Alphantis – Episode 6

Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst

Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten bewegten sich in einem losen Konstrukt vorwärts. Sie trugen einheitliche dunkelgraue Anzüge mit hellgrauen Hemden und Krawatten in Anzugfarbe. Auf den Nasen steckten Brillen und auf den Köpfen trugen sie einen einheitlichen silbergrauen Kurzhaarschnitt mit Seitenscheitel. Jeder von ihnen hielt ein Notizbuch in der rechten Hand. Sie grüßten freundlich die Menschen, denen sie begegneten und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Schließlich kamen DIE an einen Baum vorbei, an dem ein kleines Mädchen durch die Luft hin und her schwang.
»Guten Tag, mein liebes Kind.«
»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?«
»Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und wir möchten mit eurem Präsidenten sprechen.«
»Präsidenten?!«, kicherte Ariana, während sie weiter an der Baumschaukel vor und zurück pendelte, »was ist denn das?«
»Na, euren Chef, der Häuptling oder wie sagt ihr zu dem, der hier das Sagen hat?«
»Das Sagen hat?«
»Der, der hier die Entscheidungen trifft. Der bestimmt, wo es lang geht.«
»Och«, machte Ariana, sprang in der Vorwärtsbewegung im Flug von der Sitzfläche und landete vor DIE. Sie schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »ich weiß auch nicht? Wir brauchen keinen Bestimmer, das geht alles so. Jeder macht bei Entscheidungen mit.«
»Wir wollen und können das nicht so recht glauben«, zweifelten DIE, »du veralberst uns doch?!«
»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«
»Aber ihr braucht doch zumindest eine Regierung, die ihr gewählt habt.«
»Das verstehe ich alles nicht, am besten bringe ich euch zu Zoey, vielleicht ist die ja sowas wie unsere Regierung. Da sie zurzeit die Dorfvorsteherin ist.«
»Na, meine Kleine, das ist doch schon mal ein Anfang in die richtige Richtung. Doch bevor du dieses tust, zeige uns doch bitte einmal, wie ihr hier so lebt.«

Ariana erfüllte den Wunsch von DIE und führte sie wie einst die Händler durch Xsaxus und sein Umfeld. Sie spazierten zwischen den Häusern hindurch, über den Dorfplatz, weiter zu den Spielplätzen, den Bastelstellen und den Tierunterkünften. Ariana erklärte dabei, was die Besucher zu sehen bekamen und DIE schauten sich alles genau an und machten eifrige Notizen in ihren mitgebrachten Büchern. So auch von den Schaukeln, Klettergerüsten und Baumhäusern, die sich überall in der Gegend verteilten. Hier und da sahen sie Kinder, die sich in diesen Anlagen bewegten. Die Gestaltung des Dorfes mit seinem Umfeld glich einem riesigen Freizeitpark. DIE notierten sich dieses mit der Anmerkung: Liegt eine Baugenehmigung und ein Gewerbeschein vor und wurde Gewerbesteuer abgeführt? Auf einer Lichtung beobachteten DIE eine Gruppe von Menschen, die ihre Arme und Beine kreisen und schwingen ließen, streckten und beugten ihre Gliedmaßen, der Möglichkeiten des Körpers entsprechend. Alles sah sehr weich und geschmeidig aus.
»Was machen die Leute da?«, fragten DIE interessiert.
»Sie spielen mit ihrem Körper.«
»Interessant!«, sagten DIE und notierten: Genehmigung? Sportsteuer?

In einer Bastelstätte trafen sie auf Zoey. Ariana stellte DIE vor und erklärte Zoey, dass es hier in Alphantis anscheinend an einer Regierung fehle, »und nicht nur das«, fügten DIE hinzu, »uns ist zu Ohren gekommen, dass ihr in Alphantis nicht gerade kooperativ gegenüber Verbesserungen seid. So wollt ihr nicht den Sinn und Zweck des Handelns verstehen und euch auch nicht in sportlichen Wettkämpfen messen. Doch dieses ist Bürgerpflicht, damit das Volk beschäftigt ist. Doch nicht nur dieses, denn es lernt dabei, sich auf eine Seite zu begeben; sich für eine Seite einzusetzen. Wettkämpfe bieten einen Ausgleich zum harten Arbeitsalltag. Ein Ausgleich, der mit Brot und Spielen geschaffen wird. Aber lassen wir das fürs Erste. Wir wollen nun mit allen Bewohnern sprechen, oder vielmehr, wir haben etwas zu verkünden. Wo wäre ein passender Ort dafür?«
Zoey schlug vor, sich mit den Einwohnern von Xsaxus auf dem Dorfplatz zu versammeln.
»Gut, aber macht schnell, es ist sehr wichtig für euch alle und bringt bitte bei der Gelegenheit die Baugenehmigungen und Gewerbeanmeldungen für diese Fertigungsstätten mit.«

