Alle Beiträge von Noxi

Alle nennen mich Noxi und ich bin für die Öffentlichkeitsarbeit vom Noxlupus-Verlag verantwortlich.

Noxi Wort 003

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Kurzgeschichte – Entfremdung

Es war einmal in der Krähengasse, in der die Anwohner friedlich, freundlich und freudig gemeinschaftlich lebten. Die Sorgen und Nöte des Einzelnen wurden miteinander gelöst. Im Sommer traf man sich in den Gärten zum Grillen mit anschließendem Lagerfeuer. Die Wintermonate verbrachte die Gemeinschaft mit Spieleabenden bei Ofenwärme und Kerzenschein. Man half sich gegenseitig bei der Instandhaltung der Häuser und den Außenanlagen. Wer krank war, dessen Familie wurde bei den Einkäufen und den anfallenden Hausarbeiten unterstützt.

Es war Anfang Juli und das alljährliche Sommerfest stand vor der Tür, welches immer am dritten Juliwochenende stattfand. Dieses Fest wurde von allen gemeinsam geplant und ausgerichtet. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass es für alle Zeiten das letzte Sommerfest in der Krähengasse sein sollte.

Am dritten Wochenende im Juli zeigte sich die Sonne wie all die Jahre zuvor den gut gelaunten Bewohnern der Krähengasse bis in die späten Abendstunden freundlich. Am Freitag wurden die Tische und Bänke aufgebaut sowie die Grills im Wendehammer der Sackgasse aufgestellt. Die Carports wurden mit Girlanden und bunten Lichterketten geschmückt. Das Puppentheater für die Kleinen wurde vorbereitet sowie die Spieleolympiade für die etwas Größeren hergerichtet, bei der neben weiteren Spielen die Hauptdisziplinen aus Sackhüpfen, Eierlaufen und dem Schubkarrenrennen bestanden. Die frischen Lebensmittel wurden vom Markt besorgt und das vorbestellte Grillfleisch vom Schlachter abgeholt. Nudel-, Kartoffel-, Kraut- und grüner Salat wurden vorbereitet. Die Kinder tobten und liebten es, den Erwachsenen mal mehr, mal weniger bei den Vorbereitungen zu helfen.

Am Samstagabend, die Kleinen waren schon in ihren Betten, um sich von den Strapazen des Festtages zu erholen, erzählte E., dass die ganze Familie seit neuestem an Engel glaubt und im Keller habe man einen Raum, in dem den Engeln gehuldigt wird. E. erklärte weiter, dass Engel die Welt erschaffen haben und diese nun vor allem Übel beschützen. Die Freunde lauschten mit offenen Augen und Mündern. »Oh, ja, das klingt glaubhaft, was du uns da erzählst.« Und drei weitere Familien bestätigten, dass auch sie den Englein in tiefster Demut ergeben sind, ja, dass die Engel mit ihnen kommunizieren und auch sie hätten ein Zimmer, welches sie als »Kirche der Engel« bezeichneten.
Noch an jenem Abend verbreitete sich der Engelsglaube in der gesamten Krähengasse, bis auf wenige Ausnahmen, denn ein paar Familien waren diesem Glauben gegenüber skeptisch eingestellt. Doch sie schwiegen fürs Erste.

Am darauffolgenden Tag gab es zum Abschluss des Sommerfestes die traditionelle Kaffeetafel. Neben den Torten und dem reichhaltigen Kuchenangebot stand in diesem Jahr sogar ein Eiswagen für die Kinder bereit. An diesem Tag gab es für die Bewohner der Krähengasse nur ein Thema – die Engel. Es wurde in erster Linie darüber gesprochen, dass es ein Buch geben müsste, wo der Glaube an die Engel genau festgehalten beziehungsweise wo ein einheitliches Verhalten im Glauben an die Engel aufgeführt sei. E. wurde auserwählt, dieses heilige Werk niederzuschreiben, da E., nach Ansicht der anderen, das meiste Wissen über Engel besaß. Der Straßenname sollte von »Krähengasse« in »Engelsgasse« umbenannt werden. Zudem sollte am Anfang der Straße jeweils zu beiden Seiten eine Engelsfigur aufgestellt werden. Die anfallenden Kosten würden dann von allen Anwohnern zu gleichen Teilen getragen werden.

Das wurde nun doch für die Skeptiker zu viel und T. meldete sich stellvertretend für die anderen zu Wort und widersprach diesem Vorhaben. Denn wenn überhaupt, dann sollte die Straße in »Teufelsgasse« umbenannt werden und zwei Teufelsstatuen sollten den Straßeneingang zieren. Es gäbe schließlich einige Familien, die so gar nicht an die Englein glauben wollten, sondern der Überzeugung waren, der wahre Glaube könne nur an den Teufel gerichtet werden. Denn schließlich war dieser es, der alles auf Erden erschaffen hat und letztendlich alles in die richtigen Bahnen lenkt. T. lud die Engler ein, sich den Teufelsschrein im Hause der Familie T. anzusehen. Als die Engler dessen Altar sahen, waren sie entsetzt und betrachteten diesen sprachlos.

Am späten Nachmittag fand der Rückbau der Festivitäten statt. Dies verlief nicht wie gewohnt in der üblichen Heiterkeit, sondern es kristallisierten sich zwei Parteien heraus, von denen die einen plötzlich nicht mehr mit diesen oder jenen Anwohnern zusammenarbeiten wollten. Es wurde sich misstrauisch beobachtet und nur innerhalb der Gruppe getuschelt.

