihrem Fußmarsch begegneten ihnen vereinzelnd Pferdewagen, die mit Holzstämmen und Reet beladen waren. Andere wiederum hatten Lebensmittel wie Brot, Fleisch- und Käsewaren, sowie Obst bei sich. Die Pferde schritten gemütlich voran und wurden jeweils von einem Mann oder einer Frau begleitet, die das Tier an einer Leine führten. Einige Kinder liefen nebenher und winkten Ariana und ihrer Begleitung freudig zu.

Einige hundert Meter weiter kam die Gruppe an einem Platz vorbei, wo Hühner pickten und scharrten, Schafe und Ziegen grasten, Schweine sich tummelten und Kühe sich wiederkäuend die Sonne auf den Rücken scheinen ließen. Das Areal war umgeben von Ställen, in denen lächelnde Frauen und Männer mit ihren Kindern die Schafe scherten, die Kühe melkten, die Eier einsammelten und die Tierunterkünfte ausmisteten. Ein Fluss schlängelte sich von den Bergen kommend durch die Landschaft und zwei Wassermühlen verrichteten ihre Arbeit. Etwas abseits von den Tieren wurde vor einem Haus geschlachtet und in einem weiteren Gebäude befand sich die Bäckerei, die mit frischem Mehl aus den Mühlen versorgt wurde.

Nach ungefähr einem Kilometer kam Ariana mit ihrem Gefolge am Spielplatz an. Dieser bestand aus mehreren Feldern, auf denen die Einheimischen gut gelaunt alles Zeitgemäße ernteten und pflegten. Auf der Obstplantage entdeckte Ariana ihre Eltern mit ihrem Bruder Elias. Sie winkte ihrer Familie zu sich, um die Besucher vorzustellen. Das Mädchen erklärte, es seien Großhändler, die von sehr weit hergekommen waren und die tollsten Sachen dabeihaben würden: technische Geräte, die einem das Leben erleichtern, und nun seien sie auf der Suche nach Kleinhändlern, die ihnen alles abkaufen sollen, damit diese dann etwas haben, was sie wiederum weiterverkaufen können. Auf die Nachfrage hin, wo sie denn die Dinge her haben, die sie verkaufen wollten, erklärten DIE, dass sie die Ware direkt von den Herstellern und Erzeugern erworben haben oder von weiteren Zwischenhändlern.

Ebenso wenig wie Ariana zuvor verstanden auch ihre Eltern nicht, was die Fremden eigentlich genau vorhatten, beziehungsweise was sie mit dem Ganzen bezwecken wollten, und erklärten den Gästen erneut, dass doch von allem genug da sei und es überhaupt keinen Sinn mache, etwas zu kaufen, um es dann gleich wieder weiterzuverkaufen. Warum alles drei- bis viermal kaufen und verkaufen, es hin- und herschleppen, bis es endlich da ankommt, wo es gebraucht wird.
»Aber wir sehen doch, dass euch hier so allerhand fehlt. So können wir beispielsweise nirgends Bananen- oder Ananasstauden entdecken. Doch gerade diese sind so wichtig und darum gibt es die Möglichkeit, diese von uns zu kaufen, da sie hier bei eurem Klima ja nicht wachsen.«
»Ananas … Bananen, was ist das?«, fragte Felina.
»Das ist tolles Obst, ihr könnt doch nicht nur von diesen paar Sorten leben«, DIE zeigten auf die Plantage, wo an die fünfzehn verschiedenen Obstsorten gezüchtet wurden, »wenn es doch noch so viel mehr Sorten gibt.«
»Nur weil es diese vielleicht gibt, bedeutet das doch nicht zwangsweise, dass wir diese auch benötigen! Wenn wir Bananen und all die anderen Obstsorten bräuchten, würden sie hier doch wachsen. Da sie diese aber nicht tun, brauchen wir sie also auch nicht und somit müssen diese Dinge nicht wie wild durch die Gegend transportiert werden. Ach ja, und Geräte, die einem das Leben erleichtern … wozu? Gibt es denn ein leichteres Leben als das, welches wir hier führen? Und das, was wir an Geräten haben, ist ausreichend«, lächelte Felina schließlich und richtete nun ihr Augenmerk auf die Tochter, »was ist mit dir Ariana? Kommst du mit zum Spielen aufs Feld?«
»Ich weiß nicht, ich denke, es ist notwendiger, diesen Leuten hier alles zu zeigen, damit sie unser Leben hier verstehen und erkennen, dass wir nichts kaufen oder verkaufen müssen, um zu leben.«
»Das hört sich doch vernünftig an«, bestätigte Silias und fuhr sich mit den Händen durch die roten Haare.
»Und ich werde dich dabei unterstützen«, beschloss Felina kurzentschlossen.
»Aber heute Nachmittag kommt ihr beide doch mit ins Theater oder …?«, fragte Elias erwartungsvoll.
»Na, klar! Das werden wir uns doch nicht entgehen lassen«, stimmte die Mutter mit leuchtenden Augen zu.

***

Ariana und ihre Mutter spazierten mit DIE an einem See vorbei, wo einige Menschen in Ruderboten saßen und Netze auswarfen. Ihre weitere Wanderung brachte die Gruppe zu einem Wald, in dem sie Holzfäller trafen, die dabei waren, Feuerholz zu hacken, welches von den Frauen und Kindern auf bereitstehende Fuhrwerke gestapelt wurde. Ein weiterer Trupp stellte Baumaterial her und verlud es ebenfalls auf die Wagen. Zwei Frauen, die jeweils einen Köcher mit Pfeilen und einen Bogen über den Rücken trugen, hatten ein Reh auf einer Trage liegen, das sie zum Schlachthaus bringen wollten.

Nach einer Weile hatten sie den Wald sowie eine Lichtung, die neu bepflanzt wurde, hinter sich gelassen und erreichten das Bastlerviertel. So wurde der Ortsteil genannt, in dem sich unter anderem die Gerberei, die Webstuben und Schneider, die Tischler und Schmiede mit dem Werkzeugmacher sowie die Töpferei befanden. Das Rohmaterial für die verschiedensten Güter stammte von den umliegenden Erzminen, den Tongruben und Wäldern sowie der Rinderfarm. Von diesem Bastelviertel aus konnten in einiger Entfernung bereits wieder die Wohnhäuser gesehen werden, da die Führung entlang der Hauptstraße verlief und diese einen Rundweg darstellte. An dieser Straße befand sich alles Lebensnotwendige. Die abgehenden Wege führten zu den Minen, den Tongruben und in die Wälder.

