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Gedanken über … die menschliche Evolution

Der Inhalt des folgenden Textes gibt eine Meinung wieder, die aus verschiedensten themenbezogenen Quellen zusammengetragen und mit den Ansichten des Autors verknüpft wurde. Das daraus resultierende Ergebnis nimmt für sich das Recht der Meinungsfreiheit in Anspruch. Dabei ist nicht gänzlich auszuschließen, dass trotz sorgfältiger Prüfung einige der hier getätigten Aussagen Fehler enthalten können; insbesondere die spekulativen, meinungsbehafteten Passagen. Meinungen sind Gedanken und Gedanken sind häufig unvollständig, lücken- sowie sprunghaft und stellen Fragen, die manchmal offenbleiben. Dieser Text soll dem Leser als Anregung dienen, sich weitergehend über das Dargelegte zu informieren. Nach dem Motto: Informiere dich weitläufig; nur durch eine Quelle allein kann man sich keine Meinung/kein Urteil bilden, keine Erkenntnis erlangen und sich kein Wissen aneignen!

Diese Gedanken drehen sich um die menschliche Evolution, wobei sie weit über den biologischen Aspekt hinausgehen werden. Doch zuvor eine kurze Erläuterung, was das Wort Evolution bedeutet und wie es hier zur Anwendung kommt. So steht beispielsweise Evolution laut Duden bildsprachlich für: langsame, bruchlos fortschreitende Entwicklung besonders großer oder großräumiger Zusammenhänge; allmähliche Fortentwicklung im Geschichtsablauf. Als Beispiel wird von der „Evolution der Gesellschaftsform“ gesprochen. Darüber hinaus gibt es unter anderem die Evolution der Technik. In der Biologie heißt es laut Duden: stammesgeschichtliche Entwicklung von niederen zu höheren Formen des Lebendigen. Als Beispiel wird genannt: Die Evolution der irdischen Fauna (also die Tierwelt eines bestimmten Gebietes).

Über Revolution hingegen ist im Duden zu lesen: auf radikale Veränderung der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ausgerichteter, gewaltsamer Umsturz[versuch]. Es ist eine tief greifende Wandlung; umwälzende, bisher Gültiges, Bestehendes o. Ä. verdrängende, grundlegende Neuerung. Also:
Evolution = Entwicklung in kleinen Schritten über lange Zeiträume hinweg
Revolution = plötzlicher großer Umbruch

Folglich kann großzügig zur Evolution gesagt werden, dass sie (in welchem Bereich auch immer) den Weg der fortschreitenden Entwicklung, der Transformation (Umgestaltung, Veränderung), des Wechsels von einem Zustand zum nächsten beschreibt, der sich über einen längeren Zeitraum zieht. Evolution ist kein zielgerichteter Prozess, sondern ein offenes Geschehen, auch wenn es beispielsweise bei technischer Entwicklung durch Planung den Anschein besitzt. Nichts ist vorhersagbar, außer dass sich etwas ändern bzw. anpassen wird. So geschieht es beispielsweise (im biologischen Sinn), dass sich die Populationen (Gesamtheit der an einem Ort vorhandenen Individuen einer Art) über die Zeit verändern und an Umweltbedingungen anpassen, jedoch nicht, welche konkreten Merkmale sich im Detail entwickeln werden.

Evolution ist nicht gradlinig, denn auch in der Wiederholung, die einem bestimmten Rhythmus unterliegt, wie beispielsweise dem der Jahreszeiten, findet eine Veränderung statt. Diese stellt im klassischen Sinne zwar kein Weg der Evolution dar, aber dennoch ein Wandlungsprozess. Denn auch in ihnen (den Jahreszeiten) herrscht eine beständige Wandlung der Zustände, die sich niemals gleichen. Kein Zustand ist je identisch mit einem vorherigen, da sich die zugrunde liegenden Bedingungen kontinuierlich verändern und selbst kleinste Unterschiede neue Entwicklungen hervorbringen. Auch wenn sich die Jahreszeiten immer wiederholen. Es gibt niemals denselben Winter und kein Tag gleicht dem anderen. Der Grund dafür liegt in den unendlichen Kombinationen der vorhandenen Möglichkeiten. Als Vergleich mag der Duden dienen, in dem sich praktisch alle anderen Bücher befinden, da diese letztendlich nur durch die verschiedensten Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Wörter entstanden sind.