***

Auf dem Dorfplatz begannen DIE zu erklären, dass sie in erster Linie im Auftrag der Händler hier seien, um die dringend benötigte Handelsstruktur zu erstellen. Um dies zu erreichen, müssten als erstes die nötigen Zahlungsmittel eingeführt werden. Ohne diese, so betonten DIE unmissverständlich, ginge es auf keinem Fall.
»Als erstes werden wir eine Bank errichten, wo ihr Kredite aufnehmen müsst, damit ihr das so dringend benötigte Geld zu eurer freien Verfügung habt. Diese Kredite werdet ihr nach und nach zurückzahlen, mit Zinsen versteht sich. Nur so kann ein gutes und stabiles Wirtschaftssystem aufgebaut werden.«
»Das kennen wir bereits und haben eingesehen, dass wir dieses Geld dringend für unsere Kunst brauchen«, entgegnete Zoey spöttisch.
»Seht ihr, und gerade dort liegt euer Problem. Ihr habt nicht verstanden, worum es wirklich geht.«
»Doch, denn es geht immer nur um die Kunst. Geld ist für die Kunst da, in der Realität schafft das nur Probleme. Denn diese Art der Geldschöpfung funktioniert ja nur in eine Richtung«, bemerkte Silias.
DIE übergingen die Bemerkung von Silias und führten fort: »Ihr braucht Geld. Basta! Denn wie wollt ihr eure zukünftigen Steuern bezahlen? Bei uns liegt nichts vor, woraus hervorgeht, dass ihr jemals Steuergelder abgeführt habt. Alleine dafür benötigt ihr Wirtschaft und Geld. Wir haben auf dem Weg hierher vieles gefunden, wofür ihr Steuern zahlen müsst.«
Die Alphantianer schauten sich stumm an und bei allen stand das Wort »Steuern« mit einem Fragezeichen auf der Stirn.
»Ja, Steuern und weitere Abgaben, zu denen jeder Einzelne verpflichtet ist. Doch es sind ja keine reinen Abgaben, denn immerhin bekommt ihr für alles eine Leistung zurück. So werden von den Steuern tolle Sachen gebaut, wie Schulen und ein Bürokratieapparat und wir, die Regierung, müssen ja auch finanziert werden. Ihr werdet zudem in ein Rentensystem einzahlen, auf dass ihr im Alter versorgt seid. So ist für alle Zeit sichergestellt, dass ihr nach einem harten, aber erfüllten Arbeitsleben eure letzten Jahre genießen könnt.«
»Die letzten Jahre?«, riefen einige und Felina sagte: »Wir genießen jeden Tag!« und Ariana ergänzte: »Wir leben jeden Tag bewusst und machen ein schönes Erlebnis aus ihm. Darum benötigen wir keine Rente und außerdem unterstützen wir uns gegenseitig. Wir Jungen helfen den Alten und auch umgekehrt.«
»So sieht es die GER, die Galaktische-Einheits-Regierung, aber nicht vor. So eine Gesellschaftsform ist rückständig.«
»Rückständig?«, fragte Silias, »Wir haben einen Status erreicht, der für uns absolut ausreichend ist. Das hat nichts mit rückständig zu tun.«
»So sieht es aus«, bestätigte Felina ihren Mann und fügte hinzu: »Wir führen ein gutes, gesundes und vor allem ein erfülltes Leben. Alles, was über unseren Standard hinausgehen würde, oder ihn unterschreitet, würde uns aus dem Gleichgewicht stoßen. Alles würde aus dem Lot gebracht.«
»Wir leben hier in einer Gemeinschaft, alles geht Hand in Hand«, ergänzte Zoey und Felina fuhr fort: »So fühlen wir uns auch, wie eine Hand. Ohne diese enge Verbindung würde es nicht funktionieren.«
»Genau, und die einzelnen Finger machen erst mit der Verbindung zur Handfläche ein Ganzes und wir schauen darauf, dass kein Finger verloren geht.«
»Jeder macht hier alles, was in seinem Ermessen liegt und seinen Fähigkeiten beziehungsweise seinen Veranlagungen entspricht.«
»Und dabei spielt es keine Rolle, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist … eine Frau oder ein Mann.«
»Es geht hier bei uns um die Notwendigkeit der Dinge. Wenn wir diese gefunden haben, werden sie umgesetzt.«
»Schön, schön!«, sagten DIE und schüttelten dabei die Köpfe und verdrehten ihre Augen. »Das lässt sich alles noch besprechen und ich bin sicher, ihr werdet bald eine andere Einstellung bekommen. Doch nun zu einem weiteren Thema, welches sehr besorgniserregend ist.« DIE machten eine andächtige Pause. »Die GGO hat uns mitgeteilt, dass es hier erhebliche gesundheitliche Mängel geben soll. Viele eurer Testergebnisse sind bei den Krankheiten, welche bei der GGO gelistet sind, positiv oder eure Werte entsprechen nicht der Norm. Bedeutet, viele von euch sind krank, ohne es zu wissen. Daher fordert die GGO dringend ein funktionierendes Gesundheitssystem. Dieses besteht daraus, dass Medikamente und Spritzen von Fachpersonal verabreicht werden, sowie lebenswichtige operative Eingriffe.«
Zoey wollte gerade ansetzen, etwas dazu zu sagen, doch DIE winkten ab. »Später, wir haben noch mehr zu berichten darüber, was hier bei euch fehlt und nicht angenommen werden will. Und damit kommen wir auch schon zum Nächsten. Ein großes Problem stellt für euch anscheinend die Gottesfürchtigkeit dar, die hier in ganz Alphantis zu wünschen übriglässt.«
»Wir haben Gott!«, riefen die Bewohner empört, »aber sind nicht gottesfürchtig.«
»Ja, schon gut! Wir wissen Bescheid! Dennoch müssen wir euch leider sagen, dass ihr mit eurer Einstellung völlig verkehrt liegt. Denn Gott ist der Erschaffer allen Lebens und der Natur, er ist nicht die Natur.«
Die Bewohner sahen sich wieder einmal kopfschüttelnd an und sprachen miteinander.
»Beruhigt euch Leute, wir wissen, dass das alles ein bisschen viel auf einmal ist, aber ihr habt ja auf DIE Gesandten nicht gehört. Hättet ihr das, dann wäre hier alles so nach und nach gekommen und ihr wärt da reingewachsen. Doch nun müsst ihr den sauren Apfel essen. Denn nicht nur, dass ihr kein Sozialsystem, kein Gesundheitssystem, keine Gotteshäuser und keine Steuern zahlt, zudem gibt es auch kein Rechtssystem bei euch. Ihr seid eine gesetzlose Gesellschaft, die früher oder später im Chaos enden wird. Ihr braucht Gesetze, gerade solche, die Verbote bewirken.«
»Verbote schaffen böse Taten, Gebote braucht es und diese haben wir. Wir befolgen die Gebote, so tun wir nichts Verbotenes … Verbote verbieten sich von selbst«, sprach Ariana.
»Ist recht mein Kind«, gaben DIE mit einem mitleidigen Nicken zurück, »wir werden euch schon überzeugen, dass ihr auch da leider falsch liegt. Doch machen wir weiter: Denn uns ist noch etwas Gravierendes aufgefallen, also wir euer Dorf begutachteten, nämlich, dass ihr gar keine Schulen oder sonstige Bildungs- und Erziehungsstätten habt. Nicht mal die kleinste Einrichtung ist zu finden.«
»Wozu sollen diese gut sein?«, fragten einige der Bewohner.
»Um eure Kinder zu erziehen und ihnen beispielsweise Schreiben und Lesen beizubringen.«
»Was lesen? Eure Gottesbücher vielleicht? Wir brauchen kein Schreiben, wir rechnen und messen, haben ein Zahlensystem«, sagte Silias.
»Wir hörten, dass ihr hier Theater spielt, doch wie schreibt ihr eure Stücke? Wie werden sie festgehalten, damit sie immer gleich gespielt werden können?«
»Die Theatervorsteher erarbeiten ein Konzept mit den Schauspielern und dann wird improvisiert. Auf diese Weise kommt dann immer etwas anderes dabei heraus … so geht Kunst!«, erklärte Felina, »Denn Kunst kann und darf nicht immer gleich sein.«
»Nun gut, aber wie erzieht ihr eure Kinder und bringt ihnen etwas gezielt bei?«
»In erster Linie sprechen wir Erwachsenen untereinander höflich und gerade mit den Kindern und jeder sieht von sich ab. Dann wird den Kindern dieses vorgelebt. Es wird mit den Kindern gelebt, sie sind Teil der Gemeinschaft und werden nicht getrennt behandelt. Sie bekommen alles mit, lernen beim Leben und spielen. Wir lehren und erziehen, wie ihr es nennt, durch die Beziehung, die wir zu unseren Kindern pflegen«, berichtete Zoey.
»Nein, nein! Das ist kein vernünftiger Ansatz. Ihr braucht Kindergärten und Schulen, wo ihr die Kinder abgebt, damit sie nach den Richtlinien der GER erzogen werden können. Wo sie ihre richtige Bildung bekommen. In der Zeit, in der die Kinder in diesen Einrichtungen sind, können die Eltern einer vernünftigen Arbeit nachgehen. Auf diese Weise können wir für uns …», DIE räusperten sich, »also für uns und vor allem für euch, mehr Steuern einholen. Und am besten geht dies, wenn beide Elternteile arbeiten. Auf diese Weise entstehen viele Arbeitsplätze in den Kindergärten und Schulen. Hier werden die Erwachsenen Geld für ihre Erziehungsarbeit bekommen. Geld, was sie nicht bekommen würden, wenn sie zu Hause blieben. Denn so wie es zurzeit ist, hat doch niemand was davon. Wie sollen wir denn da die Steuern berechnen?«
»Na eben gar nicht!«, riefen die Bewohner lachend und DIE versuchten die Leute weiter davon zu überzeugen, wie wichtig die Steuern sind. Danach gingen DIE zu einem weiteren Thema.
»Zudem mussten wir feststellen, dass hier mit eurer Kunst so einiges nicht stimmt. Auf dem Weg hierher haben wir so einige Skulpturen gesehen, die unter anderem Diskriminierungen gegen einzelne Gruppen darstellen. Auf diese Weise hetzt ihr gegen den wahren Gottesglauben, gegen Arbeit, Ehrgeiz, den Gebrauch von Geld und nicht zu vergessen die lebenswichtigen Medikamenten und Spritzen. Aus diesem Grund werden wir die hetzenden Skulpturen kennzeichnen, die dann entfernt werden müssen. Ebenso verhält es sich mit euren Theaterstücken. Wir werden euch schulen, was ihr per Gesetz sagen und machen dürft. Es ist genau geregelt, was Kunst ist und was Diskriminierendes oder Hetzerisches darstellt.«
»Kunst ist doch alles! Kunst macht alles«, verbesserte Ariana.
»Nein, absolut nicht. Wir sehen, ihr müsst noch so einiges lernen. Darum müssen wir euch von Grund auf mit einem Regelwerk versehen, welches bis in eure Familien hineinreicht. Ihr braucht viele Gesetze für euer Leben und Handeln, die alles bis ins Kleinste berücksichtigen. Ihr müsst lernen, diese Gesetze zu befolgen und wenn ihr mitbekommt, dass sich eure Mitmenschen nicht an diese halten, dann seid ihr verpflichtet, das umgehend bei den zuständigen Stellen zu melden.«
»Wir brauchen viele Gesetze? Warum viele? Wir haben Gebote, die aus unseren Tugenden erwachsen sind und leben diese. Alles andere, also was verboten ist, erschließt sich dann aus sich selbst heraus«, sprach Zoey.
»Papalapap, Gesetze müssen her. Ihr braucht Gesetze, damit hier endlich Recht und Ordnung herrscht! Gesetze müssen aufgeschrieben werden. Punktum!«
»Das denken wir nicht. Jeder trägt unsere Gebote in sich. Sie werden im alltäglichen Leben von den älteren auf die jüngeren übertragen«, erklärte Zoey.
»Genau, und aus diesem Grund haben wir auch keinen Bedarf an Wirtschaft, Religion oder dem anderen, welches ihr uns aufdrängen wollt und für eine Regierung haben wir schon gar keinen Bedarf. Wir kommen sehr gut zurecht und es war gut so, dass wir von dem allem nichts wussten und sollten es auch schnell wieder vergessen, beziehungsweise in die Kunst abgeben, denn nur dafür ist das Zeugs gut, all das muss in die Kunst gespielt werden, damit es nicht in die Realität kommen kann«, rief Silias.
»Aber so geht das wirklich nicht!«, empörten sich DIE, »Jedes Volk braucht eine Führung, eine Regierung und ein Gericht mit Richtern, damit alles seine Ordnung hat.«
»Es braucht keinen Führer, wenn jeder einfach für sich und für die Gemeinschaft lebt und das Notwendige einbringt«, sagte Zoey.
»Das redet ihr euch ein. Ihr braucht uns, wir sind DIE, die eure Probleme lösen!«
»Was sind Probleme? Wir haben eine Methode, mit der wir seit ewiger Zeit klarkommen. Wenn wir etwas entdecken, ihr würdet wohl sagen ein Problem haben, versuchen wir die Aufgabe, die darin steckt, zu erkennen, dann verarbeiten wir dies und hinterfragen anschließend alles, um es richtig zu verstehen. Dann treffen wir gemeinsam eine Entscheidung und begleiten diese bis zum eigenständigen Entstehenlassen.«
»Okay, lasst es uns anders angehen! Wenn wir es richtig verstanden haben, habt ihr doch auch Leute in Ämtern, wie Dorfvorsteher, wie wird man das?«
»Einmal im Jahr wird gefragt, wer den Posten übernehmen will, und dann entscheidet das Los. Der Dorfvorsteher ist Ansprechpartner dafür, was bei der wöchentlichen Versammlung besprochen werden soll. Dort werden über die Dinge abgestimmt. Jeder kann daran teilnehmen«, erklärte Felina.
»Wer gewählt ist, hat dann also eine leitende Vermittlerposition.«
»Ja, wenn ihr es so sagen wollt!«
»Und genau das sind auch wir, wir sind das Sprachrohr, die Vermittler, für die Interessen der entsprechenden Einrichtungen, welche bereits hier bei euch gewesen sind. Und das Gute daran ist, ihr müsst uns nicht so in der Gruppierung akzeptieren, wie wir hier vor euch stehen. Nein, ihr könnt wählen und eine Wahl zu haben ist doch besser als ein Los. Das ist wahre Demokratie, alles andere ist demokratiefeindlich, wie euer Losverfahren.«
»Wieso sollen wir etwas wählen? Alles, was wir hier haben, ist doch da und braucht nicht gewählt werden. Jeder weiß, was notwendig ist zu tun, da müssen wir doch keinen wählen, der uns das sagt.«
»Ihr dürft dann auch demonstrieren, wenn ihr meint, dass euch Ungerechtigkeit widerfährt. Ihr dürft sagen, was ihr wollt. Es herrscht schließlich Meinungsfreiheit! Und nun Schluss mit der Debatte! Wir werden morgen die erste offizielle geheime Wahl abhalten, bei der jeder seine Stimme abgibt.« DIE betonten das Ende besonders deutlich und sprachen weiter: »Ihr bekommt fünf Parteien zur Auswahl. Diese werden vorher ihre Programme vorstellen. Jeder ist eingeladen mitzumachen und wer will, kann in eine Partei eintreten. Auf diese Weise werdet ihr eins mit uns und nach und nach werdet ihr dann unsere Meinungen annehmen … also, äh werden wir unsere und eure Meinungen austauschen … also in einen Meinungsaustausch gehen!«

