
Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst
Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten bewegten sich in einem losen Konstrukt vorwärts. Sie trugen einheitliche dunkelgraue Anzüge mit hellgrauen Hemden und Krawatten in Anzugfarbe. Auf den Nasen steckten Brillen und auf den Köpfen trugen sie einen einheitlichen silbergrauen Kurzhaarschnitt mit Seitenscheitel. Jeder von ihnen hielt ein Notizbuch in der rechten Hand. Sie grüßten freundlich die Menschen, denen sie begegneten und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Schließlich kamen DIE an einen Baum vorbei, an dem ein kleines Mädchen durch die Luft hin und her schwang.
»Guten Tag, mein liebes Kind.«
»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?«
»Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und wir möchten mit eurem Präsidenten sprechen.«
»Präsidenten?!«, kicherte Ariana, während sie weiter an der Baumschaukel vor und zurück pendelte, »was ist denn das?«
»Na, euren Chef, der Häuptling oder wie sagt ihr zu dem, der hier das Sagen hat?«
»Das Sagen hat?«
»Der, der hier die Entscheidungen trifft. Der bestimmt, wo es lang geht.«
»Och«, machte Ariana, sprang in der Vorwärtsbewegung im Flug von der Sitzfläche und landete vor DIE. Sie schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »ich weiß auch nicht? Wir brauchen keinen Bestimmer, das geht alles so. Jeder macht bei Entscheidungen mit.«
»Wir wollen und können das nicht so recht glauben«, zweifelten DIE, »du veralberst uns doch?!«
»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«
»Aber ihr braucht doch zumindest eine Regierung, die ihr gewählt habt.«
»Das verstehe ich alles nicht, am besten bringe ich euch zu Zoey, vielleicht ist die ja sowas wie unsere Regierung. Da sie zurzeit die Dorfvorsteherin ist.«
»Na, meine Kleine, das ist doch schon mal ein Anfang in die richtige Richtung. Doch bevor du dieses tust, zeige uns doch bitte einmal, wie ihr hier so lebt.«
Ariana erfüllte den Wunsch von DIE und führte sie wie einst die Händler durch Xsaxus und sein Umfeld. Sie spazierten zwischen den Häusern hindurch, über den Dorfplatz, weiter zu den Spielplätzen, den Bastelstellen und den Tierunterkünften. Ariana erklärte dabei, was die Besucher zu sehen bekamen und DIE schauten sich alles genau an und machten eifrige Notizen in ihren mitgebrachten Büchern. So auch von den Schaukeln, Klettergerüsten und Baumhäusern, die sich überall in der Gegend verteilten. Hier und da sahen sie Kinder, die sich in diesen Anlagen bewegten. Die Gestaltung des Dorfes mit seinem Umfeld glich einem riesigen Freizeitpark. DIE notierten sich dieses mit der Anmerkung: Liegt eine Baugenehmigung und ein Gewerbeschein vor und wurde Gewerbesteuer abgeführt? Auf einer Lichtung beobachteten DIE eine Gruppe von Menschen, die ihre Arme und Beine kreisen und schwingen ließen, streckten und beugten ihre Gliedmaßen, der Möglichkeiten des Körpers entsprechend. Alles sah sehr weich und geschmeidig aus.
»Was machen die Leute da?«, fragten DIE interessiert.
»Sie spielen mit ihrem Körper.«
»Interessant!«, sagten DIE und notierten: Genehmigung? Sportsteuer?
In einer Bastelstätte trafen sie auf Zoey. Ariana stellte DIE vor und erklärte Zoey, dass es hier in Alphantis anscheinend an einer Regierung fehle, »und nicht nur das«, fügten DIE hinzu, »uns ist zu Ohren gekommen, dass ihr in Alphantis nicht gerade kooperativ gegenüber Verbesserungen seid. So wollt ihr nicht den Sinn und Zweck des Handelns verstehen und euch auch nicht in sportlichen Wettkämpfen messen. Doch dieses ist Bürgerpflicht, damit das Volk beschäftigt ist. Doch nicht nur dieses, denn es lernt dabei, sich auf eine Seite zu begeben; sich für eine Seite einzusetzen. Wettkämpfe bieten einen Ausgleich zum harten Arbeitsalltag. Ein Ausgleich, der mit Brot und Spielen geschaffen wird. Aber lassen wir das fürs Erste. Wir wollen nun mit allen Bewohnern sprechen, oder vielmehr, wir haben etwas zu verkünden. Wo wäre ein passender Ort dafür?«
Zoey schlug vor, sich mit den Einwohnern von Xsaxus auf dem Dorfplatz zu versammeln.
