Immer mehr Menschen verlieren sich in der Welt des Cloud-Computing. Darüber sprachen wir mit Professor Doktor Doktor Update, Leiter des WPH (Was-passiert-hier) Instituts. Von ihm erfuhren wir, dass die Menschen neuerdings bei ihren täglichen Aufgaben dermaßen unter Druck stehen, dass ein entspanntes und ruhiges Leben gar nicht mehr möglich ist. Die Hauptursache für diese missliche Lage liegt seines Erachtens in den täglich neuerscheinenden Apps sowie den Geräten. Diese beiden sind eigentlich dazu gedacht, das Leben der Menschen zu erleichtern. Doch die Wahrheit scheint das Gegenteil zu sein, bemerkte der Professor Doktor Doktor Update, ohne näher darauf einzugehen.
Er ging nahtlos dazu über und erklärte, dass sich ein weiteres Phänomen in der Gesellschaft herauskristallisiert habe, das er „Kommentierzwang“ nannte. Es geht mittlerweile schon so weit, dass unter Straßenplakaten Kommentare gekritzelt werden. Auch die Panik davor, etwas zu verpassen, zum Beispiel ein Video, ist vermehrt zu beobachten. Es herrscht Angst, aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, wenn bei einem Thema nicht mitgeredet werden kann. Der Drang, alles durch Teilen zu verbreiten, ist in den letzten Jahren ins Unermessliche angestiegen.
Äußerst bedenklich sieht Update die Entwicklung der Gerätschaften, die immer stärker die Kontrolle übernehmen. Beispielsweise bestimmt ein Kühlschrank, was gegessen werden soll und was nicht, erklärte Update, während er auf dem Display seines Smartphones emphatisch herumwischt und einem Hunde-Video einen „Daumen hoch“ gibt. Nebenbei berichtet er, dass sich die Wissenschaft diese Entwicklung nicht erklären kann. Auch über den Zeitpunkt, wann das alles begonnen hat, herrschte Unklarheit. Alles sei plötzlich da gewesen.
Wir hörten interessiert dem Professor Doktor Doktor zu, als sein Smartphone eine Melodie von sich gab und Update sogleich aufgeregt auf dem Touchscreen herumtippte und im Anschluss meinte, dass er das Gespräch unterbrechen müsse, da sein Küchenroboter sich gemeldet habe. Auf die Nachfrage, was dieser denn wollte, erwiderte Update, dass das Essen gleich fertig sei. Zudem benötigte der Kühlschrank noch Milch. »Milch«, murmelte er und meinte zu uns: »Milch trinke ich schon seit Jahren nicht mehr, aber der Kühlschrank hat das noch nicht verstanden. Ich habe schon alles versucht, aber das mit der Kühlschranksoftware funktioniert irgendwie nicht. So kaufe ich halt eine Packung pro Woche und kippe diese dann nach ein paar Tagen in den Ausguss. Auf diese Weise gibt der Kühlschrank wenigstens Ruhe und jagt mich nicht mehr nachts aus dem Haus, um Milch zu besorgen. Das Dumme dabei ist nur, dass ich zurzeit keine Milch und auch nichts anderes mehr kaufen kann, da mein Bankkonto verschwunden ist.«
Wir fragten nach dem Grund, doch diesen konnte er uns nicht nennen. Er habe schon auf verschiedenste Art versucht, es wiederherzustellen, doch vergebens. Niemand reagiert auf seine Mails und eine Hotline gibt es schon lange nicht mehr. Die Anweisungen, die er in der App Schritt für Schritt abgearbeitet hat, führten ihn nur im Kreis herum. »Naja, und langsam wird der Kühlschrank echt aggressiv, da er keine Milch mehr bekommt und droht nun zu allem Überfluss mit einer Komplettverriegelung.«
Wir verabschiedeten uns vom Professor Doktor Doktor Update und mussten ein wenig über den Spruch schmunzeln, den wir gerade auf dem Smartphone lasen und den wir sogleich mit einem Grinse-Emoji belohnten.
Geschrieben 2019
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Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten bewegten sich in einem zackigen Marsch, die Arme wurden im Rhythmus seitlich an ihren bulligen Körpern hoch und runter geschwungen. Einige von ihnen ließen rote Fahnen an Stangen im Wind wehen, in deren Mitte sich ein weißer Stern befand. Die schwarzen Ledermäntel hingen schwer an ihren Körpern, die Kragen hochgestellt und die Augen versteckt hinter dunklen Brillengläsern. Am Ende ging ein unscheinbar wirkender zierlicher Mann, dessen Körpergröße die anderen um fast zwei Kopflängen unterbot. Ein maßgeschneiderter dunkelblauer Anzug umschloss seinen Körper. Begleitet wurde er von zwei Männern, die etwas größer waren als er. An ihren beigefarbenen Uniformjacken funkelten zahlreiche Orden.
Die vordersten fünf Männer riefen nacheinander in Megaphone: »ER, der gekommen ist, uns den Weg zu weisen!« »ER, der befiehlt, damit wir folgen!« »ER, der Führer des rechten Weges!« »ER, der Herrscher über alles!« »ER, der hinter den Reihen geht!« Diese Parolen wiederholten sie, während sich die Abteilung durch Xsaxus und am Ende durch ganz Alphantis bewegten. Die Schar sorgte für großes Aufsehen und immer mehr Menschen schlossen sich ihnen an. Die Einwohner von Alphantis folgten der Prozession und wurden Teil von ihr. Dabei hatte es den Anschein, als kannten sich die neuen Besucher bestens aus, denn ihr Marsch führte direkt zum Amphitheater. Dort verteilten sich die Männer mit ihren Fahnen auf der obersten Tribüne. ER begab sich mit seinen uniformierten Begleitern zur Bühne, wo die Megafonmänner ein Rednerpult aufstellten. Währenddessen nahmen die anwesenden Bewohner von Alphantis auf der Tribüne Platz. Als alles so weit aufgebaut war, begab ER sich hinter das Pult, hob den rechten Arm und begann mit bewegendem Zeigefinger seine Worte seinem Publikum entgegenzuwerfen.
***
Die Alphantianer lauschten gespannt den Worten, die ER an sie richtete: »Meine lieben Freunde! Ich habe gehört, dass dieses Theater euer gemeinsamer Lieblingsplatz ist, drum nutze ich diesen, um zu euch zu sprechen. Ihr seid ein Volk des Wortes und des Spiels. Das begrüße ich sehr, ihr habt Verstand und macht, was gut für euch ist«, die Zuhörer nickten bestätigend und ER fuhr fort: »Daran will ich absolut nichts ändern und es spricht für euch, dass ihr allen Verführungen tapfer entgegengetreten seid. Ich bin jetzt zu euch gekommen, damit alles so bleiben kann, wie ihr es kennt. Ich und auch niemand von meinen Gefolgsleuten haben die Absicht, euch zu etwas zu überreden. Vielleicht sieht es so aus, doch es sind alles nur Vorschläge, die ihr freiwillig eingehen könnt. Ich betone: Es ist alles freiwillig, niemand wird gezwungen. Nur, und das müsst ihr mir, meine lieben Freunde, zugestehen, möchte ich gerne eure Zustimmung für meine Führungsposition. Denn ich bin der offizielle Vertreter der neuen Ordnung der Welt. Ich bin dazu auserwählt, diese umzusetzen und euch zu führen. Eine Ordnung, wie sie bereits überall herrscht. Ihr werdet ein tolles Wirtschaftssystem bekommen, ausreichend Arbeit und Geld.«
Inhaltlich wiederholte ER alles, was DIE zuvor bereits von sich gaben. Doch nur er verstand es, dass es auch bei den Menschen wirklich ankam. ER redete ohne Unterbrechung, dabei gestikulierte er wild mit seinen Armen, hob und schwenkte immer wieder mahnend den rechten Zeigefinger, den er einsetzte, wie der Dirigent seinen Taktstock. Mimik, Gestik, Stimme, alles war auf die Worte bis zur Perfektion abgestimmt. Ja, selbst die Worte sprach ER so punktgenau, dass diese eine hypnotische Wirkung entfalteten. Mal wurden die Worte langsam gesprochen, dann kamen sie kurz und knackig, Buchstaben wurden an passender Stelle gedehnt oder gerollt. So war es nicht der Inhalt, der die Menschen von Alphantis bewegte. Nein, es war die Form, der Klang, der emotionale Sog, der sich dahinter verbarg.
