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Wegonam: Das System

Im Folgenden wird näher auf das komplette Wegonam-System eingegangen. Dieses ist auf die vorangegangene Einführung aufgebaut. Es soll mit der Struktur des Systems begonnen werden, welche aus den 4 Einheiten (Theorie, Methode, Tugenden und Lehrstufen) mit jeweils 8 Prinzipien besteht. Dabei bilden die Theorie-Prinzipien die Basis für alles weitere. Diese Theorie lässt sich durch die Methode (Vorgehen, Arbeitsweise) in der geistigen Anwendung sowie am mit und durch den Körper über spezielle Übungen erfühlen und erspüren, wodurch sie letztendlich nachvollziehbar erfahren werden kann. Dieses Vorgehen wird durch 8 Tugenden vermittelt und in 8 Lehrstufen verinnerlicht. Dabei unterstützen 88 Leitgedanken (Leitlinien) das Vorhaben, das Wegonam in das eigene Leben aufzunehmen. Zudem werden die Themen Energiefluss, Universum, Planet Erde, Leben, Mensch und Gemeinschaft sowie Nähren und Bewegen behandelt. Grundwissen über diese Bereiche trägt zur Vervollständigung des Wegonam bei. Die aufgeführten Themen und Bereiche sind folgendermaßen aufgeteilt:

  1. Die vier Einheiten
    1.1 Theorie
    1.2 Methode
    1.3 Tugenden
    1.4 Lehrstufen
  2. Energiefluss
  3. Universum
  4. Planet Erde
  5. Leben
  6. Mensch und Gemeinschaft
  7. Nähren und Bewegen
  8. Die 88 Leitgedanken

Anhand dieser Aufteilung ist zu erkennen, dass die Ziffer 8 eine hohe Bedeutung im Wegonam besitzt. Es könnte auch gesagt werden: Wegonam befindet sich im Banne der 8. Als veranschaulichendes Beispiel dient hier eine symbolische Reise auf der 8, welche immer wieder zum Mittelpunkt (zum Innen) zurückführt, von wo aus die Reise zur anderen Seite fortgeführt werden kann. Auch ein Richtungswechsel am Mittelpunkt ist möglich, was die Perspektive (Sichtweise) verändert, da derselbe Weg in die entgegengesetzte Richtung gegangen wird. In diesem Sinne kann das Schreiten auf der 8 als ein bewusstes Einlassen auf fortwährende Veränderung bzw. Wandlung verstanden werden, welche auch in gewissem Grad eine Wiederkehr des immer Gleichen mit sich bringt. Wird hingegen auf einem Kreis gereist, kann nur die Richtung, aber nicht die Seite gewechselt werden – im Gegensatz zur 8. Bei ihr gibt es ein Oben und Unten, ein Links und Rechts (liegende 8, das Unendlichkeitszeichen ∞), die immer in Verbindung zueinanderstehen.

Wegonam versteht sich als praxisorientierter Lebensweg, der Bekanntes miteinander verwebt und an manchen Stellen neu denkt und es dann dementsprechend einordnet und definiert. Ein Weg, der die Schönheit des Lebens darlegt und aufzeigt, wie das Leben im Allgemeinen von Menschen gepflegt werden kann. Dabei geht es darum, in Harmonie mit sich selbst und den anderen Menschen sowie allen Lebewesen und der Natur (der Kreislauf von Leben und Vergehen) zu stehen. Es geht darum, im Einklang mit allem, bis hin zum Kosmos, zu leben und zu agieren. Dafür liegen auf dem Weg, welchen das Wegonam beschreibt, geeignete Mittel bereit, welche bei Bedarf aufgenommen und angewendet werden können. Wurden einige Dinge verinnerlicht, ist es ratsam, wieder zurückzugehen und das Mitgenommene zurück an seinen Platz für die folgenden Wanderer zu legen (Gelerntes wird weitergegeben). Auf diese Weise wird der Weg ein weiteres Mal gegangen. Anfangs in die entgegengesetzte Richtung, so erscheint dieser neu (das Bild hat sich gedreht, es wird in die entgegengesetzte Richtung geschaut), und dann wird mit dem bereits erlangten Wissen der Weg zurückgegangen und vielleicht vorherig Übersehenes entdeckt. So können sich Erkenntnisse verändern und erweitern, was ein höheres Verständnis mit sich bringt (ein praktisches Beispiel: eventuell nach dem Lesen dieses Kapitels zurück zur Einführung gehen, dann dieses Kapitel erneut lesen und sich erst dann dem nächsten widmen).