Die anwesenden Kinder versammelten sich neugierig um DIE und erzählten, dass sie hier zusammen mit ihren Eltern alle notwendigen Sachen basteln würden. Befremdlich wirkte auf DIE auch hier die Vorgehensweise, wie die Leute ihre Tätigkeiten ausübten. Es schien so, als passiere die eigentliche Arbeit nebenbei und alles, was mit Arbeit in dem Sinne der DIE zu tun hatte, wurde hier als Spielen oder Basteln bezeichnet.
»Wie könnt ihr alle hier nur so ruhig arbeiten … also ich meinte basteln? Habt ihr denn keine Termine, um die Aufträge einzuhalten?«, fragten DIE.
»Termine? Aufträge? Was bedeutet das?«, fragte Felina. Doch ohne die Antwort abzuwarten sagte sie: »Wir fertigen und pflanzen das an, was gerade benötigt wird. So einfach ist das.«
»Ja, und wenn alle mit anpacken, wird nach ungefähr vier Stunden mit dem Spielen und Basteln aufgehört«, erklärte Ariana, »und jeder nimmt sich das, was er für sich und seine Familie braucht, mit nach Hause. So ist es in ganz Alphantis.«
»Das hört sich alles so unglaublich an, Felina, doch erkläre uns bitte, wie wird das alles hier denn nun finanziert?«
»Was meint ihr?«
»Wer oder wie bezahlt ihr das alles?«
»Das verstehe ich nicht, hier bei uns macht jeder das Notwendige und so muss keiner bezahlen … was auch immer das sein mag. Hier in Alphantis gibt es viele Lebenswirtschaftsräume wie den unsrigen, den wir Xsaxus nennen. Dabei besuchen wir uns untereinander und tauschen unser Wissen miteinander.«
»So kennt ihr also gar nicht das schöne Gefühl, sich was leisten zu können. Die Befriedigung, wenn man sich etwas Tolles kaufen kann, etwas, was andere vielleicht nicht haben, nicht besitzen können, weil sie nicht hart genug arbeiten, um es sich leisten zu können. Je mehr man hat, umso schöner ist es doch und noch viel schöner, wenn es andere nicht vergönnt ist, es zu haben«, meinten DIE mit einem befriedigenden Gesichtsausdruck. »Wir wollen immer alles besitzen, alles haben. Am besten immer mehr, denn man braucht doch so vieles und vor allem mehr davon.«
»Ihr habt vielleicht sonderbare Ideen«, entgegnete Felina, »oder was meinst du Ariana?«
»So ganz kapier ich es auch nicht. Vielleicht kommt es daher, weil wir nicht arbeiten.«
DIE klatschten in die Hände: »Ha, erwischt! Natürlich arbeitet ihr, wir haben es doch gesehen … okay, ihr nennt es Spielen, aber in Wirklichkeit ist es arbeiten. Ihr macht euch da etwas vor«, erwiderten DIE, als hätten sie Mutter und Tochter überführt.
»Ganz gewiss nicht, denn wie kann jemand arbeiten, der nur erntet und vielleicht etwas einsät?«, fragte Felina.
»Ja, Mutti, so ist es! Arbeiten tut doch die Saat die wir aufbringen, die arbeitet zusammen mit der Erde, der Sonne und dem Regen. Die Bäume arbeiten sich groß, das Schaf produziert Wolle, die Kühe Milch und die Hühner legen die Eier, die wir nur noch aufsammeln müssen. Die Arbeit macht doch das Huhn und die Pferde ziehen die beladenen Karren. Dies ist die eigentliche Arbeit, wozu auch die Wassermühlen gehören. Aber was wir hier machen, ist doch nicht die Arbeit.«
»Ja, aber eure Häuser, die Kleidung, die ihr tragt, sind doch durch eure Arbeit produziert worden.«
»Ihr meint durch unser Basteln?«, korrigierte Felina.
»Von mir aus nenn es so.«
»Es ist so, nicht nur so genannt. Denn die Grundstoffe sind ja alle da, wir fügen sie lediglich zusammen. Das kann man nun wirklich nicht als Arbeit bezeichnen.«

***

Jetzt sahen DIE es ein, dass sie bei diesen Menschen von Alphantis aus dem Ort Xsaxus nichts erreichen würden. Klagend erkannten sie, dass es hier in diesem Lebensraum, ja anscheinend in ganz Alphantis, keine Möglichkeit gab, ihre Waren zu veräußern. So haben DIE es nicht geschafft, dieses Land mit ihrer Wirtschaftsideologie zu erobern. Es hatte den Anschein, dass dieses Gedankengut unbeachtet an den Bewohnern von Alphantis abglitt. So bestiegen DIE ihr Raumfahrzeug und wurden nie wieder gesehen.

Einige Monate später tauchten neue Skulpturen und Bilder in Alphantis auf, die Händler darstellten. Es wurden Geschichten von Großhändlern und Händlern erzählt, welche rastlos umherliefen. Getrieben von Terminen. Es wurden Aufträge erteilt, die andere ausführen mussten. Güter wurden hin- und hergeschleppt. Diese neuen Geschichten erweiterten den Kunstbetrieb von Alphantis um weitere heitere Anekdoten aus dem Bereich des Absurden. Die Alphantianer spielten die Idee des Kaufens und Verkaufens kaputt, auf dass sie nicht entstehen konnte.

Ende der ersten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein profitorientiertes Konsumsystem zu bringen.

Geschrieben 2026

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Alphantis – Prolog

Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst

Sie waren völlig außer Atem. Allein die Aufregung und die Vorfreude trieben sie unermüdlich voran. Kein Weg war zu weit, um dem zu erwartenden Spektakel von Anfang an beizuwohnen. So waren es auch die Kinder, die durch ihr Rennen als Erste am Ort des Geschehens eintrafen. Die schaulustigen Erwachsenen folgten gemächlich mit deutlichem Abstand, da sie wussten, dass sie rechtzeitig eintreffen würden. Dennoch waren sie, ebenso wie die Kinder, begierig auf die spannende Attraktion, die ihnen in absehbarer Zeit geboten würde. Dabei spielte es keine Rolle, wie oft die Bewohner von Alphantis schon dabei waren, es mit eigenen Augen gesehen, miterlebt und mitgefühlt hatten. Die Neugier verlor nichts von ihrer Kraft, und das Geschehen blieb für sie immer jenseits ihrer Vorstellungskraft, egal wie oft sie zusahen.

***

Das Grauen ließ nicht lange auf sich warten, als sich die Todesschreie unter das ratternde Gebrüll der Schnelltötungsgeräte mischten. Die Soldaten schossen kreuz und quer in die Menschenmenge. Kinder, Frauen und Männer stürzten blutüberströmt zu Boden. Menschen rannten um ihr Leben. Die Körper der Gefallenen wurden unter den Füßen der in Panik davonstürzenden zerquetscht. Am Ende überlebten nur wenige das Massaker. Die Soldaten trieben diese zusammen und es schlossen sich Eisenschellen mit Ketten um Handgelenke. Die in Ketten gelegten wurden unter Peitschenschlägen in die Kerker getrieben, wo sie sich schutzlos den Folterungen ihrer Peiniger ausgeliefert vorfanden.

Die Gruppe von Personen, die unbeteiligt aus sicherer Entfernung dem Geschehen folgte, konnte sich bei so mancher Szene das Lachen nicht verkneifen. Sie gaben ihren Nachbarn einen leichten Stoß und deuteten schenkelklopfend auf die Gequälten. Dies ging so lange, bis sich nach zwei Stunden das Schauspiel auf den Höhepunkt zubewegte. Ein Höhepunkt, der kein glückliches Ende kannte. Ein Ende, welches zeigte, dass alles so weiterlaufen würde wie gehabt. An diesem Punkt hielt es die Zuschauer nichts mehr auf ihren Bänken. Sie sprangen auf und spendeten tosenden Applaus. Sie waren Zeugen davon geworden, wie Menschen sich anfangs gegenseitig belogen, um daraus ihren eigenen Vorteil zu erlangen. Intrigen wurden gesponnen, um Macht über andere zu gewinnen. Menschen wurden von Menschen benutzt, ausgebeutet; als Sklaven gehalten und letztendlich getötet.

