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Alle nennen mich Noxi und ich bin für die Öffentlichkeitsarbeit vom Noxlupus-Verlag verantwortlich.

Das vor die Tür Gehen … ein riskantes Unterfangen!

Teufelskreis 001

Aaron King, Kolumnist vom
Noxlupus Verlag

Die weltweit führendsten Wissenschaftler bestätigen: Das vor die Tür Gehen ist für die Menschheit mit unvorstellbaren Gefahren bestückt. So mussten jetzt auch die letzten Zweifler an der „Die-Gefahr-Vor-Die-Tür-Geh-Theorie“ (in Fachkreisen kurz als DGVDTGT bezeichnet) endlich die schockierende Tatsache akzeptieren, dass man sich mit jedem Schritt, den man außerhalb der häuslichen Umgebung tätigt, in höchste Gefahr begibt und dabei das eigene Leben von einer Sekunde auf die andere eine dramatische Wende nehmen kann.

So ist es möglich, dass man von einem Bordstein zu Fall gebracht wird oder man mit dem Kopf gegen eines der zahlreichen Verkehrs-, Verbots- oder Gefahrenhinweisschilder knallt – und das genau in dem Moment, wenn man gerade die neuesten Internet-Posts auf dem Smartphone in Ruhe studiert. Auch eine unsanfte Bekanntschaft mit einem Radfahrer, der gerade ein Foto kommentiert, ist keine Seltenheit. Ebenso kann man plötzlich gezwungen werden, eine unsanfte Rolle über die Motorhaube eines vorbeifahrenden Autos zu vollführen. Und mit den Rentnergangs, die neuerdings auf E-Scootern in geschlossenen Formationen durch die Fußgängerzonen patrouillieren und dabei eine Geschwindigkeit erreichen, die nach EU-Norm bereits als „leicht beunruhigend“ gilt, wollen wir erst gar nicht anfangen.

Dabei stehen nicht nur Unfälle an der Tagesordnung der DGVDTGT, nein, denn ebenso ist das Risiko nicht zu unterschätzen, draußen einem Menschen zu begegnen, der einen unerwarteten chemischen Prozess in Gang setzt, und ganz schnell hat man da irgendein Kind an der Hand nebst zwangsweisen gemeinsamen Möbelkäufen und dem abschließenden goldenen Ring am Finger. Von da an fristet man ein Leben, welches einen Tag für Tag, immer und immer wieder, nach draußen treibt, und man ist schutzlos der DGVDTGT ausgeliefert … Ein Teufelskreis.

Doch es kommt noch schlimmer: Neueste Untersuchungen beweisen, dass im vermeintlich sicheren Wohnbereich zu bleiben, wesentlich mehr Gefahren beherbergt. Diese Studie, die als „Die-Gefahr-Hinter-Der-Tür-Bleiben-Theorie“ (kurz DGHDTBT) bezeichnet wird, deckte auf, was viele bereits ahnten und sich nur hinter vorgehaltener Hand getrauten auszusprechen, nämlich dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren.

Bleibt man also in den eigenen vier Wänden und ist der festen Überzeugung, der DGVDTGT zu trotzen, setzt man sich unweigerlich der DGHDTBT aus. Wer nun meint, beiden entgehen zu können und sich auf die vermeintlich sichere Datenautobahn des Internets begibt, in der festen Annahme, wild und unbedarft über diese hinwegbrausen zu können, unterliegt einem großen Irrtum. Denn hinter jedem Klick kann sich eine Falle verbergen, wie beispielsweise ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) oder das Urheberrecht. Dieses kann schon durch ein lustiges Foto oder Video geschehen, welches man arglos irgendwo teilt oder einen witzigen Spruch postet, wo es nicht sein durfte. Eine Abmahnung wird umgehend folgen. Des Weiteren lauern viele Viren und Trojaner, die sich unter anderem lieb als Katzenbildchen tarnen können. Ist man dann (natürlich aus Versehen) auf einer Homepage gelandet, die freizügige Menschen präsentiert, kann es da zu peinlichen Funden kommen. Wie etwa den Lebenspartner oder die Nachbarsleute, die in einer Position und Situation abgelichtet sind, die man so auch noch nicht gesehen hat.

Somit scheint es egal zu sein, was man macht und wie man sich verhält, denn alles ist mit Gefahren verbunden. Man wird immer gegen irgendeine Vorschrift verstoßen oder gar Gesetze brechen. Wenn man dann noch Mitglied in einem Kleingartenverein ist, befindet man sich juristisch ohnehin in einer Hochrisikozone. Dort können bereits falsch ausgerichtete Gartenzwerge zu langjährigen Nachbarschaftskonflikten führen. Und als Autofahrer steht man sowieso schon mit einem Bein im Gefängnis.

Ein Teufelskreis … Da bleibt nur eins: Einen Strick nehmen und sich einen stabilen Ast an einem schönen Baum suchen. Das eine Ende des Seils nehmen und über den Ast werfen. Ordentlich festbinden und an dem anderen Ende des Taues eine Schlaufe knoten. Sich in diese setzen und erst mal schön schaukeln. Vielleicht durchbricht das Hin und Her den Kreis des Teufels.

Geschrieben 2019

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Wegonam: Das System

Im Folgenden wird näher auf das komplette Wegonam-System eingegangen. Dieses ist auf die vorangegangene Einführung aufgebaut. Es soll mit der Struktur des Systems begonnen werden, welche aus den 4 Einheiten (Theorie, Methode, Tugenden und Lehrstufen) mit jeweils 8 Prinzipien besteht. Dabei bilden die Theorie-Prinzipien die Basis für alles weitere. Diese Theorie lässt sich durch die Methode (Vorgehen, Arbeitsweise) in der geistigen Anwendung sowie am mit und durch den Körper über spezielle Übungen erfühlen und erspüren, wodurch sie letztendlich nachvollziehbar erfahren werden kann. Dieses Vorgehen wird durch 8 Tugenden vermittelt und in 8 Lehrstufen verinnerlicht. Dabei unterstützen 88 Leitgedanken (Leitlinien) das Vorhaben, das Wegonam in das eigene Leben aufzunehmen. Zudem werden die Themen Energiefluss, Universum, Planet Erde, Leben, Mensch und Gemeinschaft sowie Nähren und Bewegen behandelt. Grundwissen über diese Bereiche trägt zur Vervollständigung des Wegonam bei. Die aufgeführten Themen und Bereiche sind folgendermaßen aufgeteilt:

  1. Die vier Einheiten
    1.1 Theorie
    1.2 Methode
    1.3 Tugenden
    1.4 Lehrstufen
  2. Energiefluss
  3. Universum
  4. Planet Erde
  5. Leben
  6. Mensch und Gemeinschaft
  7. Nähren und Bewegen
  8. Die 88 Leitgedanken

Anhand dieser Aufteilung ist zu erkennen, dass die Ziffer 8 eine hohe Bedeutung im Wegonam besitzt. Es könnte auch gesagt werden: Wegonam befindet sich im Banne der 8. Als veranschaulichendes Beispiel dient hier eine symbolische Reise auf der 8, welche immer wieder zum Mittelpunkt (zum Innen) zurückführt, von wo aus die Reise zur anderen Seite fortgeführt werden kann. Auch ein Richtungswechsel am Mittelpunkt ist möglich, was die Perspektive (Sichtweise) verändert, da derselbe Weg in die entgegengesetzte Richtung gegangen wird. In diesem Sinne kann das Schreiten auf der 8 als ein bewusstes Einlassen auf fortwährende Veränderung bzw. Wandlung verstanden werden, welche auch in gewissem Grad eine Wiederkehr des immer Gleichen mit sich bringt. Wird hingegen auf einem Kreis gereist, kann nur die Richtung, aber nicht die Seite gewechselt werden – im Gegensatz zur 8. Bei ihr gibt es ein Oben und Unten, ein Links und Rechts (liegende 8, das Unendlichkeitszeichen ∞), die immer in Verbindung zueinanderstehen.