Auf der Reise des Lebens stehen in erster Linie die Menschen, denen begegnet wird. Von denen gelernt wird, die einen prägen, von denen etwas bekommen wird, um es letztendlich weiterzugeben; was das Leben zu einem Staffellauf werden lässt. Alles, was benötigt wird, kann auf dem Lebensweg gefunden werden, der mit Nichtkennen und Nichtkönnen beginnt. Das Voranschreiten bringt das Kennenlernen mit sich, welches weiterführt zum Können, um dann später im Wissen und Können zu münden (Wissen und Können vereinigen sich). Bei dieser Erkundung des Weges sollte nicht gerannt werden, und das Stehenbleiben ist von großer Bedeutung (keine Angst vor dem Stehenbleiben, solange irgendwann weitergegangen wird). Dieses verschafft Zeit für ein genaues Betrachten, um das Gesehene zu verinnerlichen; somit ist es kein wirkliches Stehenbleiben, auch wenn es augenscheinlich der Fall ist. Auch der Blick in die Seitenwege bzw. Abzweigungen ist von Nöten (über den „Tellerrand“ schauen). Ebenso ist das Betreten dieser nicht nur gestattet, sondern erwünscht (Schauen, Vergleichen, Mitnehmen, Liegenlassen, Zurückbringen). Doch egal, wie weit es in den Seitenweg geht, darf nie der Hauptweg aus den Augen verloren werden, wobei dieser Hauptweg als orientierender Bezugspunkt zu verstehen ist und nicht als Ausschluss anderer Hauptwege. Dies bedeutet, dass sich ein Hauptweg auch wandeln bzw. verändern kann.

Über das Gleichnis des Lebens als Weg, das das Wegonam ausführlich nutzt, richtet es sich stark nach den Gegebenheiten der Natur und des Kosmos, was sich in der Wegonam-Theorie widerspiegelt. Denn auch diese folgen bestimmten Regeln. Diese Regeln sind die physikalischen Gesetze (Beispiel: Erdanziehung) und die energetischen Bedingungen (wie Sonnenstrahlung) der natürlichen Umwelt der Erde. Sie legen fest, was möglich ist und was nicht. Trotzdem gibt es innerhalb dieser Grenzen viele verschiedene Wege, wie sich natürliche Systeme entwickeln können: „Die Regeln bestimmen den Rahmen – aber nicht das exakte Ergebnis“. Als Beispiel soll das Ökosystem Wald dienen. Ein Wald entsteht nicht nach einem festen Bauplan, stattdessen bildet er sich durch das Zusammenspiel vieler physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse. Sonnenlicht liefert Energie, Wasser und Nährstoffe zirkulieren im Boden, Pflanzen wachsen, Tiere und Mikroorganismen interagieren miteinander. All diese Vorgänge folgen Naturgesetzen. Trotzdem sieht kein Wald exakt aus wie ein anderer. Als sehr entgegengesetztes Beispiel sind hier der Amazonas-Regenwald (heiß, sehr feucht, kaum jahreszeitliche Schwankungen) und die kanadische Taiga (kalt, vergleichsweise trocken, stark saisonal) genannt. Selbst wenn zwei Wälder im gleichen Klima liegen, können sie sich unterschiedlich entwickeln. Der Grund dafür ist, dass bereits kleine Unterschiede langfristig große Auswirkungen haben können, wie etwa im Boden, in der Artenzusammensetzung oder durch Störungen wie Sturm oder Feuer. Innerhalb der natürlichen Regeln organisiert sich der Wald gewissermaßen selbst. Es entstehen typische Strukturen: hohe Bäume bilden ein Kronendach, darunter wachsen Sträucher und Bodenpflanzen. Verschiedene Arten nutzen unterschiedliche Lebensräume und Ressourcen. Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen sind über Nahrungsbeziehungen und Stoffkreisläufe miteinander verbunden. Diese Ordnung entsteht nicht durch Planung, sondern weil bestimmte Anordnungen unter den gegebenen Bedingungen stabil funktionieren. Kurz gesagt: Naturgesetze geben den Rahmen vor, innerhalb dessen sich ein Wald entwickeln kann. Wie genau dieser Wald aussieht, hängt von vielen Wechselwirkungen und Zufällen ab. Ordnung entsteht also nicht trotz dieser Regeln, sondern gerade durch sie.