»Doch leider, meine Freunde, gibt es hier ein großes Übel unter euch«, er machte eine andächtige Pause, senkte leicht den Kopf und die Zuschauer hielten den Atem an. Plötzlich richtete er sich auf und es brach mit der Unterstützung seines rechten Armes aus ihm heraus: »Es ist das Übel der Rothaarigen«, erneut eine kleine Pause, »ja, ihr habt recht gehört und es ist leider so«, sein rechter Zeigefinger schwang energischer, ja geradezu drohend, »es sind die Rothaarigen unter euch, die Zwietracht säen, denn nur sie sind auf ihr eigenes Wohl bedacht. Sie sind es gewesen, die alles daran setzten, um all DIE lieben Menschen mit ihren Ideen ins Lächerliche zu ziehen. Sie haben euch blonden und dunkelhaarigen Menschen verführt, verführt dazu, Widerstand gegen DIE zu leisten. Und darum gibt es nur eine Lösung und die heißt: Vertreibung und am Ende … ich sage es ganz deutlich, meine Freunde, steht ihre Vernichtung!«
Plötzlich begannen die nicht betroffenen Menschen aufzuspringen und lauthals über die Rothaarigen zu schimpfen, zeigten auf diese und setzten sich von ihnen weg. Zu den angefeindeten gehörten auch die Geschwister Zoey und Silias mit seinem Sohn Elias. Im Gegenzug rückten die Rothaarigen angsterfüllt dichter zusammen. Nur mit Mühe und beschwichtigenden Armbewegungen schaffte ER es, die aufgebrachte Menschenmenge wieder zu beruhigen, auf dass sie ihm wieder ihre Aufmerksamkeit schenkten und sich setzten. Innerlich frohlockte er, dass ER es wieder einmal vollbracht hatte, eine Gemeinschaft in zwei Lager zu spalten. Nicht aus Böswilligkeit, es war nur zu ihrem Besten, wie alles, was er tat. So nahm er diesen Gedanken auf und sprach: »Es ist doch so, liebe Freunde, ihr wisst doch, dass ich es nur gut mit euch meine, wir stehen alle zusammen wie ein Mann und wenn ich sage, es muss so sein, dann ist das so. Und wenn ich sage, wir müssen in den Krieg ziehen, dann werden wir in den Krieg ziehen! Weil ihr ihn doch auch wollt, den absoluten Krieg gegen die Rothaarigen! Damit es zum Endfrieden kommen kann! Denn eines ist doch vollkommen klar meine Freunde«, er machte eine andächtige Pause, »ohne Krieg wird es niemals Frieden geben können! So frage ich euch, wollt ihr den absoluten Krieg gegen die Rothaarigen?« Alle jubelten. Außer den Rothaarigen. »Wollt ihr die absolute Führung?« Alle jubelten. Außer den Rothaarigen.
Die Alphantianer waren ganz im Banne von ER und allmählich verstanden sie, was ER wollte und waren begeistert. Sie hatten ihren Führer, ihren wahren Gott gefunden, den Gott der Kunst, den Gott der Bühne. Keiner übertraf sein Schauspiel, das Auftreten seines Gefolges, ihre Kleidung und ihr Gebaren. Es war die absolute Kunst. Alles, was ER von sich gab, war nicht zu überbieten. Es war alleine für die Bühne geschaffen worden, nicht für die Realität.
Nach der Kundgebung von ER mischten sich die Alphantianer wieder untereinander, lachten und umarmten sich herzlich. Beglückwünschten sich zu dem spontanem Schauspiel. Ariana hingegen machte sich auf den Weg zu ER. Als sie vor ihm stand, musterte sie ihn von oben bis unten und fragte: »Sag mal, wie heißt du eigentlich?« ER senkte den Kopf und schaute lächelnd Ariana in die blauen Augen, die aus ihrem Engelsgesicht leuchteten. ER legte seine rechte Hand auf die strohblonden Locken des Kindes und sagte mit einer streichelnden Bewegung: »Mein Name ist Albert.« »Albert … das ist ja witzig, klingt wie Albern … Onkel Albern hi, hi«, freute sich Ariana, griff nach seiner Hand und ordnete an: »Komm, lieber Onkel Albern, wir gehen Schaukeln!«
***
ER, der immer da sein wird. ER, der sich niemals ändern wird. ER, der niemals entfernt werden kann. ER, der so genommen werden muss, wie ER ist … nur eines nicht: ernst. ER kam, ER sah, ER blieb!
So wurde ER in die Gemeinschaft von Alphantis absorbiert, wie einst die Krieger. ER wurde von den Bewohnern so gelassen, wie ER war, ER schwang seine Reden auf der Bühne, auch wenn keiner da war, um ihm zuzuhören, was ihn nicht störte, solange er reden durfte. Die Alphantianer kreierten Theaterstücke, in denen ER redete und weitere Schauspieler auf der Bühne agierten in Kriegen oder inszenierten totbringende Seuchen. Einfach alles, was sich in ihrer Kiste der Bühnenkunst befand, wurde auf ER abgestimmt oder mit ihm in Verbindung gebracht. Es gab kein einziges Stück, in dem ER nicht zu sehen war. ER war immer präsent, auch wenn es nur unscheinbar im Hintergrund war. ER redete viel, doch hatte in Alphantis nichts zu sagen.
Ende der achten Alphantis-Episode, in der ER kam, um Herrscher zu werden und wurde am Ende ihr Führer – Der Führer der Kunst.
Geschrieben 2026
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Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und stürmten in Marschformation, also einer geordneten beziehungsweise strukturierten Anordnung, aus ihrem Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Sie trugen einheitliche Tarnfleckenbemusterte Kleidung, die Füße steckten in schwarzen, groben, aber dennoch auf Hochglanz polierten Schnürstiefeln und olivgrüne Stahlhelme krönten ihre Köpfe. Vor ihren Körpern hielten sie Sturmgewehre, bereit zum Anlegen.
Der Trupp rannte durch die Wohnanlage von Xsaxus, über den Marktplatz, weiter zu den umliegenden Einrichtungen bis hin zu den Feldern und Tierstätten. Sie bewegten sich unter größter Behutsamkeit, immer darauf bedacht, in Deckung gehen zu können. Doch es gab keine Veranlassung für DIE dazu, denn nirgendwo trafen sie auch nur auf eine Spur der Dorfbewohner; alles war menschenleer. Die einzigen Lebewesen, denen sie begegneten, waren die Tiere in ihren Behausungen und einiges Wild, welches sich im Wald bewegte. DIE marschierten weiter ins Landesinnere, bis plötzlich Stimmengewirr durch die Bäume drang. In Habachtstellung bewegten DIE sich weiter in Richtung des Getöses, bis sich der Wald lichtete und DIE vor dem Freilichttheater standen. Dieses schmiegte sich malerisch an den Fuß eines majestätischen Felsens, welcher eine natürliche Kulisse darstellte. Die sorgfältig geschwungene Tribüne, die von der Sonne golden angestrahlt wurden, luden die Zuschauer ein, sich in eine Welt voller Geschichten und Emotionen zu begeben.
***
Auf der Bühne schwenkten einige Schauspieler Fahnen und hielten Plakate hoch. Weitere Schauspieler warfen mit Geld um sich, und andere trugen weiße Kittel, hatten Stoff vor dem Mund und es sah so aus, als untersuchten und operierten sie Schauspieler, die Kranke simulierten. Eine andere Schauspielgruppe in schwarzen Roben schleppte einen wie ein König Gekleideten in einer Trage über die Bühne. Es herrschte ein heilloses Durcheinander, wobei die rauen Felswände die Stimmen und Geräusche der Darsteller wie ein Sprachrohr zu den Zuschauern trugen.