Als die Schauspieler den Bühnenplatz verlassen hatten und die ersten Zuschauer das Amphitheater verließen, blieben noch einige Besucher auf der Tribüne zurück und unterhielten sich über das Gesehene. Sie schüttelten dabei belustigt und verblüfft zugleich die Köpfe.
»Nein, nein, was diese Theaterleute nur für eine Fantasie haben«, staunte eine Frau.
»Und die ganzen Ideen für diese Teile, womit sie die Menschen getötet haben, wie nannten sie diese doch gleich?«, fragte ein Mann und schaute nachdenklich hinauf in den blauen Himmel.
Die Antwort kannte der zwölfjährige Elias: »Schnelltötungsgeräte!«
»Richtig … «, bestätigte der Mann, und die Frau beteiligte sich erneut an dem Gespräch: »Überhaupt auf die Idee zu kommen, einen anderen Menschen zu verletzen oder gar zu töten, das ist doch völlig absurd, da kann man doch nur drüber lachen.«
»Ganz recht, das macht überhaupt keinen Sinn … Es sah aber dennoch sehr realistisch aus«, erwiderte ein weiterer Mann mit Namen Silias.
»Aber ist doch immer witzig«, fügte die achtjährige Ariana, die Tochter von Silias hinzu, »mir gefallen immer die gespielten Tötungen mit dem ganzen Blut.«
»Das stimmt, das ist richtige Magie, denn so richtig sieht man gar nicht, wo das Blut herkommt und am Ende bei der Verbeugung stehen alle unversehrt wieder auf«, bestätigte ihre Mutter Felina, die zweite Frau in der Gesprächsrunde.
»Das machen die wirklich gut, das ist alles bis ins Kleinste einstudiert. Das Blut kommt übrigens aus kleinen versteckten Lederbeuteln und ist natürlich Rinder- oder Schweineblut«, erklärte Silias und wendete sich an seinen Sohn Elias, »und du, mein Junge, wie gefiel dir das Theaterstück?«
»Och, hab schon bessere gesehen. Wenn ich groß bin, werde ich auch solche Stücke entwerfen.«
»Davon bin ich überzeugt, mein Sohn!«, bekräftigte der Vater und wuschelte dem Sohn durch die roten Haare.

***

Am Abend saß Felina vor dem Kamin und strickte Socken, als ihre Tochter den Wohnraum betrat. Ariana setzte sich neben ihre Mutter auf das weiche Schafsfell, welches der robusten Holzbank eine flauschige Sitzfläche bereitete.
»Du, Mutti! Verstehe ich es eigentlich richtig, dass es in den Theaterstücken immer irgendwie darum geht, dass es nicht die großen Anführer sind, also, ähm, diese witzigen Redenschwinger, die es immer wieder schaffen, sich selbst zu erheben, also dass diese es sind, die nicht selbst Hand anlegen, um zu morden und so.«
»Das siehst du richtig, mein Schatz. Denn das Einzige, was diese Herrscher können, ist reden und nochmals reden, sie beherrschen diese Kunst bis zur Perfektion, und zwar so täuschend, dass die Menschen es nicht als solche erkennen. Auf diese Art schaffen sie es immer, ihre hörigen Gefolgsleute wie Marionetten an den Fäden tanzen zu lassen.«
»Es sind also Menschen, die blind alles befolgen. Sie geben ihre Hände, um ihre Mitmenschen zu quälen und zu töten, indem sie auf sie schießen oder wer weiß was anstellen.«
»Das hast du gut gesagt, die Handlanger geben ihre Hände und an dritter Stelle stehen dann die Mitläufer der tanzenden Puppen. Diese geben den selbsternannten Herrschern letztendlich die vollständige Macht, und die, die dieses Spiel nicht mitmachen wollen, die Verweigerer, Menschen, die anders denken und handeln, als es die Machthaber verlangen, werden Opfer der gehorsamen Armee.«
»Wieso tun sie das? Sind die vielleicht ein bisschen doof?«
Die Mutter lächelte und legte das Strickzeug auf ihren Schoß: »Wenn du es so ausdrückst, irgendwie schon. Es sind Leute, die nicht eigenständig denken, die immer jemanden brauchen, der ihnen sagt, was sie zu tun haben und wo es langgeht. Diese Menschen hinterfragen nicht, was die … wie nanntest du sie … die witzigen Redenschwinger, so von sich geben, egal wie absurd und widersprüchlich so manches ist. Ebenso verhält es sich mit den Mitläufern, die nicht erkennen, wie die Redner alles so hinbiegen, dass es in ihr erschaffenes herrschsüchtiges Konstrukt passt.«
»Aber das sind doch alles nur Märchen, so etwas gibt es doch nicht in Wirklichkeit … oder?«
»Nein, natürlich nicht. Das ist alles Erfindung und nun geh schön schlafen und träume süß.«

***

So ging an einem weiteren Tag in Alphantis die Sonne unter, deren Bewohner das Theater über alles liebten. Aus allen umliegenden Dörfern strömten die Menschen in das große Freilichttheater, um sich diese Schauspiele über die Absurditäten, die sich bis hin zur ausufernden Gewalt erstreckten, anzusehen. Jener Wahnsinn, den es in der Realität von Alphantis nicht gab, noch nie gegeben hatte. Es war für die Alphantianer undenkbar, dass solche Dinge in Wirklichkeit passieren könnten. Ihr Leben war das eine, die Bühne etwas ganz anderes. Auf ihr wurde alles Undenkbare denkbar und das Unmögliche möglich. Und nicht nur das Theater diente ihnen dazu, sondern die gesamte Bandbreite der Kunst erfüllte diesen Zweck. In ihr oder durch sie werden schlimme Gedanken, Aggressivität, Gewalt, Missgunst, Verrat und alle weiteren negativen Emotionen und Feindseligkeiten ausgelebt. All jenes bildete den Antrieb für ihre Kunst. Woher dieses Verlangen kam, wieso es so war, konnte keiner benennen; es war für sie nicht greifbar. Doch tief in ihrem Inneren spürten die Alphantianer, dass es da etwas gab, was in ihnen schlummerte, was raus musste, aber niemals das Licht der realen Welt erblicken durfte. Denn es war fehlerhaft und völlig unnütz. Um das zu erreichen, benötigten sie ein Ventil, und dieses Ventil entdeckten sie in der Kunst, welche sich in ganz Alphantis verteilte. Anhand von Skulpturen, Bildern und Geschichten, die sie sich erzählten und auf die Bühne brachten. Sie leiteten diese, für sie nicht wirklich spürbaren, negativen Energien aus sich heraus und spielten sie in die Kunst hinein. Die Kunst spielte sich an ihnen ab. So war es seit Anbeginn der Zeit in Alphantis – Dem Erstland, im Zeitalter der Kunst.

Geschrieben 2026

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Alphantis – Serienstart 16.06.2026

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Wegonam: Das Symbol

Alles im Universum besteht aus Formen, die als Rundungen, Bögen sowie Ecken und Spitzen beschrieben werden können, nichts ist ausschließlich winklig und auch nicht ausschließlich rund. Nichts steht für sich alleine, alles hängt zusammen, alles geht ineinander über bzw. fließt ineinander. Entweder aus der Ferne oder aus einer direkten Wechselbeziehung zueinander. Auf dieser Grundidee ist das Wegonam-Symbol (auch als „Tellerkreuz“ bezeichnet) aufgebaut. Dieses Symbol dient einerseits als „Erkennungszeichen“ für das Wegonam und andererseits geht es weit über eine symbolische erkennbare Bedeutung hinaus. Sein Hauptzweck besteht in einer symbolischen „Einteilungsleere“. Zu diesem Zweck wurde es ursprünglich entwickelt; als Art Schablone oder eben Leere. Diese Leere, welche für Abwesenheit von etwas steht oder ein Leerzustand beschreibt, möchte befüllt werden; sie dient als Platzhalter für ordnende Zuordnungen und verweist damit auf die im Symbol vorgesehenen Bereiche.