So sollte es auch von nun an in der Krähengasse weitergehen. Geholfen wurde sich nur noch untereinander in den Gruppen der Engler sowie der Teufler. Engler grüßten keine Teufler mehr und umgekehrt. Den Kindern wurde verboten, mit den Freunden aus der anderen Gruppierung zu spielen. Ja, geradezu gegeneinander aufgehetzt wurden sie, und es kam zu Prügeleien unter den Heranwachsenden, wo es zumeist darum ging, dass der eine Glaube der richtige und bessere sei als der andere.

Einige Familien hielten es nicht mehr aus und verließen ihre Häuser. Diese blieben nicht lange leer und jede Partei versuchte sofort, die neuen Anwohner für sich und ihren Glauben zu gewinnen. Doch womit weder die Engler noch die Teufler gerechnet hatten, war die Tatsache, dass einige Neue ihren eigenen Glauben mitbrachten. Den Glauben an die Geister, bei dem es darum ging, dass aus den verstorbenen Ahnen das neue Leben entsteht und diese Vorfahren das Leben der Familien beschützen und dirigieren.

Es herrschte ein ständiges Ziehen und Zerren unter den Anwohnern, alle waren damit beschäftigt, die eine oder andere Familie auf ihre Seite zu bringen. Es gab keine anderen Themen mehr und Zeit für anderes war nicht mehr vorhanden. Keine gemeinsamen Grill- oder Spieleabende mehr. Dringende Reparaturarbeiten an den Häusern wurden vernachlässigt und die Gärten verwilderten.

Es war ein regnerischer Sommertag, zu dem sich ein starkes Gewitter gesellte. Früh wurde es dunkel und in den Häusern der Krähengasse blieben die Rollläden verschlossen … an diesem dritten Wochenende im Juli.

Geschrieben 2019

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Alphantis – Episode 4

Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst

Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und stürmten aus ihrem Raumfahrzeug, um sich sogleich aufgeregt alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten trugen weiße Overalls, die Gesichter waren hinter Masken und Schutzbrillen versteckt. Die Hände wurden in milchfarbenen Gummihandschuhen versteckt. Sie waren sehr darauf bedacht, einen großen Abstand zu den Menschen, denen sie begegneten, zu halten, auch wenn diese lächelnd die Hände hoben und ihnen zuwinkten. Schließlich lief den Fremden ein Mädchen über den Weg, und die Besucher hielten es aus sicherer Entfernung an: »Guten Tag, mein liebes Kind.«
»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid ihr und wieso seid ihr so komisch angezogen?«
»Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und unsere Kleidung dient uns zum Schutz. Wir sind gekommen, euch von schlimmen Krankheiten zu heilen und vor solchen zu bewahren. Aus diesem Grund möchten wir gerne eure Krankenhäuser aufsuchen.«
»Krankenhäuser … sowas haben wir nicht, was soll das sein?«
»Ein Krankenhaus ist ein Gebäude, wo Kranke gemacht werden,« DIE räusperten sich, »also Kranke gesund gemacht werden.«
»Dann ist jedes Haus hier ein Krankenhaus, denn wenn jemand krank ist, bleibt er zu Hause und wir alle versuchen zu helfen.«
»Habt ihr denn Ärzte?«
»Och«, machte Ariana, schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »ich weiß nicht? Also vielleicht sind ja meine Mutti und Zoey die Ärzte, denn die werden immer als erstes gefragt, was bei Kranken zu tun ist. Sie haben dann Kräuter, Salben und Tinkturen bei sich, die helfen. Ist es aber eine böse Krankheit, nehmen wir diese an und hören auf unseren Körper.«
»Also keine richtigen wissenschaftlichen gut ausgebildeten Ärzte? Wir wollen und können das nicht so recht glauben«, zweifelten DIE, »du veralberst uns doch?!«
»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«
»Aber ihr braucht doch Ärzte, die euch die Medikamente und Spritzen für eine schnelle Genesung verabreichen. Auf dass ihr möglichst schnell wieder zur Arbeit könnt.«
Schon wieder dieses Wort »Arbeit«, dachte Ariana genervt.

***

Einmal mehr brachte Ariana DIE zu ihren Eltern. Zögerlich nahmen DIE ihre Masken und Brillen ab. DIE erklärten, dass sie als GGO, der Galaktischen-Gesundheits-Organisation, alle Länder nach Krankheiten, speziell nach Krankheitserreger untersuchen müssen. Um dies auch in Alphantis zu können, benötigten sie zuvor die Krankenversicherungsnummern der Bewohner, damit später alles korrekt abgerechnet werden kann.
»Jetzt auch noch eine Versicherung gegen Krankheiten? Nicht nur gegen Brand und Diebstahl?«, murmelte Silias. Das klang für ihn und Felina alles sehr merkwürdig. Sie schickten Ariana mit ihrem Bruder Elias los, um Zoey zu holen, als Dorfratsvorsitzende hatte sie vielleicht mehr Kenntnisse darüber, was das mit der GGO und der Versicherung gegen Krankheit auf sich hat.

Zoey war nicht minder erstaunt über das Anliegen der GGO und nachdem sie sich alles angehört hatte, was DIE zu sagen hatten, besprach Zoey sich im Gremium. Dieses stellte fest, dass in der letzten Zeit so einige merkwürdige DIE hier in Alphantis gelandet seien, doch diese DIE waren die bizarrsten, alleine durch ihre Kleidung und ihr Auftreten. Sie unterschieden sich bei weitem von den anderen und es wurde beschlossen, dass DIE von der GGO das machen sollten, was sie mussten, damit sie möglichst schnell wieder verschwinden würden.