DIE setzten sich in Marsch und rannten die breite steinerne Treppe, welche sich zwischen den Tribünen befand, hinunter auf die Bühne. Doch noch ehe sie sich richtig positioniert hatten, sprangen das Publikum auf und eilten ebenfalls nach unten und drängten DIE so zusammen, dass diese handlungsunfähig wurden. Es war offensichtlich, dass dieser Auftritt der Ankommenden nicht zum Theaterstück gehörte. DIE schauten verwirrt und hektisch umher. Zoey bahnte sich einen Weg durch die Menge und als sie DIE erreichte, gebot sie den Bewohnern von Alphantis etwas Platz zu machen und sprach: »Besucher, seid herzlich willkommen! Wir freuen uns, euch hier in unserer Mitte begrüßen zu dürfen. Was können wir für euch tun?« »Wir … also … haben den Auftrag … wo ist eure Armee? Uns wurde gesagt, dass es hier von Widerständlern nur so wimmelt und …«, stotterten DIE, »… und hier nur noch kämpfend … etwas zu erreichen ist. Also, wir sind hierher befohlen worden, um Krieg zu machen!« »Also eins nach dem anderen!«, entgegnete Zoey, »ihr wollt also Krieg? Warum überspringen wir das nicht und ihr ergebt euch gleich?« »Was? Wir ergeben … kampflos … niemals!« »Na gut, dann ergeben wir uns eben.« »Wie? Also, so geht das nicht … oder doch? Ihr wollt euch wirklich ergeben?« »Von ganzen Herzen. Wir sind alles Widerständler, denn wir widerstehen allen Bedrohungen, die uns entgegengebracht werden. Solche, die unser persönliches und gemeinschaftliches Wohlergehen gefährden wollen.« »Doch wie macht ihr das, ohne Armee?« »Wir leisten Widerstand, indem wir uns nicht widersetzen, nicht gegenangehen, sondern alles nehmen und in die Kunst hineinspielen. Ihr habt es eben doch auf der Bühne gesehen und wo befinden wir uns gerade mit euch, die ihr Krieg führen wollt?« »Wir? Na hier auf der Bühne mit euch im Theater. Wo denn sonst?« »Richtig! Auf der Bühne. Auf der Bühne, die für den Krieg gemacht ist und wir haben uns ergeben. Und schon herrscht wieder Frieden.« »Frieden … Frieden«, jubelten die Alphantianer und umarmten DIE. »Nein, nicht so schnell! Es herrscht Krieg und da muss gekämpft werden. Krieg ist kein Volksfest. Verstanden!« »Gerne, wenn ihr wollt, können wir vorher Krieg mit euch hier auf der Bühne spielen. So wird diese zum Kriegsschauplatz.« »Aber das ist doch Blödsinn?« »Warum Blödsinn? Nur so geht Krieg!« »Nur so? Hier auf der Bühne?« »Ganz genau, ihr habt es erkannt. Denn das ist der Ort, wo der Krieg hingehört. Das Schlachtfeld ist die Bühne.« »Das ist aber nicht so ganz richtig, denn das oberste Gebot der Kriegsführung besagt, dass die Eroberung von feindlichem Gebiet, also eines Landes, immer den Endsieg bringen muss. Und nur das gibt diesem Ganzen einen Sinn.« »Erobern braucht ihr nichts, denn von wem wollt ihr was erobern? Denn was keinen Besitzer hat, kann nicht erobert werden.« »Was soll das heißen? Gehört das Land nicht euch?« »Wie kann uns Menschen Land gehören? Land, welches sich selbst gehört und alles eigenständig in Zyklen und im Fluss regelt? Es ist alles Natur und Natur kann nicht vereinnahmt werden. Wir können uns ihr nur fügen, uns ihr anpassen und bescheiden ihre Gaben annehmen. Kommt doch mit in unser Dorf und esst mit uns und findet den Frieden in euch. Denn Frieden auf Erden kann es nur geben, wenn jeder einzelne Mensch den inneren Frieden mit sich selbst gefunden hat. Lieb sein bringt Liebe hervor, mit der es keinen Krieg geben kann.«
Da trat Ariana aus der Menge in die Mitte des Kreises und sprach:
Wo Frieden wohnt im Inneren, tief und rein, strahlt er heller als alles, was je mag sein. In sanften Wellen breitet sich sein Licht, durchdringt die Welt und kennt die Grenzen nicht. Sein Glanz verbindet Herzen, nah und fern, wie ein stiller Ruf aus eines Himmels Stern. Er trägt die Hoffnung über Raum und Zeit und wächst empor in die Unendlichkeit.
***
DIE kamen mit Waffen, um zu erobern und den Weg für die vorherigen DIE zu ebnen, damit diese letztendlich doch noch ihre Ideologien durchsetzen hätten können. Doch die Einwohner von Alphantis stumpften die ihnen entgegengebrachten Gewaltversuche ab, bevor DIE handeln konnten. Die Menschen ergaben sich freiwillig und organisierten ein Fest, sodass DIE gar keine Gelegenheit bekamen, ihre Waffen einzusetzen. Die Waffen, die noch am selben Tag in die Schmiede gebracht wurden, wo sie schnellstmöglich zu nützlichen Werkzeugen und Skulpturen verarbeitet wurden.
DIE wurden, ohne dass sie es richtig realisiert hatten, in die Gemeinschaft von Alphantis aufgenommen; sie wurden von den Bewohnern regelrecht absorbiert. Ihrer Gewalt wurde mit Einladung begegnet, sie konnten ihre Waffen nicht einsetzen, es gab keine Armee, gegen die sie hätten kämpfen können. DIE erkannten, was es bedeutet zu teilen und das genug von allem vorhanden ist. DIE stellten fest, dass Kämpfe um Macht, um andere zu unterdrücken und auszubeuten, keinen Sinn in sich tragen. DIE begannen auf einmal alles zu hinterfragen, was ihnen ihr Leben lang eingebläut wurde. Bei ihnen war das Leben der Menschen so ausgerichtet, als seien sie Maschinen. Die Schulung, das Wirtschaftssystem und das Arbeiten. Selbst der menschliche Körper wurde wie eine Maschine gesehen und behandelt. Alles war durchstrukturiert von wenigen für viele. DIE mussten sich eingestehen, dass das Leben, wie es hier in Alphantis existierte, das wahre, wahrhaftige natürliche Leben sei.
DIE blieben für immer in Alphantis. Sie warnten allerdings, dass, wenn sie nicht wieder zurückkehren würden, eine weitere Bedrohung Alphantis aufsuchen würde. Denn ER wird kommen! Er, der Mächtigste, der überall seinen Willen durchsetzt. ER, der immer auftaucht, wenn alle anderen versagen. ER wird kommen, mit seinen Gefolgsleuten und einer Methode, der sich keiner widersetzen kann. ER, der hinter den Reihen geht und über allem steht.
Ende der siebten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um mit Waffengewalt die angestrebten profitorientierten Systeme durchzusetzen. Doch die Waffen schwiegen und am Ende merkten DIE, dass sie gekommen waren, um in Frieden zu bleiben.
Geschrieben 2026
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Es gibt Romane, die zu einem Film werden. Um welche Literaturverfilmung geht es wohl bei diesem Rätsel? Du kennst die Lösung … dann schreibe sie unten in die Kommentarspalte.
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Es begab sich zu jener Zeit im Raum, als die Gesellschaft in ihrer Evolution soweit vorangeschritten war, dass sie sich ausschließlich auf Arbeit, Konsum und Social Media konzentrierte. Viele Tätigkeiten wurden von Maschinen erledigt, wodurch der Mensch immer mehr Freizeit erhielt. Doch anstatt diese sinnvoll für sich zu nutzen, erfand er immer wieder neue Aufgaben ohne ersichtlichen Wert. Es ging ausschließlich darum, ihn zu beschäftigen. Nebenbei stieg die soziale Ungleichheit von Tag zu Tag. Die Macht des Stärkeren galt noch immer, doch die Mittel hatten sich geändert. Es ging nicht mehr um die alleinige körperliche Stärke, sondern die finanzielle Stärke war entscheidend. Die Menschen rannten auffallend ziellos durch die Welt, begleitet von ihrem Smartphone, welches an ihren Gesichtern klebte. Momente, die der Einzelne mit seiner Familie verbringen konnte, waren außerhalb von Social Media kaum noch vorhanden. An diesem Punkt der gesellschaftlichen Evolution erkannten einige Menschen, dass dieser Zustand nicht weiter tragbar sei. Es musste etwas geschehen, und zwar so schnell wie möglich.
Die Kritiker der herrschenden Umstände schlossen sich zunehmend zusammen und erarbeiteten Lösungen, um diese menschengemachte Lebensweise auf eine lebenswürdige Bahn zu lenken. Es ging darum, ein vollendetes Lebensglück für alle zu garantieren. Es wurde davon gesprochen, dass die Evolution der menschlichen Gesellschaft in eine Revolution gewandelt werden müsste. Es ging um die Idee, eine wirklich freie, einfachere und bequemere Welt, in der die alltäglichen Sorgen und Nöte der Vergangenheit angehörten, zu erschaffen. Die Menschen müssten zurück ins Miteinander gebracht werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde sich voll und ganz auf die Macht der Gedanken konzentriert, da durch sie alles möglich zu sein schien. Aus dieser Tatsache heraus wurde die Theorie erstellt, dass es nur in einer Welt, die sich komplett aus reinen Gedankenströmen zusammensetzt, möglich sei, eine solche Lebensweise zu erreichen. Die Chancen des Einzelnen, sich frei zu entfalten, um das Leben zu führen, das ihm vorschwebt, seien grenzenlos. Dafür galt es, den Körper zu überwinden, denn, so wurde vermutet, sei er es, der Leid und Elend auf der Welt hervorbrachte.
