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Alphantis – Episode 3

Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst

Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten bewegten sich hintereinander im Gleichschritt. Sie trugen einheitliche schwarze Anzüge mit weißen Hemden und einer roten Krawatte. Auf den Nasen steckten schwarz gerahmte Brillen mit leicht getönten Gläsern. Schwarze Bürstenhaarschnitte zierten die Köpfe. Jeder von ihnen hielt eine schwarze Aktentasche in der rechten Hand. Sie grüßten freundlich die Menschen, denen sie begegneten, und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Schließlich lief den Fremden ein Mädchen über den Weg, und die Besucher hielten es an: »Guten Tag, mein liebes Kind.«
»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?«
»Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und wie wir sehen, habt ihr hier schöne Holzhäuser mit Reetdach.«
»Ja, die sind hübsch, nicht wahr!«, entgegnete Ariana stolz.
»Habt ihr denn auch gute Versicherungen, wenn es mal brennt?«
»Wenn Feuer ausbricht? Versicherungen? So etwas haben wir nicht«, antwortete Ariana, »wenn es mal wirklich brennt, dann helfen alle, die in der Nähe sind, beim Löschen mit und der Schaden wird anschließend behoben.«
»Aber wer zahlt den Schaden? Wer finanziert das?«
»Och«, machte Ariana, schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »ich weiß auch nicht?« Ariana erinnerte sich an die Händler, die auch irgendwas finanzieren wollten. »Wir brauchen nichts zu finanzieren, das geht alles so.«
»Wir wollen und können das nicht so recht glauben«, zweifelten DIE, »du veralberst uns doch?!«
»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«
»Aber ihr braucht doch Versicherungen, um sorglos leben zu können. Sonst muss man doch ständig bangen, dass etwas Schlimmes passiert und man nicht dagegen versichert ist. Habt ihr denn wenigstens Geld?«
»Geld?! Kenne ich nicht. Aber ich werde euch zu meinen Eltern bringen, vielleicht haben die sowas.«

***

Auch Felina und Silias wussten nicht, wovon DIE sprachen, denn das mit dem Geld hatten sie schon bei den Händlern und den Wettkämpfern nicht verstanden.
»Also gibt es kein Geld hier bei euch. Aber was ist denn eure Währung?«
»Unsere Währung?«, entgegnete Silias und wiederholte nachdenklich: »Unsere Währung … ist das Machen. Ja, das könnte es sein … das Nötigste machen, unser Tun ist die Währung … die Zeit, die wir aufbringen.«
»Ja, ganz genau«, pflichtete Felina bei, »denn wenn jeder etwas macht in seiner Zeit, bekommt er immer etwas dafür zurück. Genau wie es mit eurem Geld ist. Jemand gibt Geld, bekommt etwas dafür, und wenn ich es richtig verstanden habe, hat derjenige das Geld zuvor von jemand anderem bekommen, der ebenfalls etwas verkauft oder für ihn angefertigt hat. So ist es bei uns auch, wir lassen halt nur dieses Geld weg.«
»Ihr lasst einfach das Geld weg und jeder bekommt trotzdem das, was er haben will?«
DIE konnten sich nicht vorstellen, wie das funktioniert und so wurde beschlossen, dass eine Hälfte von DIE mit Silias zum Spielplatz geht und die anderen mit Felina in das Bastelviertel. Vielleicht könnte sich vor Ort alles besser vermitteln lassen. So hofften DIE.