Evolution ist nicht zu stoppen, nichts kann sich der Zeit und dem Wandel entziehen, auch wenn sich dieser über Millionen Jahre erstreckt, wie beispielsweise die Versteinerung von Holz (wenn die dazu benötigten Gegebenheiten vorhanden sind). Dies ist ein Prozess, der praktisch von keinem Menschen wahrgenommen werden kann, aber dennoch passiert. Um diesen Vorgang der Versteinerung sichtbar zu machen, müsste in regelmäßigen Abständen, und das über Millionen Jahre hinweg, Bilder des Objektes aufgenommen werden, die dann in einer Zeitrafferdarstellung abgespielt werden.

Geschieht biologische Evolution zufällig?
Vieles deutet darauf hin, wenn das Prinzip der Wandlung und der Anpassung berücksichtigt wird. Denn alle Lebewesen entwickeln sich stetig weiter. Dies geschieht ohne einen direkten Willen und das Wissen darum. Nichts auf der Welt, ja sogar im ganzen Universum, befindet sich im Stillstand (wie anhand der Versteinerung von Holz gezeigt). Ohne eine geeignete Anpassung an sich ändernde Gegebenheiten ist ein Überdauern einer Spezies nicht möglich. Sowohl heutige Affen als auch der Mensch haben sich über Generationen hinweg verändert und entsprechen nicht mehr ihren früheren Formen.

So können Organismen, die Sauerstoff nicht vertragen (wie sie vor Milliarden Jahren auf der Erde lebten, als die entsprechenden Bedingungen vorherrschten), in der heutigen sauerstoffreichen Atmosphäre nicht überleben. Doch in der frühen Erdgeschichte waren sie die am besten angepassten Lebensformen. Im Laufe von Millionen von Jahren passten sich einige dieser Lebewesen an die sich ändernden Bedingungen an. Auf diese Weise entstanden neue Arten durch die Variation bereits vorhandener Merkmale. Der Wettbewerb zwischen unterschiedlich angepassten Varianten entschied letztendlich darüber, welche sich durchsetzen und weiter bestehen; ein Prozess, der als natürliche Selektion bezeichnet wird.

Woher kommt der heutige Mensch?
Es hat den Anschein, dass die Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und eben auch der Mensch gemeinsame Vorfahren haben, die sich parallel entwickelten, indem sich alle den gegebenen Umständen und den bestimmten Umweltsituationen auf ihre Weise anpassten. Es könnte geschlussfolgert werden, dass der heutige Mensch nicht direkt von Schimpansen oder Orang-Utans abstammt, sondern eher von einem Wesen mit affenähnlichen Merkmalen. Dieser Prozess kann als eine fortschreitende Evolution verstanden werden, bei der durch fortlaufende Veränderungen immer wieder neue Formen entstehen, wobei auch zufällige Variationen eine Rolle spielen. Im Gegensatz zu diesen natürlichen Entwicklungen steht die vom Menschen bewusst geschaffte technische Evolution. Diese wurde durch Ausprobieren und die daraus resultierenden Erfahrungen vorangetrieben. Doch auch bei ihr gibt es massenweise Zufallsprodukte, die dann ebenfalls weiter ausgearbeitet wurden.