***

So packten DIE mit voller Begeisterung eine Menge Gerätschaften aus und die Bewohner schauten sich alles genau an. Die Körper der Alphantianer wurden mit Lichtmaschinen durchleuchtet und Blut sowie Speichel und Ausscheidungsprodukte wurden zu Testzwecken abgenommen. Als die Untersuchungen vorüber waren, verkündeten DIE die Testergebnisse, die laut Verordnung der GGO fast alle positiv waren. Für die Alphantianer hörte sich das zunächst gut an und sie waren beruhigt. Doch dann erklärten DIE mit trauriger Mine, was das mit dem positiv auf sich hatte:
»Es tut uns sehr leid, aber das ganze Dorf hat diverse Krankheiten und Infektionen, viele Werte liegen über der Normskala.«
Die Dorfbewohner schauten sich an und waren entsetzt, dann lachten sie.
»Also positiv ist negativ …«, scherzte einer der Bewohner.
»Wenn ich krank bin, dann möchte ich nicht wissen, wie fit ich mich fühle, wenn ich gesund bin!«, fügte ein weiterer grinsend hinzu.
»Ja, und ich erst. Oh, jetzt, wo ich weiß, dass ich krank bin, fühle ich mich auch ganz mies«, rief eine Frau lachend.
»Das ist nicht zum Lachen«, ermahnten DIE und hoben ihre Hände, um sie im Takt ihrer Worte mitschwingen zu lassen. »Das ist ernst! Die Daten lügen nicht. Ihr seid alle krank und mit den verschiedensten Mikroorganismen infiziert. Ihr müsst euch eurem Schicksal ergeben. Denn ob jemand gesund ist, das können nur wir von der GGO, anhand der Tests sagen. Denn für eine Krankheit ist nicht das körperliche Befinden entscheidend, allein die Tests und Werte sind entscheidend. Wir sind per Gesetz verpflichtet, eure Krankheiten zu heilen, damit auch ihr als gesund eingestuft werden könnt. Darum haben wir spezielle Medikamente für jede Krankheit und Spritzen, die zur Vorbeugung genommen werden müssen. Auch Desinfektionsmittel werdet ihr von uns reichlich bekommen, womit ihr alles schön saubermachen müsst und vor allem eure Hände.«
»Aber was sind das für Medikamente und Spritzen? Haben diese Nebenwirkungen?«, wollte Zoey wissen und als Antwort kam ein zackiges »Nein!«
»Wirklich nicht?«, hakte Felina nach.
»Sowas gibt es nicht. Niemals! Darüber braucht nicht gesprochen zu werden, da es das nicht gibt und jeder, der sowas behauptet, ist verdächtigt. Alles ist auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und mit Studien belegt. Da wird nichts dem Zufall überlassen.«
»Na dann ist ja gut!«, zwinkerte Zoey zu Felina rüber.
»Und dann sollen wir sicherlich für die tollen Medikamente, Spritzen und Desinfektionen mit Geld bezahlen«, fragte Silias mit einem verschmitzten Lächeln, da er langsam das ganze Spiel durchschaut hatte.
»Selbstverständlich!«

***

Die Alphantianer ließen sich von DIE nicht beeinflussen und lehnten die Medikamente nebst Spritzen samt Desinfektionsmitteln dankend ab.
»Das könnt ihr nicht machen! Dazu habt ihr kein Recht«, riefen DIE bestürzt.
»Nein, wir behandeln uns lieber selbst, so wie wir es seit Jahrhunderten handhaben«, erwiderte Zoey ruhig.
»Aber wie macht ihr das ohne Medikamente?«
»Das ist ganz einfach, zum ersten sorgen wir mit Sauberkeit und Ordnung dafür, dass wir nur selten krank werden. Hinzu kommt eine vielseitige maßhaltende saubere Ernährung. Wir sorgen dafür, dass sich das Schmutzwasser nicht mit dem reinen Wasser vermengt und haben außerhalb der Häuser Naturtoiletten. Wir haben Schwitzhütten, die wir regelmäßig nutzen und tragen immer jahreszeitgerechte Kleidung, bewegen uns viel an der frischen Luft und in den Räumen wird für einen guten Rauchabzug gesorgt. Wir geben dem Körper den Schlaf, den er benötigt. Und nun zurück zur Frage, wenn doch jemand krank wird. In so einem Fall kommt es darauf an, was demjenigen fehlt. Wir vertrauen auf unser körpereigenes Heilungssystem, beobachten uns, wie ein eventuelles krankmachendes Verhalten geändert werden kann und haben Kräuter, die dem Körper bei seiner Heilung unterstützen und der Rest ist warten.«
DIE schauten sich verwundert an und fragten:
»Und wenn jemand eine tödliche Krankheit hat, was macht ihr dann? Wo keine Selbstheilung mehr helfen wird? Dann sterben sicher viele. Was nicht nötig wäre, wenn man ausgebildete Ärzte hätte und Medikamente kaufen würde.«
»Mag sein, aber wir vertrauen auf den natürlichen Lebensweg, welcher immer in die vorgesehene Richtung führt. Sollte dann doch jemand sterben, so ist es des Weges Wille. Wir leben mit dem Tod von Beginn an. Der Tod wird nicht aus dem Leben verbannt, er ist Teil dessen. Sterben gehört zu uns und überhaupt zu allem. Ohne ihn wüssten wir nicht, dass wir leben und es würde nichts existieren, wenn es das Vergehen nicht gäbe. Auch wenn das so ist und wir es annehmen, so möchte selbstverständlich keiner von uns in jungen Jahren gehen, und zum Glück sind es auch nur sehr wenige, die vorzeitig an irgendwelchen Krankheiten sterben. Wenn uns ein geliebter Mensch verlassen muss, ist es meistens die Zeit, die ihn von uns nimmt. Manchmal kommt es leider auch vor, dass ein schwerer Unfall einen aus unserer Mitte reißt. Dagegen sind wir machtlos und können nichts entgegensetzen. Das wollen wir auch nicht, damit der natürliche Kreislauf von Entstehen und Vergehen nicht durcheinander gebracht wird. Wenn jemand stirbt, dann wird dieser, egal welchen Alters er ist, von seinen Nahestehenden begleitet. Sterben ist ein wichtiger Vorgang und darf nicht künstlich in die Länge gezogen werden. Der Tod ist dazu nötig, um Platz für die nächste Generation zu schaffen, sonst droht eine Überbevölkerung. Es gäbe nicht mehr genug zu essen und Wohnraum würde knapp werden. Wir müssten dann viel mehr Wälder roden für Äcker, Lebensraum und Bastelmaterial. Das würde alles aus dem Gleichgewicht bringen. Den Tieren würde ihr zustehender Lebensraum genommen und das darf nicht passieren. Wir entspringen aus der Natur und gehören dazu. Wir dürfen nicht gegen sie handeln, sondern nur mit ihr im Fluss leben. Wir nehmen unseren Bedarfsanteil, der uns zusteht; mehr nicht.«
DIE seufzten tief, es war ihnen nicht möglich, den Alphantianern die wirkliche Sachlage darzustellen. Denn aus der Sicht der DIE, beziehungsweise ihren Wissenschaftlern, ist der Mensch mehr als nur ein Teil der Natur. Er steht weit über ihr, sie ist für den Menschen gemacht und er besitzt das Recht, den Tod hinauszuzögern, wo immer er dieses vermeintlich tun kann. Er hat das Recht, sich alles aus der Natur zu nehmen, auch über seinen Bedarf hinaus, denn es ist sein gottgegebenes Eigentum.