***
Es vergingen einige Sommer, und an einem sonnigen Frühlingstag erlangte der führende Professor auf diesem Gebiet eine Erkenntnis, die seine gesamte Forschung und sein gesamtes Vorgehen verändern sollte. An jenem Tag, als der Professor die absolute Sicherheit darüber erlangt hatte, dass alles tatsächlich so ist, wie er es entdeckt hatte, verspürte er das dringende Bedürfnis, mit seiner Frau über diese Feststellung persönlich zu sprechen. Auch wenn er ein solches Gespräch nun als überflüssig erachtete.
Nachdem der Professor seinen Mantel ausgezogen hatte und ihn an die Garderobe hängte, bewegte er sich auf seine Frau zu, die ihm auf dem Flur entgegentrat. Seine Frau kannte ihn gut genug, um an seinem Gesichtsausdruck und seinem Schweigen zu erkennen, dass etwas Außergewöhnliches geschehen war. Sanft nahm der Professor die Hand seiner Frau und führte sie in den Wintergarten. Dort trennten sich ihre Hände und die Frau setzte sich in einen der Korbsessel. Der Mann hingegen stellte sich vor die Fensterfront und schaute stumm in den Garten, welcher gerade am Erblühen war und aus Altem Neues hervorbrachte. Er beobachtete ein Eichhörnchen, welches über den grünen Rasen hüpfte, und setzte dabei seine Gedanken in eine erzählbare Reihenfolge. Als er meinte, diese gefunden zu haben, drehte er sich um und schaute seiner Frau tief in die Augen. Er begann die ersten Worte zu formen, doch kam sogleich ins Stocken. Er atmete tief durch und erklärte, dass er eine Entdeckung gemacht hatte, auf deren Grundlage die gesamte Menschheitsgeschichte neu geschrieben werden müsste.
Mit angehaltenem Atem lauschte die Frau den detaillierten Ausführungen ihres Mannes. Dieser behauptete mit ernster Miene und leicht zittriger Stimme, dass das Leben, so wie sie es kannten, in Wirklichkeit gar nicht existieren würde. Es gäbe nichts, alles sei nur eine Illusion. Das, woran er und seine Mitarbeiter schon so lange gearbeitet hatten, war bereits vorhanden. Die gesamte Menschheit war Bestandteil einer künstlichen Welt, welche sich als riesiger Cloud-Speicher offenbarte. Diese Tatsache, dass die Gesellschaft bereits in einer Cloud lebte, machte all die Bemühungen zunichte und ihre Idee, dass es in einer körperlosen Welt besser und einfacher zuginge, stellte sich als völlig falsch heraus. Wäre dem so gewesen, hätte die Welt zu diesem Zeitpunkt bereits anders ausgesehen. Nichts schien so, wie es der Traum von einer Welt aus reinen Gedanken versprach. Ein einfaches und bequemes Leben war auf diese Weise anscheinend nicht zu erreichen, denn das genaue Gegenteil war zum Vorschein getreten.
Die Frau senkte den Kopf, schaute an sich herunter, hob die Arme und verfolgte die Bewegungen mit den Augen. Sie stellte die Frage, ob das alles wirklich nicht echt sei, was sie hier sehe. Ihr Mann nickte stumm und sie murmelte, wie es denn sein könne, dass sie, wenn sie keinen realen Körper besitzt, Arthroseschmerzen in den Knien verspüre? All das seien programmierte Empfindungen, erklärte der Professor.
Nachdem die Frau ihren Schock überwunden hatte, merkte sie zuversichtlich an, dass es vielleicht doch eher eine positive als eine negative Erkenntnis sei. Schließlich habe er nur durch seine Forschung diese Feststellung gemacht. Nun müsse er eben nach einem anderen Weg zum vollendeten Glück des Lebens suchen. Vielleicht liege die wirkliche Freiheit in einem organischen biomechanischen Körper? So einen, von dem man angenommen hatte, dass ein Mensch diesen besitzen würde und eigentlich nicht benötigt werde. Es müsse eine Möglichkeit gefunden werden, die Gedanken und Empfindungen aus der Cloud herauszuleiten. Diese müssten in einen Körper aus echtem Fleisch und Blut überführt werden, in einer Umgebung aus echter Materie.
Die Frau hob einen Arm, schaute diesen an, drehte die Hand, senkte den Arm und stand auf. Sie stellte sich zu ihrem Gatten, der bereits wieder nach draußen blickte. Ihre Hand suchte die seinige, spürte die Wärme, welche sie ausstrahlte, spürte die Haut und das darunter liegende Fleisch. Plötzlich, ohne weitere Worte zu wechseln, standen sie wie versteinert da, als seien sie abgestellt worden wie Roboter oder als habe jemand den Pausen-Button eines laufenden Videos geklickt. Was am Ende blieb, war ein schwarzer Bildschirm.
Geschrieben 2019
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Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten bewegten sich in einem losen Konstrukt vorwärts. Sie trugen einheitliche dunkelgraue Anzüge mit hellgrauen Hemden und Krawatten in Anzugfarbe. Auf den Nasen steckten Brillen und auf den Köpfen trugen sie einen einheitlichen silbergrauen Kurzhaarschnitt mit Seitenscheitel. Jeder von ihnen hielt ein Notizbuch in der rechten Hand. Sie grüßten freundlich die Menschen, denen sie begegneten und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Schließlich kamen DIE an einen Baum vorbei, an dem ein kleines Mädchen durch die Luft hin und her schwang. »Guten Tag, mein liebes Kind.« »Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?« »Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und wir möchten mit eurem Präsidenten sprechen.« »Präsidenten?!«, kicherte Ariana, während sie weiter an der Baumschaukel vor und zurück pendelte, »was ist denn das?« »Na, euren Chef, der Häuptling oder wie sagt ihr zu dem, der hier das Sagen hat?« »Das Sagen hat?« »Der, der hier die Entscheidungen trifft. Der bestimmt, wo es lang geht.« »Och«, machte Ariana, sprang in der Vorwärtsbewegung im Flug von der Sitzfläche und landete vor DIE. Sie schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »ich weiß auch nicht? Wir brauchen keinen Bestimmer, das geht alles so. Jeder macht bei Entscheidungen mit.« »Wir wollen und können das nicht so recht glauben«, zweifelten DIE, »du veralberst uns doch?!« »Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?« »Aber ihr braucht doch zumindest eine Regierung, die ihr gewählt habt.« »Das verstehe ich alles nicht, am besten bringe ich euch zu Zoey, vielleicht ist die ja sowas wie unsere Regierung. Da sie zurzeit die Dorfvorsteherin ist.« »Na, meine Kleine, das ist doch schon mal ein Anfang in die richtige Richtung. Doch bevor du dieses tust, zeige uns doch bitte einmal, wie ihr hier so lebt.«
Ariana erfüllte den Wunsch von DIE und führte sie wie einst die Händler durch Xsaxus und sein Umfeld. Sie spazierten zwischen den Häusern hindurch, über den Dorfplatz, weiter zu den Spielplätzen, den Bastelstellen und den Tierunterkünften. Ariana erklärte dabei, was die Besucher zu sehen bekamen und DIE schauten sich alles genau an und machten eifrige Notizen in ihren mitgebrachten Büchern. So auch von den Schaukeln, Klettergerüsten und Baumhäusern, die sich überall in der Gegend verteilten. Hier und da sahen sie Kinder, die sich in diesen Anlagen bewegten. Die Gestaltung des Dorfes mit seinem Umfeld glich einem riesigen Freizeitpark. DIE notierten sich dieses mit der Anmerkung: Liegt eine Baugenehmigung und ein Gewerbeschein vor und wurde Gewerbesteuer abgeführt? Auf einer Lichtung beobachteten DIE eine Gruppe von Menschen, die ihre Arme und Beine kreisen und schwingen ließen, streckten und beugten ihre Gliedmaßen, der Möglichkeiten des Körpers entsprechend. Alles sah sehr weich und geschmeidig aus. »Was machen die Leute da?«, fragten DIE interessiert. »Sie spielen mit ihrem Körper.« »Interessant!«, sagten DIE und notierten: Genehmigung? Sportsteuer?