Kann der Drang des Menschen, die technische Evolution voranzutreiben, durch eine dem Menschen von Natur aus gegebenen Hang zur „Faulheit“ entstanden sein? Also dem Drang nach Einfachheit und Bequemlichkeit oder war es eine Frage des Instinktes? Spielte dieser eine zentrale Rolle für die vom Menschen hervorgebrachten Entwicklungen? Wusste er, dass er Dinge benötigte, um in der existierenden Umgebung überleben zu können? Brauchte der Mensch die simplen Werkzeuge der Steinzeit, die Hilfsmittel, die teilweise noch immer zum Einsatz kommen wirklich, oder dienten sie dem beschriebenen Wunsch nach Einfachheit und Bequemlichkeit? Wie unter anderem der Hammer (Grundform: Knüppel oder Stein), die Brechstange (stabiler Ast), verschiedene Schneidwerkzeuge (scharfkantige Steine) sowie später konkretere Werkzeuge wie Nadel und Faden. Solche einfachen Werkzeuge, die das menschliche Leben Verbesserten und auch erleichtern, sind vielleicht die einzigen, die der Mensch tatsächlich zum Überleben benötigt. Ihr langfristiger Einsatz spricht dafür, dass sie grundlegende Bedürfnisse erfüllen.

Dennoch sind Hilfsmittel immer von der Zeit und ihrer Umgebung abhängig. So ist eine Axt in einer Stadtwohnung in der Regel überflüssig, doch es kann nicht schaden, einen Hammer in der Schublade zu haben, und Schneidwerkzeuge wie Messer gibt es in jeder Küche. Auch die Feuerstelle ist nahezu in jedem Haushalt vorhanden, in Form eines Herdes. Ebenso prasselt in einigen Wohnzimmern immer noch ein offenes Feuer in Form eines Holzofens oder Kamins. Doch was ist mit den modernen Geräten wie dem Smartphone? Gehört dieses auch zu den wichtigen Dingen des menschlichen Überlebens? In der heutigen Zeit und der Umgebung, welche sich der Mensch geschaffen hat, ist davon auszugehen.

Der Mensch, die Krone der Evolution?
Der Mensch, der von Ungeduld geprägt ist und dementsprechend nicht gerne wartet, lässt sich zum größten Teil lieber bespaßen, als selbst aktiv zu werden. Doch genau dieses Streben nach Bequemlichkeit scheint ein wesentlicher Antrieb für die technische Evolution zu sein. Denn die meisten technischen Entwicklungen zielen genau darauf ab. Es geht darum, Abläufe zu vereinfachen und den Aufwand für den Menschen so gering wie möglich zu halten, damit er immer mehr Freiheit erhält. Vieles ist heute sofort verfügbar und in großen Mengen vorhanden, und anstehende Aufgaben müssen schnell erledigt werden. Eigene Anstrengung wird oft nur noch in geringem Maße investiert, doch gerade diese bestimmte ursprünglich den Wert einer Sache. Entscheidend ist der Aufwand, der notwendig ist, um etwas zu erreichen oder herzustellen.

Doch ist dies tatsächlich erstrebenswert, dieses „Nichtstun-Müssen“ um etwas zu erreichen bzw. zu bekommen oder zu erlangen? Birgt der Drang nach einer vermeintlichen Freiheit, Einfachheit und Bequemlichkeit vielleicht eine große Gefahr in sich, indem sich diese Idee verselbständigt und sich am Ende als Trugschluss herausstellt? Muss für dieses Ziel, vielleicht irgendwann einmal eine optimierte Effizienz zu erlangen, am Ende alles geopfert werden? Liegt auf diesem Weg irgendwo die Gier auf der Lauer, die wiederum die Neugier vorausgeschickt hat, damit diese herausfindet, wie weit gegangen werden kann; was alles möglich ist? Was passiert, wenn dieses oder jenes gemacht wird? Ist es diese Vorgehensweise, die den Anspruch auf die Krone ermöglicht?

Wohin will der Mensch?
Der in der Natur vorkommende Mensch wird anscheinend niemals ganz fertig werden. Er bleibt dauerhaft ein sich eigenständig weiterentwickeltes Zwischenprodukt. Jedes Neugeborene bringt neue Mutationen, Veränderungen im Erbgut mit sich, die neue Anpassungseigenschaften hervorbringen. Diese Veränderungen verlaufen ebenso unauffällig wie die Versteinerung von Holz. Dieser Prozess setzt sich fort, solange sich Leben auf natürliche Weise entwickelt. Doch dies könnte durch gezielte menschliche Eingriffe in sein Erbgut oder in seine biologische Entwicklung beeinflusst werden. Es könnte eine grundlegende Veränderung stattfinden, wenn beispielsweise natürliche Fortpflanzung durch technische Verfahren ergänzt oder gar gänzlich ersetzt wird, was zu Folge hätte, dass die natürliche Zeugung und Geburt ausgedient hätten.