***

Bei ihrer Reise trafen DIE immer wieder auf Unverständnis, doch am Ende schafften DIE es immer wieder zu überzeugen. Allerdings hier in Alphantis sah es anders aus, und DIE von der GGO verkündeten: »Eure Vorgehensweise und eure Einstellung werden wir an eine höhere Ebene weitergeben und diese wird das nicht akzeptieren. Denn das oberste Gebot heißt: Leben retten um jeden Preis, auch wenn an der Behandlung gestorben wird. Behandelt werden muss selbst beim kleinsten Schnupfen, da müssen Medikamente her, denn niemand kann sagen, wohin sich der Schnupfen entwickelt.«

Egal, wie DIE auch auf die Alphantianer einredeten, sie mussten am Ende des Tages klagend einsehen, dass es hier an diesem Ort, welcher den Namen Xsaxus trug, ja in ganz Alphantis keine Möglichkeit gab, die Menschen für die notwendigen Medikamente und Spritzen zu begeistern. Drum zogen sie niedergeschlagen ab. Für die Alphantianer lief ihr Leben in gewohnten Bahnen weiter und ihr künstlerisches Schaffen wurde um das Vorhaben der neuesten Besucher erweitert und auf der Bühne wurden neuerdings Kranke anhand von Testergebnissen erzeugt und mussten behandelt werden. Am Ende wird dann immer ein König oder eine Königin der Kranken gekrönt. Dies wird anhand des schlechtesten Testergebnisses ermittelt. Auch Skulpturen, die Maskenmenschen mit Spritzen in der Hand darstellten, verteilten sich im Dorf und der Umgebung.

Ende der vierten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein profitorientiertes Medizinsystem zu bringen.

Geschrieben 2026

Mehr zu Alphantis und der -tis Trilogie gibt es hier.

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Alphantis – Episode 3

Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst

Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten bewegten sich hintereinander im Gleichschritt. Sie trugen einheitliche schwarze Anzüge mit weißen Hemden und einer roten Krawatte. Auf den Nasen steckten schwarz gerahmte Brillen mit leicht getönten Gläsern. Schwarze Bürstenhaarschnitte zierten die Köpfe. Jeder von ihnen hielt eine schwarze Aktentasche in der rechten Hand. Sie grüßten freundlich die Menschen, denen sie begegneten, und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Schließlich lief den Fremden ein Mädchen über den Weg, und die Besucher hielten es an: »Guten Tag, mein liebes Kind.«
»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?«
»Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und wie wir sehen, habt ihr hier schöne Holzhäuser mit Reetdach.«
»Ja, die sind hübsch, nicht wahr!«, entgegnete Ariana stolz.
»Habt ihr denn auch gute Versicherungen, wenn es mal brennt?«
»Wenn Feuer ausbricht? Versicherungen? So etwas haben wir nicht«, antwortete Ariana, »wenn es mal wirklich brennt, dann helfen alle, die in der Nähe sind, beim Löschen mit und der Schaden wird anschließend behoben.«
»Aber wer zahlt den Schaden? Wer finanziert das?«
»Och«, machte Ariana, schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »ich weiß auch nicht?« Ariana erinnerte sich an die Händler, die auch irgendwas finanzieren wollten. »Wir brauchen nichts zu finanzieren, das geht alles so.«
»Wir wollen und können das nicht so recht glauben«, zweifelten DIE, »du veralberst uns doch?!«
»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«
»Aber ihr braucht doch Versicherungen, um sorglos leben zu können. Sonst muss man doch ständig bangen, dass etwas Schlimmes passiert und man nicht dagegen versichert ist. Habt ihr denn wenigstens Geld?«
»Geld?! Kenne ich nicht. Aber ich werde euch zu meinen Eltern bringen, vielleicht haben die sowas.«

***

Auch Felina und Silias wussten nicht, wovon DIE sprachen, denn das mit dem Geld hatten sie schon bei den Händlern und den Wettkämpfern nicht verstanden.
»Also gibt es kein Geld hier bei euch. Aber was ist denn eure Währung?«
»Unsere Währung?«, entgegnete Silias und wiederholte nachdenklich: »Unsere Währung … ist das Machen. Ja, das könnte es sein … das Nötigste machen, unser Tun ist die Währung … die Zeit, die wir aufbringen.«
»Ja, ganz genau«, pflichtete Felina bei, »denn wenn jeder etwas macht in seiner Zeit, bekommt er immer etwas dafür zurück. Genau wie es mit eurem Geld ist. Jemand gibt Geld, bekommt etwas dafür, und wenn ich es richtig verstanden habe, hat derjenige das Geld zuvor von jemand anderem bekommen, der ebenfalls etwas verkauft oder für ihn angefertigt hat. So ist es bei uns auch, wir lassen halt nur dieses Geld weg.«
»Ihr lasst einfach das Geld weg und jeder bekommt trotzdem das, was er haben will?«
DIE konnten sich nicht vorstellen, wie das funktioniert und so wurde beschlossen, dass eine Hälfte von DIE mit Silias zum Spielplatz geht und die anderen mit Felina in das Bastelviertel. Vielleicht könnte sich vor Ort alles besser vermitteln lassen. So hofften DIE.