***

Am nächsten Tag geschah es wie angekündigt. Die ersten offiziellen Wahlen sollten in Xsaxus stattfinden. Es war sozusagen ein Probelauf für ganz Alphantis. Die einzelnen Parteienmitglieder schwenkten ihre Fahnen und hielten Plakate mit Sprüchen hoch, die da beispielsweise lauteten: Für ein fortschrittliches Land! Vernunft und Menschlichkeit! Zuversicht, nur mit uns! Wir machen das! Wohlstand und Sicherheit! Zudem wurden wie angekündigt die einzelnen Parteiprogramme vorgetragen. Doch die Bewohner hörten gar nicht hin, sie begannen die tristen grauen Anzüge der DIE mit Herzen und Blumen zu bemalen, machten Knoten in ihre Krawatten, setzten ihnen Strohhüte auf oder veränderten ihre Frisuren. Ohne sich davon beeindrucken zu lassen, redeten DIE ohne Unterbrechung weiter. Doch als ihnen ihre Notizbücher genommen wurden, war es zu viel für DIE.
»Ihr werdet schon sehen, was ihr von eurer Verweigerung habt. Wenn ihr nicht hören wollt, dann werdet ihr es spüren. Ihr werdet sehen, was ihr davon habt, jetzt kann euch keiner mehr helfen, denn ihr werdet Besuch bekommen. Das versprechen wir euch.«

Ende der sechsten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein profitorientiertes Regierungssystem zu bringen.

Geschrieben 2026

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Tatsache – Menschen brauchen Klimawandel!

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Aaron King, Kolumnist vom
Noxlupus Verlag

Es ist eine unbestrittene und indiskutable Tatsache, dass Millionen von Menschen – trotz ihrer Kritiker – sich täglich an menschengemachtem Klimawandel erfreuen. Denn es ist wissenschaftlich und aus ärztlicher Sicht erwiesen, dass dieser Wandel die Gesundheit fördert und pure Entspannung bietet. Die Anhänger des gewollten Klimawandels wissen eben, was gut ist und wollen mindestens einmal in der Woche den Klimawandel am eigenen Leibe spüren. Dieses wohlwollende und behagliche Gefühl von Hitze und dem prasselnden, kalten Wasser danach. Dieser Regenschwall, der einem überkommt und alles unter den Füßen wegspült.

Hier ein Statement von Professor Doktor Doktor Saunaris: »Ich würde jedem raten, sich mindestens einmal in der Woche diesem Klimawandel auszusetzen. Anfangs ist es etwas gewöhnungsbedürftig, die Hitze auszuhalten und das Gefühl zu ertragen, wenn der Schweiß aus allen Poren dringt. Doch nach etwa fünfzehn Minuten ist das dann auch schon wieder vorbei und man begibt sich in einen Eisraum, wo man sich die verdiente Abkühlung gönnt, danach eine kalte Dusche und ab ins Tauchbecken. Zum Abschluss ein warmes Fußbad und der Klimawandel, den man bei einem Saunagang erlebt, ist vollendet. Nach einer Pause geht es dann in eine weitere Runde.«

Geschrieben 2019

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Manifest der Einsicht I

Aussagen für Frieden, Gewissen und Eigenverantwortung. Es geht um die Wichtigkeit verantwortungsbewusster Entscheidungen. Ein Aufruf zu Besonnenheit und weitsichtigem Denken. Jeder Mensch kann durch seine Handlungen zu einem friedlichen Zusammenleben beitragen.

Seht ein, dass es sinnvoller ist, Wasser in Flaschen zu füllen als Pulver in Geschosse – es ist gar nicht so schwer!

Seht ein, dass jede Gewalttat die Saat weiterer Gewalt in sich trägt – es ist gar nicht so schwer!

Seht ein, dass euer Leben zu kostbar ist, um euch in einen Krieg treiben zu lassen – es ist gar nicht so schwer!

Seht ein, dass eure Kinder niemals ihr Leben für ihre Eltern und Großeltern opfern dürfen – es ist gar nicht so schwer!

Seht ein, dass jene, die Kriege befehlen, nicht selbst den Abzug betätigen – es ist gar nicht so schwer!

Seht ein, dass ein Befehl das Morden niemals rechtfertigt – es ist gar nicht so schwer!

Seht ein, dass eure Befehlshaber in weiche Kissen sinken, während ihr im Sumpf versinkt – es ist gar nicht so schwer!

Sieh ein und lass nicht zu, dass ein anderer Mensch sich töten lässt, damit du leben kannst – es ist gar nicht so schwer!