Aufgrund dieser genannten Aspekte (8, Weg, Natur, Kosmos), die sich im Wegonam vereinigen, bekommt ein interessierter Mensch ein Mittel in die Hand, um sich in dem Szenario, in das er durch Geburt „hineingeworfen“ wurde, ein angenehmes Leben mit seinen Mitmenschen zu gestalten. Er erlangt Wissen darüber, wann beschleunigt oder verlangsamt wird, wann es Zeit für eine Ausdehnung oder ein Zusammenziehen ist. Wegonam kann als locker gebundenes Handbuch für das Vorhaben Leben verstanden werden. Es dient der Orientierung, ist ein Wegbegleiter für die Anpassung an die Wandlung bzw. Veränderung von Werden und Wachsen sowie an den Verfall und die Erneuerung.

Es folgen zwei Aussagen, die bewusst etwas kryptisch wirken können — also schwer unmittelbar verständlich oder rätselhaft erscheinen. Diese Form ist beabsichtigt. Sie sollen nicht abschrecken, sondern dazu einladen, den Geist zu öffnen und sich auf eine andere Betrachtungsweise einzulassen. In diesem Sinne kann das Folgende als eine Art persönlicher Prüfstein verstanden werden – nicht als wirklicher Test, sondern als Moment der Selbstbeobachtung innerhalb eines fortwährenden Wachstumsprozesses, in dem nichts endgültig bewertet werden muss.

Wegonam macht darauf aufmerksam, dass „Ziele“ verwirklicht werden können, wenn dafür die natürlichen, von selbst ablaufenden Vorgänge genutzt werden, ohne großes Hinzufügen eigener, durch Überanstrengung entwickelter Energie. Das bedeutet, den natürlichen Wandlungsprozessen zu folgen, um zur Mitte der Leere zu gelangen. Es muss die Vereinigung der Gegensätze angenommen werden, die zum Dreh- und Angelpunkt der Wandlungsphasen (dunkel und hell) werden. Die Leere erreichen, um diese füllen zu können, um am Ende die absolute erfüllte Leere zu erreichen. So kann wahres Glück entstehen, wenn die Leere zuerst mit Trauer gefüllt war. Nach dieser Auffassung führt vor allem die Übereinstimmung mit der Natur zu etwas Dauerhaftem und eben zum wahren Glück, während die intensive, ausschließliche Beteiligung an weltlichen Angelegenheiten zu einem Niedergang der wahren Tugenden führen kann. So muss das weltliche Leben an der Einfachheit des Weges ausgerichtet werden, um die grundlegende Lebensenergie zu verstehen und zu spüren. Deshalb ist es ratsam, Gleichmütigkeit gegenüber Reichtum und unverhältnismäßigem oder gar verschwenderischem Komfort zu erlangen und sich vor übermäßigen Wünschen zu hüten.

Wegonam ist der Weg, der sich nach den Gegebenheiten richtet und dem Lauf der Natur folgt. Die Natur ist das Wesen der umfassenden Wirklichkeit und stellt die Vereinigung jeglicher Gegensätze dar. Wegonam ist nur begrenzt begrifflich zu fassen, weil es als Ursprung des Seins und als transzendentale (zwischen zwei Welten, raum- und zeitlos gedachte) Ursache verstanden wird und somit alles, auch den Gegensatz von Sein und Nichts, enthält. Es geht darum, die übergeordneten Gesetzmäßigkeiten des Kosmos und der Natur zu ergründen und die dabei entdeckte, nicht vollständig erfassbare Ordnung zu akzeptieren bzw. den ewigen Weg der Veränderung, dem allen Dingen des Werdens und Vergehens unterworfen sind, zu folgen. In diesem Sinne kann nichts Abschließendes über das Wegonam ausgesagt werden, weil jede Definition eine Begrenzung enthält. Das Wirken des Wegonam bringt die Schöpfung hervor, indem es die Zweiheit von Licht und Schatten hervorbringt, aus deren Wandlungen, Bewegungen und Wechselspielen letztendlich die Welt hervorgeht. Wegonam ist die Mitte von allem und die lebendige Leere, aus der alles entspringen kann. Wegonam ist allumfassend und es gibt nichts, was ausgeschlossen wird. Jeder, der Wegonam erfährt, wird ausreichend Lebensenergie erfahren und eine ganzheitliche Verbundenheit zu allen Dingen entwickeln können.