***

Am späten Nachmittag trafen sich alle wieder und erzählten von ihren Erlebnissen. DIE hatten von ihrem Ausflug säckeweise Sachen mitgebracht, mehr als sie benötigten.
»Wozu habt ihr so viel genommen?«, fragte Ariana.
»Wer weiß, wie die Zeiten werden. Es ist immer besser, alles zu nehmen, was man kriegen kann. Würden wir hier leben, würden wir ein Lager errichten, in dem all die Dinge gehortet werden können. Es geht doch am Ende immer ums Mehr-haben-Wollen.«
Ariana schaute fragend ihre Mutter an, die sich an DIE wendete: »Solange wir das machen, was notwendig ist, werden die Zeiten immer gut sein. Alles kommt, wie es kommt, und dann muss man halt sehen, was zu diesem Zeitpunkt erledigt werden muss. Wenn jeder nur noch nehmen würde, kann es nicht mehr funktionieren. Glaube ich zumindest, denn hier war noch nie jemand wie ihr. Es fühlt sich aber falsch an, so zu handeln, wie ihr es gerade macht.«
»Das finde ich auch, denn so bleiben doch zwangsläufig welche auf der Strecke. Ich finde, ihr solltet über das, was meine Frau Felina sagte, mal nachdenken«, forderte Silias, »wir haben genug für alle, keiner muss etwas horten. Sicher, wir haben auch Lager, um Sachen für uns alle einzulagern, da wir nicht alle«, er überlegte, »geernteten Kartoffeln auf einmal essen können und selbstverständlich für spätere Zeiten auch welche haben wollen. Aber lass uns mal rüber zu Zoey gehen, mal sehen, was sie zu dem Thema Geld meint.«
»Geh du mit Ariana, ich bleibe hier, denn Elias kommt gleich und dann wollen wir zusammen das Abendbrot herrichten«, war Felinas Vorschlag.

***

Zoey reparierte gerade die Haustür und ihre zwei Jungs spielten im Gemüsegarten, als eine Gruppe von Schwarzgekleideten auf ihr Haus zu marschierte. Neben den Leuten erkannte sie Ariana und ihren Vater Silias. Am Haus hielten DIE an und erkannten sofort einen großen Makel an der Haustür, welcher allerdings nichts mit der Reparatur zu tun hatte.
»Habt ihr etwa gar keine Schlösser in euren Haustüren?«
»Was soll das sein?«, antwortete Zoey fragend.
»Das sind Vorrichtungen, damit die Tür nicht von jedem einfach so geöffnet werden kann, sondern nur von den Hausbesitzern.«
»Warum sollen denn andere nicht in das Haus dürfen?«
»Es könnte etwas gestohlen werden.«
»Was bedeutet das?«
»Es bedeutet, dass euch jemand eure Sachen wegnimmt … euer Eigentum.«
Zoey erklärte, dass hier niemand einem anderen etwas wegnehmen muss, denn wenn er es brauche, fragt er einfach und bekommt es dann meistens, und wenn das aus irgendeinem Grund nicht der Fall ist, dann geht derjenige halt zu jemand anderem.
»Also habt ihr auch keine Diebstahlversicherung?«
»Schon wieder diese Versicherungen«, schnaufte Ariana, »ich sagte euch doch bereits, dass wir so etwas nicht benötigen, um ein sorgenfreies Leben zu führen.«
»Aber wir waren doch auch wegen etwas ganz anderem hier«, erinnerte Silias, »wir wollten doch über Geld und das Horten von Sachen reden.«