Geschrieben 2026

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Alphantis – Episode 5

Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst

Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Einige Außerphantisten schritten in weißen Gewändern mit bestickten, in Gold gehaltenen Ornamenten den Hauptweg entlang. In ihren Händen hielten sie Stangen mit Fahnen, auf denen ebenfalls Symbole zu erkennen waren. Hinter ihnen gingen zwölf weitere Personen in schwarzen Roben, von denen jeweils vier eine Sänfte trugen. In diesen thronte jeweils eine Person, die auf Samt gebettet, in Seide gewandet und mit Gold beschmückt war. Die Besucher grüßten freundlich die Menschen, denen sie begegneten und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Schließlich lief den Fremden ein Mädchen über den Weg, und die Besucher hielten es an: »Guten Tag, mein liebes Kind«, entgegnete die Person aus der ersten Sänfte.
»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?«, erwiderte die Kleine und legte dabei den Kopf soweit nach hinten, wie sie konnte, um den Menschen hoch oben ansehen zu können.
»Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und wir möchten gerne eure Gotteshäuser und Tempel besichtigen. Wo befinden sich diese?«
»Sowas haben wir nicht, was soll das sein?«
»Das sind Stätten, wo man Gott preiset«.
»Ach so, jetzt verstehe ich, was ihr meint. Also, dafür haben wir keine extra Häuser und auch keine Tempel, denn Gott ist überall. Gott ist der Wald, jeder Baum, jeder Strauch. Gott ist in uns, um uns, mit uns. Das ist alles eins. Der All-Geist. Gott ist Geist und Natur, Natur ist Liebe und wir sind Liebe und somit sind wir alle Gott«, erklärte Ariana.
»Nein, nein, was redest du da, mein liebes Kind!«, drang eine empörte Stimme Ariana von oben entgegen, »Gott ist doch nicht Natur, Gott ist der Erschaffer der Welt, der, der die Natur gemacht hat und leitet. Was du da erzählst ist Narrenkram.«
»Narrenkram?«
»Ja, Narrenkram! Habt ihr denn keine Priester, die euch den richtigen Gottesglauben beigebracht haben?«
»Och«, machte Ariana, schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »solche Leute haben wir nicht.«
»Ihr müsst doch zumindest einen Priester haben, der euch den rechten Weg weist.«
»Was ist der rechte Weg?«
»Eben, wenn ihr keinen Priester habt, dann braucht ihr dringend jemanden und ihr habt Glück, dass wir vorbeigekommen sind. Das hätte sonst schlimm mit euch geendet.«
»Das ist merkwürdig, denn auch ohne wegweisenden Priester finden wir immer den richtigen Weg.«
»Wir wollen und können das nicht so recht glauben«, zweifelten DIE, »du veralberst uns doch?!«
»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«
»Aber ihr braucht doch eine Führung für den echten und wahren Glauben. Damit ihr gesagt bekommt, wie ihr ein gottesfürchtiges Leben führen könnt.«
»Wieso sollen wir Gott, also die Natur fürchten, dann müssten wir uns ja auch vor uns fürchten, denn wir sind Teil der Natur, also auch Gottes!«
»Das ist ja Blasphemie!«, schrien DIE, »der Mensch ist nicht Teil Gottes, er ist die Schöpfung Gottes und steht über der Natur, die er sich untertan machen soll.«
»So ist das also …«
»So und nicht anders! Der Mensch trägt große Verantwortung und dieses birgt natürlich Gefahren in sich, die Gefahr der Sünde und um dieser Gefahr zu entkommen, braucht ihr jemanden, der eure Sünden vergeben kann.«
»Sünden? Die brauchen doch nicht vergeben zu werden, da wir sowas hier nicht haben?«
»Ihr sündigt nicht? Wie könnt ihr das wissen ohne einen geistlichen Führer?«

***

Schnell hatte sich das Ankommen weiterer DIE im Dorf rumgesprochen und es wurde gemunkelt, dass diese etwas ganz Besonderes seien. Denn DIE brachten den wahren Gottesglauben mit, der nötig sei, um den rechten Weg zu finden, damit Sünden vergeben werden können. DIE luden die Bewohner auf den Dorfplatz von Xsaxus ein, um ihnen den wahren Glauben näherzubringen. Als die Alphantianer das hörten, beendeten sie ihr Spielen und Basteln und kamen neugierig zum Ortskern.

Gerade als Ariana mit ihrer Familie hinzukam, waren DIE dabei zu erklären, dass es wichtig sei zu verstehen, wo der Mensch herkommt und was seine Aufgabe, sowie Position im Leben und der Welt ist.
»All das und noch mehr steht in diesem Buch der Bücher«, erklärten DIE und hielten ein dickes, in schwarzem Leder gebundenes Buch hoch.
»Ein Buch? Woher bekommen wir es?«, fragte Silias sogleich.
»Das müsst ihr bei uns kaufen.«
»Aber wozu, wir können doch gar nichts damit anfangen. Wir kennen die Zeichen darin nicht«, bemerkte Felina.
»Das macht überhaupt nichts, wichtig ist, dass ihr es habt. Alles andere bringen wir euch später bei. Denn alleine der Besitz gibt euch den rechten Glauben. Und damit ihr wisst, was darin steht, werden wir euch einige Passagen daraus wiedergeben.«

So sprachen DIE von einem demütigen Leben, welches geführt werden sollte. Menschen müssen Gott und seinen erdischen Vertretern dienen. Danach dürfen sie an sich denken und sich untereinander unterstützen. Der Mensch muss redlich und bescheiden leben, sagten DIE, während die Sonne auf das Goldgeschmeide traf, welches DIE um den Hals hing, und in den Brillantringen funkelte.
»Aber so leben wird doch«, rief Ariana, »also bis auf das Dienen der Vertreter. Wir haben Demut dem Leben und der Natur gegenüber. Wir leben in Mäßigung und Ehrlichkeit, haben Respekt vor allem und jedem. Leben Gerechtigkeit, halten Treue und haben eine gelassene Grundeinstellung, sowie einen starken Glauben an den Energiefluss des Lebens, mit seiner Geistigkeit der Einheit. Durch sie ist alles in Bewegung und die Gegensätze, die gebraucht werden, bringt die Welt in Ausgleich. Dinge ziehen sich an und alles hat eine Ursache. Das Schreiten der Welt spielt sich in Mustern und Zyklen ab. Wir handeln bewusst, damit sich alles zum Guten wandeln kann.«
Felina lächelte ihrer Tochter zu und DIE winkten ab:
»Das ist ja alles schön und gut … dennoch lebt ihr in Sünde!«
»Wie das?«, fragte Felina stirnrunzelnd.
»Na, alleine, dass ihr unseren Glauben nicht angehört, ist schon eine Sünde! So steht geschrieben: Wer nicht an mich, den allmächtigen Gott und meine Stellvertreter auf Erden glaubt, lebt in Sünde! Und wer in Sünde lebt, wird im Feuer der Hölle brennen.«
Die Bewohner schauten sich mit verschreckten Augen an. Auch wenn sie nicht wussten, was die Hölle sein sollte, so hörte sich – brennen – gar nicht gut an.
»Aber seid beruhigt, wir sind schließlich da, um euch zu erretten. Denn der Sünder kann sich von der Hölle freihandeln. Er muss lediglich den Herren preisen, einen Vergebungsschein kaufen und sich mit Leib und Seele zu ihm, dem allmächtigen Gott, bekennt.«
»Seid ihr etwa auch Händler, denn es kommt mir so vor, als ginge es auch euch immer darum, etwas zu verkaufen?«, fragte Silias, »erst das Buch, nun diese Scheine.«
»Wir sind keine Händler, alleine diese Unterstellung ist bereits eine Sünde und verlangt nach Buße.«
»Aber wir haben kein Geld.«
»Wir werden schon etwas finden, was als Ersatz dienen könnte, um Gott gnädig zu stimmen.«
»Na, wenn das so ist, dann haben wir ja Glück«, entgegnete Zoey und je mehr DIE von ihrem Glauben erzählten, umso interessierter wurden die Alphantianer, schauten sich immer wieder zustimmend an und nickten sich zu. Allmählich verstanden sie und waren sich einig. Sie begannen im Chor zu rufen:
»Ja, lobet den Herren! Das ist eine tolle Sache, das gefällt uns.«
»Ja, sowas haben wir gebraucht.«
»Da lässt sich was Tolles draus machen!«

***

Zoey zog aus und schaffte es, die umliegenden Dörfer für diesen neuen Ein-Gott-Glauben zu begeistern. Dafür wurde beschlossen, das Amphitheater so herzurichten, dass es als Gotteshaus dienlich sein würde. Das Theater lag im Zentrum von Alphantis und war gut von allen Dörfern aus zu erreichen. DIE hielten es für eine perfekte Übergangslösung, bis ein großes Gotteshaus gebaut werden würde. DIE unterstützten die Bewohner bei ihrer Tätigkeit. Sie zeigten, wie ein Altar auszusehen hat und holten einige Gottesstatuen aus ihrem Flugschiff und verteilten sie auf der Bühne. Nach ein paar Tagen war es so weit. Kein Platz im Theater blieb am ersten Gottesdienst frei. Dieser begann damit, dass DIE verkündeten, warum der Mensch auf der Welt ist und was er zu leisten hat. Im weiteren Verlauf wurde alles aufgezählt, was laut Gottes Buch Sünde sei. Bis plötzlich einige Alphantianer die Bühne betraten.

Wie es die alphantische Theaterkunst verlangte, improvisierten sie das ganze widersprüchliche Verhalten der DIE. Die Schauspieler in ihren Rollen als Priester oben auf den Sänften predigten ein bescheidenes, demütiges Leben zu führen und machten das Gegenteil. Von oben blickten sie auf ihre Untertanen herab, die nicht aufhörten, sich gottesfürchtig zu verneigen. Die Priesterschauspieler ließen verlauten, dass jedes Volk eine göttliche Führung benötigt und für diese Aufgabe seien sie von Gott auserwählt. Dazu gehört, dass ihnen gegenüber den normalen Menschen eine andere Behandlung zustehe; sie hätten Privilegien.