Abschließend sei noch gesagt, dass andere Systeme, welche sich mit den gleichen oder verwandten Themen auseinandersetzen, die Aussagen des Wegonam wahrscheinlich gänzlich anders sehen. Oft geht es dabei um Begrifflichkeiten und deren Interpretationen. So gibt es beispielsweise Organisationen, die sich alle nach identischen Texten richten, aber diese unterschiedlich auslegen und -leben. Neben der Interpretationsvielfalt kommt dann noch die Übersetzungsproblematik in andere Sprachen hinzu, da diese bereits von Haus aus verschiedene Ergebnisse in sich trägt, was zu Meinungsverschiedenheiten führt. Überall, in jedem Bereich, gibt es diese Phänomene. Gerade in religiösen Glaubensfragen, in der Medizin, ja selbst in der Justiz, wenn es um Gesetze geht, die eigentlich klar und deutlich sein sollten, gibt es diese Unstimmigkeiten. Als Letztes sollen hier noch die Kampf- und Gesundheitskünste (Tai Chi, Qi Gong, Kung Fu, Yoga etc.) erwähnt werden. Egal, wie etwas ausgelegt wird, was jeder dabei beachten muss, sind die grundlegenden Gesetze. Als Beispiel dient hier die Wippe, die besagt, wenn etwas auf der einen Seite runtergeht, muss auf der anderen Seite etwas hochgehen. Auf welche Weise so ein Gesetz nun anzuwenden ist bzw. genutzt werden kann, muss jeder für sich allein herausfinden, solange er sich an das Gesetz hält.

Das Wegonam hat den Anspruch, sich an alle Menschen zu richten. Da es nun in der Natur der Sache liegt, bringt jeder ein anderes (Vor-)Wissen mit. Dieses kann hilfreich sein, wenn Grundlagen zu den Themen, die das Wegonam behandelt, bereits bekannt sind, aber auch hinderlich, denn es fällt oft schwer, sich für Bekanntes auf neue oder auch anderer Art zu nähern. Wer sich noch nie diesen Themen gewidmet hat oder nur mal davon gehört hat, darf nicht den Anspruch an sich stellen, alles gleich auf Anhieb zu verstehen bzw. alles gleich im richtigen Zusammenhang zu erkennen. So wird manchmal ein Thema nur am Rande angeschnitten (vielleicht als Beispiel für etwas), und eine Vertiefung taucht dann in einem Folgekapitel auf. Durch eine konstante Beschäftigung (beispielsweise durch ein mehrfaches Lesen der Texte) wird sich das Verständnis für das Dargelegte entfalten, und bei fortgesetzter Auseinandersetzung mit der Lehre des Wegonam kann dieses schrittweise in das eigene Leben integriert werden. Dies trägt letztlich dazu bei, dass die Dinge, die einem begegnen, besser eingeordnet werden können und die Situationen im Leben geschickter gemeistert werden können.

Anmerkung
(Prinzipien – Konzept – Struktur – Leitlinien – System)
Im Wegonam wird oft von den Begriffen Prinzipien, Konzept, Struktur, Leitlinien und System die Rede sein. Hier folgt eine Erläuterung, wie diese zu betrachten sind. So bilden diese fünf Begriffe zusammen ein abgestuftes Orientierungs- und Handlungsmodell für die Planung und Organisation von Vorhaben. Jede Ebene erfüllt eine eigene Funktion, die von einer grundlegenden, richtungsgebenden Ausrichtung bis zur operativen Gesamtwirkung reicht. Gemeinsam schaffen sie einen stimmigen Rahmen, der Denken, Entscheiden und Handeln verbindet. Die Begriffe lassen sich als funktionale Abfolge verstehen: von einer allgemeinen Orientierung über die Ausarbeitung eines konkreten Konzepts und die organisatorische Ordnung bis hin zur handlungsleitenden Steuerung und zum systemischen Zusammenspiel aller Elemente.