»Gut, aber macht schnell, es ist sehr wichtig für euch alle und bringt bitte bei der Gelegenheit die Baugenehmigungen und Gewerbeanmeldungen für diese Fertigungsstätten mit.«
***
Auf dem Dorfplatz begannen DIE zu erklären, dass sie in erster Linie im Auftrag der Händler hier seien, um die dringend benötigte Handelsstruktur zu erstellen. Um dies zu erreichen, müssten als erstes die nötigen Zahlungsmittel eingeführt werden. Ohne diese, so betonten DIE unmissverständlich, ginge es auf keinem Fall.
»Als erstes werden wir eine Bank errichten, wo ihr Kredite aufnehmen müsst, damit ihr das so dringend benötigte Geld zu eurer freien Verfügung habt. Diese Kredite werdet ihr nach und nach zurückzahlen, mit Zinsen versteht sich. Nur so kann ein gutes und stabiles Wirtschaftssystem aufgebaut werden.«
»Das kennen wir bereits und haben eingesehen, dass wir dieses Geld dringend für unsere Kunst brauchen«, entgegnete Zoey spöttisch.
»Seht ihr, und gerade dort liegt euer Problem. Ihr habt nicht verstanden, worum es wirklich geht.«
»Doch, denn es geht immer nur um die Kunst. Geld ist für die Kunst da, in der Realität schafft das nur Probleme. Denn diese Art der Geldschöpfung funktioniert ja nur in eine Richtung«, bemerkte Silias.
DIE übergingen die Bemerkung von Silias und führten fort: »Ihr braucht Geld. Basta! Denn wie wollt ihr eure zukünftigen Steuern bezahlen? Bei uns liegt nichts vor, woraus hervorgeht, dass ihr jemals Steuergelder abgeführt habt. Alleine dafür benötigt ihr Wirtschaft und Geld. Wir haben auf dem Weg hierher vieles gefunden, wofür ihr Steuern zahlen müsst.«
Die Alphantianer schauten sich stumm an und bei allen stand das Wort »Steuern« mit einem Fragezeichen auf der Stirn.
»Ja, Steuern und weitere Abgaben, zu denen jeder Einzelne verpflichtet ist. Doch es sind ja keine reinen Abgaben, denn immerhin bekommt ihr für alles eine Leistung zurück. So werden von den Steuern tolle Sachen gebaut, wie Schulen und ein Bürokratieapparat und wir, die Regierung, müssen ja auch finanziert werden. Ihr werdet zudem in ein Rentensystem einzahlen, auf dass ihr im Alter versorgt seid. So ist für alle Zeit sichergestellt, dass ihr nach einem harten, aber erfüllten Arbeitsleben eure letzten Jahre genießen könnt.«
»Die letzten Jahre?«, riefen einige und Felina sagte: »Wir genießen jeden Tag!« und Ariana ergänzte: »Wir leben jeden Tag bewusst und machen ein schönes Erlebnis aus ihm. Darum benötigen wir keine Rente und außerdem unterstützen wir uns gegenseitig. Wir Jungen helfen den Alten und auch umgekehrt.«
»So sieht es die GER, die Galaktische-Einheits-Regierung, aber nicht vor. So eine Gesellschaftsform ist rückständig.«
»Rückständig?«, fragte Silias, »Wir haben einen Status erreicht, der für uns absolut ausreichend ist. Das hat nichts mit rückständig zu tun.«
»So sieht es aus«, bestätigte Felina ihren Mann und fügte hinzu: »Wir führen ein gutes, gesundes und vor allem ein erfülltes Leben. Alles, was über unseren Standard hinausgehen würde, oder ihn unterschreitet, würde uns aus dem Gleichgewicht stoßen. Alles würde aus dem Lot gebracht.«
»Wir leben hier in einer Gemeinschaft, alles geht Hand in Hand«, ergänzte Zoey und Felina fuhr fort: »So fühlen wir uns auch, wie eine Hand. Ohne diese enge Verbindung würde es nicht funktionieren.«
»Genau, und die einzelnen Finger machen erst mit der Verbindung zur Handfläche ein Ganzes und wir schauen darauf, dass kein Finger verloren geht.«
»Jeder macht hier alles, was in seinem Ermessen liegt und seinen Fähigkeiten beziehungsweise seinen Veranlagungen entspricht.«
»Und dabei spielt es keine Rolle, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist … eine Frau oder ein Mann.«
»Es geht hier bei uns um die Notwendigkeit der Dinge. Wenn wir diese gefunden haben, werden sie umgesetzt.«