***

Am späten Nachmittag trafen sich alle wieder und erzählten von ihren Erlebnissen. DIE hatten von ihrem Ausflug säckeweise Sachen mitgebracht, mehr als sie benötigten.
»Wozu habt ihr so viel genommen?«, fragte Ariana.
»Wer weiß, wie die Zeiten werden. Es ist immer besser, alles zu nehmen, was man kriegen kann. Würden wir hier leben, würden wir ein Lager errichten, in dem all die Dinge gehortet werden können. Es geht doch am Ende immer ums Mehr-haben-Wollen.«
Ariana schaute fragend ihre Mutter an, die sich an DIE wendete: »Solange wir das machen, was notwendig ist, werden die Zeiten immer gut sein. Alles kommt, wie es kommt, und dann muss man halt sehen, was zu diesem Zeitpunkt erledigt werden muss. Wenn jeder nur noch nehmen würde, kann es nicht mehr funktionieren. Glaube ich zumindest, denn hier war noch nie jemand wie ihr. Es fühlt sich aber falsch an, so zu handeln, wie ihr es gerade macht.«
»Das finde ich auch, denn so bleiben doch zwangsläufig welche auf der Strecke. Ich finde, ihr solltet über das, was meine Frau Felina sagte, mal nachdenken«, forderte Silias, »wir haben genug für alle, keiner muss etwas horten. Sicher, wir haben auch Lager, um Sachen für uns alle einzulagern, da wir nicht alle«, er überlegte, »geernteten Kartoffeln auf einmal essen können und selbstverständlich für spätere Zeiten auch welche haben wollen. Aber lass uns mal rüber zu Zoey gehen, mal sehen, was sie zu dem Thema Geld meint.«
»Geh du mit Ariana, ich bleibe hier, denn Elias kommt gleich und dann wollen wir zusammen das Abendbrot herrichten«, war Felinas Vorschlag.

***

Zoey reparierte gerade die Haustür und ihre zwei Jungs spielten im Gemüsegarten, als eine Gruppe von Schwarzgekleideten auf ihr Haus zu marschierte. Neben den Leuten erkannte sie Ariana und ihren Vater Silias. Am Haus hielten DIE an und erkannten sofort einen großen Makel an der Haustür, welcher allerdings nichts mit der Reparatur zu tun hatte.
»Habt ihr etwa gar keine Schlösser in euren Haustüren?«
»Was soll das sein?«, antwortete Zoey fragend.
»Das sind Vorrichtungen, damit die Tür nicht von jedem einfach so geöffnet werden kann, sondern nur von den Hausbesitzern.«
»Warum sollen denn andere nicht in das Haus dürfen?«
»Es könnte etwas gestohlen werden.«
»Was bedeutet das?«
»Es bedeutet, dass euch jemand eure Sachen wegnimmt … euer Eigentum.«
Zoey erklärte, dass hier niemand einem anderen etwas wegnehmen muss, denn wenn er es brauche, fragt er einfach und bekommt es dann meistens, und wenn das aus irgendeinem Grund nicht der Fall ist, dann geht derjenige halt zu jemand anderem.
»Also habt ihr auch keine Diebstahlversicherung?«
»Schon wieder diese Versicherungen«, schnaufte Ariana, »ich sagte euch doch bereits, dass wir so etwas nicht benötigen, um ein sorgenfreies Leben zu führen.«
»Aber wir waren doch auch wegen etwas ganz anderem hier«, erinnerte Silias, »wir wollten doch über Geld und das Horten von Sachen reden.«