Wegonam versteht sich als praxisorientierter Lebensweg, der Bekanntes miteinander verwebt und an manchen Stellen neu denkt und es dann dementsprechend einordnet und definiert. Ein Weg, der die Schönheit des Lebens darlegt und aufzeigt, wie das Leben im Allgemeinen von Menschen gepflegt werden kann. Dabei geht es darum, in Harmonie mit sich selbst und den anderen Menschen sowie allen Lebewesen und der Natur (der Kreislauf von Leben und Vergehen) zu stehen. Es geht darum, im Einklang mit allem, bis hin zum Kosmos, zu leben und zu agieren. Dafür liegen auf dem Weg, welchen das Wegonam beschreibt, geeignete Mittel bereit, welche bei Bedarf aufgenommen und angewendet werden können. Wurden einige Dinge verinnerlicht, ist es ratsam, wieder zurückzugehen und das Mitgenommene zurück an seinen Platz für die folgenden Wanderer zu legen (Gelerntes wird weitergegeben). Auf diese Weise wird der Weg ein weiteres Mal gegangen. Anfangs in die entgegengesetzte Richtung, so erscheint dieser neu (das Bild hat sich gedreht, es wird in die entgegengesetzte Richtung geschaut), und dann wird mit dem bereits erlangten Wissen der Weg zurückgegangen und vielleicht vorherig Übersehenes entdeckt. So können sich Erkenntnisse verändern und erweitern, was ein höheres Verständnis mit sich bringt (ein praktisches Beispiel: eventuell nach dem Lesen dieses Kapitels zurück zur Einführung gehen, dann dieses Kapitel erneut lesen und sich erst dann dem nächsten widmen).

Auf der Reise des Lebens stehen in erster Linie die Menschen, denen begegnet wird. Von denen gelernt wird, die einen prägen, von denen etwas bekommen wird, um es letztendlich weiterzugeben; was das Leben zu einem Staffellauf werden lässt. Alles, was benötigt wird, kann auf dem Lebensweg gefunden werden, der mit Nichtkennen und Nichtkönnen beginnt. Das Voranschreiten bringt das Kennenlernen mit sich, welches weiterführt zum Können, um dann später im Wissen und Können zu münden (Wissen und Können vereinigen sich). Bei dieser Erkundung des Weges sollte nicht gerannt werden, und das Stehenbleiben ist von großer Bedeutung (keine Angst vor dem Stehenbleiben, solange irgendwann weitergegangen wird). Dieses verschafft Zeit für ein genaues Betrachten, um das Gesehene zu verinnerlichen; somit ist es kein wirkliches Stehenbleiben, auch wenn es augenscheinlich der Fall ist. Auch der Blick in die Seitenwege bzw. Abzweigungen ist von Nöten (über den „Tellerrand“ schauen). Ebenso ist das Betreten dieser nicht nur gestattet, sondern erwünscht (Schauen, Vergleichen, Mitnehmen, Liegenlassen, Zurückbringen). Doch egal, wie weit es in den Seitenweg geht, darf nie der Hauptweg aus den Augen verloren werden, wobei dieser Hauptweg als orientierender Bezugspunkt zu verstehen ist und nicht als Ausschluss anderer Hauptwege. Dies bedeutet, dass sich ein Hauptweg auch wandeln bzw. verändern kann.

Über das Gleichnis des Lebens als Weg, das das Wegonam ausführlich nutzt, richtet es sich stark nach den Gegebenheiten der Natur und des Kosmos, was sich in der Wegonam-Theorie widerspiegelt. Denn auch diese folgen bestimmten Regeln. Diese Regeln sind die physikalischen Gesetze (Beispiel: Erdanziehung) und die energetischen Bedingungen (wie Sonnenstrahlung) der natürlichen Umwelt der Erde. Sie legen fest, was möglich ist und was nicht. Trotzdem gibt es innerhalb dieser Grenzen viele verschiedene Wege, wie sich natürliche Systeme entwickeln können: „Die Regeln bestimmen den Rahmen – aber nicht das exakte Ergebnis“. Als Beispiel soll das Ökosystem Wald dienen. Ein Wald entsteht nicht nach einem festen Bauplan, stattdessen bildet er sich durch das Zusammenspiel vieler physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse. Sonnenlicht liefert Energie, Wasser und Nährstoffe zirkulieren im Boden, Pflanzen wachsen, Tiere und Mikroorganismen interagieren miteinander. All diese Vorgänge folgen Naturgesetzen. Trotzdem sieht kein Wald exakt aus wie ein anderer. Als sehr entgegengesetztes Beispiel sind hier der Amazonas-Regenwald (heiß, sehr feucht, kaum jahreszeitliche Schwankungen) und die kanadische Taiga (kalt, vergleichsweise trocken, stark saisonal) genannt. Selbst wenn zwei Wälder im gleichen Klima liegen, können sie sich unterschiedlich entwickeln. Der Grund dafür ist, dass bereits kleine Unterschiede langfristig große Auswirkungen haben können, wie etwa im Boden, in der Artenzusammensetzung oder durch Störungen wie Sturm oder Feuer. Innerhalb der natürlichen Regeln organisiert sich der Wald gewissermaßen selbst. Es entstehen typische Strukturen: hohe Bäume bilden ein Kronendach, darunter wachsen Sträucher und Bodenpflanzen. Verschiedene Arten nutzen unterschiedliche Lebensräume und Ressourcen. Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen sind über Nahrungsbeziehungen und Stoffkreisläufe miteinander verbunden. Diese Ordnung entsteht nicht durch Planung, sondern weil bestimmte Anordnungen unter den gegebenen Bedingungen stabil funktionieren. Kurz gesagt: Naturgesetze geben den Rahmen vor, innerhalb dessen sich ein Wald entwickeln kann. Wie genau dieser Wald aussieht, hängt von vielen Wechselwirkungen und Zufällen ab. Ordnung entsteht also nicht trotz dieser Regeln, sondern gerade durch sie.

Aufgrund dieser genannten Aspekte (8, Weg, Natur, Kosmos), die sich im Wegonam vereinigen, bekommt ein interessierter Mensch ein Mittel in die Hand, um sich in dem Szenario, in das er durch Geburt „hineingeworfen“ wurde, ein angenehmes Leben mit seinen Mitmenschen zu gestalten. Er erlangt Wissen darüber, wann beschleunigt oder verlangsamt wird, wann es Zeit für eine Ausdehnung oder ein Zusammenziehen ist. Wegonam kann als locker gebundenes Handbuch für das Vorhaben Leben verstanden werden. Es dient der Orientierung, ist ein Wegbegleiter für die Anpassung an die Wandlung bzw. Veränderung von Werden und Wachsen sowie an den Verfall und die Erneuerung.

Es folgen zwei Aussagen, die bewusst etwas kryptisch wirken können — also schwer unmittelbar verständlich oder rätselhaft erscheinen. Diese Form ist beabsichtigt. Sie sollen nicht abschrecken, sondern dazu einladen, den Geist zu öffnen und sich auf eine andere Betrachtungsweise einzulassen. In diesem Sinne kann das Folgende als eine Art persönlicher Prüfstein verstanden werden – nicht als wirklicher Test, sondern als Moment der Selbstbeobachtung innerhalb eines fortwährenden Wachstumsprozesses, in dem nichts endgültig bewertet werden muss.