Die Gestaltung des Tellerkreuzes muss sich als Röhrensystem vorgestellt werden, in dem alle Elemente miteinander verbunden sind. Durch die Röhren kann das Benötigte in den Raum weichen und umgekehrt. So beläuft sich die Vorstellung darauf, dass im äußeren Ring des Symbols die Gesamtheit von allem fließt. Diese strömt überall hinein und nimmt im Gegenzug von allem etwas mit, um es weiter zu verteilen (ähnlich dem Blutkreislauf). Im zentralen Feld des Symbols werden die gewünschten 8 Komponenten in die einzelnen Felder geordnet. Dabei werden auf der aufrechten und der liegenden Acht (hierbei handelt es sich jeweils um symbolische Achten, welche einen kreativen Blick erfordern, um diese zu erkennen) die jeweils direkt in Verbindung stehenden Komponenten gegenübergestellt. Diese langgezogenen Achten stehen über den Kreis der Gesamtheit hinaus, was das „über den Tellerrand schauen“ symbolisiert. In den Zwischenräumen des Symbolfeldes werden die ergänzenden Komponenten untergebracht. Diese gehören zum Ganzen, besitzen aber keinen direkten Gegenpart, und wenn doch, können sie dementsprechend gegenübergestellt werden. Falls benötigt, können noch die 4 Austrittsrichtungen des Symbols genutzt werden. Bei alledem ist die Einteilung nicht konstant, denn ändert sich der Zusammenhang, also wie etwas zueinander gestellt wird, so ändert sich auch die Einteilung. Diese Einteilung ist hierbei symbolisch zu betrachten, um ein Gefühl bzw. eine Vorstellung für Zusammenhänge des gewählten Themas zu erhalten. Denn unabhängig vom Thema werden Wechselbeziehungen zwischen den Komponenten dargestellt, die im Symbol räumlich nachvollzogen werden können.

Doch nicht alles kann in das Wegonam „Tellerkreuz“ eingearbeitet werden. So ist es beispielsweise bei der Wegonam-Methode und dem Energiefluss nicht möglich, da beide primär als Abfolgen beschrieben werden. Für solche Fälle gibt es im Wegonam andere Möglichkeiten der optischen Darstellung. Im Folgenden werden die 8 Bestandteile des Universums, wie sie im Wegonam genutzt werden, als Beispiel für eine Einteilung verwendet. Dasselbe geschieht mit den 8 Wegonam-Elementen, die im Wegonam vorkommen. Hierbei wird die Symbolik zusätzlich durch Farben ergänzt, um die Zuordnung im Symbol visuell zu unterstützen. Auf eine detaillierte Bedeutung der einzelnen Komponenten wird an dieser Stelle nicht eingegangen, dies geschieht in dem Kapitel, in dem das jeweilige Thema besprochen wird.

In der Einteilung der Bestandteile des Universums stehen Materie und Geist sowie Zeit und Raum jeweils in enger Verbindung zueinander, was im Symbol durch gegenüberliegende Felder dargestellt ist. Gleichzeitig wirken Masse und Kraft sowie Energie und Arbeit auf die vier Hauptkomponenten ebenso ein wie sie sich untereinander beeinflussen. Es soll auf diese Weise versinnbildlicht werden, wie die Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen den im Universum vorzufindenden grundlegenden Komponenten (Geist, Materie, Raum, Zeit) wirken und wie zugleich Masse, Kraft, Energie und Arbeit sowohl auf diese einwirken als auch sich untereinander beeinflussen; alles hängt mit allem zusammen. Die vier Himmelsrichtungen und vier Himmelskörper sind in diese Leere aufgenommen, orientiert an den äußeren Bezugspunkten des Symbols.

Bei der Einteilung der Wegonam-Elemente gibt es die Gegenüberstellung von Wasser und Feuer sowie die von Holz und Metall, da diese jeweils direkt in Verbindung zueinanderstehen, die im Symbol als gegenüberliegende Felder angeordnet sind. Gleichzeitig wirken Luft und Mineralien sowie Erde und Gestein auf diese ein und umgekehrt. Positioniert sind sie in den verbindenden Segmenten (hellbraun) des Symbols. Die vier Jahreszeiten werden hier zu den Elementen gezählt, da sie das Produkt des Zusammenspiels der Elemente sind, was sich im umlaufenden Symbolbezug widerspiegelt. Jede Jahreszeit besitzt ihre eigenen charakteristischen Merkmale, die das Wachstum von Pflanzen, das Verhalten von Tieren und die Lebensweise der Menschen beeinflussen. Zudem repräsentieren die Jahreszeiten auch die verschiedenen Aspekte des Seins und Vergehens.

Dies sind zwei grobgefasste Beispiele ohne nähere Erklärungen der einzelnen Komponenten, wie das Tellerkreuz im Wegonam angewendet wird. Dieses kommt unter den verschiedensten Aspekten zum Einsatz und taucht somit in Variationen auf, wobei die symbolische Struktur als konstante Orientierung dient. Dabei wird immer nur der Inhalt verändert, die „Schablone“ bleibt erhalten, sodass neue Inhalte stets entlang derselben Symbolordnung gelesen werden können.

Weiteres zum Wegonam und die downloads der Texte gibt es hier

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Wegonam: Das System

Im Folgenden wird näher auf das komplette Wegonam-System eingegangen. Dieses ist auf die vorangegangene Einführung aufgebaut. Es soll mit der Struktur des Systems begonnen werden, welche aus den 4 Einheiten (Theorie, Methode, Tugenden und Lehrstufen) mit jeweils 8 Prinzipien besteht. Dabei bilden die Theorie-Prinzipien die Basis für alles weitere. Diese Theorie lässt sich durch die Methode (Vorgehen, Arbeitsweise) in der geistigen Anwendung sowie am mit und durch den Körper über spezielle Übungen erfühlen und erspüren, wodurch sie letztendlich nachvollziehbar erfahren werden kann. Dieses Vorgehen wird durch 8 Tugenden vermittelt und in 8 Lehrstufen verinnerlicht. Dabei unterstützen 88 Leitgedanken (Leitlinien) das Vorhaben, das Wegonam in das eigene Leben aufzunehmen. Zudem werden die Themen Energiefluss, Universum, Planet Erde, Leben, Mensch und Gemeinschaft sowie Nähren und Bewegen behandelt. Grundwissen über diese Bereiche trägt zur Vervollständigung des Wegonam bei. Die aufgeführten Themen und Bereiche sind folgendermaßen aufgeteilt:

  1. Die vier Einheiten
    1.1 Theorie
    1.2 Methode
    1.3 Tugenden
    1.4 Lehrstufen
  2. Energiefluss
  3. Universum
  4. Planet Erde
  5. Leben
  6. Mensch und Gemeinschaft
  7. Nähren und Bewegen
  8. Die 88 Leitgedanken

Anhand dieser Aufteilung ist zu erkennen, dass die Ziffer 8 eine hohe Bedeutung im Wegonam besitzt. Es könnte auch gesagt werden: Wegonam befindet sich im Banne der 8. Als veranschaulichendes Beispiel dient hier eine symbolische Reise auf der 8, welche immer wieder zum Mittelpunkt (zum Innen) zurückführt, von wo aus die Reise zur anderen Seite fortgeführt werden kann. Auch ein Richtungswechsel am Mittelpunkt ist möglich, was die Perspektive (Sichtweise) verändert, da derselbe Weg in die entgegengesetzte Richtung gegangen wird. In diesem Sinne kann das Schreiten auf der 8 als ein bewusstes Einlassen auf fortwährende Veränderung bzw. Wandlung verstanden werden, welche auch in gewissem Grad eine Wiederkehr des immer Gleichen mit sich bringt. Wird hingegen auf einem Kreis gereist, kann nur die Richtung, aber nicht die Seite gewechselt werden – im Gegensatz zur 8. Bei ihr gibt es ein Oben und Unten, ein Links und Rechts (liegende 8, das Unendlichkeitszeichen ∞), die immer in Verbindung zueinanderstehen.