Am Anfang stehen die Prinzipien, welche die grundlegende Ausrichtung eines Vorhabens definieren. Sie formulieren übergeordnete Werte, Zielrichtungen und Maßstäbe, an denen Entscheidungen und Vorgehensweisen ausgerichtet werden. Prinzipien wirken nicht als konkrete Vorschriften, sondern als stabiler Referenzrahmen, der Stimmigkeit und Zielklarheit ermöglicht. Sie unterstützen die Priorisierung, die Bewertung von Optionen und die Einordnung komplexer Situationen. Typische Bestandteile sind Wertmaßstäbe (welche Leitideen gelten), Zielorientierung (worauf wird hingearbeitet) und Bewertungsgrundlagen (wie Entscheidungen reflektiert werden). Prinzipien beantworten damit die Frage, nach welchen übergeordneten Maßstäben gehandelt wird.

Auf der Grundlage der Prinzipien entsteht das Konzept als strukturierte Übersetzung der Prinzipien in eine konkrete Ziel- und Vorgehensidee. Es beschreibt, was erreicht werden soll und auf welche Weise dies grundsätzlich geschehen soll. Ein Konzept kann zunächst skizzenhaft sein und sich im Verlauf präzisieren. Seine Funktion besteht darin, Absichten, Inhalte und methodische Ansätze in einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu bringen. Dazu gehören insbesondere die Zielsetzung (was angestrebt wird), die inhaltliche Ausrichtung (welche Themen oder Aufgaben relevant sind) und die methodische Grundentscheidung (welche Vorgehensweisen genutzt werden). Das Konzept beantwortet die Frage, wie die vorgegebene Orientierung praktisch gedacht wird.

Die Struktur ist die organisatorische Ausgestaltung des Konzepts. Sie legt fest, wie Inhalte, Aufgaben und Informationen angeordnet und miteinander verknüpft werden. Ziel der Struktur ist es, Übersichtlichkeit, Nachvollziehbarkeit und funktionale Klarheit herzustellen. Dazu zählen die Gliederung in sinnvolle Einheiten, die Festlegung von Hierarchien sowie die Definition logischer Zusammenhänge. Die Struktur schafft ein geordnetes Gerüst, innerhalb dessen das Vorhaben operabel wird. Sie beantwortet die Frage, wie das Konzept aufgebaut ist.

Leitlinien konkretisieren das Handeln innerhalb dieser Struktur. Sie formulieren verbindliche Orientierungen, die Abläufe, Entscheidungen und Verhaltensweisen steuern. Leitlinien schaffen Verlässlichkeit, indem sie Erwartungen, Grenzen und Handlungsspielräume definieren. Sie fördern konsistentes Vorgehen und tragen dazu bei, dass Prozesse nachvollziehbar und reproduzierbar bleiben. Typische Elemente sind Handlungsanweisungen (was vorgesehen ist), Rahmenbedingungen (welche Grenzen gelten) und Kontrollmechanismen (wie die Einhaltung überprüft wird). Leitlinien beantworten die Frage, wie innerhalb der gegebenen Struktur gehandelt werden soll.

Das System beschreibt die Gesamtheit der miteinander interagierenden Elemente, in denen Prinzipien, Konzept, Struktur und Leitlinien wirksam werden. Es umfasst Komponenten, Beziehungen und Regelwirkungen und stellt die operative Realität des Vorhabens dar. Ein System ist kein bloßes Endergebnis, sondern ein dynamisches Gefüge, in dem Rückkopplungen, Anpassungen und Wechselwirkungen stattfinden. Ziel systemischer Gestaltung ist häufig die Verbesserung von Effektivität (Zielerreichung) und Effizienz (Ressourceneinsatz), wobei Systeme auch fehlgeleitete oder funktionsgestörte Muster entwickeln können. Bestandteile sind die beteiligten Komponenten (z. B. Personen, Prozesse, Technologien), ihre Interaktionen sowie die wirksamen Regelmechanismen. Das System beantwortet die Frage, wie das gesamte Gefüge im Zusammenspiel funktioniert.