Wegonam macht darauf aufmerksam, dass „Ziele“ verwirklicht werden können, wenn dafür die natürlichen, von selbst ablaufenden Vorgänge genutzt werden, ohne großes Hinzufügen eigener, durch Überanstrengung entwickelter Energie. Das bedeutet, den natürlichen Wandlungsprozessen zu folgen, um zur Mitte der Leere zu gelangen. Es muss die Vereinigung der Gegensätze angenommen werden, die zum Dreh- und Angelpunkt der Wandlungsphasen (dunkel und hell) werden. Die Leere erreichen, um diese füllen zu können, um am Ende die absolute erfüllte Leere zu erreichen. So kann wahres Glück entstehen, wenn die Leere zuerst mit Trauer gefüllt war. Nach dieser Auffassung führt vor allem die Übereinstimmung mit der Natur zu etwas Dauerhaftem und eben zum wahren Glück, während die intensive, ausschließliche Beteiligung an weltlichen Angelegenheiten zu einem Niedergang der wahren Tugenden führen kann. So muss das weltliche Leben an der Einfachheit des Weges ausgerichtet werden, um die grundlegende Lebensenergie zu verstehen und zu spüren. Deshalb ist es ratsam, Gleichmütigkeit gegenüber Reichtum und unverhältnismäßigem oder gar verschwenderischem Komfort zu erlangen und sich vor übermäßigen Wünschen zu hüten.

Wegonam ist der Weg, der sich nach den Gegebenheiten richtet und dem Lauf der Natur folgt. Die Natur ist das Wesen der umfassenden Wirklichkeit und stellt die Vereinigung jeglicher Gegensätze dar. Wegonam ist nur begrenzt begrifflich zu fassen, weil es als Ursprung des Seins und als transzendentale (zwischen zwei Welten, raum- und zeitlos gedachte) Ursache verstanden wird und somit alles, auch den Gegensatz von Sein und Nichts, enthält. Es geht darum, die übergeordneten Gesetzmäßigkeiten des Kosmos und der Natur zu ergründen und die dabei entdeckte, nicht vollständig erfassbare Ordnung zu akzeptieren bzw. den ewigen Weg der Veränderung, dem allen Dingen des Werdens und Vergehens unterworfen sind, zu folgen. In diesem Sinne kann nichts Abschließendes über das Wegonam ausgesagt werden, weil jede Definition eine Begrenzung enthält. Das Wirken des Wegonam bringt die Schöpfung hervor, indem es die Zweiheit von Licht und Schatten hervorbringt, aus deren Wandlungen, Bewegungen und Wechselspielen letztendlich die Welt hervorgeht. Wegonam ist die Mitte von allem und die lebendige Leere, aus der alles entspringen kann. Wegonam ist allumfassend und es gibt nichts, was ausgeschlossen wird. Jeder, der Wegonam erfährt, wird ausreichend Lebensenergie erfahren und eine ganzheitliche Verbundenheit zu allen Dingen entwickeln können.

Abschließend sei noch gesagt, dass andere Systeme, welche sich mit den gleichen oder verwandten Themen auseinandersetzen, die Aussagen des Wegonam wahrscheinlich gänzlich anders sehen. Oft geht es dabei um Begrifflichkeiten und deren Interpretationen. So gibt es beispielsweise Organisationen, die sich alle nach identischen Texten richten, aber diese unterschiedlich auslegen und -leben. Neben der Interpretationsvielfalt kommt dann noch die Übersetzungsproblematik in andere Sprachen hinzu, da diese bereits von Haus aus verschiedene Ergebnisse in sich trägt, was zu Meinungsverschiedenheiten führt. Überall, in jedem Bereich, gibt es diese Phänomene. Gerade in religiösen Glaubensfragen, in der Medizin, ja selbst in der Justiz, wenn es um Gesetze geht, die eigentlich klar und deutlich sein sollten, gibt es diese Unstimmigkeiten. Als Letztes sollen hier noch die Kampf- und Gesundheitskünste (Tai Chi, Qi Gong, Kung Fu, Yoga etc.) erwähnt werden. Egal, wie etwas ausgelegt wird, was jeder dabei beachten muss, sind die grundlegenden Gesetze. Als Beispiel dient hier die Wippe, die besagt, wenn etwas auf der einen Seite runtergeht, muss auf der anderen Seite etwas hochgehen. Auf welche Weise so ein Gesetz nun anzuwenden ist bzw. genutzt werden kann, muss jeder für sich allein herausfinden, solange er sich an das Gesetz hält.

Das Wegonam hat den Anspruch, sich an alle Menschen zu richten. Da es nun in der Natur der Sache liegt, bringt jeder ein anderes (Vor-)Wissen mit. Dieses kann hilfreich sein, wenn Grundlagen zu den Themen, die das Wegonam behandelt, bereits bekannt sind, aber auch hinderlich, denn es fällt oft schwer, sich für Bekanntes auf neue oder auch anderer Art zu nähern. Wer sich noch nie diesen Themen gewidmet hat oder nur mal davon gehört hat, darf nicht den Anspruch an sich stellen, alles gleich auf Anhieb zu verstehen bzw. alles gleich im richtigen Zusammenhang zu erkennen. So wird manchmal ein Thema nur am Rande angeschnitten (vielleicht als Beispiel für etwas), und eine Vertiefung taucht dann in einem Folgekapitel auf. Durch eine konstante Beschäftigung (beispielsweise durch ein mehrfaches Lesen der Texte) wird sich das Verständnis für das Dargelegte entfalten, und bei fortgesetzter Auseinandersetzung mit der Lehre des Wegonam kann dieses schrittweise in das eigene Leben integriert werden. Dies trägt letztlich dazu bei, dass die Dinge, die einem begegnen, besser eingeordnet werden können und die Situationen im Leben geschickter gemeistert werden können.

Anmerkung
(Prinzipien – Konzept – Struktur – Leitlinien – System)
Im Wegonam wird oft von den Begriffen Prinzipien, Konzept, Struktur, Leitlinien und System die Rede sein. Hier folgt eine Erläuterung, wie diese zu betrachten sind. So bilden diese fünf Begriffe zusammen ein abgestuftes Orientierungs- und Handlungsmodell für die Planung und Organisation von Vorhaben. Jede Ebene erfüllt eine eigene Funktion, die von einer grundlegenden, richtungsgebenden Ausrichtung bis zur operativen Gesamtwirkung reicht. Gemeinsam schaffen sie einen stimmigen Rahmen, der Denken, Entscheiden und Handeln verbindet. Die Begriffe lassen sich als funktionale Abfolge verstehen: von einer allgemeinen Orientierung über die Ausarbeitung eines konkreten Konzepts und die organisatorische Ordnung bis hin zur handlungsleitenden Steuerung und zum systemischen Zusammenspiel aller Elemente.

Am Anfang stehen die Prinzipien, welche die grundlegende Ausrichtung eines Vorhabens definieren. Sie formulieren übergeordnete Werte, Zielrichtungen und Maßstäbe, an denen Entscheidungen und Vorgehensweisen ausgerichtet werden. Prinzipien wirken nicht als konkrete Vorschriften, sondern als stabiler Referenzrahmen, der Stimmigkeit und Zielklarheit ermöglicht. Sie unterstützen die Priorisierung, die Bewertung von Optionen und die Einordnung komplexer Situationen. Typische Bestandteile sind Wertmaßstäbe (welche Leitideen gelten), Zielorientierung (worauf wird hingearbeitet) und Bewertungsgrundlagen (wie Entscheidungen reflektiert werden). Prinzipien beantworten damit die Frage, nach welchen übergeordneten Maßstäben gehandelt wird.