Das war das Stichwort für DIE, deren Augen bei dem Thema zu leuchten begannen. DIE waren jetzt voll in ihrem Element und begannen damit, erst einmal die Bewohner und ihre Lebensweise zu loben, gaben jedoch gleich zu verstehen, dass alles noch viel schöner und vor allem praktischer und perfekter werden könnte, wenn sie Geld einführen würden, das jeden einzelnen von ihnen unabhängig macht.
»Wir können euch bei der Geldeinführung behilflich sein, indem wir es euch zur Verfügung stellen. Dies wird so aussehen«, DIE holten einige Geldscheine aus ihren Koffern und zeigten sie herum. Die Erwachsenen schauten ebenso neugierig wie die Kinder auf das bedruckte Papier.
»Solche Scheine geben wir euch, so viele wie ihr wollt. Mit diesen könnt ihr dann bei den Händlern einkaufen und euch alle Wünsche erfüllen. Das Einzige, was wir als Gegenleistung für das Bereitstellen dieses Zahlungsmittels von euch verlangen, ist eine kleine Gebühr. Ihr bekommt also einen Kredit von uns, zu fabelhaften Konditionen. Was bedeutet, ihr müsst das Geld dann in Raten wieder zurückgeben. Auf diese Weise kommt eure Wirtschaft in Schwung. Und wenn ihr die Kredite abgelöst habt, seid ihr unabhängig und habt euer eigenes Geld verdient. Doch wenn ihr weitermachen wollt, vielleicht euren Betrieb vergrößern oder euch ein besseres Haus bauen wollt, dann bekommt ihr selbstverständlich neue Kredite, auch wenn die alten noch nicht abbezahlt sind. Das geht ohne Probleme. Wir haben genug Geld beziehungsweise können welches … sozusagen aus dem Nichts erschaffen. Zudem könnt ihr dann von eurem Geld bei uns die Versicherungen abschließen, damit ihr ein sorgenfreies Leben habt und nicht etwa bei einem Hausbrand in finanzielle Not geratet. Dafür müsst ihr lediglich ausreichend arbeiten, damit ihr genügend Geld zur Verfügung habt, um regelmäßig die Versicherungsbeiträge, die Raten und die Gebühren für die Kredite bezahlen zu können. Das ist alles. Auf diese Weise schafft ihr es ganz schnell, ein florierendes Wirtschaftssystem aufzubauen. Ihr müsst nur fleißig arbeiten, damit ihr für uns Geld verdienen könnt, also natürlich für euch, denn wir stellen das Geld ja nur zur Verfügung gegen eine kleine Gebühr, die wir Zins und Zinseszins nennen. So einfach geht ein sorgenfreies Leben, das wir euch bieten können. Wie ihr seht, sind wir da, um zu helfen, euer Leben lebenswerter zu machen. Und dann kommen auch Händler zu euch, um mit euch Geschäfte zu machen.«
»Oh, die waren schon da und DIE haben festgestellt, dass es hier bei uns nichts zu handeln gibt«, warf Ariana sogleich ein.
»So, so«, erwiderten DIE, »das wird sich dann ja dank unserer Hilfe ändern. Nun, was sagt ihr, freut ihr euch nicht, dass eure schlechten Zeiten durch unser Geld vorbei sein werden und ihr mit den Händlern Verträge abschließen könnt? Wenn ihr wollt, können wir denen Bescheid geben, dass ihr Interesse habt.«
»Nein, danke!«, schüttelte Zoey den Kopf, »wir machen lieber so weiter wie bisher, ohne Geld und Handel und Wirtschaft. Davon verstehen wir nichts und werden es wahrscheinlich nie. Wir leben unser Leben und damit kommen wir klar.« Sie reichte die Geldscheine in ihrer Hand an DIE zurück und die anderen taten ihr es gleich.
»Na gut, aber ihr werdet sehen, was ihr davon habt, das werden wir der obersten Stelle melden. Es gibt immerhin Gesetze, die verlangen, dass Geld benutzt wird, alleine der Steuern wegen, aber das ist eine weitere Sache, die ihr noch zu spüren bekommen werdet. Denn um die Steuern kann sich keiner drücken … auch ihr nicht!«

***

Egal, wie DIE auch auf die Alphantianer einredeten, sie mussten am Ende des Tages klagend einsehen, dass es hier an diesem Ort, welcher den Namen Xsaxus trug, ja in ganz Alphantis, keine Möglichkeit gab, die Menschen für Geld und Versicherungen zu begeistern. Drum zogen sie niedergeschlagen ab. Für die Alphantianer lief ihr Leben in gewohnten Bahnen weiter, und ihr künstlerisches Schaffen wurde um das Vorhaben der neuesten Besucher erweitert. Auf der Bühne musste neuerdings alles bezahlt und versichert werden. Hübsche gemalte Geldscheine auf Leder lagen von nun an in jedem Haus unter den Suppenschüsseln.

Ende der dritten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein gekoppeltes Geld-Versicherungssystem zu bringen.

Geschrieben 2026

Mehr zu Alphantis und der -tis Trilogie gibt es hier.

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Noxi Spruch 004

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Literaturverfilmung – Rätsel 005

Es gibt Romane, die zu einem Film werden. Um welche Literaturverfilmung geht es wohl bei diesem Rätsel? Du kennst die Lösung … dann schreibe sie unten in die Kommentarspalte.

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Interessant – Nach der letzten Schulstreik-Demo …

Newsflash 003

Aaron King, Kolumnist vom
Noxlupus Verlag

Nach der letzten Schulstreik-Demo der vergangenen Woche hatten es einige der engagiertesten Kinder sehr eilig nach Hause zu kommen. Sie wollten früh ins Bett, denn bereits um vier Uhr sollte die Nacht für sie zu Ende sein.

So donnerten sieben schwere Autos in den frühen Morgenstunden des darauffolgenden Tages über die Autobahn, dem etwa 150 Kilometer entfernten Flughafen entgegen. In den Fahrzeugen befanden sich zumeist ein Elternpaar und zwei bis drei Schüler sowie vereinzelnd ein Lehrkörper – je nach Kapazität des Wagens.