Zusammenfassung: Diese fünf Begriffe bilden eine integrierte Grundlage für Planung und Umsetzung. Prinzipien geben die Orientierung vor, das Konzept übersetzt diese in eine tragfähige Ziel- und Vorgehensidee, die Struktur ordnet die Bestandteile, Leitlinien steuern das konkrete Handeln, und das System beschreibt das dynamische Zusammenwirken aller Elemente. Ein bewusstes Verständnis dieser Ebenen erleichtert es, Vorhaben konsistent zu entwickeln, zu steuern und weiterzuentwickeln.

Prinzipien geben die Richtung vor.
Konzepte setzen diese Richtung praktisch um.
Strukturen ordnen die Bestandteile.
Leitlinien geben die Handlungsanweisungen.
Systeme beschreiben das funktionierende Gesamtgefüge.

Prinzipien, Konzept, Struktur, Leitlinien und System werden in den 8 Inhaltspunkten des Wegonam immer wieder in einem anderen Bezug verwendet. Ihre jeweilige Bedeutung bleibt dabei immer gleich, nur ihr Zusammenhang kann sich ändern. So ist das gesamte Wegonam als System aufgebaut und stellt sich wie folgt dar:

  1. Prinzipien = Theorie
  2. Konzept = Methode, Tugenden und Lehrstufen
  3. Struktur = die 8 Inhaltspunkte
  4. Leitlinien = 88 Leitgedanken
  5. System = Wegonam

Die unten aufgeführte Einteilung richtet sich nach den Lehrstufen. Dadurch verschiebt sich die erste Position von der Theorie (das oberste Gebot = Geistigkeit der Einheit) auf die letzte lernbare Stufe, da sie das höchste Gut darstellt, auch wenn sie in der Theorie als erstes behandelt wird.

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Wegonam: Das Bild

Dieses Bild ist eine visuelle Verdichtung des Wegonams und arbeitet mit symbolischen Ebenen statt eindeutigen Aussagen. Es erklärt nichts direkt, sondern weist – wie der Weg selbst – auf Zusammenhänge hin.

Der Steinpfad, der von unten in die Tiefe des Bildes führt, steht für den individuellen Lebensweg. Er ist ein Weg, wird aber von vielen Menschen gleichzeitig begangen. Das verdeutlicht:
– Jeder geht „seinen“ Weg
– Dennoch bewegen sich alle auf derselben grundlegenden Ordnung
Der Weg ist weder gerade noch abgeschlossen – er verschwindet im Licht. Das symbolisiert, dass Erkenntnis kein Endpunkt, sondern ein fortlaufender Prozess ist.

Die Gruppe unterschiedlich wirkender Menschen repräsentiert:
Vielfalt der Individuen
– Gleichwertigkeit aller Übenden
– Keine Hierarchie, keine Meister-Schüler Trennung
– Alle blicken nach vorne, niemand steht erhöht. Erkenntnis ist hier kein Besitz, sondern gemeinsames Unterwegssein.

Das Licht in der Mitte symbolisiert:
– die Mitte
– die Leere
– das Loslösen vom „Ich“
Das Licht steht nicht als „Gottheit“ über den anderen, sondern als Zustand, den jeder erreichen kann. Das Licht entsteht nicht von außen, sondern scheint aus der Stille heraus.

Die leuchtende Acht (liegende Acht ∞), das Unendlichkeitszeichen ist eines der zentralen Symbole im Wegonam:
– Wandel ohne Anfang und Ende
– Verbindung von Gegensätzen
– Innen ↔ Außen
– Licht ↔ Schatten
Dass sie über der Szene schwebt, zeigt, dass diese Gesetzmäßigkeit unabhängig vom Menschen wirkt, übergeordnet ist und nicht gemacht wurde.