Die Schauspieler stiegen von ihren Sänften herab, begaben sich unter das einfache Volk und riefen lauthals: »Preiset dem Herren, dem allmächtigen Gott.« Nebenbei sammelten sie Gelder ein und verteilten Vergebungsscheine gegen Bezahlung. Gerne auch im Vorfeld, so hatte dann der Erwerber eine Sünde frei. Das Publikum begann Beifall zu klatschen. Das offenkundige widersprüchliche Verhalten machte es unmöglich zu glauben, dass DIE es ernst mit ihrem Glauben und dem, was sie von sich gaben, meinten.

Aber das sollte noch nicht alles sein. Des Weiteren ging es in dem Theaterstück um einen Ort, der Hölle genannt wurde und einen Teufel, der dort anscheinend das Sagen hatte. Die Schauspieler sündigten und wurden letztendlich unter Peitschenschlägen dem Teufel vorgeführt. Die Menschen starben qualvoll im Fegefeuer. Menschen wurden umgebracht, weil sie den Glauben an den Ein-Gott nicht annehmen wollten.

***

DIE waren entsetzt und rannten davon. Sie fühlten sich hintergangen. Sie wurden zum Narren gehalten. Doch DIE erkannten nicht, dass es den Alphantianern ernst mit der Aufführung war. Dies war ihre Art, Dinge, die sie nicht so recht verstanden und für nicht wirklich nützlich empfanden, in die Kunst zu bringen. Gerade wenn ihr Gespür ihnen mitteilt, dass es sich sehr wahrscheinlich um etwas handelt, was auf lange Sicht Unheil verbreitet, auch wenn es den Anschein hatte, dass der Kerngedanke etwas Gutes verbarg.

Wutschnaubend stampften DIE zu ihrem Flugschiff und hoben dabei drohend die Arme:
»Das werdet ihr bereuen, ihr werdet schon sehen, wo ihr bei eurer Lebenseinstellung landen werdet. Das wird ein Nachspiel haben.«
Nach diesem Abschied wurden DIE in Alphantis nie wieder gesichtet. Doch ihr Ein-Gott-Glaube blieb auf der Bühne von Alphantis auf ewig erhalten. Immer wieder wurden diese Elemente in der Kunst verarbeitet. Ihre Kunst war in ihrem Tun zu finden. Alles war für sie Kunst. Kunst ist spielen, egal ob auf der Bühne, dem Feld oder in den Bastelstätten.

Ende der fünften Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein profitorientiertes Glaubenssystem zu bringen.

Geschrieben 2026

Mehr zu Alphantis und der -tis Trilogie gibt es hier.

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Noxi Wort 003

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Kurzgeschichte – Entfremdung

Es war einmal in der Krähengasse, in der die Anwohner friedlich, freundlich und freudig gemeinschaftlich lebten. Die Sorgen und Nöte des Einzelnen wurden miteinander gelöst. Im Sommer traf man sich in den Gärten zum Grillen mit anschließendem Lagerfeuer. Die Wintermonate verbrachte die Gemeinschaft mit Spieleabenden bei Ofenwärme und Kerzenschein. Man half sich gegenseitig bei der Instandhaltung der Häuser und den Außenanlagen. Wer krank war, dessen Familie wurde bei den Einkäufen und den anfallenden Hausarbeiten unterstützt.

Es war Anfang Juli und das alljährliche Sommerfest stand vor der Tür, welches immer am dritten Juliwochenende stattfand. Dieses Fest wurde von allen gemeinsam geplant und ausgerichtet. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass es für alle Zeiten das letzte Sommerfest in der Krähengasse sein sollte.

Am dritten Wochenende im Juli zeigte sich die Sonne wie all die Jahre zuvor den gut gelaunten Bewohnern der Krähengasse bis in die späten Abendstunden freundlich. Am Freitag wurden die Tische und Bänke aufgebaut sowie die Grills im Wendehammer der Sackgasse aufgestellt. Die Carports wurden mit Girlanden und bunten Lichterketten geschmückt. Das Puppentheater für die Kleinen wurde vorbereitet sowie die Spieleolympiade für die etwas Größeren hergerichtet, bei der neben weiteren Spielen die Hauptdisziplinen aus Sackhüpfen, Eierlaufen und dem Schubkarrenrennen bestanden. Die frischen Lebensmittel wurden vom Markt besorgt und das vorbestellte Grillfleisch vom Schlachter abgeholt. Nudel-, Kartoffel-, Kraut- und grüner Salat wurden vorbereitet. Die Kinder tobten und liebten es, den Erwachsenen mal mehr, mal weniger bei den Vorbereitungen zu helfen.

Am Samstagabend, die Kleinen waren schon in ihren Betten, um sich von den Strapazen des Festtages zu erholen, erzählte E., dass die ganze Familie seit neuestem an Engel glaubt und im Keller habe man einen Raum, in dem den Engeln gehuldigt wird. E. erklärte weiter, dass Engel die Welt erschaffen haben und diese nun vor allem Übel beschützen. Die Freunde lauschten mit offenen Augen und Mündern. »Oh, ja, das klingt glaubhaft, was du uns da erzählst.« Und drei weitere Familien bestätigten, dass auch sie den Englein in tiefster Demut ergeben sind, ja, dass die Engel mit ihnen kommunizieren und auch sie hätten ein Zimmer, welches sie als »Kirche der Engel« bezeichneten.
Noch an jenem Abend verbreitete sich der Engelsglaube in der gesamten Krähengasse, bis auf wenige Ausnahmen, denn ein paar Familien waren diesem Glauben gegenüber skeptisch eingestellt. Doch sie schwiegen fürs Erste.

Am darauffolgenden Tag gab es zum Abschluss des Sommerfestes die traditionelle Kaffeetafel. Neben den Torten und dem reichhaltigen Kuchenangebot stand in diesem Jahr sogar ein Eiswagen für die Kinder bereit. An diesem Tag gab es für die Bewohner der Krähengasse nur ein Thema – die Engel. Es wurde in erster Linie darüber gesprochen, dass es ein Buch geben müsste, wo der Glaube an die Engel genau festgehalten beziehungsweise wo ein einheitliches Verhalten im Glauben an die Engel aufgeführt sei. E. wurde auserwählt, dieses heilige Werk niederzuschreiben, da E., nach Ansicht der anderen, das meiste Wissen über Engel besaß. Der Straßenname sollte von »Krähengasse« in »Engelsgasse« umbenannt werden. Zudem sollte am Anfang der Straße jeweils zu beiden Seiten eine Engelsfigur aufgestellt werden. Die anfallenden Kosten würden dann von allen Anwohnern zu gleichen Teilen getragen werden.

Das wurde nun doch für die Skeptiker zu viel und T. meldete sich stellvertretend für die anderen zu Wort und widersprach diesem Vorhaben. Denn wenn überhaupt, dann sollte die Straße in »Teufelsgasse« umbenannt werden und zwei Teufelsstatuen sollten den Straßeneingang zieren. Es gäbe schließlich einige Familien, die so gar nicht an die Englein glauben wollten, sondern der Überzeugung waren, der wahre Glaube könne nur an den Teufel gerichtet werden. Denn schließlich war dieser es, der alles auf Erden erschaffen hat und letztendlich alles in die richtigen Bahnen lenkt. T. lud die Engler ein, sich den Teufelsschrein im Hause der Familie T. anzusehen. Als die Engler dessen Altar sahen, waren sie entsetzt und betrachteten diesen sprachlos.

Am späten Nachmittag fand der Rückbau der Festivitäten statt. Dies verlief nicht wie gewohnt in der üblichen Heiterkeit, sondern es kristallisierten sich zwei Parteien heraus, von denen die einen plötzlich nicht mehr mit diesen oder jenen Anwohnern zusammenarbeiten wollten. Es wurde sich misstrauisch beobachtet und nur innerhalb der Gruppe getuschelt.

So sollte es auch von nun an in der Krähengasse weitergehen. Geholfen wurde sich nur noch untereinander in den Gruppen der Engler sowie der Teufler. Engler grüßten keine Teufler mehr und umgekehrt. Den Kindern wurde verboten, mit den Freunden aus der anderen Gruppierung zu spielen. Ja, geradezu gegeneinander aufgehetzt wurden sie, und es kam zu Prügeleien unter den Heranwachsenden, wo es zumeist darum ging, dass der eine Glaube der richtige und bessere sei als der andere.

Einige Familien hielten es nicht mehr aus und verließen ihre Häuser. Diese blieben nicht lange leer und jede Partei versuchte sofort, die neuen Anwohner für sich und ihren Glauben zu gewinnen. Doch womit weder die Engler noch die Teufler gerechnet hatten, war die Tatsache, dass einige Neue ihren eigenen Glauben mitbrachten. Den Glauben an die Geister, bei dem es darum ging, dass aus den verstorbenen Ahnen das neue Leben entsteht und diese Vorfahren das Leben der Familien beschützen und dirigieren.