Einige Eltern ließen es sich nicht nehmen, ihr Kind persönlich zum Flughafen zu kutschieren, um es zum Abschied noch einmal in die Arme zu schließen, und in sieben Tagen werden sie wieder zum Empfang ihrer Kleinen bereitstehen, wenn diese aus Spanien zurückgekehrt ist.

Trotz der Flugerfahrung, die die meisten der Jugendlichen bereits hatten, war unter ihnen eine gewisse Aufregung zu spüren. So waren doch die meisten mindestens einmal mit ihren Eltern in den Urlaub geflogen oder sind im letzten Jahr bei der Frankreichtour dabei gewesen. Diese Schülerreisen sind notwendig, da diese erheblich dazu beitragen, die Fremdsprachenkenntnisse der Lernenden zu verbessern – erklärte ein Lehrer – ohne diese Erfahrung ist es ja quasi unmöglich, eine Sprache korrekt zu lernen. Man muss schon das jeweilige Flair des jeweiligen Landes einmal gespürt haben.

In der Wartehalle unterhielt sich die Gruppe begeistert über das bevorstehende Abenteuer und einige schmiedeten bereits Pläne für die nächste Streik-Demo, die sofort nach der Rückkehr starten sollte. Auch das Erlebte auf dem Streik vom Vortag wurde enthusiastisch diskutiert. Ist doch schön mit anzusehen, wie gewissenhaft die Kinder heutzutage sind und sich schon ganz wie die Erwachsenen verhalten. Durch Demos andere auf ein bekanntes Problem aufmerksam machen und sich selbst dann dafür wie verrückt feiern, um danach alles so weiterzumachen wie bisher.

Nächstes Jahr nach dem Abitur werden sich einige eine Auszeit gönnen und ein Jahr im Ausland – Neuseeland ist da ein beliebtes Ziel – verbringen. Diese Reisen sind für junge Menschen sehr wichtig, um für ihr zukünftiges Leben an der Discounterkasse gewappnet zu sein.

Mal sehen, was diese Generation in einigen Jahrzehnten auf die Beine gestellt hat. Vielleicht wird es ja genauso klasse wie das, was die 68er Flower-Power-Peace-Generation so geleistet hat. Denn ist es nicht diese, die in den letzten fünfzig Jahren die Welt auf diesen interessanten Kurs gebracht hat?

Geschrieben 2019

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Mehr über Nick Francis versteckt sich hinter diesem Link

Alphantis – Episode 2

Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst

Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten bewegten sich hintereinander im Dauerlauf. Sie trugen einheitlich weiße kurze Hosen und blaue kurzärmlige Hemden mit Nummern auf dem Rücken. Sie grüßten freundlich die Menschen, denen sie begegneten und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Schließlich lief den Fremden ein Mädchen über den Weg, und die Besucher hielten es an: »Guten Tag, mein liebes Kind.«
»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?«
»Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und möchten gerne wissen, wo sich hier die Sportanlagen und die Stadien befinden.«
»Sowas haben wir nicht«, antwortete Ariana.
»Nein, wo haltet ihr denn eure sportlichen Wettkämpfe ab?«
»Was sollen wir kämpfen?«
»Na, euch untereinander messen in einem ehrlichen Wettkampf. Kennt ihr etwa nicht dieses Bedürfnis? Dieses steckt doch in jedem«, fragten DIE ganz verständnislos.
»Och«, machte Ariana, schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »ich glaube, in uns steckt sowas nicht drin.«
»Aber was macht ihr denn in eurer Freizeit? Was sind eure Hobbys?«
»Freizeit? Hobbys?«
»Ja, was macht euch Spaß, bereitet euch Vergnügen?«
»Das Leben!«, entgegnete Ariana kurz.
»Das Leben?« Diese Antwort versetzte DIE in Staunen, »nur das? Wir wollen und können das nicht so recht glauben! Du veralberst uns doch?!«
»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«
»Es muss doch für euch mehr geben als das Leben, da gehört doch noch viel mehr zu?«
»Mehr als das Leben?«
»Gut, vielleicht haben wir uns da missverstanden, es ging ja um eure Freizeit im Leben, wie gestaltet ihr diese?«
»Aber was ist Freizeit, das bedeutet doch letztendlich, dass es eine Zeit geben muss, die nicht frei ist. Aber bei uns ist Zeit nicht eingesperrt, sie ist Tag und Nacht frei.«
»Dann wollen wir anders fragen, was macht ihr denn so den lieben langen Tag?«
»Wir spielen, basteln, gehen ins Theater, malen … all so tolle Sachen halt.«