Die Landschaft aus Bergen, Wasser, Pflanzen und Himmel (Natur und Kosmos) verdeutlicht:
– Einheit von Erde und Kosmos
– Natur als Ursprung aller Ordnung
– Leben als eingebetteter Prozess, nicht als isoliertes Ereignis
Die Natur ist nicht Kulisse, sondern tragendes System, in dem der Weg überhaupt erst möglich ist.

Die Lichtführung verläuft von oben nach unten und von innen nach außen:
– Oben: kosmische Ordnung
– Mitte: Leere / Bewusstsein
– Unten: gelebtes Leben
Das zeigt: Erkenntnis fließt nicht linear, sondern zirkulär – genau wie die Acht.

Gesamtaussage: Es gibt keinen richtigen Namen, keinen festen Anfang und kein endgültiges Ziel. Es gibt nur den Weg, die Bewegung, den Wandel und die Möglichkeit, sich in der Mitte immer wieder neu auszurichten. Damit ist das Bild keine Illustration einer Lehre, sondern eine Einladung, den Weg selbst zu beschreiten.

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Wegonam: Einführung

Das Wegonam ist als offenes Lebenskonzept konzipiert und dient als Rahmen zur persönlichen Lebensgestaltung. Es richtet sich an alle Menschen, die sich mit ihrem Leben, ihrem Handeln und ihrer Haltung gegenüber sich selbst, anderen und der Welt auseinandersetzen möchten, um eine persönliche Veränderung zu erfahren. Für dieses Vorhaben bietet das Wegonam Unterstützung und verbindet dafür passende philosophische, spirituelle und praktische Elemente miteinander. Dabei wird kein spezielles Vorwissen benötigt, ebenso wenig wird eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Richtung, Lehre oder Überzeugung verlangt. Jeder ist eingeladen, das Beschriebene in seinem eigenen Tempo durchzugehen. Auch wenn bei der ersten Durchsicht oder dem Überfliegen dieser Einführung nicht alles unmittelbar schlüssig oder verständlich erscheint, werden sich weitere Zusammenhänge in den folgenden Kapiteln erschließen.

Die folgenden Abschnitte beschreiben die Grundideen des Wegonam, seine Haltung zur Individualität und seine Offenheit gegenüber unterschiedlichen Lebensentwürfen. Wegonam bietet in erster Linie eine Basis für den Umgang mit dem Hier und Jetzt und dem Zurechtfinden darin (beispielsweise, warum manches so ist, wie es ist, und was getan werden kann, um etwas zu vollbringen oder zu verändern). Es ist ein Angebot für eine allumfassende Lebensweise, die zu einer persönlichen Lebenseinstellung werden kann; zu einem Lebensweg. Vereinfacht gesagt beschreibt Wegonam einen Weg, auf dem Menschen versuchen, ihr Leben bewusst, verantwortungsvoll und im Einklang mit sich selbst, ihren Mitmenschen sowie der Natur zu gestalten. Wegonam fungiert dabei als Bindeglied zwischen diesen Bestrebungen und schöpft seine Kraft aus der Identifikation mit der Natur, aus der alles entspringt und in der alles zu finden ist. So befinden sich bildlich gesprochen auf dem Hauptweg eines Waldes die grundlegenden Begriffe und Konzepte des Wegonam mit ihren Anwendungsmöglichkeiten, die darauf warten, mitgenommen zu werden. Weitere Erklärungen, Vertiefungen und individuelle Zugänge sind am Wegesrand oder auf den Seitenwegen zu entdecken.

Zu den grundlegenden Ideen des beschriebenen Weges gehört bereits das Wort „Wegonam“ selbst. Es wird „We-go-nam“ gesprochen und bedeutet „Weg ohne Namen“ (das Wegonam, das als „Der Weg ohne Namen“ zu verstehen ist). Wegonam weist auf einen Weg hin, der nicht an bestimmte Identitäten oder Vereinigungen gebunden ist. Er symbolisiert die Idee eines unbenannten, unbekannten und zugleich universellen (allgemeinen oder auch unbestimmten) Weges, der über herkömmliches Kategoriendenken hinausgeht. Wegonam beschreibt dabei eine tiefere, möglicherweise mystische Erfahrung des Seins (der eigenen Existenz) und der Spiritualität, die auf ihm (dem Weg) gemacht werden kann. Spiritualität meint hier kein Glaubenssystem, sondern das bewusste Streben nach einem tieferen Verständnis des Lebens und des eigenen Selbst – des eigenen Erlebens im Inneren wie im Äußeren – in Verbindung mit der Welt und mit anderen Menschen.