Auf der Grundlage der Prinzipien entsteht das Konzept als strukturierte Übersetzung der Prinzipien in eine konkrete Ziel- und Vorgehensidee. Es beschreibt, was erreicht werden soll und auf welche Weise dies grundsätzlich geschehen soll. Ein Konzept kann zunächst skizzenhaft sein und sich im Verlauf präzisieren. Seine Funktion besteht darin, Absichten, Inhalte und methodische Ansätze in einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu bringen. Dazu gehören insbesondere die Zielsetzung (was angestrebt wird), die inhaltliche Ausrichtung (welche Themen oder Aufgaben relevant sind) und die methodische Grundentscheidung (welche Vorgehensweisen genutzt werden). Das Konzept beantwortet die Frage, wie die vorgegebene Orientierung praktisch gedacht wird.

Die Struktur ist die organisatorische Ausgestaltung des Konzepts. Sie legt fest, wie Inhalte, Aufgaben und Informationen angeordnet und miteinander verknüpft werden. Ziel der Struktur ist es, Übersichtlichkeit, Nachvollziehbarkeit und funktionale Klarheit herzustellen. Dazu zählen die Gliederung in sinnvolle Einheiten, die Festlegung von Hierarchien sowie die Definition logischer Zusammenhänge. Die Struktur schafft ein geordnetes Gerüst, innerhalb dessen das Vorhaben operabel wird. Sie beantwortet die Frage, wie das Konzept aufgebaut ist.

Leitlinien konkretisieren das Handeln innerhalb dieser Struktur. Sie formulieren verbindliche Orientierungen, die Abläufe, Entscheidungen und Verhaltensweisen steuern. Leitlinien schaffen Verlässlichkeit, indem sie Erwartungen, Grenzen und Handlungsspielräume definieren. Sie fördern konsistentes Vorgehen und tragen dazu bei, dass Prozesse nachvollziehbar und reproduzierbar bleiben. Typische Elemente sind Handlungsanweisungen (was vorgesehen ist), Rahmenbedingungen (welche Grenzen gelten) und Kontrollmechanismen (wie die Einhaltung überprüft wird). Leitlinien beantworten die Frage, wie innerhalb der gegebenen Struktur gehandelt werden soll.

Das System beschreibt die Gesamtheit der miteinander interagierenden Elemente, in denen Prinzipien, Konzept, Struktur und Leitlinien wirksam werden. Es umfasst Komponenten, Beziehungen und Regelwirkungen und stellt die operative Realität des Vorhabens dar. Ein System ist kein bloßes Endergebnis, sondern ein dynamisches Gefüge, in dem Rückkopplungen, Anpassungen und Wechselwirkungen stattfinden. Ziel systemischer Gestaltung ist häufig die Verbesserung von Effektivität (Zielerreichung) und Effizienz (Ressourceneinsatz), wobei Systeme auch fehlgeleitete oder funktionsgestörte Muster entwickeln können. Bestandteile sind die beteiligten Komponenten (z. B. Personen, Prozesse, Technologien), ihre Interaktionen sowie die wirksamen Regelmechanismen. Das System beantwortet die Frage, wie das gesamte Gefüge im Zusammenspiel funktioniert.

Zusammenfassung: Diese fünf Begriffe bilden eine integrierte Grundlage für Planung und Umsetzung. Prinzipien geben die Orientierung vor, das Konzept übersetzt diese in eine tragfähige Ziel- und Vorgehensidee, die Struktur ordnet die Bestandteile, Leitlinien steuern das konkrete Handeln, und das System beschreibt das dynamische Zusammenwirken aller Elemente. Ein bewusstes Verständnis dieser Ebenen erleichtert es, Vorhaben konsistent zu entwickeln, zu steuern und weiterzuentwickeln.

Prinzipien geben die Richtung vor.
Konzepte setzen diese Richtung praktisch um.
Strukturen ordnen die Bestandteile.
Leitlinien geben die Handlungsanweisungen.
Systeme beschreiben das funktionierende Gesamtgefüge.

Prinzipien, Konzept, Struktur, Leitlinien und System werden in den 8 Inhaltspunkten des Wegonam immer wieder in einem anderen Bezug verwendet. Ihre jeweilige Bedeutung bleibt dabei immer gleich, nur ihr Zusammenhang kann sich ändern. So ist das gesamte Wegonam als System aufgebaut und stellt sich wie folgt dar:

  1. Prinzipien = Theorie
  2. Konzept = Methode, Tugenden und Lehrstufen
  3. Struktur = die 8 Inhaltspunkte
  4. Leitlinien = 88 Leitgedanken
  5. System = Wegonam

Die unten aufgeführte Einteilung richtet sich nach den Lehrstufen. Dadurch verschiebt sich die erste Position von der Theorie (das oberste Gebot = Geistigkeit der Einheit) auf die letzte lernbare Stufe, da sie das höchste Gut darstellt, auch wenn sie in der Theorie als erstes behandelt wird.

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Kurzgeschichte – Zwiespalt der Seele

Wie ein Kometenschweif zog die Kugel den roten Lebenssaft hinter sich her, als sie aus dem Rücken des Mannes austrat. Das Projektil hatte das Herz genau getroffen und das Blut spritzte gegen die weiße Hauswand, wo das Geschoss tief in das Mauerwerk eindrang. Vincent hatte seinen Auftrag erneut mit der Akribie eines Chirurgen und der Kaltblütigkeit einer Maschine ausgeführt. Mit der Ruhe und Gelassenheit eines Faultiers schraubte er den Schalldämpfer vom Pistolenlauf und verstaute beides in der Manteltasche. Anschließend ging er zum Kofferraum des Autos und holte einen schwarzen Plastiksack heraus.

***

Die Scheinwerfer fraßen sich durch die Dunkelheit des Waldes. Vincent hatte nicht mehr weit zu fahren, dann würde er an dem ausgedienten, halb zerfallenen Krematorium, das zu einem nicht mehr benutzten Waldfriedhof gehörte, ankommen. Bei seiner Recherche zur Leichenbeseitigung war er auf die Verbrennungseinrichtung gestoßen. So einfach war es noch nie für ihn gewesen, die Überreste seiner Arbeit zu beseitigen. Das Feuer im Ofen schüren, die Leiche und das todbringende Werkzeug hineinwerfen. Dann abwarten, bis sich so ziemlich alles zersetzt hat und abhauen.

Niemals benutzte er eine Waffe zwei Mal, ebenso verhielt es sich mit dem Auto, wenn er eines benötigte. Dies war nicht immer der Fall, denn es gab auch Aufträge, bei denen er ohne Fahrzeug auskam. So zum Beispiel in einer Wohnung, wenn die Leiche an Ort und Stelle verbleiben sollte. Doch der aktuelle Job verlangte, dass der Getötete zu verschwinden hatte. Warum, das interessierte Vincent nicht. Ihn interessierten lediglich die fünfundzwanzigtausend Euro mehr, die er für diese Zusatzleistung forderte.

Vincent arbeitete überall auf der Welt, solange der Einsatzort mindestens zweihundertfünfzig Kilometer von seinem Wohnort entfernt lag. Dabei erstellte er für jeden Auftrag einen Ablaufplan, der aus drei Punkten bestand: Vor der Ausführung, während der Ausführung, nach der Ausführung. Zu jedem dieser Punkte stellte er sich die Fragen: wo, wann und wie. Erst wenn er diese Fragen zu seiner Zufriedenheit beantwortet hatte beziehungsweise ausreichend recherchiert hatte, schritt er zur Tat. Niemals ließ er sich von seinem Auftraggeber unter Druck setzen – Vincent war derjenige, der bestimmte, wo, wann und wie der Auftrag durchgeführt wird.