In einer Bastelstätte trafen sie auf Zoey. Ariana stellte DIE vor und erklärte Zoey, dass es hier in Alphantis anscheinend an einer Regierung fehle, »und nicht nur das«, fügten DIE hinzu, »uns ist zu Ohren gekommen, dass ihr in Alphantis nicht gerade kooperativ gegenüber Verbesserungen seid. So wollt ihr nicht den Sinn und Zweck des Handelns verstehen und euch auch nicht in sportlichen Wettkämpfen messen. Doch dieses ist Bürgerpflicht, damit das Volk beschäftigt ist. Doch nicht nur dieses, denn es lernt dabei, sich auf eine Seite zu begeben; sich für eine Seite einzusetzen. Wettkämpfe bieten einen Ausgleich zum harten Arbeitsalltag. Ein Ausgleich, der mit Brot und Spielen geschaffen wird. Aber lassen wir das fürs Erste. Wir wollen nun mit allen Bewohnern sprechen, oder vielmehr, wir haben etwas zu verkünden. Wo wäre ein passender Ort dafür?« Zoey schlug vor, sich mit den Einwohnern von Xsaxus auf dem Dorfplatz zu versammeln. »Gut, aber macht schnell, es ist sehr wichtig für euch alle und bringt bitte bei der Gelegenheit die Baugenehmigungen und Gewerbeanmeldungen für diese Fertigungsstätten mit.«
***
Auf dem Dorfplatz begannen DIE zu erklären, dass sie in erster Linie im Auftrag der Händler hier seien, um die dringend benötigte Handelsstruktur zu erstellen. Um dies zu erreichen, müssten als erstes die nötigen Zahlungsmittel eingeführt werden. Ohne diese, so betonten DIE unmissverständlich, ginge es auf keinem Fall. »Als erstes werden wir eine Bank errichten, wo ihr Kredite aufnehmen müsst, damit ihr das so dringend benötigte Geld zu eurer freien Verfügung habt. Diese Kredite werdet ihr nach und nach zurückzahlen, mit Zinsen versteht sich. Nur so kann ein gutes und stabiles Wirtschaftssystem aufgebaut werden.« »Das kennen wir bereits und haben eingesehen, dass wir dieses Geld dringend für unsere Kunst brauchen«, entgegnete Zoey spöttisch. »Seht ihr, und gerade dort liegt euer Problem. Ihr habt nicht verstanden, worum es wirklich geht.« »Doch, denn es geht immer nur um die Kunst. Geld ist für die Kunst da, in der Realität schafft das nur Probleme. Denn diese Art der Geldschöpfung funktioniert ja nur in eine Richtung«, bemerkte Silias. DIE übergingen die Bemerkung von Silias und führten fort: »Ihr braucht Geld. Basta! Denn wie wollt ihr eure zukünftigen Steuern bezahlen? Bei uns liegt nichts vor, woraus hervorgeht, dass ihr jemals Steuergelder abgeführt habt. Alleine dafür benötigt ihr Wirtschaft und Geld. Wir haben auf dem Weg hierher vieles gefunden, wofür ihr Steuern zahlen müsst.« Die Alphantianer schauten sich stumm an und bei allen stand das Wort »Steuern« mit einem Fragezeichen auf der Stirn. »Ja, Steuern und weitere Abgaben, zu denen jeder Einzelne verpflichtet ist. Doch es sind ja keine reinen Abgaben, denn immerhin bekommt ihr für alles eine Leistung zurück. So werden von den Steuern tolle Sachen gebaut, wie Schulen und ein Bürokratieapparat und wir, die Regierung, müssen ja auch finanziert werden. Ihr werdet zudem in ein Rentensystem einzahlen, auf dass ihr im Alter versorgt seid. So ist für alle Zeit sichergestellt, dass ihr nach einem harten, aber erfüllten Arbeitsleben eure letzten Jahre genießen könnt.« »Die letzten Jahre?«, riefen einige und Felina sagte: »Wir genießen jeden Tag!« und Ariana ergänzte: »Wir leben jeden Tag bewusst und machen ein schönes Erlebnis aus ihm. Darum benötigen wir keine Rente und außerdem unterstützen wir uns gegenseitig. Wir Jungen helfen den Alten und auch umgekehrt.« »So sieht es die GER, die Galaktische-Einheits-Regierung, aber nicht vor. So eine Gesellschaftsform ist rückständig.« »Rückständig?«, fragte Silias, »Wir haben einen Status erreicht, der für uns absolut ausreichend ist. Das hat nichts mit rückständig zu tun.« »So sieht es aus«, bestätigte Felina ihren Mann und fügte hinzu: »Wir führen ein gutes, gesundes und vor allem ein erfülltes Leben. Alles, was über unseren Standard hinausgehen würde, oder ihn unterschreitet, würde uns aus dem Gleichgewicht stoßen. Alles würde aus dem Lot gebracht.« »Wir leben hier in einer Gemeinschaft, alles geht Hand in Hand«, ergänzte Zoey und Felina fuhr fort: »So fühlen wir uns auch, wie eine Hand. Ohne diese enge Verbindung würde es nicht funktionieren.« »Genau, und die einzelnen Finger machen erst mit der Verbindung zur Handfläche ein Ganzes und wir schauen darauf, dass kein Finger verloren geht.« »Jeder macht hier alles, was in seinem Ermessen liegt und seinen Fähigkeiten beziehungsweise seinen Veranlagungen entspricht.« »Und dabei spielt es keine Rolle, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist … eine Frau oder ein Mann.« »Es geht hier bei uns um die Notwendigkeit der Dinge. Wenn wir diese gefunden haben, werden sie umgesetzt.« »Schön, schön!«, sagten DIE und schüttelten dabei die Köpfe und verdrehten ihre Augen. »Das lässt sich alles noch besprechen und ich bin sicher, ihr werdet bald eine andere Einstellung bekommen. Doch nun zu einem weiteren Thema, welches sehr besorgniserregend ist.« DIE machten eine andächtige Pause. »Die GGO hat uns mitgeteilt, dass es hier erhebliche gesundheitliche Mängel geben soll. Viele eurer Testergebnisse sind bei den Krankheiten, welche bei der GGO gelistet sind, positiv oder eure Werte entsprechen nicht der Norm. Bedeutet, viele von euch sind krank, ohne es zu wissen. Daher fordert die GGO dringend ein funktionierendes Gesundheitssystem. Dieses besteht daraus, dass Medikamente und Spritzen von Fachpersonal verabreicht werden, sowie lebenswichtige operative Eingriffe.« Zoey wollte gerade ansetzen, etwas dazu zu sagen, doch DIE winkten ab. »Später, wir haben noch mehr zu berichten darüber, was hier bei euch fehlt und nicht angenommen werden will. Und damit kommen wir auch schon zum Nächsten. Ein großes Problem stellt für euch anscheinend die Gottesfürchtigkeit dar, die hier in ganz Alphantis zu wünschen übriglässt.« »Wir haben Gott!«, riefen die Bewohner empört, »aber sind nicht gottesfürchtig.« »Ja, schon gut! Wir wissen Bescheid! Dennoch müssen wir euch leider sagen, dass ihr mit eurer Einstellung völlig verkehrt liegt. Denn Gott ist der Erschaffer allen Lebens und der Natur, er ist nicht die Natur.« Die Bewohner sahen sich wieder einmal kopfschüttelnd an und sprachen miteinander. »Beruhigt euch Leute, wir wissen, dass das alles ein bisschen viel auf einmal ist, aber ihr habt ja auf DIE Gesandten nicht gehört. Hättet ihr das, dann wäre hier alles so nach und nach gekommen und ihr wärt da reingewachsen. Doch nun müsst ihr den sauren Apfel essen. Denn nicht nur, dass ihr kein Sozialsystem, kein Gesundheitssystem, keine Gotteshäuser und keine Steuern zahlt, zudem gibt es auch kein Rechtssystem bei euch. Ihr seid eine gesetzlose Gesellschaft, die früher oder später im Chaos enden wird. Ihr braucht Gesetze, gerade solche, die Verbote bewirken.« »Verbote schaffen böse Taten, Gebote braucht es und diese haben wir. Wir befolgen die Gebote, so tun wir nichts Verbotenes … Verbote verbieten sich von selbst«, sprach Ariana. »Ist recht mein Kind«, gaben DIE mit einem mitleidigen Nicken zurück, »wir werden euch schon überzeugen, dass ihr auch da leider falsch liegt. Doch machen wir weiter: Denn uns ist noch etwas Gravierendes aufgefallen, also wir euer Dorf begutachteten, nämlich, dass ihr gar keine Schulen oder sonstige Bildungs- und Erziehungsstätten habt. Nicht mal die kleinste Einrichtung ist zu finden.« »Wozu sollen diese gut sein?«, fragten einige der Bewohner. »Um eure Kinder zu erziehen und ihnen beispielsweise Schreiben und Lesen beizubringen.« »Was lesen? Eure Gottesbücher vielleicht? Wir brauchen kein Schreiben, wir rechnen und messen, haben ein Zahlensystem«, sagte Silias. »Wir hörten, dass ihr hier Theater spielt, doch wie schreibt ihr eure Stücke? Wie werden sie festgehalten, damit sie immer gleich gespielt werden können?