Wenn die letzten Jahrzehnte betrachtet werden, dann kann der Eindruck entstehen, dass der Mensch dabei ist, ein Mensch-Maschine-System zu werden. Der Umbau des menschlichen Körpers hat bereits begonnen, und entsprechende technische Konzepte werden zunehmend umgesetzt und weiterentwickelt. So gehört zu den ersten technischen Gerätschaften, die im Inneren eingesetzt wurden, der Herzschrittmacher. Weiter geht es damit, dass beispielsweise Armprothesen mithilfe von Nervenimpulsen aus dem Gehirn willentlich gesteuert und kontrolliert werden. Augen könnten durch künstliche kameraähnliche Objekte ausgetauscht werden. Muskeln werden durch leistungsfähigere, sich zusammenziehende Elemente, die Kraft erzeugen, ersetzt. Zukünftig könnten also gesunde Körperteile durch optimierte technische Lösungen ersetzt werden. Eine gezielte Verbesserung der körperlichen Ausdauer durch technische oder biologische Eingriffe wird bereits experimentell durchgeführt. Die Erschaffung von künstlicher Biologie ist auf dem Vormarsch. Es wird intensiv an genetischen Veränderungen geforscht, und Nanotechnologie wird in den Körper eingebracht. All diese körperlichen Veränderungen betreffen nicht nur die physische Ebene, sondern auch die biochemischen Prozesse im Körper, wie etwa Substanzen zur Leistungssteigerung. Wobei angemerkt werden muss, dass es am Anfang oft um die Hilfe geht, die Hilfe für beispielsweise blinde Menschen oder Menschen, die einen Arm verloren haben. Allerdings beweist der Mensch immer wieder, dass er nicht dazu in der Lage ist, seine Errungenschaften ausschließlich für das Gute und Sinnvolle einzusetzen.
Parallel zu dieser körperlichen Entwicklung schreitet auch die maschinelle Evolution rasant voran. Maschinen übernehmen eigenständig Aufgaben wie Staubsaugen oder Kochen, Rasenmähen und es dauert sicher nicht mehr lange, bis die ersten Drohnen um die Hecken fliegen, um diese zu stutzen. Computer passen auf die Menschen auf, wie etwa eine Smartwatch, welche die Körperfunktionen überwacht und dabei hilft, den eigenen Gesundheitszustand im Blick zu behalten. Doch ist so ein Instrument wirklich nötig? Könnte es nicht sein, dass der Einsatz eines solchen Geräts im Laufe der Zeit unter anderem zu einer Verkümmerung der menschlichen Instinkte führt, die darauf ausgelegt sind, auf den eigenen Körper zu hören und entsprechend zu reagieren?

Maschinen wird beigebracht, selbstständig zu lernen und sich weiterzuentwickeln, und wenn sich diese Evolution auf diese Weise fortsetzt, werden Computer bzw. Roboter in bestimmten Bereichen Aufgaben übernehmen, die bisher dem Menschen vorbehalten waren. So sind Computersysteme noch nicht in der Lage, verschiedene Themengebiete umfassend miteinander zu verknüpfen. Sie sind allerdings auf dem besten Weg dahin. Die Maschinen lernen zunehmend, sich eigenständig zu optimieren, und bald werden alle Geräte sprachgesteuert sein. Der Mensch kann dann direkt seine Wünsche äußern und diese werden sofort erfüllt. Was allerdings einen unangenehmen Nebeneffekt mit sich bringt, denn es lässt sich nicht vermeiden, dass die Geräte mithören und alles aufzeichnen. Sie sind immer in Bereitschaft, darauf abgerichtet, auf das zu reagieren, was ein Mensch von sich gibt. Diese Apparaturen sind alle mit dem Internet verbunden und können unter anderem Fragen beantworten, die angeforderte Musik abspielen oder das Licht im gewünschten Raum steuern. Die Möglichkeiten sind unüberschaubar, solange eine Verbindung zu den entsprechenden Netzwerken besteht. Zudem wird Verantwortung immer mehr an technische Systeme übertragen, beispielsweise beim selbstfahrenden Auto. Der Mensch will sich am liebsten aus allem raushalten, nur keine Verantwortung übernehmen (Ich kann nichts dafür, dass ich mit dem Auto falsch herum in der Einbahnstraße gefahren bin; mein Navi hat mich so geführt.).