Falls er, wie bei seinem letzten Job, einen Wagen benötigte, besorgte er sich unter falschem Namen ein schrottreifes Auto bei einem x-beliebigen Straßenhändler. Nach Beendigung des Auftrags verkaufte er das Fahrzeug an einen ebensolchen Schrotthändler, der zudem nicht viele Fragen stellte. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fuhr Vincent dann davon, zumeist mit einem Zug. Sobald sich darin eine Gelegenheit bot, etwa in einer Toilettenkabine, in der er ungestört den falschen Bart entfernen konnte und sich der Perücke entledigte, nutzte er diese. In dieser Situation gehörte es zu seinem Ritual, dass er dort in den Spiegel schaute, aus dem ihm sein junges Gesicht mit den kurzen blonden Haaren entgegenschien. Er senkte den Kopf. Sein Kinn berührte fast die Brust. Die Augen schlossen sich langsam. Ein tiefer Atemzug füllte seine Lungen, hielt sich einen Herzschlag lang und entwich lautlos wieder. Vor seinem inneren Blick erschien die Summe – hundertfünfundzwanzigtausend Euro.

***

Der alte Mann zog sich mühsam den Bademantel über den Schlafanzug. Seit geraumer Zeit hatte er nichts anderes mehr getragen. Der Krebs würde nicht mehr lange brauchen, bis er ihn ganz zerfressen hatte. Mit hängendem Kopf und nach vorne gefallenen Schultern schlurfte Jensen den Gang entlang, bis er am Aufenthaltsraum angekommen war. Eine junge Schwester trat gerade aus der Tür und hielt diese weit für ihn auf. Dabei wünschte sie ihm einen guten Morgen und erzählte, dass er bereits erwartet wurde. Jensen freute sich, hob den Kopf und spähte durch den Raum. Als er den großen, blonden Mann hinten am Tisch sitzen sah, huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Er richtete sich auf und schritt auf seinen Gast zu. Der Wartende erhob sich, streckte Jensen eine Hand entgegen und erkundigte sich nach dessen Befinden. Dieser erwiderte freundlich, dass es ihm so wie gestern ginge und sehr wahrscheinlich so wie morgen. Die Männer machten es sich auf den Stühlen bequem und Jensen griff nach dem Stapel Karten, der auf dem Tisch bereitlag. Er mischte sie ordentlich durch und anschließend begannen die Männer ihre Kartenpartie.

Jensens Partner war ein gern gesehener Gast im Sanatorium. Er kam zwei- bis dreimal die Woche und verbrachte ein paar Stunden mit den Patienten, die keinen Besuch erhielten. Der blonde Mann richtete sich dabei immer nach den Wünschen der todkranken Patienten. Er las denen, die sich nicht mehr rühren konnten, vor, mit den anderen ging er spazieren oder spielte mit ihnen Karten, Mühle, Schach oder worauf sie sonst Lust hatten. In vielen Fällen ging es auch nur darum, den Patienten, die einfach nur reden wollten, zuzuhören.

***

Der große Mann mit der schwarzen Ledermaske trat an das Stativ. Seine Finger fanden den Schalter der Kamera. Ein leises Klicken. Die Hand ging zum Kopf, die Maske wurde heruntergezogen. Die blonden Haare klebten verschwitzt an seiner Stirn. Die Arbeit war beendet. Nicht einmal die Schreie und die um Gnade winselnden Worte, die sein Opfer ausstieß, hatten ihn davon abbringen können, seinen Auftrag durchzuführen. Und auf die Frage, wieso er ihm das antat, bekam der Todgeweihte von Vincent nur die Antwort: »Ich werde dafür bezahlt«.

Nachdem Vincent die Folter beendet hatte, hatte er den erlösenden Kopfschuss abgefeuert. So lautete sein Auftrag. Der Mann sollte leiden, bevor er starb, und diese Leiden sollten für den Auftraggeber auf Video festgehalten werden. Warum, das war Vincent egal. Er stellte nie die Frage nach dem Warum. Ihn interessierte lediglich: Welches Risiko besteht für mich? Es gab nicht viel, was er nicht tun würde, solange die Bezahlung stimmte.

***

Gertruds Gesicht strahlte vor Freude und ihre Augen leuchteten, als sie ihrem Gesprächspartner die Ergebnisse ihrer letzten Untersuchung mitteilte. Gertrud war fünfundfünfzig und hatte ihre Krankheit fürs Erste besiegt. In ein paar Tagen würde sie das Sanatorium verlassen können. Doch zuvor wollte sie noch einmal mit dem blonden Mann die Vögel am See beobachten. Dies hatten sie im letzten Jahr, ihrem schwersten Jahr überhaupt, sehr häufig getan. Bei Wind und Wetter waren sie losgezogen, sofern ihr Gesundheitszustand es erlaubte.

Gertrud genoss die warmen Herbstsonnenstrahlen, die sich zur Erde kämpften, auf ihrem Gesicht. Sie hakte sich bei ihrem Begleiter ein und beide marschierten los. Vincent hörte Gertrud aufmerksam zu, wie sie Zukunftspläne schmiedete und dachte nicht eine Sekunde daran, dass er bereits am nächsten Tag einen Menschen töten würde, einen Menschen, den er nicht einmal kannte. Der Name, der auf seinem Auftragszettel stand, war der einer Frau.

Er war kälter als der Tod, doch kämpften sich vereinzelt warme Herbstsonnenstrahlen aus seinem Zwiespalt der Seele nach außen.

Geschrieben 2019

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Wegonam: Das Bild

Dieses Bild ist eine visuelle Verdichtung des Wegonams und arbeitet mit symbolischen Ebenen statt eindeutigen Aussagen. Es erklärt nichts direkt, sondern weist – wie der Weg selbst – auf Zusammenhänge hin.

Der Steinpfad, der von unten in die Tiefe des Bildes führt, steht für den individuellen Lebensweg. Er ist ein Weg, wird aber von vielen Menschen gleichzeitig begangen. Das verdeutlicht:
– Jeder geht „seinen“ Weg
– Dennoch bewegen sich alle auf derselben grundlegenden Ordnung
Der Weg ist weder gerade noch abgeschlossen – er verschwindet im Licht. Das symbolisiert, dass Erkenntnis kein Endpunkt, sondern ein fortlaufender Prozess ist.

Die Gruppe unterschiedlich wirkender Menschen repräsentiert:
Vielfalt der Individuen
– Gleichwertigkeit aller Übenden
– Keine Hierarchie, keine Meister-Schüler Trennung
– Alle blicken nach vorne, niemand steht erhöht. Erkenntnis ist hier kein Besitz, sondern gemeinsames Unterwegssein.

Das Licht in der Mitte symbolisiert:
– die Mitte
– die Leere
– das Loslösen vom „Ich“
Das Licht steht nicht als „Gottheit“ über den anderen, sondern als Zustand, den jeder erreichen kann. Das Licht entsteht nicht von außen, sondern scheint aus der Stille heraus.

Die leuchtende Acht (liegende Acht ∞), das Unendlichkeitszeichen ist eines der zentralen Symbole im Wegonam:
– Wandel ohne Anfang und Ende
– Verbindung von Gegensätzen
– Innen ↔ Außen
– Licht ↔ Schatten
Dass sie über der Szene schwebt, zeigt, dass diese Gesetzmäßigkeit unabhängig vom Menschen wirkt, übergeordnet ist und nicht gemacht wurde.

Die Landschaft aus Bergen, Wasser, Pflanzen und Himmel (Natur und Kosmos) verdeutlicht:
– Einheit von Erde und Kosmos
– Natur als Ursprung aller Ordnung
– Leben als eingebetteter Prozess, nicht als isoliertes Ereignis
Die Natur ist nicht Kulisse, sondern tragendes System, in dem der Weg überhaupt erst möglich ist.

Die Lichtführung verläuft von oben nach unten und von innen nach außen:
– Oben: kosmische Ordnung
– Mitte: Leere / Bewusstsein
– Unten: gelebtes Leben
Das zeigt: Erkenntnis fließt nicht linear, sondern zirkulär – genau wie die Acht.