Wegonam versteht sich als praxisorientierter Lebensweg, der Bekanntes miteinander verwebt und an manchen Stellen neu denkt und es dann dementsprechend einordnet und definiert. Ein Weg, der die Schönheit des Lebens darlegt und aufzeigt, wie das Leben im Allgemeinen von Menschen gepflegt werden kann. Dabei geht es darum, in Harmonie mit sich selbst und den anderen Menschen sowie allen Lebewesen und der Natur (der Kreislauf von Leben und Vergehen) zu stehen. Es geht darum, im Einklang mit allem, bis hin zum Kosmos, zu leben und zu agieren. Dafür liegen auf dem Weg, welchen das Wegonam beschreibt, geeignete Mittel bereit, welche bei Bedarf aufgenommen und angewendet werden können. Wurden einige Dinge verinnerlicht, ist es ratsam, wieder zurückzugehen und das Mitgenommene zurück an seinen Platz für die folgenden Wanderer zu legen (Gelerntes wird weitergegeben). Auf diese Weise wird der Weg ein weiteres Mal gegangen. Anfangs in die entgegengesetzte Richtung, so erscheint dieser neu (das Bild hat sich gedreht, es wird in die entgegengesetzte Richtung geschaut), und dann wird mit dem bereits erlangten Wissen der Weg zurückgegangen und vielleicht vorherig Übersehenes entdeckt. So können sich Erkenntnisse verändern und erweitern, was ein höheres Verständnis mit sich bringt (ein praktisches Beispiel: eventuell nach dem Lesen dieses Kapitels zurück zur Einführung gehen, dann dieses Kapitel erneut lesen und sich erst dann dem nächsten widmen).

Auf der Reise des Lebens stehen in erster Linie die Menschen, denen begegnet wird. Von denen gelernt wird, die einen prägen, von denen etwas bekommen wird, um es letztendlich weiterzugeben; was das Leben zu einem Staffellauf werden lässt. Alles, was benötigt wird, kann auf dem Lebensweg gefunden werden, der mit Nichtkennen und Nichtkönnen beginnt. Das Voranschreiten bringt das Kennenlernen mit sich, welches weiterführt zum Können, um dann später im Wissen und Können zu münden (Wissen und Können vereinigen sich). Bei dieser Erkundung des Weges sollte nicht gerannt werden, und das Stehenbleiben ist von großer Bedeutung (keine Angst vor dem Stehenbleiben, solange irgendwann weitergegangen wird). Dieses verschafft Zeit für ein genaues Betrachten, um das Gesehene zu verinnerlichen; somit ist es kein wirkliches Stehenbleiben, auch wenn es augenscheinlich der Fall ist. Auch der Blick in die Seitenwege bzw. Abzweigungen ist von Nöten (über den „Tellerrand“ schauen). Ebenso ist das Betreten dieser nicht nur gestattet, sondern erwünscht (Schauen, Vergleichen, Mitnehmen, Liegenlassen, Zurückbringen). Doch egal, wie weit es in den Seitenweg geht, darf nie der Hauptweg aus den Augen verloren werden, wobei dieser Hauptweg als orientierender Bezugspunkt zu verstehen ist und nicht als Ausschluss anderer Hauptwege. Dies bedeutet, dass sich ein Hauptweg auch wandeln bzw. verändern kann.

Über das Gleichnis des Lebens als Weg, das das Wegonam ausführlich nutzt, richtet es sich stark nach den Gegebenheiten der Natur und des Kosmos, was sich in der Wegonam-Theorie widerspiegelt. Denn auch diese folgen bestimmten Regeln. Diese Regeln sind die physikalischen Gesetze (Beispiel: Erdanziehung) und die energetischen Bedingungen (wie Sonnenstrahlung) der natürlichen Umwelt der Erde. Sie legen fest, was möglich ist und was nicht. Trotzdem gibt es innerhalb dieser Grenzen viele verschiedene Wege, wie sich natürliche Systeme entwickeln können: „Die Regeln bestimmen den Rahmen – aber nicht das exakte Ergebnis“. Als Beispiel soll das Ökosystem Wald dienen. Ein Wald entsteht nicht nach einem festen Bauplan, stattdessen bildet er sich durch das Zusammenspiel vieler physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse. Sonnenlicht liefert Energie, Wasser und Nährstoffe zirkulieren im Boden, Pflanzen wachsen, Tiere und Mikroorganismen interagieren miteinander. All diese Vorgänge folgen Naturgesetzen. Trotzdem sieht kein Wald exakt aus wie ein anderer. Als sehr entgegengesetztes Beispiel sind hier der Amazonas-Regenwald (heiß, sehr feucht, kaum jahreszeitliche Schwankungen) und die kanadische Taiga (kalt, vergleichsweise trocken, stark saisonal) genannt. Selbst wenn zwei Wälder im gleichen Klima liegen, können sie sich unterschiedlich entwickeln. Der Grund dafür ist, dass bereits kleine Unterschiede langfristig große Auswirkungen haben können, wie etwa im Boden, in der Artenzusammensetzung oder durch Störungen wie Sturm oder Feuer. Innerhalb der natürlichen Regeln organisiert sich der Wald gewissermaßen selbst. Es entstehen typische Strukturen: hohe Bäume bilden ein Kronendach, darunter wachsen Sträucher und Bodenpflanzen. Verschiedene Arten nutzen unterschiedliche Lebensräume und Ressourcen. Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen sind über Nahrungsbeziehungen und Stoffkreisläufe miteinander verbunden. Diese Ordnung entsteht nicht durch Planung, sondern weil bestimmte Anordnungen unter den gegebenen Bedingungen stabil funktionieren. Kurz gesagt: Naturgesetze geben den Rahmen vor, innerhalb dessen sich ein Wald entwickeln kann. Wie genau dieser Wald aussieht, hängt von vielen Wechselwirkungen und Zufällen ab. Ordnung entsteht also nicht trotz dieser Regeln, sondern gerade durch sie.

Aufgrund dieser genannten Aspekte (8, Weg, Natur, Kosmos), die sich im Wegonam vereinigen, bekommt ein interessierter Mensch ein Mittel in die Hand, um sich in dem Szenario, in das er durch Geburt „hineingeworfen“ wurde, ein angenehmes Leben mit seinen Mitmenschen zu gestalten. Er erlangt Wissen darüber, wann beschleunigt oder verlangsamt wird, wann es Zeit für eine Ausdehnung oder ein Zusammenziehen ist. Wegonam kann als locker gebundenes Handbuch für das Vorhaben Leben verstanden werden. Es dient der Orientierung, ist ein Wegbegleiter für die Anpassung an die Wandlung bzw. Veränderung von Werden und Wachsen sowie an den Verfall und die Erneuerung.

Es folgen zwei Aussagen, die bewusst etwas kryptisch wirken können — also schwer unmittelbar verständlich oder rätselhaft erscheinen. Diese Form ist beabsichtigt. Sie sollen nicht abschrecken, sondern dazu einladen, den Geist zu öffnen und sich auf eine andere Betrachtungsweise einzulassen. In diesem Sinne kann das Folgende als eine Art persönlicher Prüfstein verstanden werden – nicht als wirklicher Test, sondern als Moment der Selbstbeobachtung innerhalb eines fortwährenden Wachstumsprozesses, in dem nichts endgültig bewertet werden muss.