« »Die Theatervorsteher erarbeiten ein Konzept mit den Schauspielern und dann wird improvisiert. Auf diese Weise kommt dann immer etwas anderes dabei heraus … so geht Kunst!«, erklärte Felina, »Denn Kunst kann und darf nicht immer gleich sein.« »Nun gut, aber wie erzieht ihr eure Kinder und bringt ihnen etwas gezielt bei?« »In erster Linie sprechen wir Erwachsenen untereinander höflich und gerade mit den Kindern und jeder sieht von sich ab. Dann wird den Kindern dieses vorgelebt. Es wird mit den Kindern gelebt, sie sind Teil der Gemeinschaft und werden nicht getrennt behandelt. Sie bekommen alles mit, lernen beim Leben und spielen. Wir lehren und erziehen, wie ihr es nennt, durch die Beziehung, die wir zu unseren Kindern pflegen«, berichtete Zoey. »Nein, nein! Das ist kein vernünftiger Ansatz. Ihr braucht Kindergärten und Schulen, wo ihr die Kinder abgebt, damit sie nach den Richtlinien der GER erzogen werden können. Wo sie ihre richtige Bildung bekommen. In der Zeit, in der die Kinder in diesen Einrichtungen sind, können die Eltern einer vernünftigen Arbeit nachgehen. Auf diese Weise können wir für uns …», DIE räusperten sich, »also für uns und vor allem für euch, mehr Steuern einholen. Und am besten geht dies, wenn beide Elternteile arbeiten. Auf diese Weise entstehen viele Arbeitsplätze in den Kindergärten und Schulen. Hier werden die Erwachsenen Geld für ihre Erziehungsarbeit bekommen. Geld, was sie nicht bekommen würden, wenn sie zu Hause blieben. Denn so wie es zurzeit ist, hat doch niemand was davon. Wie sollen wir denn da die Steuern berechnen?« »Na eben gar nicht!«, riefen die Bewohner lachend und DIE versuchten die Leute weiter davon zu überzeugen, wie wichtig die Steuern sind. Danach gingen DIE zu einem weiteren Thema. »Zudem mussten wir feststellen, dass hier mit eurer Kunst so einiges nicht stimmt. Auf dem Weg hierher haben wir so einige Skulpturen gesehen, die unter anderem Diskriminierungen gegen einzelne Gruppen darstellen. Auf diese Weise hetzt ihr gegen den wahren Gottesglauben, gegen Arbeit, Ehrgeiz, den Gebrauch von Geld und nicht zu vergessen die lebenswichtigen Medikamenten und Spritzen. Aus diesem Grund werden wir die hetzenden Skulpturen kennzeichnen, die dann entfernt werden müssen. Ebenso verhält es sich mit euren Theaterstücken. Wir werden euch schulen, was ihr per Gesetz sagen und machen dürft. Es ist genau geregelt, was Kunst ist und was Diskriminierendes oder Hetzerisches darstellt.« »Kunst ist doch alles! Kunst macht alles«, verbesserte Ariana. »Nein, absolut nicht. Wir sehen, ihr müsst noch so einiges lernen. Darum müssen wir euch von Grund auf mit einem Regelwerk versehen, welches bis in eure Familien hineinreicht. Ihr braucht viele Gesetze für euer Leben und Handeln, die alles bis ins Kleinste berücksichtigen. Ihr müsst lernen, diese Gesetze zu befolgen und wenn ihr mitbekommt, dass sich eure Mitmenschen nicht an diese halten, dann seid ihr verpflichtet, das umgehend bei den zuständigen Stellen zu melden.« »Wir brauchen viele Gesetze? Warum viele? Wir haben Gebote, die aus unseren Tugenden erwachsen sind und leben diese. Alles andere, also was verboten ist, erschließt sich dann aus sich selbst heraus«, sprach Zoey. »Papalapap, Gesetze müssen her. Ihr braucht Gesetze, damit hier endlich Recht und Ordnung herrscht! Gesetze müssen aufgeschrieben werden. Punktum!« »Das denken wir nicht. Jeder trägt unsere Gebote in sich. Sie werden im alltäglichen Leben von den älteren auf die jüngeren übertragen«, erklärte Zoey. »Genau, und aus diesem Grund haben wir auch keinen Bedarf an Wirtschaft, Religion oder dem anderen, welches ihr uns aufdrängen wollt und für eine Regierung haben wir schon gar keinen Bedarf. Wir kommen sehr gut zurecht und es war gut so, dass wir von dem allem nichts wussten und sollten es auch schnell wieder vergessen, beziehungsweise in die Kunst abgeben, denn nur dafür ist das Zeugs gut, all das muss in die Kunst gespielt werden, damit es nicht in die Realität kommen kann«, rief Silias. »Aber so geht das wirklich nicht!«, empörten sich DIE, »Jedes Volk braucht eine Führung, eine Regierung und ein Gericht mit Richtern, damit alles seine Ordnung hat.« »Es braucht keinen Führer, wenn jeder einfach für sich und für die Gemeinschaft lebt und das Notwendige einbringt«, sagte Zoey. »Das redet ihr euch ein. Ihr braucht uns, wir sind DIE, die eure Probleme lösen!« »Was sind Probleme? Wir haben eine Methode, mit der wir seit ewiger Zeit klarkommen. Wenn wir etwas entdecken, ihr würdet wohl sagen ein Problem haben, versuchen wir die Aufgabe, die darin steckt, zu erkennen, dann verarbeiten wir dies und hinterfragen anschließend alles, um es richtig zu verstehen. Dann treffen wir gemeinsam eine Entscheidung und begleiten diese bis zum eigenständigen Entstehenlassen.« »Okay, lasst es uns anders angehen! Wenn wir es richtig verstanden haben, habt ihr doch auch Leute in Ämtern, wie Dorfvorsteher, wie wird man das?« »Einmal im Jahr wird gefragt, wer den Posten übernehmen will, und dann entscheidet das Los. Der Dorfvorsteher ist Ansprechpartner dafür, was bei der wöchentlichen Versammlung besprochen werden soll. Dort werden über die Dinge abgestimmt. Jeder kann daran teilnehmen«, erklärte Felina. »Wer gewählt ist, hat dann also eine leitende Vermittlerposition.« »Ja, wenn ihr es so sagen wollt!« »Und genau das sind auch wir, wir sind das Sprachrohr, die Vermittler, für die Interessen der entsprechenden Einrichtungen, welche bereits hier bei euch gewesen sind. Und das Gute daran ist, ihr müsst uns nicht so in der Gruppierung akzeptieren, wie wir hier vor euch stehen. Nein, ihr könnt wählen und eine Wahl zu haben ist doch besser als ein Los. Das ist wahre Demokratie, alles andere ist demokratiefeindlich, wie euer Losverfahren.« »Wieso sollen wir etwas wählen? Alles, was wir hier haben, ist doch da und braucht nicht gewählt werden. Jeder weiß, was notwendig ist zu tun, da müssen wir doch keinen wählen, der uns das sagt.« »Ihr dürft dann auch demonstrieren, wenn ihr meint, dass euch Ungerechtigkeit widerfährt. Ihr dürft sagen, was ihr wollt. Es herrscht schließlich Meinungsfreiheit! Und nun Schluss mit der Debatte! Wir werden morgen die erste offizielle geheime Wahl abhalten, bei der jeder seine Stimme abgibt.« DIE betonten das Ende besonders deutlich und sprachen weiter: »Ihr bekommt fünf Parteien zur Auswahl. Diese werden vorher ihre Programme vorstellen. Jeder ist eingeladen mitzumachen und wer will, kann in eine Partei eintreten. Auf diese Weise werdet ihr eins mit uns und nach und nach werdet ihr dann unsere Meinungen annehmen … also, äh werden wir unsere und eure Meinungen austauschen … also in einen Meinungsaustausch gehen!«
***
Am nächsten Tag geschah es wie angekündigt. Die ersten offiziellen Wahlen sollten in Xsaxus stattfinden. Es war sozusagen ein Probelauf für ganz Alphantis. Die einzelnen Parteienmitglieder schwenkten ihre Fahnen und hielten Plakate mit Sprüchen hoch, die da beispielsweise lauteten: Für ein fortschrittliches Land! Vernunft und Menschlichkeit! Zuversicht, nur mit uns! Wir machen das! Wohlstand und Sicherheit! Zudem wurden wie angekündigt die einzelnen Parteiprogramme vorgetragen. Doch die Bewohner hörten gar nicht hin, sie begannen die tristen grauen Anzüge der DIE mit Herzen und Blumen zu bemalen, machten Knoten in ihre Krawatten, setzten ihnen Strohhüte auf oder veränderten ihre Frisuren. Ohne sich davon beeindrucken zu lassen, redeten DIE ohne Unterbrechung weiter. Doch als ihnen ihre Notizbücher genommen wurden, war es zu viel für DIE. »Ihr werdet schon sehen, was ihr von eurer Verweigerung habt. Wenn ihr nicht hören wollt, dann werdet ihr es spüren. Ihr werdet sehen, was ihr davon habt, jetzt kann euch keiner mehr helfen, denn ihr werdet Besuch bekommen. Das versprechen wir euch.«
Ende der sechsten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein profitorientiertes Regierungssystem zu bringen.