Gesamtaussage: Es gibt keinen richtigen Namen, keinen festen Anfang und kein endgültiges Ziel. Es gibt nur den Weg, die Bewegung, den Wandel und die Möglichkeit, sich in der Mitte immer wieder neu auszurichten. Damit ist das Bild keine Illustration einer Lehre, sondern eine Einladung, den Weg selbst zu beschreiten.

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Kurzgeschichte – Verblasst

Roy Reynolds griff routiniert zur Flasche, drehte den Deckel ab und goss den Whisky in das Glas zu den Eiswürfeln. Er stellte ihn zurück auf den Tresen der Wohnzimmerbar, nahm das Getränk und ging hinüber zur Glasfront, öffnete die Schiebetür und betrat den Granitboden der Terrasse. Er schaute hinüber zum Schwimmteich und ließ seinen Blick weiter über den parkähnlichen Garten schweifen. Er sog die frische, feuchte Abendluft des Frühlings intensiv ein, um anschließend von dem achtzehn Jahre alten Whisky einen tiefen Schluck zu nehmen.

Roy starrte auf das Glas in seiner Hand, in dem die Eiswürfel am Boden klimperten. »Na, meine kleinen Freunde, wollt ihr wieder schwimmen?«, murmelte er und ging zurück ins Haus. Mit der noch offenen Flasche kam er zurück und setzte sich mit ihr an den Gartentisch. Nachdem der vierte Whisky in seinem Innersten verschwunden war, wurde ihm klar, wie dieses Ritual in den letzten Jahren zur Gewohnheit geworden war, und dass er dabei immer mehr Gläser leerte. Dieses Verhalten betraf nicht nur die Abende, denn bereits die Morgenstunden waren betroffen, an denen keine Termine für den Tag eingetragen waren. In solchen Fällen öffnete er vor dem Frühstück eine neue Flasche.

Roy musste sich eingestehen, dass seine Zeit abgelaufen war. Darauf deuteten unter anderem auch die immer seltener gefüllten Postboxen hin, in denen die Anfragen lagen, genauer gesagt die Bettelbriefe von Menschen, die in seiner Show auftreten wollten. Diese hatte er beziehungsweise seine Produktionsfirma in den vergangenen zwei Jahrzehnten massenhaft erhalten. Und nicht nur die Anzahl der Briefe ging zurück, auch die Anzahl der E-Mails schrumpfte auf eine überschaubare Menge, und für seine Fan-Post benötigte er niemanden mehr, der diese bearbeitete. Vorbei war die Zeit, dass es hieß: »Wer bei Roy in der Show auftritt, der hat es geschafft«. Und so war es auch. Alles, was Rang und Namen hatte, tauchte als Gast in Roys Late-Night-Show auf, die von montags bis freitags ausgestrahlt wurde.

Roy – der Late-Night-Dino, wie ihn die Medien und die Newcomer der Branche nannten. Allmählich zeigte sich, dass die nächste Generation von Sprücheklopfern herangewachsen war und auf ihre Chance lauerte. Junge Typen beiderlei Geschlecht, die zudem noch gut aussahen, beherrschten die Mattscheibe und das Internet. Nun waren es ihre, nicht mehr seine Sprüche und Witze, die die Menge begeisterten und Trends setzten.

Er und ebenso seine zumeist provokanten Sprüche galten als Kult, doch für ihn waren sie nur Gewohnheit. Und diese Gewohnheit war es auch, die seine letzten Fans vor die Fernseher trieb. Alles war nur noch Gewohnheit, auf beiden Seiten. Er moderierte seine Show aus Gewohnheit, und die anderen schauten aus Gewohnheit zu. Doch allmählich machte er sich Gedanken darüber, wie lange er noch an diesem Format festhalten sollte. Sollte er warten, bis der Sender ihm sagt: »Roy, du warst gut, es war eine nette Zusammenarbeit. Ach übrigens, ich möchte dir jemanden vorstellen.« Und dieser jemand würde dann einer oder eine von diesen jungen hippen Typen sein, die gerade am Durchstarten sind.

Doch der einstige Late-Night-King wollte nicht in Selbstmitleid und Depressionen vergehen, und als ihm an diesem Spätabend bewusst wurde, dass er auf bestem Wege dahin sei, geriet er in Panik und wollte nicht, dass alles damit endet, dass das Einzige, was noch von ihm in den Medien berichtet wird, seine Alkoholexzesse sind … die er bis jetzt noch geheim halten konnte. Dann schon lieber gar keine Schlagzeilen als solche. So, wie es bei vielen seiner Kollegen der Fall ist, die sich im Show-Geschäft bewegen.

Wenn es nur nach dem Geld ginge, so hätte Roy schon vor Jahren aufhören können, doch die Sucht nach dem Scheinwerferlicht, die Befriedigung des jubelnden Publikums trieben ihn an, auch wenn das alles immer weiter zurückging; ja, es kam ihm sogar vor wie Mitleidsbekundungen. Vorbei war die Zeit, als zusätzlich zur Show große Werbeverträge mit ihm abgeschlossen wurden und er die gigantischsten Medienevents moderierte.

Doch einfach aufhören wollte Roy nicht, denn zu groß war die Liebe zur Bühne. Er musste sich eingestehen, dass es an der Zeit war, eine Entscheidung zu treffen, wenn er nicht die Sucht des Rampenlichts mit der Alkoholsucht tauschen wollte. So wollte er auch nicht darauf warten, bis die Bosse des Senders ihm ein Gnadenbrot zuwerfen und ihn ab und zu auf die Weide stellen, wie ein ausgedientes Spitzenrennpferd. Denn das war er einst: das beste Pferd im Stall der Unterhaltung. Wer auf ihn setzte, gewann. Dann schon eher hinter der Bühne als Produzent; ja, das wäre eine Alternative. Er kannte das gesamte Spektrum eines wahren Unterhaltungskünstlers. Er sang, machte Stand-up-Comedy, spielte Sketsche, war an einigen Filmen als Schauspieler beteiligt, wusste, was und wie man wem die richtigen Fragen stellte.

***

Im nächsten Meeting verkündete Roy, dass es aus seiner Sicht allmählich an der Zeit sei, sein Tätigkeitsfeld zu verändern. Er war der Meinung, dass sein Talkshowformat, ebenso wie er, abgenutzt war. Bei dieser Nachricht atmete der Chef des Senders erleichtert auf. Roy war ihm zuvorgekommen, da zum Ende des Jahres die Show abgesetzt werden sollte. Roy erzählte von seinen Plänen, selber Shows zu produzieren, und er hätte da auch schon einige zeitgemäße Ideen, die er sogleich den Anwesenden vortrug.

Es war die richtige Entscheidung, es selbst in die Hand zu nehmen und nicht zu warten, bis andere für ihn entschieden. So konnte Roy sich allmählich daran gewöhnen, dass seine Zeit vor der Kamera zu Ende ging. Er konnte langsam mit dem Entzug beginnen. Die Showbranche hatte ihn nicht geschlagen. Und es kam, wie es kommen musste: Sein Ruhm verblasste, doch er selber bekam durch seinen neuen Weg wieder Farbe.

Geschrieben 2019

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Wegonam: Einführung

Das Wegonam ist als offenes Lebenskonzept konzipiert und dient als Rahmen zur persönlichen Lebensgestaltung. Es richtet sich an alle Menschen, die sich mit ihrem Leben, ihrem Handeln und ihrer Haltung gegenüber sich selbst, anderen und der Welt auseinandersetzen möchten, um eine persönliche Veränderung zu erfahren. Für dieses Vorhaben bietet das Wegonam Unterstützung und verbindet dafür passende philosophische, spirituelle und praktische Elemente miteinander. Dabei wird kein spezielles Vorwissen benötigt, ebenso wenig wird eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Richtung, Lehre oder Überzeugung verlangt. Jeder ist eingeladen, das Beschriebene in seinem eigenen Tempo durchzugehen. Auch wenn bei der ersten Durchsicht oder dem Überfliegen dieser Einführung nicht alles unmittelbar schlüssig oder verständlich erscheint, werden sich weitere Zusammenhänge in den folgenden Kapiteln erschließen.