Wegonam macht darauf aufmerksam, dass „Ziele“ verwirklicht werden können, wenn dafür die natürlichen, von selbst ablaufenden Vorgänge genutzt werden, ohne großes Hinzufügen eigener, durch Überanstrengung entwickelter Energie. Das bedeutet, den natürlichen Wandlungsprozessen zu folgen, um zur Mitte der Leere zu gelangen. Es muss die Vereinigung der Gegensätze angenommen werden, die zum Dreh- und Angelpunkt der Wandlungsphasen (dunkel und hell) werden. Die Leere erreichen, um diese füllen zu können, um am Ende die absolute erfüllte Leere zu erreichen. So kann wahres Glück entstehen, wenn die Leere zuerst mit Trauer gefüllt war. Nach dieser Auffassung führt vor allem die Übereinstimmung mit der Natur zu etwas Dauerhaftem und eben zum wahren Glück, während die intensive, ausschließliche Beteiligung an weltlichen Angelegenheiten zu einem Niedergang der wahren Tugenden führen kann. So muss das weltliche Leben an der Einfachheit des Weges ausgerichtet werden, um die grundlegende Lebensenergie zu verstehen und zu spüren. Deshalb ist es ratsam, Gleichmütigkeit gegenüber Reichtum und unverhältnismäßigem oder gar verschwenderischem Komfort zu erlangen und sich vor übermäßigen Wünschen zu hüten.

Wegonam ist der Weg, der sich nach den Gegebenheiten richtet und dem Lauf der Natur folgt. Die Natur ist das Wesen der umfassenden Wirklichkeit und stellt die Vereinigung jeglicher Gegensätze dar. Wegonam ist nur begrenzt begrifflich zu fassen, weil es als Ursprung des Seins und als transzendentale (zwischen zwei Welten, raum- und zeitlos gedachte) Ursache verstanden wird und somit alles, auch den Gegensatz von Sein und Nichts, enthält. Es geht darum, die übergeordneten Gesetzmäßigkeiten des Kosmos und der Natur zu ergründen und die dabei entdeckte, nicht vollständig erfassbare Ordnung zu akzeptieren bzw. den ewigen Weg der Veränderung, dem allen Dingen des Werdens und Vergehens unterworfen sind, zu folgen. In diesem Sinne kann nichts Abschließendes über das Wegonam ausgesagt werden, weil jede Definition eine Begrenzung enthält. Das Wirken des Wegonam bringt die Schöpfung hervor, indem es die Zweiheit von Licht und Schatten hervorbringt, aus deren Wandlungen, Bewegungen und Wechselspielen letztendlich die Welt hervorgeht. Wegonam ist die Mitte von allem und die lebendige Leere, aus der alles entspringen kann. Wegonam ist allumfassend und es gibt nichts, was ausgeschlossen wird. Jeder, der Wegonam erfährt, wird ausreichend Lebensenergie erfahren und eine ganzheitliche Verbundenheit zu allen Dingen entwickeln können.

Abschließend sei noch gesagt, dass andere Systeme, welche sich mit den gleichen oder verwandten Themen auseinandersetzen, die Aussagen des Wegonam wahrscheinlich gänzlich anders sehen. Oft geht es dabei um Begrifflichkeiten und deren Interpretationen. So gibt es beispielsweise Organisationen, die sich alle nach identischen Texten richten, aber diese unterschiedlich auslegen und -leben. Neben der Interpretationsvielfalt kommt dann noch die Übersetzungsproblematik in andere Sprachen hinzu, da diese bereits von Haus aus verschiedene Ergebnisse in sich trägt, was zu Meinungsverschiedenheiten führt. Überall, in jedem Bereich, gibt es diese Phänomene. Gerade in religiösen Glaubensfragen, in der Medizin, ja selbst in der Justiz, wenn es um Gesetze geht, die eigentlich klar und deutlich sein sollten, gibt es diese Unstimmigkeiten. Als Letztes sollen hier noch die Kampf- und Gesundheitskünste (Tai Chi, Qi Gong, Kung Fu, Yoga etc.) erwähnt werden. Egal, wie etwas ausgelegt wird, was jeder dabei beachten muss, sind die grundlegenden Gesetze. Als Beispiel dient hier die Wippe, die besagt, wenn etwas auf der einen Seite runtergeht, muss auf der anderen Seite etwas hochgehen. Auf welche Weise so ein Gesetz nun anzuwenden ist bzw. genutzt werden kann, muss jeder für sich allein herausfinden, solange er sich an das Gesetz hält.

Das Wegonam hat den Anspruch, sich an alle Menschen zu richten. Da es nun in der Natur der Sache liegt, bringt jeder ein anderes (Vor-)Wissen mit. Dieses kann hilfreich sein, wenn Grundlagen zu den Themen, die das Wegonam behandelt, bereits bekannt sind, aber auch hinderlich, denn es fällt oft schwer, sich für Bekanntes auf neue oder auch anderer Art zu nähern. Wer sich noch nie diesen Themen gewidmet hat oder nur mal davon gehört hat, darf nicht den Anspruch an sich stellen, alles gleich auf Anhieb zu verstehen bzw. alles gleich im richtigen Zusammenhang zu erkennen. So wird manchmal ein Thema nur am Rande angeschnitten (vielleicht als Beispiel für etwas), und eine Vertiefung taucht dann in einem Folgekapitel auf. Durch eine konstante Beschäftigung (beispielsweise durch ein mehrfaches Lesen der Texte) wird sich das Verständnis für das Dargelegte entfalten, und bei fortgesetzter Auseinandersetzung mit der Lehre des Wegonam kann dieses schrittweise in das eigene Leben integriert werden. Dies trägt letztlich dazu bei, dass die Dinge, die einem begegnen, besser eingeordnet werden können und die Situationen im Leben geschickter gemeistert werden können.

Anmerkung
(Prinzipien – Konzept – Struktur – Leitlinien – System)
Im Wegonam wird oft von den Begriffen Prinzipien, Konzept, Struktur, Leitlinien und System die Rede sein. Hier folgt eine Erläuterung, wie diese zu betrachten sind. So bilden diese fünf Begriffe zusammen ein abgestuftes Orientierungs- und Handlungsmodell für die Planung und Organisation von Vorhaben. Jede Ebene erfüllt eine eigene Funktion, die von einer grundlegenden, richtungsgebenden Ausrichtung bis zur operativen Gesamtwirkung reicht. Gemeinsam schaffen sie einen stimmigen Rahmen, der Denken, Entscheiden und Handeln verbindet. Die Begriffe lassen sich als funktionale Abfolge verstehen: von einer allgemeinen Orientierung über die Ausarbeitung eines konkreten Konzepts und die organisatorische Ordnung bis hin zur handlungsleitenden Steuerung und zum systemischen Zusammenspiel aller Elemente.

Am Anfang stehen die Prinzipien, welche die grundlegende Ausrichtung eines Vorhabens definieren. Sie formulieren übergeordnete Werte, Zielrichtungen und Maßstäbe, an denen Entscheidungen und Vorgehensweisen ausgerichtet werden. Prinzipien wirken nicht als konkrete Vorschriften, sondern als stabiler Referenzrahmen, der Stimmigkeit und Zielklarheit ermöglicht. Sie unterstützen die Priorisierung, die Bewertung von Optionen und die Einordnung komplexer Situationen. Typische Bestandteile sind Wertmaßstäbe (welche Leitideen gelten), Zielorientierung (worauf wird hingearbeitet) und Bewertungsgrundlagen (wie Entscheidungen reflektiert werden). Prinzipien beantworten damit die Frage, nach welchen übergeordneten Maßstäben gehandelt wird.