»Schön, schön!«, sagten DIE und schüttelten dabei die Köpfe und verdrehten ihre Augen. »Das lässt sich alles noch besprechen und ich bin sicher, ihr werdet bald eine andere Einstellung bekommen. Doch nun zu einem weiteren Thema, welches sehr besorgniserregend ist.« DIE machten eine andächtige Pause. »Die GGO hat uns mitgeteilt, dass es hier erhebliche gesundheitliche Mängel geben soll. Viele eurer Testergebnisse sind bei den Krankheiten, welche bei der GGO gelistet sind, positiv oder eure Werte entsprechen nicht der Norm. Bedeutet, viele von euch sind krank, ohne es zu wissen. Daher fordert die GGO dringend ein funktionierendes Gesundheitssystem. Dieses besteht daraus, dass Medikamente und Spritzen von Fachpersonal verabreicht werden, sowie lebenswichtige operative Eingriffe.«
Zoey wollte gerade ansetzen, etwas dazu zu sagen, doch DIE winkten ab. »Später, wir haben noch mehr zu berichten darüber, was hier bei euch fehlt und nicht angenommen werden will. Und damit kommen wir auch schon zum Nächsten. Ein großes Problem stellt für euch anscheinend die Gottesfürchtigkeit dar, die hier in ganz Alphantis zu wünschen übriglässt.«
»Wir haben Gott!«, riefen die Bewohner empört, »aber sind nicht gottesfürchtig.«
»Ja, schon gut! Wir wissen Bescheid! Dennoch müssen wir euch leider sagen, dass ihr mit eurer Einstellung völlig verkehrt liegt. Denn Gott ist der Erschaffer allen Lebens und der Natur, er ist nicht die Natur.«
Die Bewohner sahen sich wieder einmal kopfschüttelnd an und sprachen miteinander.
»Beruhigt euch Leute, wir wissen, dass das alles ein bisschen viel auf einmal ist, aber ihr habt ja auf DIE Gesandten nicht gehört. Hättet ihr das, dann wäre hier alles so nach und nach gekommen und ihr wärt da reingewachsen. Doch nun müsst ihr den sauren Apfel essen. Denn nicht nur, dass ihr kein Sozialsystem, kein Gesundheitssystem, keine Gotteshäuser und keine Steuern zahlt, zudem gibt es auch kein Rechtssystem bei euch. Ihr seid eine gesetzlose Gesellschaft, die früher oder später im Chaos enden wird. Ihr braucht Gesetze, gerade solche, die Verbote bewirken.«
»Verbote schaffen böse Taten, Gebote braucht es und diese haben wir. Wir befolgen die Gebote, so tun wir nichts Verbotenes … Verbote verbieten sich von selbst«, sprach Ariana.
»Ist recht mein Kind«, gaben DIE mit einem mitleidigen Nicken zurück, »wir werden euch schon überzeugen, dass ihr auch da leider falsch liegt. Doch machen wir weiter: Denn uns ist noch etwas Gravierendes aufgefallen, also wir euer Dorf begutachteten, nämlich, dass ihr gar keine Schulen oder sonstige Bildungs- und Erziehungsstätten habt. Nicht mal die kleinste Einrichtung ist zu finden.«
»Wozu sollen diese gut sein?«, fragten einige der Bewohner.
»Um eure Kinder zu erziehen und ihnen beispielsweise Schreiben und Lesen beizubringen.«
»Was lesen? Eure Gottesbücher vielleicht? Wir brauchen kein Schreiben, wir rechnen und messen, haben ein Zahlensystem«, sagte Silias.
»Wir hörten, dass ihr hier Theater spielt, doch wie schreibt ihr eure Stücke? Wie werden sie festgehalten, damit sie immer gleich gespielt werden können?«
»Die Theatervorsteher erarbeiten ein Konzept mit den Schauspielern und dann wird improvisiert. Auf diese Weise kommt dann immer etwas anderes dabei heraus … so geht Kunst!«, erklärte Felina, »Denn Kunst kann und darf nicht immer gleich sein.«
»Nun gut, aber wie erzieht ihr eure Kinder und bringt ihnen etwas gezielt bei?«
»In erster Linie sprechen wir Erwachsenen untereinander höflich und gerade mit den Kindern und jeder sieht von sich ab. Dann wird den Kindern dieses vorgelebt. Es wird mit den Kindern gelebt, sie sind Teil der Gemeinschaft und werden nicht getrennt behandelt. Sie bekommen alles mit, lernen beim Leben und spielen. Wir lehren und erziehen, wie ihr es nennt, durch die Beziehung, die wir zu unseren Kindern pflegen«, berichtete Zoey.