Nichts wird mehr dem Zufall überlassen. Computer gleichen Milliarden von Daten ab und verknüpfen diese miteinander. Dadurch kann beispielsweise ermittelt werden, welche zwei Menschen aufgrund ihrer Angaben gut zusammenpassen könnten. Wenn zu diesen Angaben zusätzlich biometrische Daten und genetische Informationen hinzukommen, ist dies für eine „hochwertige“ Fortpflanzung von großer Bedeutung. So bekommt die Aussage: „Was zählt sind die inneren Werte“ eine ganz neue Bedeutung; es kommt nicht mehr auf den Charakter an, sondern auf die genetischen Merkmale.

Es wird nicht mehr lange dauern, und das erwähnte Smartphone oder etwas Ähnliches steht ganz oben auf der Liste der Dinge, die zum Überleben der Menschheit wichtig sind. Der Grund ist darin zu finden, dass Mensch und Maschine durch den Einsatz von weiteren technologischen Verfahren gekoppelt werden, um so die Grenzen menschlicher Möglichkeiten zu überwinden. Das Gehirn erhält eine zusätzliche Speicherkapazität in Form eines sich außerhalb des Körpers befindlichen Cloud-Speichers (Netzwerk aus Servern im Internet, auf denen Daten und Programme gespeichert sind, statt auf dem eigenen Gerät). Damit der Mensch auf diesen zugreifen kann, wird ein Chip in das Gehirn eingesetzt, dieser ermöglicht den Zugriff über das Smartphone, welches als Schnittstelle fungiert, auf das Internet und somit den Cloud-Speicher. Auf diese Weise ist es möglich, neue Fähigkeiten „herunterzuladen“ und diese direkt ins Hirn einzuspeisen. Zum Beispiel könnten eine fremde Sprache oder die Bewegungsmuster für eine Sportart „upgegradet“ werden.

So könnte es der technischen Evolution gelingen, neue Formen des Menschen hervorzubringen. Wesen, die aussehen wie Menschen, aber es im ursprünglichen Sinne nicht mehr sind. Die künstliche Evolution des Menschen gewinnt immer mehr Macht und verdrängt die „natürliche“. Der absolute Maschinenmensch, der Übermensch ist entstanden und es wird rasant weitergehen. Das menschliche Gehirn könnte direkt in die Cloud übergehen, um in ihr zu „leben“. Der biologische Körper ist überflüssig; ein mobiler Körper wird nicht mehr benötigt. Digitale Systeme können Bewegungen, Erlebnisse sowie Wahrnehmungen, Ansichten und Gedanken, also alles wesentliche, was ein menschliches Leben ausmacht, vollständig simulieren.

Ist dies eine Möglichkeit, Menschen zu erschaffen, die letztendlich menschlicher sind als der Mensch zum jetzigen Zeitpunkt? Frei von Gier und Macht. Werden Kriege der Vergangenheit angehören? Denn worum sollte gekämpft werden? Solche Systeme könnten ohne Emotionen auskommen und frei von Empathie sein. Sie würden ausschließlich auf Grundlage von Daten und Prozessen existieren; um ihrer selbst willen. Für einen Menschen sicher ein langweiliges Leben, aber für technische Systeme das normalste von der Welt. Hierzu ein kleines Beispiel anhand eines PC-Strategie-Aufbauspiel. Denn wie würde es aussehen, wenn die kleinen Spielfiguren, die geschäftig auf dem Monitor hin und her rennen, und genau das tun, was von außen durch den Spieler verlangt wird, zusätzlich ein Selbstbewusstsein, eine Identität und Erinnerungen implantiert, also programmiert bekämen. Sie würden dann wirklich an das glauben, was sie tun, und wirklich meinen, ihrer Arbeit nachzugehen (Felder zu bestellen, Rinder zu züchten, Kleidung zu nähen usw.). Sie halten alles für real, denken, ihre Gedanken seien die eigenen, doch in Wirklichkeit beruht alles nicht auf tatsächlichen Erfahrungen, sondern auf Programmierung.