Das war das Stichwort für DIE, deren Augen bei dem Thema zu leuchten begannen. DIE waren jetzt voll in ihrem Element und begannen damit, erst einmal die Bewohner und ihre Lebensweise zu loben, gaben jedoch gleich zu verstehen, dass alles noch viel schöner und vor allem praktischer und perfekter werden könnte, wenn sie Geld einführen würden, das jeden einzelnen von ihnen unabhängig macht.
»Wir können euch bei der Geldeinführung behilflich sein, indem wir es euch zur Verfügung stellen. Dies wird so aussehen«, DIE holten einige Geldscheine aus ihren Koffern und zeigten sie herum. Die Erwachsenen schauten ebenso neugierig wie die Kinder auf das bedruckte Papier.
»Solche Scheine geben wir euch, so viele wie ihr wollt. Mit diesen könnt ihr dann bei den Händlern einkaufen und euch alle Wünsche erfüllen. Das Einzige, was wir als Gegenleistung für das Bereitstellen dieses Zahlungsmittels von euch verlangen, ist eine kleine Gebühr. Ihr bekommt also einen Kredit von uns, zu fabelhaften Konditionen. Was bedeutet, ihr müsst das Geld dann in Raten wieder zurückgeben. Auf diese Weise kommt eure Wirtschaft in Schwung. Und wenn ihr die Kredite abgelöst habt, seid ihr unabhängig und habt euer eigenes Geld verdient. Doch wenn ihr weitermachen wollt, vielleicht euren Betrieb vergrößern oder euch ein besseres Haus bauen wollt, dann bekommt ihr selbstverständlich neue Kredite, auch wenn die alten noch nicht abbezahlt sind. Das geht ohne Probleme. Wir haben genug Geld beziehungsweise können welches … sozusagen aus dem Nichts erschaffen. Zudem könnt ihr dann von eurem Geld bei uns die Versicherungen abschließen, damit ihr ein sorgenfreies Leben habt und nicht etwa bei einem Hausbrand in finanzielle Not geratet. Dafür müsst ihr lediglich ausreichend arbeiten, damit ihr genügend Geld zur Verfügung habt, um regelmäßig die Versicherungsbeiträge, die Raten und die Gebühren für die Kredite bezahlen zu können. Das ist alles. Auf diese Weise schafft ihr es ganz schnell, ein florierendes Wirtschaftssystem aufzubauen. Ihr müsst nur fleißig arbeiten, damit ihr für uns Geld verdienen könnt, also natürlich für euch, denn wir stellen das Geld ja nur zur Verfügung gegen eine kleine Gebühr, die wir Zins und Zinseszins nennen. So einfach geht ein sorgenfreies Leben, das wir euch bieten können. Wie ihr seht, sind wir da, um zu helfen, euer Leben lebenswerter zu machen. Und dann kommen auch Händler zu euch, um mit euch Geschäfte zu machen.«
»Oh, die waren schon da und DIE haben festgestellt, dass es hier bei uns nichts zu handeln gibt«, warf Ariana sogleich ein.
»So, so«, erwiderten DIE, »das wird sich dann ja dank unserer Hilfe ändern. Nun, was sagt ihr, freut ihr euch nicht, dass eure schlechten Zeiten durch unser Geld vorbei sein werden und ihr mit den Händlern Verträge abschließen könnt? Wenn ihr wollt, können wir denen Bescheid geben, dass ihr Interesse habt.«
»Nein, danke!«, schüttelte Zoey den Kopf, »wir machen lieber so weiter wie bisher, ohne Geld und Handel und Wirtschaft. Davon verstehen wir nichts und werden es wahrscheinlich nie. Wir leben unser Leben und damit kommen wir klar.« Sie reichte die Geldscheine in ihrer Hand an DIE zurück und die anderen taten ihr es gleich.
»Na gut, aber ihr werdet sehen, was ihr davon habt, das werden wir der obersten Stelle melden. Es gibt immerhin Gesetze, die verlangen, dass Geld benutzt wird, alleine der Steuern wegen, aber das ist eine weitere Sache, die ihr noch zu spüren bekommen werdet. Denn um die Steuern kann sich keiner drücken … auch ihr nicht!«

***

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Ende der dritten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein gekoppeltes Geld-Versicherungssystem zu bringen.

Geschrieben 2026

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Noxi Spruch 004

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Literaturverfilmung – Rätsel 005

Es gibt Romane, die zu einem Film werden. Um welche Literaturverfilmung geht es wohl bei diesem Rätsel? Du kennst die Lösung … dann schreibe sie unten in die Kommentarspalte.

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Interessant – Nach der letzten Schulstreik-Demo …

Newsflash 003

Aaron King, Kolumnist vom
Noxlupus Verlag

Nach der letzten Schulstreik-Demo der vergangenen Woche hatten es einige der engagiertesten Kinder sehr eilig nach Hause zu kommen. Sie wollten früh ins Bett, denn bereits um vier Uhr sollte die Nacht für sie zu Ende sein.

So donnerten sieben schwere Autos in den frühen Morgenstunden des darauffolgenden Tages über die Autobahn, dem etwa 150 Kilometer entfernten Flughafen entgegen. In den Fahrzeugen befanden sich zumeist ein Elternpaar und zwei bis drei Schüler sowie vereinzelnd ein Lehrkörper – je nach Kapazität des Wagens.

Einige Eltern ließen es sich nicht nehmen, ihr Kind persönlich zum Flughafen zu kutschieren, um es zum Abschied noch einmal in die Arme zu schließen, und in sieben Tagen werden sie wieder zum Empfang ihrer Kleinen bereitstehen, wenn diese aus Spanien zurückgekehrt ist.

Trotz der Flugerfahrung, die die meisten der Jugendlichen bereits hatten, war unter ihnen eine gewisse Aufregung zu spüren. So waren doch die meisten mindestens einmal mit ihren Eltern in den Urlaub geflogen oder sind im letzten Jahr bei der Frankreichtour dabei gewesen. Diese Schülerreisen sind notwendig, da diese erheblich dazu beitragen, die Fremdsprachenkenntnisse der Lernenden zu verbessern – erklärte ein Lehrer – ohne diese Erfahrung ist es ja quasi unmöglich, eine Sprache korrekt zu lernen. Man muss schon das jeweilige Flair des jeweiligen Landes einmal gespürt haben.

In der Wartehalle unterhielt sich die Gruppe begeistert über das bevorstehende Abenteuer und einige schmiedeten bereits Pläne für die nächste Streik-Demo, die sofort nach der Rückkehr starten sollte. Auch das Erlebte auf dem Streik vom Vortag wurde enthusiastisch diskutiert. Ist doch schön mit anzusehen, wie gewissenhaft die Kinder heutzutage sind und sich schon ganz wie die Erwachsenen verhalten. Durch Demos andere auf ein bekanntes Problem aufmerksam machen und sich selbst dann dafür wie verrückt feiern, um danach alles so weiterzumachen wie bisher.

Nächstes Jahr nach dem Abitur werden sich einige eine Auszeit gönnen und ein Jahr im Ausland – Neuseeland ist da ein beliebtes Ziel – verbringen. Diese Reisen sind für junge Menschen sehr wichtig, um für ihr zukünftiges Leben an der Discounterkasse gewappnet zu sein.