***

So richtig kamen DIE mit dem Mädchen nicht weiter und verabschiedeten sich von ihr. DIE machten sich weiter auf den Weg und sprachen mit den Leuten aus dem Dorf und versuchten, diese für Wettkämpfe zu begeistern. Einigen gefiel die Idee und es wurde im Gremium beschlossen, das Amphitheater für einen sportlichen Wettkampf herzurichten. Als die Tätigkeiten dafür begannen, versuchten DIE von den Bastelstätten Sponsorengelder zu bekommen. Dies müsse sein, um Werbebanner aufstellen zu können. Betonten DIE.
»Von Werbung haben wir schon einmal gehört«, erinnerte sich Zoey, die rothaarige Dorfvorsitzende des Gremiums, »das ist doch etwas, das uns sagen soll, was wir kaufen sollen, da wir es brauchen. Ja, das taucht immer wieder bei uns im Theater auf. Es ist echt witzig. Gerade für uns, die doch alles haben.«

Nach drei Stunden gaben DIE es auf und mussten einsehen, dass sich hier kein Geschäft mit Werbung machen ließ. Dann blieben ja noch die Sportwetten … so dachten DIE. Doch auch diese Geldeinnahmequelle sollte nicht so recht sprudeln, da sich herausstellte, dass die Alphantianer nichts besaßen, was für DIE als Wetteinsatz interessant war. Denn weder von Geld noch von Gold war weit und breit etwas zu sehen. Nun gut, dachten DIE, Hauptsache gewinnen, das ist doch auch ein schöner Lohn.

***

DIE trafen sich in den einzelnen Orten auf dem Dorfplatz mit den ausgewählten Bewohnern, die an den Spielen teilnehmen wollten. Dort erklärten DIE, dass es acht Mannschaften geben wird, die gegeneinander spielen. Der Verlierer scheidet aus, bis am Ende zwei Mannschaften für das Endspiel übrig bleiben. Jede der Mannschaften bekommt einen DIE als Trainer. Diesem liegt viel daran, das seine Mannschaft gewinnt, denn das wäre ja letztendlich sein Verdienst und er würde den Profit einstreichen. Doch die Trainer erkannten schnell, dass es die Leute nicht so richtig ernst nahmen. Sie hatten kein richtiges Verständnis dafür, keinen Siegerwillen, sie alberten rum, es fehlte der nötige Ernst. DIE wollten schon aufgeben, allerdings kam das für DIE nicht in Frage. Aufgeben war gleichgesetzt mit einer Niederlage. Die Spiele mussten um jeden Preis stattfinden.

***

Dann war der große Tag da, das Turnier sollte beginnen. DIE waren sehr angespannt, denn jeder wollte natürlich, dass seine Mannschaft die Siegertrophäe nach Hause bringt. Das Theater war bis zum letzten Platz besetzt, es hatte sich rumgesprochen, dass eine neue Art von Theateraufführung stattfinden sollte. Kurz bevor die Eröffnung begann, tauchten aus jeder Mannschaft zwei Spieler bei DIE auf. Unter ihnen befand sich die Dorfvorsteherin von Xsaxus, die als erstes das Wort ergriff: »Wir müssen ehrlich zu euch sein, das Ganze ist ja recht spaßig, aber wir verstehen den Sinn mit dem Gewinnen immer noch nicht so ganz.«
»Das ist doch nun wirklich nicht so schwer zu verstehen, ihr müsst euch nur nach dem galaktischen Motto richten: Gewinnen ist das Ziel, besser sein als die anderen! Verlieren ist was für Schwächlinge, nur der Gewinner zählt. Alle anderen sind nichts wert. Egal worum es geht, es geht im Leben immer um Gewinnen und Verlieren. Um Sieger und Besiegte. Alles andere hätte doch gar keinen Sinn. Das ist das Leben … es geht ums Gewinnen! Um die Macht des Stärkeren. Das ist im Handel, also der Wirtschaft und ganz besonders im Sport so. Gerade dieser vereint diese beiden Systeme.«
»Das mag sein, dass das bei euch so ist, aber bei uns kennen wir das nicht. Wenn wir irgendwas machen, haben immer alle etwas davon, wir sind letztendlich alle Gewinner … so würdet ihr das dann wohl nennen, also in euren Augen«, sagte Silias, der auch in einer Mannschaft spielen wollte.
»Darum haben wir etwas verändert«, begann Felina, »und zwar zum einen das Spielfeld. Doch kommt mit und seht es euch an.«