Die folgenden Abschnitte beschreiben die Grundideen des Wegonam, seine Haltung zur Individualität und seine Offenheit gegenüber unterschiedlichen Lebensentwürfen. Wegonam bietet in erster Linie eine Basis für den Umgang mit dem Hier und Jetzt und dem Zurechtfinden darin (beispielsweise, warum manches so ist, wie es ist, und was getan werden kann, um etwas zu vollbringen oder zu verändern). Es ist ein Angebot für eine allumfassende Lebensweise, die zu einer persönlichen Lebenseinstellung werden kann; zu einem Lebensweg. Vereinfacht gesagt beschreibt Wegonam einen Weg, auf dem Menschen versuchen, ihr Leben bewusst, verantwortungsvoll und im Einklang mit sich selbst, ihren Mitmenschen sowie der Natur zu gestalten. Wegonam fungiert dabei als Bindeglied zwischen diesen Bestrebungen und schöpft seine Kraft aus der Identifikation mit der Natur, aus der alles entspringt und in der alles zu finden ist. So befinden sich bildlich gesprochen auf dem Hauptweg eines Waldes die grundlegenden Begriffe und Konzepte des Wegonam mit ihren Anwendungsmöglichkeiten, die darauf warten, mitgenommen zu werden. Weitere Erklärungen, Vertiefungen und individuelle Zugänge sind am Wegesrand oder auf den Seitenwegen zu entdecken.

Zu den grundlegenden Ideen des beschriebenen Weges gehört bereits das Wort „Wegonam“ selbst. Es wird „We-go-nam“ gesprochen und bedeutet „Weg ohne Namen“ (das Wegonam, das als „Der Weg ohne Namen“ zu verstehen ist). Wegonam weist auf einen Weg hin, der nicht an bestimmte Identitäten oder Vereinigungen gebunden ist. Er symbolisiert die Idee eines unbenannten, unbekannten und zugleich universellen (allgemeinen oder auch unbestimmten) Weges, der über herkömmliches Kategoriendenken hinausgeht. Wegonam beschreibt dabei eine tiefere, möglicherweise mystische Erfahrung des Seins (der eigenen Existenz) und der Spiritualität, die auf ihm (dem Weg) gemacht werden kann. Spiritualität meint hier kein Glaubenssystem, sondern das bewusste Streben nach einem tieferen Verständnis des Lebens und des eigenen Selbst – des eigenen Erlebens im Inneren wie im Äußeren – in Verbindung mit der Welt und mit anderen Menschen.

Auch wenn für das hier aufgezeigte Konzept ursprünglich kein spezifischer Name vorgesehen war, betitelt es sich letztlich selbst als „Wegonam“, da ein gänzlich namenloses Konzept nicht vermittelbar wäre. Es bedarf einer Bezeichnung, um darüber sprechen zu können. Der Begriff „Wegonam“ ist daher als Arbeitstitel zu verstehen – als Behältnis für ein Konzept, das eine Struktur erhalten hat, um zu einem System zu werden. Dieses System umfasst eine Theorie mit Methode, grundlegende Tugenden, entwickelte Lehrstufen sowie vielseitig interpretierbare Leitgedanken. Diese Elemente dienen als Orientierungspunkte, die je nach Mensch und Lebenssituation unterschiedlich gewichtet werden können. Ergänzend beinhaltet Wegonam Programme für die Bereiche Nähren (Ernährungslehre) und Bewegen (körperliche Übungen, die mit geistigen Prozessen gekoppelt sind).

Somit ist die Lehre des Wegonam als durchstrukturiertes System aufgebaut, lässt jedoch ausreichend Raum für persönliche Interpretationen und Veränderungen durch die eigenen Erfahrungen, da alles, was geschehen kann, in der Struktur des Wegonam zu finden ist, was diese Lehre zugänglicher und anpassungsfähiger für die eigene Anwendung macht. Der bewusste Verzicht auf einen spezifischen Namen unterstützt dabei die Idee, dass Wahrheit und Verständnis nicht in starren Begriffen gefasst werden können. Wegonam ist eine Einladung, über das Gezeigte hinauszudenken und einen eigenen, individuellen Lehrweg zu entwickeln. Wegonam ist als Ort gedacht, an dem frei mit Gedanken über den Menschen und das Leben gespielt werden kann.

Allgemeine Erkenntnisse, die das Leben betreffen, stehen jedem zur freien Verfügung und sollten ebenso genutzt werden. Wegonam greift auf altbewährtes Wissen zurück und verknüpft dieses zu etwas Eigenem. Es beansprucht keine Allgemeingültigkeit und präsentiert keine abschließende Wahrheit. Nichts ist vollkommen; vieles muss angepasst, korrigiert oder „hingebastelt“ werden, damit es in ein verlangtes Schema passt – so wie etwa der Kalender mit dem Schaltjahr zur Angleichung des gregorianischen Kalenders an das astronomische Jahr. Dem Wegonam erging es bei seiner Entwicklung nicht anders. Letztlich ist nicht entscheidend, woher eine Lebenslehre stammt, sondern dass sie vorhanden ist, um genutzt werden zu können. Der Mensch weiß ja auch nicht, wo er herkommt, geschweige denn, woher das Universum kommt. Er hat Vorstellungen, Ideen und einige Naturgesetze ergründet, doch das ist auch schon alles. Daher muss jeder für sich entscheiden, welchen Lebensweg er beschreiten möchte, ohne andere damit zu belästigen oder diesen Weg dem Nachbarn aufzudrängen.

Lebenswege gibt es unendlich ∞ viele. Sie sind so reich an Zahl, wie es Menschen auf der Erde gibt, gab und geben wird. Jeder Mensch denkt anders, hat seine eigenen kombinierten Ansichten und Perspektiven sowie Bedürfnisse, und dennoch gibt es sehr viele Überschneidungen. Dies führt dazu, dass Menschen häufig einen ähnlichen Weg gehen, auch wenn sich ihre jeweilige Auslegung und Umsetzung unterscheidet. „Mein Weg kann nicht dein Weg sein, da sich zwei Körper nicht an ein und demselben Platz aufhalten können.“

„Wege gibt es viele, aber nur eine Reise, denn ihr Ziel ist immer dasselbe. Es führt zum Vergehen, um neu zu beginnen. Ein Weg ohne Anfang und niemals ein Ende in Sicht.“

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Kurzgeschichte – Ein Stück vom Glück

Das Leben, ein ständiger Treppenlauf …

Sein Rücken schmerzte. Der Muskelkater in seinen Beinen brannte noch vom Vortag. Auch die folgenden Arbeitsstunden würden mit seinem Körper kein Erbarmen haben. Das T-Shirt, der Hosenbund, sein ganzer Körper waren schweißdurchtränkt, der Stoff klebte dreckverkrustet auf seiner Haut. An Erholung war noch lange nicht zu denken. Wie ein Packesel schleppte er sich mit den randvoll beladenen Bauschutteimern zum Container, wo er mit letzter Kraft die Kübel nacheinander auf die Kante hievte, um ihren Inhalt in den Stahlbehälter zu versenken.

Seit drei Tagen entkernte er bereits die Dachgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses. Eigentlich hatte er nichts gegen harte und anstrengende Arbeit. Es war schließlich sein Job, doch diese Baustelle übertraf alles, was er bisher an Arbeit erlebt hatte. Etwa fünfzig- bis sechzigmal war er bereits die fünf Stockwerke nach unten gegangen und musste sich dementsprechend oft wieder nach oben schleppen. Dazu kamen noch die Abrissarbeiten und das Verfüllen der Eimer.