Es herrschte ein ständiges Ziehen und Zerren unter den Anwohnern, alle waren damit beschäftigt, die eine oder andere Familie auf ihre Seite zu bringen. Es gab keine anderen Themen mehr und Zeit für anderes war nicht mehr vorhanden. Keine gemeinsamen Grill- oder Spieleabende mehr. Dringende Reparaturarbeiten an den Häusern wurden vernachlässigt und die Gärten verwilderten.

Es war ein regnerischer Sommertag, zu dem sich ein starkes Gewitter gesellte. Früh wurde es dunkel und in den Häusern der Krähengasse blieben die Rollläden verschlossen … an diesem dritten Wochenende im Juli.

Geschrieben 2019

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Alphantis – Episode 4

Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst

Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und stürmten aus ihrem Raumfahrzeug, um sich sogleich aufgeregt alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten trugen weiße Overalls, die Gesichter waren hinter Masken und Schutzbrillen versteckt. Die Hände wurden in milchfarbenen Gummihandschuhen versteckt. Sie waren sehr darauf bedacht, einen großen Abstand zu den Menschen, denen sie begegneten, zu halten, auch wenn diese lächelnd die Hände hoben und ihnen zuwinkten. Schließlich lief den Fremden ein Mädchen über den Weg, und die Besucher hielten es aus sicherer Entfernung an: »Guten Tag, mein liebes Kind.«
»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid ihr und wieso seid ihr so komisch angezogen?«
»Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und unsere Kleidung dient uns zum Schutz. Wir sind gekommen, euch von schlimmen Krankheiten zu heilen und vor solchen zu bewahren. Aus diesem Grund möchten wir gerne eure Krankenhäuser aufsuchen.«
»Krankenhäuser … sowas haben wir nicht, was soll das sein?«
»Ein Krankenhaus ist ein Gebäude, wo Kranke gemacht werden,« DIE räusperten sich, »also Kranke gesund gemacht werden.«
»Dann ist jedes Haus hier ein Krankenhaus, denn wenn jemand krank ist, bleibt er zu Hause und wir alle versuchen zu helfen.«
»Habt ihr denn Ärzte?«
»Och«, machte Ariana, schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »ich weiß nicht? Also vielleicht sind ja meine Mutti und Zoey die Ärzte, denn die werden immer als erstes gefragt, was bei Kranken zu tun ist. Sie haben dann Kräuter, Salben und Tinkturen bei sich, die helfen. Ist es aber eine böse Krankheit, nehmen wir diese an und hören auf unseren Körper.«
»Also keine richtigen wissenschaftlichen gut ausgebildeten Ärzte? Wir wollen und können das nicht so recht glauben«, zweifelten DIE, »du veralberst uns doch?!«
»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«
»Aber ihr braucht doch Ärzte, die euch die Medikamente und Spritzen für eine schnelle Genesung verabreichen. Auf dass ihr möglichst schnell wieder zur Arbeit könnt.«
Schon wieder dieses Wort »Arbeit«, dachte Ariana genervt.

***

Einmal mehr brachte Ariana DIE zu ihren Eltern. Zögerlich nahmen DIE ihre Masken und Brillen ab. DIE erklärten, dass sie als GGO, der Galaktischen-Gesundheits-Organisation, alle Länder nach Krankheiten, speziell nach Krankheitserreger untersuchen müssen. Um dies auch in Alphantis zu können, benötigten sie zuvor die Krankenversicherungsnummern der Bewohner, damit später alles korrekt abgerechnet werden kann.
»Jetzt auch noch eine Versicherung gegen Krankheiten? Nicht nur gegen Brand und Diebstahl?«, murmelte Silias. Das klang für ihn und Felina alles sehr merkwürdig. Sie schickten Ariana mit ihrem Bruder Elias los, um Zoey zu holen, als Dorfratsvorsitzende hatte sie vielleicht mehr Kenntnisse darüber, was das mit der GGO und der Versicherung gegen Krankheit auf sich hat.

Zoey war nicht minder erstaunt über das Anliegen der GGO und nachdem sie sich alles angehört hatte, was DIE zu sagen hatten, besprach Zoey sich im Gremium. Dieses stellte fest, dass in der letzten Zeit so einige merkwürdige DIE hier in Alphantis gelandet seien, doch diese DIE waren die bizarrsten, alleine durch ihre Kleidung und ihr Auftreten. Sie unterschieden sich bei weitem von den anderen und es wurde beschlossen, dass DIE von der GGO das machen sollten, was sie mussten, damit sie möglichst schnell wieder verschwinden würden.

***

So packten DIE mit voller Begeisterung eine Menge Gerätschaften aus und die Bewohner schauten sich alles genau an. Die Körper der Alphantianer wurden mit Lichtmaschinen durchleuchtet und Blut sowie Speichel und Ausscheidungsprodukte wurden zu Testzwecken abgenommen. Als die Untersuchungen vorüber waren, verkündeten DIE die Testergebnisse, die laut Verordnung der GGO fast alle positiv waren. Für die Alphantianer hörte sich das zunächst gut an und sie waren beruhigt. Doch dann erklärten DIE mit trauriger Mine, was das mit dem positiv auf sich hatte:
»Es tut uns sehr leid, aber das ganze Dorf hat diverse Krankheiten und Infektionen, viele Werte liegen über der Normskala.«
Die Dorfbewohner schauten sich an und waren entsetzt, dann lachten sie.
»Also positiv ist negativ …«, scherzte einer der Bewohner.
»Wenn ich krank bin, dann möchte ich nicht wissen, wie fit ich mich fühle, wenn ich gesund bin!«, fügte ein weiterer grinsend hinzu.
»Ja, und ich erst. Oh, jetzt, wo ich weiß, dass ich krank bin, fühle ich mich auch ganz mies«, rief eine Frau lachend.
»Das ist nicht zum Lachen«, ermahnten DIE und hoben ihre Hände, um sie im Takt ihrer Worte mitschwingen zu lassen. »Das ist ernst! Die Daten lügen nicht. Ihr seid alle krank und mit den verschiedensten Mikroorganismen infiziert. Ihr müsst euch eurem Schicksal ergeben. Denn ob jemand gesund ist, das können nur wir von der GGO, anhand der Tests sagen. Denn für eine Krankheit ist nicht das körperliche Befinden entscheidend, allein die Tests und Werte sind entscheidend. Wir sind per Gesetz verpflichtet, eure Krankheiten zu heilen, damit auch ihr als gesund eingestuft werden könnt. Darum haben wir spezielle Medikamente für jede Krankheit und Spritzen, die zur Vorbeugung genommen werden müssen. Auch Desinfektionsmittel werdet ihr von uns reichlich bekommen, womit ihr alles schön saubermachen müsst und vor allem eure Hände.«
»Aber was sind das für Medikamente und Spritzen? Haben diese Nebenwirkungen?«, wollte Zoey wissen und als Antwort kam ein zackiges »Nein!«
»Wirklich nicht?«, hakte Felina nach.
»Sowas gibt es nicht. Niemals! Darüber braucht nicht gesprochen zu werden, da es das nicht gibt und jeder, der sowas behauptet, ist verdächtigt. Alles ist auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und mit Studien belegt. Da wird nichts dem Zufall überlassen.«
»Na dann ist ja gut!«, zwinkerte Zoey zu Felina rüber.
»Und dann sollen wir sicherlich für die tollen Medikamente, Spritzen und Desinfektionen mit Geld bezahlen«, fragte Silias mit einem verschmitzten Lächeln, da er langsam das ganze Spiel durchschaut hatte.
»Selbstverständlich!«