Auf der Grundlage der Prinzipien entsteht das Konzept als strukturierte Übersetzung der Prinzipien in eine konkrete Ziel- und Vorgehensidee. Es beschreibt, was erreicht werden soll und auf welche Weise dies grundsätzlich geschehen soll. Ein Konzept kann zunächst skizzenhaft sein und sich im Verlauf präzisieren. Seine Funktion besteht darin, Absichten, Inhalte und methodische Ansätze in einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu bringen. Dazu gehören insbesondere die Zielsetzung (was angestrebt wird), die inhaltliche Ausrichtung (welche Themen oder Aufgaben relevant sind) und die methodische Grundentscheidung (welche Vorgehensweisen genutzt werden). Das Konzept beantwortet die Frage, wie die vorgegebene Orientierung praktisch gedacht wird.

Die Struktur ist die organisatorische Ausgestaltung des Konzepts. Sie legt fest, wie Inhalte, Aufgaben und Informationen angeordnet und miteinander verknüpft werden. Ziel der Struktur ist es, Übersichtlichkeit, Nachvollziehbarkeit und funktionale Klarheit herzustellen. Dazu zählen die Gliederung in sinnvolle Einheiten, die Festlegung von Hierarchien sowie die Definition logischer Zusammenhänge. Die Struktur schafft ein geordnetes Gerüst, innerhalb dessen das Vorhaben operabel wird. Sie beantwortet die Frage, wie das Konzept aufgebaut ist.

Leitlinien konkretisieren das Handeln innerhalb dieser Struktur. Sie formulieren verbindliche Orientierungen, die Abläufe, Entscheidungen und Verhaltensweisen steuern. Leitlinien schaffen Verlässlichkeit, indem sie Erwartungen, Grenzen und Handlungsspielräume definieren. Sie fördern konsistentes Vorgehen und tragen dazu bei, dass Prozesse nachvollziehbar und reproduzierbar bleiben. Typische Elemente sind Handlungsanweisungen (was vorgesehen ist), Rahmenbedingungen (welche Grenzen gelten) und Kontrollmechanismen (wie die Einhaltung überprüft wird). Leitlinien beantworten die Frage, wie innerhalb der gegebenen Struktur gehandelt werden soll.

Das System beschreibt die Gesamtheit der miteinander interagierenden Elemente, in denen Prinzipien, Konzept, Struktur und Leitlinien wirksam werden. Es umfasst Komponenten, Beziehungen und Regelwirkungen und stellt die operative Realität des Vorhabens dar. Ein System ist kein bloßes Endergebnis, sondern ein dynamisches Gefüge, in dem Rückkopplungen, Anpassungen und Wechselwirkungen stattfinden. Ziel systemischer Gestaltung ist häufig die Verbesserung von Effektivität (Zielerreichung) und Effizienz (Ressourceneinsatz), wobei Systeme auch fehlgeleitete oder funktionsgestörte Muster entwickeln können. Bestandteile sind die beteiligten Komponenten (z. B. Personen, Prozesse, Technologien), ihre Interaktionen sowie die wirksamen Regelmechanismen. Das System beantwortet die Frage, wie das gesamte Gefüge im Zusammenspiel funktioniert.

Zusammenfassung: Diese fünf Begriffe bilden eine integrierte Grundlage für Planung und Umsetzung. Prinzipien geben die Orientierung vor, das Konzept übersetzt diese in eine tragfähige Ziel- und Vorgehensidee, die Struktur ordnet die Bestandteile, Leitlinien steuern das konkrete Handeln, und das System beschreibt das dynamische Zusammenwirken aller Elemente. Ein bewusstes Verständnis dieser Ebenen erleichtert es, Vorhaben konsistent zu entwickeln, zu steuern und weiterzuentwickeln.

Prinzipien geben die Richtung vor.
Konzepte setzen diese Richtung praktisch um.
Strukturen ordnen die Bestandteile.
Leitlinien geben die Handlungsanweisungen.
Systeme beschreiben das funktionierende Gesamtgefüge.

Prinzipien, Konzept, Struktur, Leitlinien und System werden in den 8 Inhaltspunkten des Wegonam immer wieder in einem anderen Bezug verwendet. Ihre jeweilige Bedeutung bleibt dabei immer gleich, nur ihr Zusammenhang kann sich ändern. So ist das gesamte Wegonam als System aufgebaut und stellt sich wie folgt dar:

  1. Prinzipien = Theorie
  2. Konzept = Methode, Tugenden und Lehrstufen
  3. Struktur = die 8 Inhaltspunkte
  4. Leitlinien = 88 Leitgedanken
  5. System = Wegonam

Die unten aufgeführte Einteilung richtet sich nach den Lehrstufen. Dadurch verschiebt sich die erste Position von der Theorie (das oberste Gebot = Geistigkeit der Einheit) auf die letzte lernbare Stufe, da sie das höchste Gut darstellt, auch wenn sie in der Theorie als erstes behandelt wird.

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Wegonam: Das Bild

Dieses Bild ist eine visuelle Verdichtung des Wegonams und arbeitet mit symbolischen Ebenen statt eindeutigen Aussagen. Es erklärt nichts direkt, sondern weist – wie der Weg selbst – auf Zusammenhänge hin.

Der Steinpfad, der von unten in die Tiefe des Bildes führt, steht für den individuellen Lebensweg. Er ist ein Weg, wird aber von vielen Menschen gleichzeitig begangen. Das verdeutlicht:
– Jeder geht „seinen“ Weg
– Dennoch bewegen sich alle auf derselben grundlegenden Ordnung
Der Weg ist weder gerade noch abgeschlossen – er verschwindet im Licht. Das symbolisiert, dass Erkenntnis kein Endpunkt, sondern ein fortlaufender Prozess ist.

Die Gruppe unterschiedlich wirkender Menschen repräsentiert:
Vielfalt der Individuen
– Gleichwertigkeit aller Übenden
– Keine Hierarchie, keine Meister-Schüler Trennung
– Alle blicken nach vorne, niemand steht erhöht. Erkenntnis ist hier kein Besitz, sondern gemeinsames Unterwegssein.

Das Licht in der Mitte symbolisiert:
– die Mitte
– die Leere
– das Loslösen vom „Ich“
Das Licht steht nicht als „Gottheit“ über den anderen, sondern als Zustand, den jeder erreichen kann. Das Licht entsteht nicht von außen, sondern scheint aus der Stille heraus.

Die leuchtende Acht (liegende Acht ∞), das Unendlichkeitszeichen ist eines der zentralen Symbole im Wegonam:
– Wandel ohne Anfang und Ende
– Verbindung von Gegensätzen
– Innen ↔ Außen
– Licht ↔ Schatten
Dass sie über der Szene schwebt, zeigt, dass diese Gesetzmäßigkeit unabhängig vom Menschen wirkt, übergeordnet ist und nicht gemacht wurde.

Die Landschaft aus Bergen, Wasser, Pflanzen und Himmel (Natur und Kosmos) verdeutlicht:
– Einheit von Erde und Kosmos
– Natur als Ursprung aller Ordnung
– Leben als eingebetteter Prozess, nicht als isoliertes Ereignis
Die Natur ist nicht Kulisse, sondern tragendes System, in dem der Weg überhaupt erst möglich ist.

Die Lichtführung verläuft von oben nach unten und von innen nach außen:
– Oben: kosmische Ordnung
– Mitte: Leere / Bewusstsein
– Unten: gelebtes Leben
Das zeigt: Erkenntnis fließt nicht linear, sondern zirkulär – genau wie die Acht.