Man sollte meinen, dass der Weg nach oben mit den leeren und im Vergleich fast schon federleichten Eimern eine Erholung darstellte, doch das Gegenteil war der Fall. Es war schlimmer, gegen die Schwerkraft seinen Körper die Stufen hinaufzubugsieren, deren Anzahl er genauso oft gezählt hatte, wie er sie vergessen hatte. Jeder Tritt war mit einer Kniebeuge beim Sport zu vergleichen, und bei fünftausend Kniebeugen ist man schon im Bereich des Leistungssports angelangt. Dieser Gedanke drängte sich ihm immer wieder auf, und dieser vermeintliche Leistungssport steigerte sich für ihn an jenem Tag, etwa zur Mittagszeit, zum Hochleistungssport. Es war die Zeit, in der der Chef mit der ersten Fuhre Material, das zum Wiederaufbau der Wohnung benötigt wurde, vorbeikommen wollte.

Wie er diese Baustelle verfluchte. Dieser Job war die schlimmste Tortur, die er jemals erlebt hatte, und die sengende Sonne war an diesen Tagen keine Wohltat. Innerlich schimpfte er darüber, dass es an diesem Haus keine Möglichkeit gab, eine Müllrutsche anzubringen, und am zweiten Tag nach der Frühstückspause war er kurz davor gewesen, die Eimer in die Ecke zu feuern und nach Hause zu gehen, wenn auch nur für einen kurzen, verbotenen Moment in Gedanken – denn eine Arbeit einfach hinzuschmeißen konnte er sich in diesem Leben nicht mehr erlauben.
Diesen Job durfte er auf keinen Fall verlieren. Keiner würde ihm je wieder eine Chance geben. Ihm, dem ungelernten Ex-Häftling, der eine dreiköpfige Familie zu ernähren hatte. Seine ganze Berufserfahrung bestand aus der Erledigung von Tätigkeiten auf dem Bau, für die man keine Berufsausbildung benötigte. Sein jetziger Chef war der Einzige, der sich vor einem Jahr bereit erklärt hatte, dem gerade aus der Haft Entlassenen einen Arbeitsplatz zu geben.

Der neue Arbeitgeber war keiner von diesen Ausbeutertypen, für die der junge Mann vor seiner Haft des Öfteren hatte arbeiten müssen, solche, die meinten, sich mit einem ungelernten Bauhelfer alles erlauben zu können. Sicher, sein Chef forderte auch einiges von seinen Angestellten, aber er entlohnte das auch entsprechend. Er selbst hatte auch ganz unten angefangen und wusste, was es heißt, hart zu knüppeln – betonte der Unternehmer immer wieder.

Kurz vor Mittag kam dieser dann zusammen mit einem Gesellen und brachte sowohl Baumaterial als auch belegte Brötchen mit. Obwohl noch nicht, wie geplant, der ganze Bauschutt aus der Wohnung verschwunden war, gab es keinen Ärger für den Bauhelfer. Die drei aßen die Brötchen einträchtig zusammen. Dann schafften sie zu dritt das Material nach oben und nahmen jeder auf dem Weg nach unten etwas von dem Müll mit. So ging alles viel schneller und machte sogar fast ein bisschen Spaß. Es war jemand da, mit dem er ein paar Worte wechseln konnte, was ein wenig von der Schwere der Arbeit ablenkte.

Den Arbeitskollegen konnte der Bauhelfer nicht genau einschätzen. Ist er wirklich nett, oder tat dieser nur so und verachtet mich in Wirklichkeit? Mit solchen Gedanken schaffte der Ex-Sträfling sich ein weiteres Problem, denn ständig hatte er das Gefühl, dass er wegen seiner Vergangenheit von seinen Mitmenschen verurteilt wurde. Doch diese Gedanken wollte er sich zukünftig nicht mehr machen. Er versuchte, zu jedem freundlich zu sein, und bekam meistens auch freundliche Worte zurück. Es gibt nicht viele, die von seinen Vorstrafen wissen, und Knacki steht ihm nun wirklich nicht auf der Stirn geschrieben.

Am späten Nachmittag war dann alles geschafft, und er hoffte sehr, dass er am nächsten Tag nicht gleich zur nächsten Abriss- oder Bauaufräumstelle geschickt würde. Viel lieber würde er dem Gesellen beim Aufbau der Wände helfen. Ab und zu hatte er schon bei solchen Arbeiten mitgemacht – auch in anderen Firmen. Da konnte er zeigen, dass auch er, der Ungelernte ohne Schulabschluss, einiges mehr draufhatte, als Mauern einzureißen und Dreck zu schleppen.

****

Als der Vierundzwanzigjährige den Wohnungsschlüssel ins Schloss steckte und langsam die Tür öffnete, strahlte ihn seine dreijährige Tochter mit ihren großen braunen Augen aus der Küche entgegen. Bei diesem Anblick wusste er, warum er die Eimer nicht in die Ecke gepfeffert hatte. Vergessen war der schmerzende Körper, und als die Kleine mit offenen Armen den Flur entlanglief, hob er sie leicht wie eine Feder vom Boden hoch und drückte sie fest an sich. Dabei überlegte er, wie seine Frau wohl reagieren wird, wenn er ihr erzählt, dass er mit seinem Chef noch ein Gespräch unter vier Augen gehabt hatte.

Der Firmeninhaber hatte ihn, was noch niemand zuvor getan hatte, für seinen Arbeitseinsatz und seine Zuverlässigkeit gelobt. Diese Anerkennung wurde noch mit einem Euro Lohnerhöhung pro Stunde unterstrichen. Auch wenn sich das nach nicht so viel anhörte, würde es am Ende des Monats – nach Abzügen – doch so um die hundertzwanzig Euro ausmachen. Zudem hatte der Unternehmer betont, dass er es nicht bereue, den jungen Mann eingestellt zu haben, und er hoffe, dass der Familienvater ihm auch keine Gelegenheit dazu geben würde.

Da war es wieder, hatte der Vorbestrafte gedacht. So nett die Menschen dir auch entgegentreten, ein letzter Zweifel an deiner Seriosität wird immer bleiben. Einmal Häftling, immer Häftling. Auch wenn ihn das ein bisschen traurig machte, war er umso glücklicher, dass er am nächsten Tag zeigen durfte, diesen einen Euro mehr auch wert zu sein. Er sollte, wie er es sich erhofft hatte, beim Aufbau der Wohnung mitarbeiten, und wenn er sich da bewährte, wollte der Chef ihn öfter bei solchen Arbeiten einsetzen.

Mit sich und der Welt zufrieden schloss er die Wohnungstür und ging mit der Kleinen auf dem Arm in die Küche, aus der es schon appetitanregend duftete. Seine Frau, die er schon aus Jugendtagen kannte und die immer zu ihm gehalten hatte, stand am Herd. Die Zweiundzwanzigjährige hatte ihn, im Gegensatz zu den anderen und vor allem auch im Gegensatz zu ihm selbst, nie als Versager gesehen. Seine über alles geliebte Frau schenkte ihm erst ein Lächeln und dann einen Kuss.

Die Zeit war endgültig zu Ende, wenn auch längst noch nicht vergessen, in der er versucht hatte, seine Familie aus lauter Verzweiflung durch Verbrechen zu ernähren. Einmal eine falsche Entscheidung getroffen – für ein Leben gezeichnet. Doch heute, so hoffte er, begann ein Lebensabschnitt, der ihm erlaubte, dieses Zeichen nicht länger alles bestimmen zu lassen. Auch wenn es nur ein kleines Stück war, hielt er es fest. Das eine Stück vom Glück.

Geschrieben 2019

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