»Nein, nein! Das ist kein vernünftiger Ansatz. Ihr braucht Kindergärten und Schulen, wo ihr die Kinder abgebt, damit sie nach den Richtlinien der GER erzogen werden können. Wo sie ihre richtige Bildung bekommen. In der Zeit, in der die Kinder in diesen Einrichtungen sind, können die Eltern einer vernünftigen Arbeit nachgehen. Auf diese Weise können wir für uns …», DIE räusperten sich, »also für uns und vor allem für euch, mehr Steuern einholen. Und am besten geht dies, wenn beide Elternteile arbeiten. Auf diese Weise entstehen viele Arbeitsplätze in den Kindergärten und Schulen. Hier werden die Erwachsenen Geld für ihre Erziehungsarbeit bekommen. Geld, was sie nicht bekommen würden, wenn sie zu Hause blieben. Denn so wie es zurzeit ist, hat doch niemand was davon. Wie sollen wir denn da die Steuern berechnen?«
»Na eben gar nicht!«, riefen die Bewohner lachend und DIE versuchten die Leute weiter davon zu überzeugen, wie wichtig die Steuern sind. Danach gingen DIE zu einem weiteren Thema.
»Zudem mussten wir feststellen, dass hier mit eurer Kunst so einiges nicht stimmt. Auf dem Weg hierher haben wir so einige Skulpturen gesehen, die unter anderem Diskriminierungen gegen einzelne Gruppen darstellen. Auf diese Weise hetzt ihr gegen den wahren Gottesglauben, gegen Arbeit, Ehrgeiz, den Gebrauch von Geld und nicht zu vergessen die lebenswichtigen Medikamenten und Spritzen. Aus diesem Grund werden wir die hetzenden Skulpturen kennzeichnen, die dann entfernt werden müssen. Ebenso verhält es sich mit euren Theaterstücken. Wir werden euch schulen, was ihr per Gesetz sagen und machen dürft. Es ist genau geregelt, was Kunst ist und was Diskriminierendes oder Hetzerisches darstellt.«
»Kunst ist doch alles! Kunst macht alles«, verbesserte Ariana.
»Nein, absolut nicht. Wir sehen, ihr müsst noch so einiges lernen. Darum müssen wir euch von Grund auf mit einem Regelwerk versehen, welches bis in eure Familien hineinreicht. Ihr braucht viele Gesetze für euer Leben und Handeln, die alles bis ins Kleinste berücksichtigen. Ihr müsst lernen, diese Gesetze zu befolgen und wenn ihr mitbekommt, dass sich eure Mitmenschen nicht an diese halten, dann seid ihr verpflichtet, das umgehend bei den zuständigen Stellen zu melden.«
»Wir brauchen viele Gesetze? Warum viele? Wir haben Gebote, die aus unseren Tugenden erwachsen sind und leben diese. Alles andere, also was verboten ist, erschließt sich dann aus sich selbst heraus«, sprach Zoey.
»Papalapap, Gesetze müssen her. Ihr braucht Gesetze, damit hier endlich Recht und Ordnung herrscht! Gesetze müssen aufgeschrieben werden. Punktum!«
»Das denken wir nicht. Jeder trägt unsere Gebote in sich. Sie werden im alltäglichen Leben von den älteren auf die jüngeren übertragen«, erklärte Zoey.
»Genau, und aus diesem Grund haben wir auch keinen Bedarf an Wirtschaft, Religion oder dem anderen, welches ihr uns aufdrängen wollt und für eine Regierung haben wir schon gar keinen Bedarf. Wir kommen sehr gut zurecht und es war gut so, dass wir von dem allem nichts wussten und sollten es auch schnell wieder vergessen, beziehungsweise in die Kunst abgeben, denn nur dafür ist das Zeugs gut, all das muss in die Kunst gespielt werden, damit es nicht in die Realität kommen kann«, rief Silias.
»Aber so geht das wirklich nicht!«, empörten sich DIE, »Jedes Volk braucht eine Führung, eine Regierung und ein Gericht mit Richtern, damit alles seine Ordnung hat.«
»Es braucht keinen Führer, wenn jeder einfach für sich und für die Gemeinschaft lebt und das Notwendige einbringt«, sagte Zoey.