Geschrieben 2026
Mehr zu Alphantis und der -tis Trilogie gibt es hier.
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Es ist eine unbestrittene und indiskutable Tatsache, dass Millionen von Menschen – trotz ihrer Kritiker – sich täglich an menschengemachtem Klimawandel erfreuen. Denn es ist wissenschaftlich und aus ärztlicher Sicht erwiesen, dass dieser Wandel die Gesundheit fördert und pure Entspannung bietet. Die Anhänger des gewollten Klimawandels wissen eben, was gut ist und wollen mindestens einmal in der Woche den Klimawandel am eigenen Leibe spüren. Dieses wohlwollende und behagliche Gefühl von Hitze und dem prasselnden, kalten Wasser danach. Dieser Regenschwall, der einem überkommt und alles unter den Füßen wegspült.
Hier ein Statement von Professor Doktor Doktor Saunaris: »Ich würde jedem raten, sich mindestens einmal in der Woche diesem Klimawandel auszusetzen. Anfangs ist es etwas gewöhnungsbedürftig, die Hitze auszuhalten und das Gefühl zu ertragen, wenn der Schweiß aus allen Poren dringt. Doch nach etwa fünfzehn Minuten ist das dann auch schon wieder vorbei und man begibt sich in einen Eisraum, wo man sich die verdiente Abkühlung gönnt, danach eine kalte Dusche und ab ins Tauchbecken. Zum Abschluss ein warmes Fußbad und der Klimawandel, den man bei einem Saunagang erlebt, ist vollendet. Nach einer Pause geht es dann in eine weitere Runde.«
Geschrieben 2019
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Aussagen für Frieden, Gewissen und Eigenverantwortung. Es geht um die Wichtigkeit verantwortungsbewusster Entscheidungen. Ein Aufruf zu Besonnenheit und weitsichtigem Denken. Jeder Mensch kann durch seine Handlungen zu einem friedlichen Zusammenleben beitragen.
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Seht ein, dass es sinnvoller ist, Wasser in Flaschen zu füllen als Pulver in Geschosse – es ist gar nicht so schwer!
Seht ein, dass jede Gewalttat die Saat weiterer Gewalt in sich trägt – es ist gar nicht so schwer!
Seht ein, dass euer Leben zu kostbar ist, um euch in einen Krieg treiben zu lassen – es ist gar nicht so schwer!
Seht ein, dass eure Kinder niemals ihr Leben für ihre Eltern und Großeltern opfern dürfen – es ist gar nicht so schwer!
Seht ein, dass jene, die Kriege befehlen, nicht selbst den Abzug betätigen – es ist gar nicht so schwer!
Seht ein, dass ein Befehl das Morden niemals rechtfertigt – es ist gar nicht so schwer!
Seht ein, dass eure Befehlshaber in weiche Kissen sinken, während ihr im Sumpf versinkt – es ist gar nicht so schwer!
Sieh ein und lass nicht zu, dass ein anderer Mensch sich töten lässt, damit du leben kannst – es ist gar nicht so schwer!
Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Einige Außerphantisten schritten in weißen Gewändern mit bestickten, in Gold gehaltenen Ornamenten den Hauptweg entlang. In ihren Händen hielten sie Stangen mit Fahnen, auf denen ebenfalls Symbole zu erkennen waren. Hinter ihnen gingen zwölf weitere Personen in schwarzen Roben, von denen jeweils vier eine Sänfte trugen. In diesen thronte jeweils eine Person, die auf Samt gebettet, in Seide gewandet und mit Gold beschmückt war. Die Besucher grüßten freundlich die Menschen, denen sie begegneten und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Schließlich lief den Fremden ein Mädchen über den Weg, und die Besucher hielten es an: »Guten Tag, mein liebes Kind«, entgegnete die Person aus der ersten Sänfte. »Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?«, erwiderte die Kleine und legte dabei den Kopf soweit nach hinten, wie sie konnte, um den Menschen hoch oben ansehen zu können. »Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und wir möchten gerne eure Gotteshäuser und Tempel besichtigen. Wo befinden sich diese?« »Sowas haben wir nicht, was soll das sein?« »Das sind Stätten, wo man Gott preiset«. »Ach so, jetzt verstehe ich, was ihr meint. Also, dafür haben wir keine extra Häuser und auch keine Tempel, denn Gott ist überall. Gott ist der Wald, jeder Baum, jeder Strauch. Gott ist in uns, um uns, mit uns. Das ist alles eins. Der All-Geist. Gott ist Geist und Natur, Natur ist Liebe und wir sind Liebe und somit sind wir alle Gott«, erklärte Ariana. »Nein, nein, was redest du da, mein liebes Kind!«, drang eine empörte Stimme Ariana von oben entgegen, »Gott ist doch nicht Natur, Gott ist der Erschaffer der Welt, der, der die Natur gemacht hat und leitet. Was du da erzählst ist Narrenkram.« »Narrenkram?« »Ja, Narrenkram! Habt ihr denn keine Priester, die euch den richtigen Gottesglauben beigebracht haben?« »Och«, machte Ariana, schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »solche Leute haben wir nicht.« »Ihr müsst doch zumindest einen Priester haben, der euch den rechten Weg weist.« »Was ist der rechte Weg?« »Eben, wenn ihr keinen Priester habt, dann braucht ihr dringend jemanden und ihr habt Glück, dass wir vorbeigekommen sind. Das hätte sonst schlimm mit euch geendet.« »Das ist merkwürdig, denn auch ohne wegweisenden Priester finden wir immer den richtigen Weg.« »Wir wollen und können das nicht so recht glauben«, zweifelten DIE, »du veralberst uns doch?!« »Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?« »Aber ihr braucht doch eine Führung für den echten und wahren Glauben. Damit ihr gesagt bekommt, wie ihr ein gottesfürchtiges Leben führen könnt.« »Wieso sollen wir Gott, also die Natur fürchten, dann müssten wir uns ja auch vor uns fürchten, denn wir sind Teil der Natur, also auch Gottes!« »Das ist ja Blasphemie!«, schrien DIE, »der Mensch ist nicht Teil Gottes, er ist die Schöpfung Gottes und steht über der Natur, die er sich untertan machen soll.« »So ist das also …« »So und nicht anders! Der Mensch trägt große Verantwortung und dieses birgt natürlich Gefahren in sich, die Gefahr der Sünde und um dieser Gefahr zu entkommen, braucht ihr jemanden, der eure Sünden vergeben kann.« »Sünden? Die brauchen doch nicht vergeben zu werden, da wir sowas hier nicht haben?« »Ihr sündigt nicht? Wie könnt ihr das wissen ohne einen geistlichen Führer?«
***
Schnell hatte sich das Ankommen weiterer DIE im Dorf rumgesprochen und es wurde gemunkelt, dass diese etwas ganz Besonderes seien. Denn DIE brachten den wahren Gottesglauben mit, der nötig sei, um den rechten Weg zu finden, damit Sünden vergeben werden können. DIE luden die Bewohner auf den Dorfplatz von Xsaxus ein, um ihnen den wahren Glauben näherzubringen. Als die Alphantianer das hörten, beendeten sie ihr Spielen und Basteln und kamen neugierig zum Ortskern.