***

Die Alphantianer ließen sich von DIE nicht beeinflussen und lehnten die Medikamente nebst Spritzen samt Desinfektionsmitteln dankend ab.
»Das könnt ihr nicht machen! Dazu habt ihr kein Recht«, riefen DIE bestürzt.
»Nein, wir behandeln uns lieber selbst, so wie wir es seit Jahrhunderten handhaben«, erwiderte Zoey ruhig.
»Aber wie macht ihr das ohne Medikamente?«
»Das ist ganz einfach, zum ersten sorgen wir mit Sauberkeit und Ordnung dafür, dass wir nur selten krank werden. Hinzu kommt eine vielseitige maßhaltende saubere Ernährung. Wir sorgen dafür, dass sich das Schmutzwasser nicht mit dem reinen Wasser vermengt und haben außerhalb der Häuser Naturtoiletten. Wir haben Schwitzhütten, die wir regelmäßig nutzen und tragen immer jahreszeitgerechte Kleidung, bewegen uns viel an der frischen Luft und in den Räumen wird für einen guten Rauchabzug gesorgt. Wir geben dem Körper den Schlaf, den er benötigt. Und nun zurück zur Frage, wenn doch jemand krank wird. In so einem Fall kommt es darauf an, was demjenigen fehlt. Wir vertrauen auf unser körpereigenes Heilungssystem, beobachten uns, wie ein eventuelles krankmachendes Verhalten geändert werden kann und haben Kräuter, die dem Körper bei seiner Heilung unterstützen und der Rest ist warten.«
DIE schauten sich verwundert an und fragten:
»Und wenn jemand eine tödliche Krankheit hat, was macht ihr dann? Wo keine Selbstheilung mehr helfen wird? Dann sterben sicher viele. Was nicht nötig wäre, wenn man ausgebildete Ärzte hätte und Medikamente kaufen würde.«
»Mag sein, aber wir vertrauen auf den natürlichen Lebensweg, welcher immer in die vorgesehene Richtung führt. Sollte dann doch jemand sterben, so ist es des Weges Wille. Wir leben mit dem Tod von Beginn an. Der Tod wird nicht aus dem Leben verbannt, er ist Teil dessen. Sterben gehört zu uns und überhaupt zu allem. Ohne ihn wüssten wir nicht, dass wir leben und es würde nichts existieren, wenn es das Vergehen nicht gäbe. Auch wenn das so ist und wir es annehmen, so möchte selbstverständlich keiner von uns in jungen Jahren gehen, und zum Glück sind es auch nur sehr wenige, die vorzeitig an irgendwelchen Krankheiten sterben. Wenn uns ein geliebter Mensch verlassen muss, ist es meistens die Zeit, die ihn von uns nimmt. Manchmal kommt es leider auch vor, dass ein schwerer Unfall einen aus unserer Mitte reißt. Dagegen sind wir machtlos und können nichts entgegensetzen. Das wollen wir auch nicht, damit der natürliche Kreislauf von Entstehen und Vergehen nicht durcheinander gebracht wird. Wenn jemand stirbt, dann wird dieser, egal welchen Alters er ist, von seinen Nahestehenden begleitet. Sterben ist ein wichtiger Vorgang und darf nicht künstlich in die Länge gezogen werden. Der Tod ist dazu nötig, um Platz für die nächste Generation zu schaffen, sonst droht eine Überbevölkerung. Es gäbe nicht mehr genug zu essen und Wohnraum würde knapp werden. Wir müssten dann viel mehr Wälder roden für Äcker, Lebensraum und Bastelmaterial. Das würde alles aus dem Gleichgewicht bringen. Den Tieren würde ihr zustehender Lebensraum genommen und das darf nicht passieren. Wir entspringen aus der Natur und gehören dazu. Wir dürfen nicht gegen sie handeln, sondern nur mit ihr im Fluss leben. Wir nehmen unseren Bedarfsanteil, der uns zusteht; mehr nicht.«
DIE seufzten tief, es war ihnen nicht möglich, den Alphantianern die wirkliche Sachlage darzustellen. Denn aus der Sicht der DIE, beziehungsweise ihren Wissenschaftlern, ist der Mensch mehr als nur ein Teil der Natur. Er steht weit über ihr, sie ist für den Menschen gemacht und er besitzt das Recht, den Tod hinauszuzögern, wo immer er dieses vermeintlich tun kann. Er hat das Recht, sich alles aus der Natur zu nehmen, auch über seinen Bedarf hinaus, denn es ist sein gottgegebenes Eigentum.

***

Bei ihrer Reise trafen DIE immer wieder auf Unverständnis, doch am Ende schafften DIE es immer wieder zu überzeugen. Allerdings hier in Alphantis sah es anders aus, und DIE von der GGO verkündeten: »Eure Vorgehensweise und eure Einstellung werden wir an eine höhere Ebene weitergeben und diese wird das nicht akzeptieren. Denn das oberste Gebot heißt: Leben retten um jeden Preis, auch wenn an der Behandlung gestorben wird. Behandelt werden muss selbst beim kleinsten Schnupfen, da müssen Medikamente her, denn niemand kann sagen, wohin sich der Schnupfen entwickelt.«

Egal, wie DIE auch auf die Alphantianer einredeten, sie mussten am Ende des Tages klagend einsehen, dass es hier an diesem Ort, welcher den Namen Xsaxus trug, ja in ganz Alphantis keine Möglichkeit gab, die Menschen für die notwendigen Medikamente und Spritzen zu begeistern. Drum zogen sie niedergeschlagen ab. Für die Alphantianer lief ihr Leben in gewohnten Bahnen weiter und ihr künstlerisches Schaffen wurde um das Vorhaben der neuesten Besucher erweitert und auf der Bühne wurden neuerdings Kranke anhand von Testergebnissen erzeugt und mussten behandelt werden. Am Ende wird dann immer ein König oder eine Königin der Kranken gekrönt. Dies wird anhand des schlechtesten Testergebnisses ermittelt. Auch Skulpturen, die Maskenmenschen mit Spritzen in der Hand darstellten, verteilten sich im Dorf und der Umgebung.

Ende der vierten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein profitorientiertes Medizinsystem zu bringen.

Geschrieben 2026

Mehr zu Alphantis und der -tis Trilogie gibt es hier.

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Alphantis – Episode 3

Alphantis – Das Erstland, im Zeitalter der Kunst

Eines Tages kamen Himmelsreisende mit einem Flugschiff nach Alphantis. Sie landeten außerhalb des Dorfes Xsaxus auf einem brachliegenden Acker und verließen ihr Raumfahrzeug, um sich sogleich alles genau anzuschauen. Die Außerphantisten bewegten sich hintereinander im Gleichschritt. Sie trugen einheitliche schwarze Anzüge mit weißen Hemden und einer roten Krawatte. Auf den Nasen steckten schwarz gerahmte Brillen mit leicht getönten Gläsern. Schwarze Bürstenhaarschnitte zierten die Köpfe. Jeder von ihnen hielt eine schwarze Aktentasche in der rechten Hand. Sie grüßten freundlich die Menschen, denen sie begegneten, und die Bewohner nickten mit einem Lächeln zurück. Schließlich lief den Fremden ein Mädchen über den Weg, und die Besucher hielten es an: »Guten Tag, mein liebes Kind.«
»Einen schönen guten Tag, werte Gesellschaft, ich bin Ariana und wer seid Ihr?«
»Wir sind DIE und neu hier in der Gegend. Wir kommen von sehr weit her und wie wir sehen, habt ihr hier schöne Holzhäuser mit Reetdach.«
»Ja, die sind hübsch, nicht wahr!«, entgegnete Ariana stolz.
»Habt ihr denn auch gute Versicherungen, wenn es mal brennt?«
»Wenn Feuer ausbricht? Versicherungen? So etwas haben wir nicht«, antwortete Ariana, »wenn es mal wirklich brennt, dann helfen alle, die in der Nähe sind, beim Löschen mit und der Schaden wird anschließend behoben.«
»Aber wer zahlt den Schaden? Wer finanziert das?«
»Och«, machte Ariana, schaute in den Himmel und kratzte sich am Kinn, »ich weiß auch nicht?« Ariana erinnerte sich an die Händler, die auch irgendwas finanzieren wollten. »Wir brauchen nichts zu finanzieren, das geht alles so.«
»Wir wollen und können das nicht so recht glauben«, zweifelten DIE, »du veralberst uns doch?!«
»Veralbern? Wieso sollte ich albern sein?«
»Aber ihr braucht doch Versicherungen, um sorglos leben zu können. Sonst muss man doch ständig bangen, dass etwas Schlimmes passiert und man nicht dagegen versichert ist. Habt ihr denn wenigstens Geld?«
»Geld?! Kenne ich nicht. Aber ich werde euch zu meinen Eltern bringen, vielleicht haben die sowas.«

***

Auch Felina und Silias wussten nicht, wovon DIE sprachen, denn das mit dem Geld hatten sie schon bei den Händlern und den Wettkämpfern nicht verstanden.
»Also gibt es kein Geld hier bei euch. Aber was ist denn eure Währung?«
»Unsere Währung?«, entgegnete Silias und wiederholte nachdenklich: »Unsere Währung … ist das Machen. Ja, das könnte es sein … das Nötigste machen, unser Tun ist die Währung … die Zeit, die wir aufbringen.«
»Ja, ganz genau«, pflichtete Felina bei, »denn wenn jeder etwas macht in seiner Zeit, bekommt er immer etwas dafür zurück. Genau wie es mit eurem Geld ist. Jemand gibt Geld, bekommt etwas dafür, und wenn ich es richtig verstanden habe, hat derjenige das Geld zuvor von jemand anderem bekommen, der ebenfalls etwas verkauft oder für ihn angefertigt hat. So ist es bei uns auch, wir lassen halt nur dieses Geld weg.«
»Ihr lasst einfach das Geld weg und jeder bekommt trotzdem das, was er haben will?«
DIE konnten sich nicht vorstellen, wie das funktioniert und so wurde beschlossen, dass eine Hälfte von DIE mit Silias zum Spielplatz geht und die anderen mit Felina in das Bastelviertel. Vielleicht könnte sich vor Ort alles besser vermitteln lassen. So hofften DIE.