Auch wenn für das hier aufgezeigte Konzept ursprünglich kein spezifischer Name vorgesehen war, betitelt es sich letztlich selbst als „Wegonam“, da ein gänzlich namenloses Konzept nicht vermittelbar wäre. Es bedarf einer Bezeichnung, um darüber sprechen zu können. Der Begriff „Wegonam“ ist daher als Arbeitstitel zu verstehen – als Behältnis für ein Konzept, das eine Struktur erhalten hat, um zu einem System zu werden. Dieses System umfasst eine Theorie mit Methode, grundlegende Tugenden, entwickelte Lehrstufen sowie vielseitig interpretierbare Leitgedanken. Diese Elemente dienen als Orientierungspunkte, die je nach Mensch und Lebenssituation unterschiedlich gewichtet werden können. Ergänzend beinhaltet Wegonam Programme für die Bereiche Nähren (Ernährungslehre) und Bewegen (körperliche Übungen, die mit geistigen Prozessen gekoppelt sind).

Somit ist die Lehre des Wegonam als durchstrukturiertes System aufgebaut, lässt jedoch ausreichend Raum für persönliche Interpretationen und Veränderungen durch die eigenen Erfahrungen, da alles, was geschehen kann, in der Struktur des Wegonam zu finden ist, was diese Lehre zugänglicher und anpassungsfähiger für die eigene Anwendung macht. Der bewusste Verzicht auf einen spezifischen Namen unterstützt dabei die Idee, dass Wahrheit und Verständnis nicht in starren Begriffen gefasst werden können. Wegonam ist eine Einladung, über das Gezeigte hinauszudenken und einen eigenen, individuellen Lehrweg zu entwickeln. Wegonam ist als Ort gedacht, an dem frei mit Gedanken über den Menschen und das Leben gespielt werden kann.

Allgemeine Erkenntnisse, die das Leben betreffen, stehen jedem zur freien Verfügung und sollten ebenso genutzt werden. Wegonam greift auf altbewährtes Wissen zurück und verknüpft dieses zu etwas Eigenem. Es beansprucht keine Allgemeingültigkeit und präsentiert keine abschließende Wahrheit. Nichts ist vollkommen; vieles muss angepasst, korrigiert oder „hingebastelt“ werden, damit es in ein verlangtes Schema passt – so wie etwa der Kalender mit dem Schaltjahr zur Angleichung des gregorianischen Kalenders an das astronomische Jahr. Dem Wegonam erging es bei seiner Entwicklung nicht anders. Letztlich ist nicht entscheidend, woher eine Lebenslehre stammt, sondern dass sie vorhanden ist, um genutzt werden zu können. Der Mensch weiß ja auch nicht, wo er herkommt, geschweige denn, woher das Universum kommt. Er hat Vorstellungen, Ideen und einige Naturgesetze ergründet, doch das ist auch schon alles. Daher muss jeder für sich entscheiden, welchen Lebensweg er beschreiten möchte, ohne andere damit zu belästigen oder diesen Weg dem Nachbarn aufzudrängen.

Lebenswege gibt es unendlich ∞ viele. Sie sind so reich an Zahl, wie es Menschen auf der Erde gibt, gab und geben wird. Jeder Mensch denkt anders, hat seine eigenen kombinierten Ansichten und Perspektiven sowie Bedürfnisse, und dennoch gibt es sehr viele Überschneidungen. Dies führt dazu, dass Menschen häufig einen ähnlichen Weg gehen, auch wenn sich ihre jeweilige Auslegung und Umsetzung unterscheidet. „Mein Weg kann nicht dein Weg sein, da sich zwei Körper nicht an ein und demselben Platz aufhalten können.“

„Wege gibt es viele, aber nur eine Reise, denn ihr Ziel ist immer dasselbe. Es führt zum Vergehen, um neu zu beginnen. Ein Weg ohne Anfang und niemals ein Ende in Sicht.“

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