Gerade als Ariana mit ihrer Familie hinzukam, waren DIE dabei zu erklären, dass es wichtig sei zu verstehen, wo der Mensch herkommt und was seine Aufgabe, sowie Position im Leben und der Welt ist. »All das und noch mehr steht in diesem Buch der Bücher«, erklärten DIE und hielten ein dickes, in schwarzem Leder gebundenes Buch hoch. »Ein Buch? Woher bekommen wir es?«, fragte Silias sogleich. »Das müsst ihr bei uns kaufen.« »Aber wozu, wir können doch gar nichts damit anfangen. Wir kennen die Zeichen darin nicht«, bemerkte Felina. »Das macht überhaupt nichts, wichtig ist, dass ihr es habt. Alles andere bringen wir euch später bei. Denn alleine der Besitz gibt euch den rechten Glauben. Und damit ihr wisst, was darin steht, werden wir euch einige Passagen daraus wiedergeben.«
So sprachen DIE von einem demütigen Leben, welches geführt werden sollte. Menschen müssen Gott und seinen erdischen Vertretern dienen. Danach dürfen sie an sich denken und sich untereinander unterstützen. Der Mensch muss redlich und bescheiden leben, sagten DIE, während die Sonne auf das Goldgeschmeide traf, welches DIE um den Hals hing, und in den Brillantringen funkelte. »Aber so leben wird doch«, rief Ariana, »also bis auf das Dienen der Vertreter. Wir haben Demut dem Leben und der Natur gegenüber. Wir leben in Mäßigung und Ehrlichkeit, haben Respekt vor allem und jedem. Leben Gerechtigkeit, halten Treue und haben eine gelassene Grundeinstellung, sowie einen starken Glauben an den Energiefluss des Lebens, mit seiner Geistigkeit der Einheit. Durch sie ist alles in Bewegung und die Gegensätze, die gebraucht werden, bringt die Welt in Ausgleich. Dinge ziehen sich an und alles hat eine Ursache. Das Schreiten der Welt spielt sich in Mustern und Zyklen ab. Wir handeln bewusst, damit sich alles zum Guten wandeln kann.« Felina lächelte ihrer Tochter zu und DIE winkten ab: »Das ist ja alles schön und gut … dennoch lebt ihr in Sünde!« »Wie das?«, fragte Felina stirnrunzelnd. »Na, alleine, dass ihr unseren Glauben nicht angehört, ist schon eine Sünde! So steht geschrieben: Wer nicht an mich, den allmächtigen Gott und meine Stellvertreter auf Erden glaubt, lebt in Sünde! Und wer in Sünde lebt, wird im Feuer der Hölle brennen.« Die Bewohner schauten sich mit verschreckten Augen an. Auch wenn sie nicht wussten, was die Hölle sein sollte, so hörte sich – brennen – gar nicht gut an. »Aber seid beruhigt, wir sind schließlich da, um euch zu erretten. Denn der Sünder kann sich von der Hölle freihandeln. Er muss lediglich den Herren preisen, einen Vergebungsschein kaufen und sich mit Leib und Seele zu ihm, dem allmächtigen Gott, bekennt.« »Seid ihr etwa auch Händler, denn es kommt mir so vor, als ginge es auch euch immer darum, etwas zu verkaufen?«, fragte Silias, »erst das Buch, nun diese Scheine.« »Wir sind keine Händler, alleine diese Unterstellung ist bereits eine Sünde und verlangt nach Buße.« »Aber wir haben kein Geld.« »Wir werden schon etwas finden, was als Ersatz dienen könnte, um Gott gnädig zu stimmen.« »Na, wenn das so ist, dann haben wir ja Glück«, entgegnete Zoey und je mehr DIE von ihrem Glauben erzählten, umso interessierter wurden die Alphantianer, schauten sich immer wieder zustimmend an und nickten sich zu. Allmählich verstanden sie und waren sich einig. Sie begannen im Chor zu rufen: »Ja, lobet den Herren! Das ist eine tolle Sache, das gefällt uns.« »Ja, sowas haben wir gebraucht.« »Da lässt sich was Tolles draus machen!«
***
Zoey zog aus und schaffte es, die umliegenden Dörfer für diesen neuen Ein-Gott-Glauben zu begeistern. Dafür wurde beschlossen, das Amphitheater so herzurichten, dass es als Gotteshaus dienlich sein würde. Das Theater lag im Zentrum von Alphantis und war gut von allen Dörfern aus zu erreichen. DIE hielten es für eine perfekte Übergangslösung, bis ein großes Gotteshaus gebaut werden würde. DIE unterstützten die Bewohner bei ihrer Tätigkeit. Sie zeigten, wie ein Altar auszusehen hat und holten einige Gottesstatuen aus ihrem Flugschiff und verteilten sie auf der Bühne. Nach ein paar Tagen war es so weit. Kein Platz im Theater blieb am ersten Gottesdienst frei. Dieser begann damit, dass DIE verkündeten, warum der Mensch auf der Welt ist und was er zu leisten hat. Im weiteren Verlauf wurde alles aufgezählt, was laut Gottes Buch Sünde sei. Bis plötzlich einige Alphantianer die Bühne betraten.
Wie es die alphantische Theaterkunst verlangte, improvisierten sie das ganze widersprüchliche Verhalten der DIE. Die Schauspieler in ihren Rollen als Priester oben auf den Sänften predigten ein bescheidenes, demütiges Leben zu führen und machten das Gegenteil. Von oben blickten sie auf ihre Untertanen herab, die nicht aufhörten, sich gottesfürchtig zu verneigen. Die Priesterschauspieler ließen verlauten, dass jedes Volk eine göttliche Führung benötigt und für diese Aufgabe seien sie von Gott auserwählt. Dazu gehört, dass ihnen gegenüber den normalen Menschen eine andere Behandlung zustehe; sie hätten Privilegien.
Die Schauspieler stiegen von ihren Sänften herab, begaben sich unter das einfache Volk und riefen lauthals: »Preiset dem Herren, dem allmächtigen Gott.« Nebenbei sammelten sie Gelder ein und verteilten Vergebungsscheine gegen Bezahlung. Gerne auch im Vorfeld, so hatte dann der Erwerber eine Sünde frei. Das Publikum begann Beifall zu klatschen. Das offenkundige widersprüchliche Verhalten machte es unmöglich zu glauben, dass DIE es ernst mit ihrem Glauben und dem, was sie von sich gaben, meinten.
Aber das sollte noch nicht alles sein. Des Weiteren ging es in dem Theaterstück um einen Ort, der Hölle genannt wurde und einen Teufel, der dort anscheinend das Sagen hatte. Die Schauspieler sündigten und wurden letztendlich unter Peitschenschlägen dem Teufel vorgeführt. Die Menschen starben qualvoll im Fegefeuer. Menschen wurden umgebracht, weil sie den Glauben an den Ein-Gott nicht annehmen wollten.
***
DIE waren entsetzt und rannten davon. Sie fühlten sich hintergangen. Sie wurden zum Narren gehalten. Doch DIE erkannten nicht, dass es den Alphantianern ernst mit der Aufführung war. Dies war ihre Art, Dinge, die sie nicht so recht verstanden und für nicht wirklich nützlich empfanden, in die Kunst zu bringen. Gerade wenn ihr Gespür ihnen mitteilt, dass es sich sehr wahrscheinlich um etwas handelt, was auf lange Sicht Unheil verbreitet, auch wenn es den Anschein hatte, dass der Kerngedanke etwas Gutes verbarg.
Wutschnaubend stampften DIE zu ihrem Flugschiff und hoben dabei drohend die Arme: »Das werdet ihr bereuen, ihr werdet schon sehen, wo ihr bei eurer Lebenseinstellung landen werdet. Das wird ein Nachspiel haben.« Nach diesem Abschied wurden DIE in Alphantis nie wieder gesichtet. Doch ihr Ein-Gott-Glaube blieb auf der Bühne von Alphantis auf ewig erhalten. Immer wieder wurden diese Elemente in der Kunst verarbeitet. Ihre Kunst war in ihrem Tun zu finden. Alles war für sie Kunst. Kunst ist spielen, egal ob auf der Bühne, dem Feld oder in den Bastelstätten.
Ende der fünften Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein profitorientiertes Glaubenssystem zu bringen.
Geschrieben 2026
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