»Das redet ihr euch ein. Ihr braucht uns, wir sind DIE, die eure Probleme lösen!«
»Was sind Probleme? Wir haben eine Methode, mit der wir seit ewiger Zeit klarkommen. Wenn wir etwas entdecken, ihr würdet wohl sagen ein Problem haben, versuchen wir die Aufgabe, die darin steckt, zu erkennen, dann verarbeiten wir dies und hinterfragen anschließend alles, um es richtig zu verstehen. Dann treffen wir gemeinsam eine Entscheidung und begleiten diese bis zum eigenständigen Entstehenlassen.«
»Okay, lasst es uns anders angehen! Wenn wir es richtig verstanden haben, habt ihr doch auch Leute in Ämtern, wie Dorfvorsteher, wie wird man das?«
»Einmal im Jahr wird gefragt, wer den Posten übernehmen will, und dann entscheidet das Los. Der Dorfvorsteher ist Ansprechpartner dafür, was bei der wöchentlichen Versammlung besprochen werden soll. Dort werden über die Dinge abgestimmt. Jeder kann daran teilnehmen«, erklärte Felina.
»Wer gewählt ist, hat dann also eine leitende Vermittlerposition.«
»Ja, wenn ihr es so sagen wollt!«
»Und genau das sind auch wir, wir sind das Sprachrohr, die Vermittler, für die Interessen der entsprechenden Einrichtungen, welche bereits hier bei euch gewesen sind. Und das Gute daran ist, ihr müsst uns nicht so in der Gruppierung akzeptieren, wie wir hier vor euch stehen. Nein, ihr könnt wählen und eine Wahl zu haben ist doch besser als ein Los. Das ist wahre Demokratie, alles andere ist demokratiefeindlich, wie euer Losverfahren.«
»Wieso sollen wir etwas wählen? Alles, was wir hier haben, ist doch da und braucht nicht gewählt werden. Jeder weiß, was notwendig ist zu tun, da müssen wir doch keinen wählen, der uns das sagt.«
»Ihr dürft dann auch demonstrieren, wenn ihr meint, dass euch Ungerechtigkeit widerfährt. Ihr dürft sagen, was ihr wollt. Es herrscht schließlich Meinungsfreiheit! Und nun Schluss mit der Debatte! Wir werden morgen die erste offizielle geheime Wahl abhalten, bei der jeder seine Stimme abgibt.« DIE betonten das Ende besonders deutlich und sprachen weiter: »Ihr bekommt fünf Parteien zur Auswahl. Diese werden vorher ihre Programme vorstellen. Jeder ist eingeladen mitzumachen und wer will, kann in eine Partei eintreten. Auf diese Weise werdet ihr eins mit uns und nach und nach werdet ihr dann unsere Meinungen annehmen … also, äh werden wir unsere und eure Meinungen austauschen … also in einen Meinungsaustausch gehen!«
***
Am nächsten Tag geschah es wie angekündigt. Die ersten offiziellen Wahlen sollten in Xsaxus stattfinden. Es war sozusagen ein Probelauf für ganz Alphantis. Die einzelnen Parteienmitglieder schwenkten ihre Fahnen und hielten Plakate mit Sprüchen hoch, die da beispielsweise lauteten: Für ein fortschrittliches Land! Vernunft und Menschlichkeit! Zuversicht, nur mit uns! Wir machen das! Wohlstand und Sicherheit! Zudem wurden wie angekündigt die einzelnen Parteiprogramme vorgetragen. Doch die Bewohner hörten gar nicht hin, sie begannen die tristen grauen Anzüge der DIE mit Herzen und Blumen zu bemalen, machten Knoten in ihre Krawatten, setzten ihnen Strohhüte auf oder veränderten ihre Frisuren. Ohne sich davon beeindrucken zu lassen, redeten DIE ohne Unterbrechung weiter. Doch als ihnen ihre Notizbücher genommen wurden, war es zu viel für DIE.
»Ihr werdet schon sehen, was ihr von eurer Verweigerung habt. Wenn ihr nicht hören wollt, dann werdet ihr es spüren. Ihr werdet sehen, was ihr davon habt, jetzt kann euch keiner mehr helfen, denn ihr werdet Besuch bekommen. Das versprechen wir euch.«
Ende der sechsten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein profitorientiertes Regierungssystem zu bringen.
Geschrieben 2026
Mehr zu Alphantis und der -tis Trilogie gibt es hier.
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