Mal sehen, was diese Generation in einigen Jahrzehnten auf die Beine gestellt hat. Vielleicht wird es ja genauso klasse wie das, was die 68er Flower-Power-Peace-Generation so geleistet hat. Denn ist es nicht diese, die in den letzten fünfzig Jahren die Welt auf diesen interessanten Kurs gebracht hat?

Geschrieben 2019

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Nick-Francis-Buchreihe

Buchvorstellung

Was verbindet diese vier Herren, die optisch und charakterlich kaum unterschiedlicher sein könnten?

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Alphantis – Episode 2

Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst

Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten bewegten sich hintereinander im Dauerlauf. Sie trugen einheitlich weiße kurze Hosen und blaue kurzärmlige Hemden mit Nummern auf dem Rücken. Sie grüßten freundlich die Menschen, denen sie begegneten und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Schließlich lief den Fremden ein Mädchen über den Weg, und die Besucher hielten es an: »Guten Tag, mein liebes Kind.«
»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?«
»Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und möchten gerne wissen, wo sich hier die Sportanlagen und die Stadien befinden.«
»Sowas haben wir nicht«, antwortete Ariana.
»Nein, wo haltet ihr denn eure sportlichen Wettkämpfe ab?«
»Was sollen wir kämpfen?«
»Na, euch untereinander messen in einem ehrlichen Wettkampf. Kennt ihr etwa nicht dieses Bedürfnis? Dieses steckt doch in jedem«, fragten DIE ganz verständnislos.
»Och«, machte Ariana, schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »ich glaube, in uns steckt sowas nicht drin.«
»Aber was macht ihr denn in eurer Freizeit? Was sind eure Hobbys?«
»Freizeit? Hobbys?«
»Ja, was macht euch Spaß, bereitet euch Vergnügen?«
»Das Leben!«, entgegnete Ariana kurz.
»Das Leben?« Diese Antwort versetzte DIE in Staunen, »nur das? Wir wollen und können das nicht so recht glauben! Du veralberst uns doch?!«
»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«
»Es muss doch für euch mehr geben als das Leben, da gehört doch noch viel mehr zu?«
»Mehr als das Leben?«
»Gut, vielleicht haben wir uns da missverstanden, es ging ja um eure Freizeit im Leben, wie gestaltet ihr diese?«
»Aber was ist Freizeit, das bedeutet doch letztendlich, dass es eine Zeit geben muss, die nicht frei ist. Aber bei uns ist Zeit nicht eingesperrt, sie ist Tag und Nacht frei.«
»Dann wollen wir anders fragen, was macht ihr denn so den lieben langen Tag?«
»Wir spielen, basteln, gehen ins Theater, malen … all so tolle Sachen halt.«

***

So richtig kamen DIE mit dem Mädchen nicht weiter und verabschiedeten sich von ihr. DIE machten sich weiter auf den Weg und sprachen mit den Leuten aus dem Dorf und versuchten, diese für Wettkämpfe zu begeistern. Einigen gefiel die Idee und es wurde im Gremium beschlossen, das Amphitheater für einen sportlichen Wettkampf herzurichten. Als die Tätigkeiten dafür begannen, versuchten DIE von den Bastelstätten Sponsorengelder zu bekommen. Dies müsse sein, um Werbebanner aufstellen zu können. Betonten DIE.
»Von Werbung haben wir schon einmal gehört«, erinnerte sich Zoey, die rothaarige Dorfvorsitzende des Gremiums, »das ist doch etwas, das uns sagen soll, was wir kaufen sollen, da wir es brauchen. Ja, das taucht immer wieder bei uns im Theater auf. Es ist echt witzig. Gerade für uns, die doch alles haben.«

Nach drei Stunden gaben DIE es auf und mussten einsehen, dass sich hier kein Geschäft mit Werbung machen ließ. Dann blieben ja noch die Sportwetten … so dachten DIE. Doch auch diese Geldeinnahmequelle sollte nicht so recht sprudeln, da sich herausstellte, dass die Alphantianer nichts besaßen, was für DIE als Wetteinsatz interessant war. Denn weder von Geld noch von Gold war weit und breit etwas zu sehen. Nun gut, dachten DIE, Hauptsache gewinnen, das ist doch auch ein schöner Lohn.

***

DIE trafen sich in den einzelnen Orten auf dem Dorfplatz mit den ausgewählten Bewohnern, die an den Spielen teilnehmen wollten. Dort erklärten DIE, dass es acht Mannschaften geben wird, die gegeneinander spielen. Der Verlierer scheidet aus, bis am Ende zwei Mannschaften für das Endspiel übrig bleiben. Jede der Mannschaften bekommt einen DIE als Trainer. Diesem liegt viel daran, das seine Mannschaft gewinnt, denn das wäre ja letztendlich sein Verdienst und er würde den Profit einstreichen. Doch die Trainer erkannten schnell, dass es die Leute nicht so richtig ernst nahmen. Sie hatten kein richtiges Verständnis dafür, keinen Siegerwillen, sie alberten rum, es fehlte der nötige Ernst. DIE wollten schon aufgeben, allerdings kam das für DIE nicht in Frage. Aufgeben war gleichgesetzt mit einer Niederlage. Die Spiele mussten um jeden Preis stattfinden.