Auf dem Bühnenplatz des Amphitheaters staunten DIE über die zwei Tore, die von ihrer ehemaligen Größe so verkleinert wurden, dass gerade mal vier Bälle gleichzeitig nebeneinander hineinpassen würden. So gab es auch keine Torwarte mehr. In den ursprünglichen Toren konnten sieben Männer nebeneinander zwischen den Pfosten stehen, und wenn sie die Arme in die Luft gereckt hätten, würden sie die obere Torlatte mit den Fingerspitzen berühren. DIE schüttelten nur den Kopf. Was sollten sie auch tun? Sie beschlossen, sich an den Spielfeldrand auf den Bänken zu setzen, um zu sehen, was nun geschieht. Zu ihrem Erstaunen gab es anscheinend zwei Schiedsrichter, oder wie sie während des Spiels feststellten, Torzähler, denn zu schiedsen gab es nichts; keine Fouls. Es war regelrecht langweilig für DIE. Denn im Gegensatz zu den Dorfbewohnern, feuerten diese ihre Mannschaften von je neun Spielern und Spielerinnen energisch an. Dabei hatte eine Mannschaft, die Mannschaft, in der alle rote Haare hatten, den roten Ball, und die anderen mit den braunen und blonden Haaren bewegten einen braunen Ball. Auf diese Weise wussten die Zuschauer, welcher Ball zu welcher Mannschaft gehörte. Die Mannschaften nach der Haarfarbe zu sortieren, war der Vorschlag von DIE. Allerdings war das mit den zwei Bällen nicht vorgesehen.

Jedes Mal, wenn ein Ball durch eines der Tore rollte, brach die Menge in großen Jubel aus. Es gab eine etwa fünf Meter entfernte Linie, von der aus geschossen werden durfte. Erst wenn jeder Spieler einer Mannschaft mindestens einmal den Ball berührt hatte, durfte auf das Tor geschossen werden. Startpunkt war das gegenüber liegende Tor. Wurde vorbeigeschossen und der Ball landete hinter oder neben dem Tor, musste wieder neu gestartet werden. Das verursachte ein heilloses Durcheinander, da die Mannschaften um die gegnerischen Spieler herumspielen mussten. Der Ball vom Gegner durfte dabei nicht berührt werden. Es gab eine vorgegebene Spielzeit von zweimal zwanzig Minuten. Zudem mussten die Spieler immer in Bewegung bleiben; keiner durfte stehen. Der Gewinner war am Ende – und das zur Verblüffung von DIE – der Ball, der in dieser Zeit am häufigsten in seinem Tor gelandet war. Ein Ball gewinnt das Spiel? So etwas hatten DIE noch nie gehört. So etwas Verrücktes! Nein, das war zu viel für sie. Für die Leute von Alphantis war es die natürliche Schlussfolgerung, denn schließlich ist der Ball ins Tor gerollt und kein Mensch.

***

Jetzt verstanden DIE – beziehungsweise verstanden sie gerade nicht. Sie sahen lediglich klagend ein, dass es hier an diesem Ort, ja in ganz Alphantis keine Möglichkeit gab, ihren Ehrgeiz nach dem Sieg und dem dazugehörigen Profit zu stillen. Darum bestiegen sie eiligst ihr Flugschiff und kamen nie mehr zurück. Doch für die Alphantianer hatte sich ihr Kunstspektrum um eine neue Attraktion erweitert. Die Kunst gab ihnen die Möglichkeit, etwas zu spielen, bei dem etwas gewonnen werden konnte, ohne dass jemand verlor. Dies nannten sie Torball. Später kamen sie auf eine Variante, bei der nur die Hände benutzt werden durften. Der künstlerische Einfall der Alphantianer kannte keine Grenzen, und so folgten weitere Spiele wie Korbball, Schlägerball und Rollball, aber auch andere Kunstwettkämpfe wurden entwickelt. Da gab es den Wettlauf, bei dem der Zeitabstand zwischen den Zieleinläufen gewann, beim Hochsprung die Stange, wenn sie es schaffte, liegenzubleiben, und beim Weitwurf gewann das Differenzmaß.