Gesamtaussage: Es gibt keinen richtigen Namen, keinen festen Anfang und kein endgültiges Ziel. Es gibt nur den Weg, die Bewegung, den Wandel und die Möglichkeit, sich in der Mitte immer wieder neu auszurichten. Damit ist das Bild keine Illustration einer Lehre, sondern eine Einladung, den Weg selbst zu beschreiten.

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Wegonam: Einführung

Das Wegonam ist als offenes Lebenskonzept konzipiert und dient als Rahmen zur persönlichen Lebensgestaltung. Es richtet sich an alle Menschen, die sich mit ihrem Leben, ihrem Handeln und ihrer Haltung gegenüber sich selbst, anderen und der Welt auseinandersetzen möchten, um eine persönliche Veränderung zu erfahren. Für dieses Vorhaben bietet das Wegonam Unterstützung und verbindet dafür passende philosophische, spirituelle und praktische Elemente miteinander. Dabei wird kein spezielles Vorwissen benötigt, ebenso wenig wird eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Richtung, Lehre oder Überzeugung verlangt. Jeder ist eingeladen, das Beschriebene in seinem eigenen Tempo durchzugehen. Auch wenn bei der ersten Durchsicht oder dem Überfliegen dieser Einführung nicht alles unmittelbar schlüssig oder verständlich erscheint, werden sich weitere Zusammenhänge in den folgenden Kapiteln erschließen.

Die folgenden Abschnitte beschreiben die Grundideen des Wegonam, seine Haltung zur Individualität und seine Offenheit gegenüber unterschiedlichen Lebensentwürfen. Wegonam bietet in erster Linie eine Basis für den Umgang mit dem Hier und Jetzt und dem Zurechtfinden darin (beispielsweise, warum manches so ist, wie es ist, und was getan werden kann, um etwas zu vollbringen oder zu verändern). Es ist ein Angebot für eine allumfassende Lebensweise, die zu einer persönlichen Lebenseinstellung werden kann; zu einem Lebensweg. Vereinfacht gesagt beschreibt Wegonam einen Weg, auf dem Menschen versuchen, ihr Leben bewusst, verantwortungsvoll und im Einklang mit sich selbst, ihren Mitmenschen sowie der Natur zu gestalten. Wegonam fungiert dabei als Bindeglied zwischen diesen Bestrebungen und schöpft seine Kraft aus der Identifikation mit der Natur, aus der alles entspringt und in der alles zu finden ist. So befinden sich bildlich gesprochen auf dem Hauptweg eines Waldes die grundlegenden Begriffe und Konzepte des Wegonam mit ihren Anwendungsmöglichkeiten, die darauf warten, mitgenommen zu werden. Weitere Erklärungen, Vertiefungen und individuelle Zugänge sind am Wegesrand oder auf den Seitenwegen zu entdecken.

Zu den grundlegenden Ideen des beschriebenen Weges gehört bereits das Wort „Wegonam“ selbst. Es wird „We-go-nam“ gesprochen und bedeutet „Weg ohne Namen“ (das Wegonam, das als „Der Weg ohne Namen“ zu verstehen ist). Wegonam weist auf einen Weg hin, der nicht an bestimmte Identitäten oder Vereinigungen gebunden ist. Er symbolisiert die Idee eines unbenannten, unbekannten und zugleich universellen (allgemeinen oder auch unbestimmten) Weges, der über herkömmliches Kategoriendenken hinausgeht. Wegonam beschreibt dabei eine tiefere, möglicherweise mystische Erfahrung des Seins (der eigenen Existenz) und der Spiritualität, die auf ihm (dem Weg) gemacht werden kann. Spiritualität meint hier kein Glaubenssystem, sondern das bewusste Streben nach einem tieferen Verständnis des Lebens und des eigenen Selbst – des eigenen Erlebens im Inneren wie im Äußeren – in Verbindung mit der Welt und mit anderen Menschen.

Auch wenn für das hier aufgezeigte Konzept ursprünglich kein spezifischer Name vorgesehen war, betitelt es sich letztlich selbst als „Wegonam“, da ein gänzlich namenloses Konzept nicht vermittelbar wäre. Es bedarf einer Bezeichnung, um darüber sprechen zu können. Der Begriff „Wegonam“ ist daher als Arbeitstitel zu verstehen – als Behältnis für ein Konzept, das eine Struktur erhalten hat, um zu einem System zu werden. Dieses System umfasst eine Theorie mit Methode, grundlegende Tugenden, entwickelte Lehrstufen sowie vielseitig interpretierbare Leitgedanken. Diese Elemente dienen als Orientierungspunkte, die je nach Mensch und Lebenssituation unterschiedlich gewichtet werden können. Ergänzend beinhaltet Wegonam Programme für die Bereiche Nähren (Ernährungslehre) und Bewegen (körperliche Übungen, die mit geistigen Prozessen gekoppelt sind).

Somit ist die Lehre des Wegonam als durchstrukturiertes System aufgebaut, lässt jedoch ausreichend Raum für persönliche Interpretationen und Veränderungen durch die eigenen Erfahrungen, da alles, was geschehen kann, in der Struktur des Wegonam zu finden ist, was diese Lehre zugänglicher und anpassungsfähiger für die eigene Anwendung macht. Der bewusste Verzicht auf einen spezifischen Namen unterstützt dabei die Idee, dass Wahrheit und Verständnis nicht in starren Begriffen gefasst werden können. Wegonam ist eine Einladung, über das Gezeigte hinauszudenken und einen eigenen, individuellen Lehrweg zu entwickeln. Wegonam ist als Ort gedacht, an dem frei mit Gedanken über den Menschen und das Leben gespielt werden kann.

Allgemeine Erkenntnisse, die das Leben betreffen, stehen jedem zur freien Verfügung und sollten ebenso genutzt werden. Wegonam greift auf altbewährtes Wissen zurück und verknüpft dieses zu etwas Eigenem. Es beansprucht keine Allgemeingültigkeit und präsentiert keine abschließende Wahrheit. Nichts ist vollkommen; vieles muss angepasst, korrigiert oder „hingebastelt“ werden, damit es in ein verlangtes Schema passt – so wie etwa der Kalender mit dem Schaltjahr zur Angleichung des gregorianischen Kalenders an das astronomische Jahr. Dem Wegonam erging es bei seiner Entwicklung nicht anders. Letztlich ist nicht entscheidend, woher eine Lebenslehre stammt, sondern dass sie vorhanden ist, um genutzt werden zu können. Der Mensch weiß ja auch nicht, wo er herkommt, geschweige denn, woher das Universum kommt. Er hat Vorstellungen, Ideen und einige Naturgesetze ergründet, doch das ist auch schon alles. Daher muss jeder für sich entscheiden, welchen Lebensweg er beschreiten möchte, ohne andere damit zu belästigen oder diesen Weg dem Nachbarn aufzudrängen.

Lebenswege gibt es unendlich ∞ viele. Sie sind so reich an Zahl, wie es Menschen auf der Erde gibt, gab und geben wird. Jeder Mensch denkt anders, hat seine eigenen kombinierten Ansichten und Perspektiven sowie Bedürfnisse, und dennoch gibt es sehr viele Überschneidungen. Dies führt dazu, dass Menschen häufig einen ähnlichen Weg gehen, auch wenn sich ihre jeweilige Auslegung und Umsetzung unterscheidet. „Mein Weg kann nicht dein Weg sein, da sich zwei Körper nicht an ein und demselben Platz aufhalten können.“

„Wege gibt es viele, aber nur eine Reise, denn ihr Ziel ist immer dasselbe. Es führt zum Vergehen, um neu zu beginnen. Ein Weg ohne Anfang und niemals ein Ende in Sicht.“

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