***

Dann war der große Tag da, das Turnier sollte beginnen. DIE waren sehr angespannt, denn jeder wollte natürlich, dass seine Mannschaft die Siegertrophäe nach Hause bringt. Das Theater war bis zum letzten Platz besetzt, es hatte sich rumgesprochen, dass eine neue Art von Theateraufführung stattfinden sollte. Kurz bevor die Eröffnung begann, tauchten aus jeder Mannschaft zwei Spieler bei DIE auf. Unter ihnen befand sich die Dorfvorsteherin von Xsaxus, die als erstes das Wort ergriff: »Wir müssen ehrlich zu euch sein, das Ganze ist ja recht spaßig, aber wir verstehen den Sinn mit dem Gewinnen immer noch nicht so ganz.«
»Das ist doch nun wirklich nicht so schwer zu verstehen, ihr müsst euch nur nach dem galaktischen Motto richten: Gewinnen ist das Ziel, besser sein als die anderen! Verlieren ist was für Schwächlinge, nur der Gewinner zählt. Alle anderen sind nichts wert. Egal worum es geht, es geht im Leben immer um Gewinnen und Verlieren. Um Sieger und Besiegte. Alles andere hätte doch gar keinen Sinn. Das ist das Leben … es geht ums Gewinnen! Um die Macht des Stärkeren. Das ist im Handel, also der Wirtschaft und ganz besonders im Sport so. Gerade dieser vereint diese beiden Systeme.«
»Das mag sein, dass das bei euch so ist, aber bei uns kennen wir das nicht. Wenn wir irgendwas machen, haben immer alle etwas davon, wir sind letztendlich alle Gewinner … so würdet ihr das dann wohl nennen, also in euren Augen«, sagte Silias, der auch in einer Mannschaft spielen wollte.
»Darum haben wir etwas verändert«, begann Felina, »und zwar zum einen das Spielfeld. Doch kommt mit und seht es euch an.«

Auf dem Bühnenplatz des Amphitheaters staunten DIE über die zwei Tore, die von ihrer ehemaligen Größe so verkleinert wurden, dass gerade mal vier Bälle gleichzeitig nebeneinander hineinpassen würden. So gab es auch keine Torwarte mehr. In den ursprünglichen Toren konnten sieben Männer nebeneinander zwischen den Pfosten stehen, und wenn sie die Arme in die Luft gereckt hätten, würden sie die obere Torlatte mit den Fingerspitzen berühren. DIE schüttelten nur den Kopf. Was sollten sie auch tun? Sie beschlossen, sich an den Spielfeldrand auf den Bänken zu setzen, um zu sehen, was nun geschieht. Zu ihrem Erstaunen gab es anscheinend zwei Schiedsrichter, oder wie sie während des Spiels feststellten, Torzähler, denn zu schiedsen gab es nichts; keine Fouls. Es war regelrecht langweilig für DIE. Denn im Gegensatz zu den Dorfbewohnern, feuerten diese ihre Mannschaften von je neun Spielern und Spielerinnen energisch an. Dabei hatte eine Mannschaft, die Mannschaft, in der alle rote Haare hatten, den roten Ball, und die anderen mit den braunen und blonden Haaren bewegten einen braunen Ball. Auf diese Weise wussten die Zuschauer, welcher Ball zu welcher Mannschaft gehörte. Die Mannschaften nach der Haarfarbe zu sortieren, war der Vorschlag von DIE. Allerdings war das mit den zwei Bällen nicht vorgesehen.

Jedes Mal, wenn ein Ball durch eines der Tore rollte, brach die Menge in großen Jubel aus. Es gab eine etwa fünf Meter entfernte Linie, von der aus geschossen werden durfte. Erst wenn jeder Spieler einer Mannschaft mindestens einmal den Ball berührt hatte, durfte auf das Tor geschossen werden. Startpunkt war das gegenüber liegende Tor. Wurde vorbeigeschossen und der Ball landete hinter oder neben dem Tor, musste wieder neu gestartet werden. Das verursachte ein heilloses Durcheinander, da die Mannschaften um die gegnerischen Spieler herumspielen mussten. Der Ball vom Gegner durfte dabei nicht berührt werden. Es gab eine vorgegebene Spielzeit von zweimal zwanzig Minuten. Zudem mussten die Spieler immer in Bewegung bleiben; keiner durfte stehen. Der Gewinner war am Ende – und das zur Verblüffung von DIE – der Ball, der in dieser Zeit am häufigsten in seinem Tor gelandet war. Ein Ball gewinnt das Spiel? So etwas hatten DIE noch nie gehört. So etwas Verrücktes! Nein, das war zu viel für sie. Für die Leute von Alphantis war es die natürliche Schlussfolgerung, denn schließlich ist der Ball ins Tor gerollt und kein Mensch.

***

Jetzt verstanden DIE – beziehungsweise verstanden sie gerade nicht. Sie sahen lediglich klagend ein, dass es hier an diesem Ort, ja in ganz Alphantis keine Möglichkeit gab, ihren Ehrgeiz nach dem Sieg und dem dazugehörigen Profit zu stillen. Darum bestiegen sie eiligst ihr Flugschiff und kamen nie mehr zurück. Doch für die Alphantianer hatte sich ihr Kunstspektrum um eine neue Attraktion erweitert. Die Kunst gab ihnen die Möglichkeit, etwas zu spielen, bei dem etwas gewonnen werden konnte, ohne dass jemand verlor. Dies nannten sie Torball. Später kamen sie auf eine Variante, bei der nur die Hände benutzt werden durften. Der künstlerische Einfall der Alphantianer kannte keine Grenzen, und so folgten weitere Spiele wie Korbball, Schlägerball und Rollball, aber auch andere Kunstwettkämpfe wurden entwickelt. Da gab es den Wettlauf, bei dem der Zeitabstand zwischen den Zieleinläufen gewann, beim Hochsprung die Stange, wenn sie es schaffte, liegenzubleiben, und beim Weitwurf gewann das Differenzmaß.

Ende der zweiten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein profitorientiertes Wettkampfsystem zu bringen.

Geschrieben 2026

Mehr zu Alphantis und der -tis Trilogie gibt es hier.

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