***

Am späten Nachmittag trafen sich alle wieder und erzählten von ihren Erlebnissen. DIE hatten von ihrem Ausflug säckeweise Sachen mitgebracht, mehr als sie benötigten.
»Wozu habt ihr so viel genommen?«, fragte Ariana.
»Wer weiß, wie die Zeiten werden. Es ist immer besser, alles zu nehmen, was man kriegen kann. Würden wir hier leben, würden wir ein Lager errichten, in dem all die Dinge gehortet werden können. Es geht doch am Ende immer ums Mehr-haben-Wollen.«
Ariana schaute fragend ihre Mutter an, die sich an DIE wendete: »Solange wir das machen, was notwendig ist, werden die Zeiten immer gut sein. Alles kommt, wie es kommt, und dann muss man halt sehen, was zu diesem Zeitpunkt erledigt werden muss. Wenn jeder nur noch nehmen würde, kann es nicht mehr funktionieren. Glaube ich zumindest, denn hier war noch nie jemand wie ihr. Es fühlt sich aber falsch an, so zu handeln, wie ihr es gerade macht.«
»Das finde ich auch, denn so bleiben doch zwangsläufig welche auf der Strecke. Ich finde, ihr solltet über das, was meine Frau Felina sagte, mal nachdenken«, forderte Silias, »wir haben genug für alle, keiner muss etwas horten. Sicher, wir haben auch Lager, um Sachen für uns alle einzulagern, da wir nicht alle«, er überlegte, »geernteten Kartoffeln auf einmal essen können und selbstverständlich für spätere Zeiten auch welche haben wollen. Aber lass uns mal rüber zu Zoey gehen, mal sehen, was sie zu dem Thema Geld meint.«
»Geh du mit Ariana, ich bleibe hier, denn Elias kommt gleich und dann wollen wir zusammen das Abendbrot herrichten«, war Felinas Vorschlag.

***

Zoey reparierte gerade die Haustür und ihre zwei Jungs spielten im Gemüsegarten, als eine Gruppe von Schwarzgekleideten auf ihr Haus zu marschierte. Neben den Leuten erkannte sie Ariana und ihren Vater Silias. Am Haus hielten DIE an und erkannten sofort einen großen Makel an der Haustür, welcher allerdings nichts mit der Reparatur zu tun hatte.
»Habt ihr etwa gar keine Schlösser in euren Haustüren?«
»Was soll das sein?«, antwortete Zoey fragend.
»Das sind Vorrichtungen, damit die Tür nicht von jedem einfach so geöffnet werden kann, sondern nur von den Hausbesitzern.«
»Warum sollen denn andere nicht in das Haus dürfen?«
»Es könnte etwas gestohlen werden.«
»Was bedeutet das?«
»Es bedeutet, dass euch jemand eure Sachen wegnimmt … euer Eigentum.«
Zoey erklärte, dass hier niemand einem anderen etwas wegnehmen muss, denn wenn er es brauche, fragt er einfach und bekommt es dann meistens, und wenn das aus irgendeinem Grund nicht der Fall ist, dann geht derjenige halt zu jemand anderem.
»Also habt ihr auch keine Diebstahlversicherung?«
»Schon wieder diese Versicherungen«, schnaufte Ariana, »ich sagte euch doch bereits, dass wir so etwas nicht benötigen, um ein sorgenfreies Leben zu führen.«
»Aber wir waren doch auch wegen etwas ganz anderem hier«, erinnerte Silias, »wir wollten doch über Geld und das Horten von Sachen reden.«

Das war das Stichwort für DIE, deren Augen bei dem Thema zu leuchten begannen. DIE waren jetzt voll in ihrem Element und begannen damit, erst einmal die Bewohner und ihre Lebensweise zu loben, gaben jedoch gleich zu verstehen, dass alles noch viel schöner und vor allem praktischer und perfekter werden könnte, wenn sie Geld einführen würden, das jeden einzelnen von ihnen unabhängig macht.
»Wir können euch bei der Geldeinführung behilflich sein, indem wir es euch zur Verfügung stellen. Dies wird so aussehen«, DIE holten einige Geldscheine aus ihren Koffern und zeigten sie herum. Die Erwachsenen schauten ebenso neugierig wie die Kinder auf das bedruckte Papier.
»Solche Scheine geben wir euch, so viele wie ihr wollt. Mit diesen könnt ihr dann bei den Händlern einkaufen und euch alle Wünsche erfüllen. Das Einzige, was wir als Gegenleistung für das Bereitstellen dieses Zahlungsmittels von euch verlangen, ist eine kleine Gebühr. Ihr bekommt also einen Kredit von uns, zu fabelhaften Konditionen. Was bedeutet, ihr müsst das Geld dann in Raten wieder zurückgeben. Auf diese Weise kommt eure Wirtschaft in Schwung. Und wenn ihr die Kredite abgelöst habt, seid ihr unabhängig und habt euer eigenes Geld verdient. Doch wenn ihr weitermachen wollt, vielleicht euren Betrieb vergrößern oder euch ein besseres Haus bauen wollt, dann bekommt ihr selbstverständlich neue Kredite, auch wenn die alten noch nicht abbezahlt sind. Das geht ohne Probleme. Wir haben genug Geld beziehungsweise können welches … sozusagen aus dem Nichts erschaffen. Zudem könnt ihr dann von eurem Geld bei uns die Versicherungen abschließen, damit ihr ein sorgenfreies Leben habt und nicht etwa bei einem Hausbrand in finanzielle Not geratet. Dafür müsst ihr lediglich ausreichend arbeiten, damit ihr genügend Geld zur Verfügung habt, um regelmäßig die Versicherungsbeiträge, die Raten und die Gebühren für die Kredite bezahlen zu können. Das ist alles. Auf diese Weise schafft ihr es ganz schnell, ein florierendes Wirtschaftssystem aufzubauen. Ihr müsst nur fleißig arbeiten, damit ihr für uns Geld verdienen könnt, also natürlich für euch, denn wir stellen das Geld ja nur zur Verfügung gegen eine kleine Gebühr, die wir Zins und Zinseszins nennen. So einfach geht ein sorgenfreies Leben, das wir euch bieten können. Wie ihr seht, sind wir da, um zu helfen, euer Leben lebenswerter zu machen. Und dann kommen auch Händler zu euch, um mit euch Geschäfte zu machen.«
»Oh, die waren schon da und DIE haben festgestellt, dass es hier bei uns nichts zu handeln gibt«, warf Ariana sogleich ein.
»So, so«, erwiderten DIE, »das wird sich dann ja dank unserer Hilfe ändern. Nun, was sagt ihr, freut ihr euch nicht, dass eure schlechten Zeiten durch unser Geld vorbei sein werden und ihr mit den Händlern Verträge abschließen könnt? Wenn ihr wollt, können wir denen Bescheid geben, dass ihr Interesse habt.«
»Nein, danke!«, schüttelte Zoey den Kopf, »wir machen lieber so weiter wie bisher, ohne Geld und Handel und Wirtschaft. Davon verstehen wir nichts und werden es wahrscheinlich nie. Wir leben unser Leben und damit kommen wir klar.« Sie reichte die Geldscheine in ihrer Hand an DIE zurück und die anderen taten ihr es gleich.
»Na gut, aber ihr werdet sehen, was ihr davon habt, das werden wir der obersten Stelle melden. Es gibt immerhin Gesetze, die verlangen, dass Geld benutzt wird, alleine der Steuern wegen, aber das ist eine weitere Sache, die ihr noch zu spüren bekommen werdet. Denn um die Steuern kann sich keiner drücken … auch ihr nicht!«

***

Egal, wie DIE auch auf die Alphantianer einredeten, sie mussten am Ende des Tages klagend einsehen, dass es hier an diesem Ort, welcher den Namen Xsaxus trug, ja in ganz Alphantis, keine Möglichkeit gab, die Menschen für Geld und Versicherungen zu begeistern. Drum zogen sie niedergeschlagen ab. Für die Alphantianer lief ihr Leben in gewohnten Bahnen weiter, und ihr künstlerisches Schaffen wurde um das Vorhaben der neuesten Besucher erweitert. Auf der Bühne musste neuerdings alles bezahlt und versichert werden. Hübsche gemalte Geldscheine auf Leder lagen von nun an in jedem Haus unter den Suppenschüsseln.

Ende der dritten Alphantis-Episode, in der DIE kamen, um Alphantis ein gekoppeltes Geld-Versicherungssystem zu bringen.

Geschrieben 2026

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Noxi Spruch 004

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Buchstaben, Worte, Interpunktion. Alte Worte neu zusammengebastelt und veröffentlicht.