Ende der zweiten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein profitorientiertes Wettkampfsystem zu bringen.

Geschrieben 2026

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Noxi Wort 002

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Literaturverfilmung – Rätsel 004

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Kurzgeschichte – Im Warteraum

Die Wartenden verstummten abrupt und ihre Köpfe drehten sich reflexartig zu der sich öffnenden Tür. Eine Frau betrat aufrechten Ganges den ganz in weiß gehaltenen Raum. »Hi Leute, ich bin die Stefanie!«

»Hallo Stefanie«, schallte es ihr in den verschiedensten Stimmlagen entgegen, während sie auf einen leeren Stuhl zuschritt und sich die Tür hinter ihrem Rücken von allein schloss.

Ein Mann bewegte sich hektisch im Raum umher und murmelte: »Diese Warterei macht mich noch ganz verrückt, ich will jetzt endlich zum Chef und hoffe so sehr, dass er mich für seine Abteilung nimmt. Auf keinen Fall will ich in die unterste Etage abgeschoben werden. Nein, nein, nein … das habe ich nicht verdient … wirklich nicht!«, schüttelte er den Kopf.

»Deine Sorgen möchte ich haben, bei deinem Lebenslauf brauchst du dir darüber überhaupt keine Gedanken zu machen. Wenn meiner nur halb so gut aussehen würde wie deiner, dann wäre ich froh. Mein Weg ist klar, für mich geht es abwärts«, entgegnete ein weiterer Mann, der mit gespreizten Beinen auf einem der weißen Stühle saß. Den Oberkörper hatte er leicht nach vorne gebeugt und mit der rechten Hand stützte er sich auf dem Knie ab.

»Ich habe gehört, dass der Chef sehr streng sein soll. Er stellt eine Menge Fragen und merkt sofort, wann man lügt«, wusste eine Frau zu berichten.

»Was sollen diese blöden Fragen eigentlich? Er weiß doch schon eh alles über uns«, kam es von einem anderen Stuhl.

»Er will halt einiges von dir selber hören, deine Ansichten oder wie deine Meinung zu diesem oder jenem Thema ist. Wenn man auf der Kippe steht, kann dieses Gespräch einen vor der ungeliebten unteren Abteilung retten.«

»Hoffentlich komme ich gut an …«, gab der unruhige Mann mit zitternden Lippen von sich.

»Mir ist es gleichgültig! Soll er mich nehmen oder es bleiben lassen. Ist mir doch scheißegal, als ob er jemals in meinem Leben für mich da war, jetzt brauche ich ihn auch nicht mehr«, war eine gegenteilige Meinung von einem Mann mit Namen Gregor, der seine Arme vor dem Oberkörper verschränkt hielt.

»Ich glaube, ich habe zwei triftige Argumente, dass er mich nimmt«, meinte Stefanie lächelnd und richtete ihre Brüste.

»Wenn du meinst! Du würdest doch alles tun, dass er dich nimmt, doch bei deinem Lebenslauf … viel Erfolg und was deine Argumente betrifft, damit stößt du bei ihm sowieso auf Granit«, erklärte der breitbeinig Sitzende.

Plötzlich öffnete sich ein Loch in der weißen Decke und ein seichter Wolkennebel verteilte sich im Raum, aus dem eine Stimme herniederhallte: »Gregor! Stelle dich in die Mitte des Raumes.« Keine Reaktion. »Gregor!« Zögerlich entfaltete der Gerufene seine überkreuzten Arme, erhob sich langsam und bewegte sich mit hängenden Schultern unter die Deckenöffnung. Die anderen wünschten ihm viel Glück und Gregor schwebte in die Höhe.

»Wollen mal hoffen, dass er den da oben mit seinen irdischen Taten überzeugen kann und er ihn trotz seiner Verfehlungen zu sich nimmt.«

»Tja, ansonsten geht es abwärts. Der da unten nimmt doch jeden mit Kusshand!«

»Da bin ich mir nicht mehr so sicher. Ich habe gehört, dass da bald wegen Überfüllung geschlossen wird.«

Geschrieben 2019

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