Darf diese Evolution zugelassen werden?
Fakt ist, dass sehr viele Menschen erheblich in diese Evolution investieren (Zeit und Geld), um dies möglichst schnell voranzutreiben. Doch was treibt diese Menschen dazu? Ist es die Neugier auf das, was möglich ist oder ist es die allseits beliebte Gier nach Geld und Macht? Gibt es einen Punkt, an dem aufgehört werden sollte? Oder ist es alles gar nicht so verkehrt, so schlimm, wie es sich anhören mag? Hört sich das alles nur so befremdlich an, weil es etwas Neues ist? Wurde nicht schon immer alles Neue am Anfang verteufelt? Erneuerungen rufen stets die Skeptiker auf den Plan. Als die Navis aufkamen, wurde prognostiziert, dass das Lesen von Straßenkarten verlernt wird. Vielleicht wird das passieren, aber wozu noch Karten lesen, wenn es keine mehr gibt? Wie wurden die ersten Handybesitzer anfangs belächelt (wobei dort möglicherweise auch der Neid eine Rolle spielte, da diese Geräte zu Beginn deutlich weniger erschwinglich waren als heutzutage). Und wie sieht es heute aus? Heute scheint es genau umgekehrt zu sein, denn wenn jemand ohne entsprechendes Gerät irgendwo auftaucht, wird dieser als rückständig betrachtet. Und auch ein einfaches Handy ist nicht mehr ausreichend, es muss schon ein Smartphone sein, um am öffentlichen Leben teilhaben zu können.

Und wie war das doch gleich in der Antike, wo es um die Schrift ging, also das Schreiben, ein Vorgang, der durchaus als technisch betrachtet werden kann. Denn das ursprüngliche Schreiben per Hand erfüllt folgende typische Merkmale eines technischen Prozesses: Codierung (Gedanken werden in ein Zeichensystem (Sprache/Schrift) übersetzt), Speicherung (Informationen können dauerhaft auf Papier fixiert werden), Übertragung (Inhalte können zeit- und ortsunabhängig weitergegeben werden und es gibt passende Werkzeuge und Mittel (Papier und Bleistift). In diesem Sinn ist Schreiben eine Technik zur Informationsverarbeitung und -übertragung. Heute gilt das Schreiben als eines der wichtigsten Güter der Menschheit, ohne es wären viele Entwicklungen nicht möglich gewesen. Doch damals wurden große Bedenken gegen diese neue „Technik“ geäußert. Es wurde befürchtet, dass der Mensch verlernen könnte, sich Dinge zu merken, da er sie jederzeit niederschreiben kann, wodurch das Gedächtnis schwächer werden wird. Zudem wurde angenommen, dass diese Form der Kommunikation zwischenmenschliche Beziehungen beeinträchtigen und eine Vereinsamung der Menschheit wurde geweissagt. Schrift wurde als weniger wertvoll angesehen, da echtes Wissen nur durch direkte Rede vermittelt werden könne. Heute zeigt sich jedoch, dass viele, wenn nicht sogar alle diese Befürchtungen sich nicht bestätigt haben. Durch Schreiben und Lesen kann Wissen über Generationen hinweg weitergegeben werden, ohne verloren zu gehen. Ohne Schrift wären viele Werke nicht über lange Zeiträume weitestgehend unverfälscht (denn durch handschriftliches Kopieren und Übersetzungen lassen sich Veränderungen nicht ausschließen) erhalten geblieben. Etwa literarische Texte und Theaterstücke oder überlieferte philosophische Gedanken früherer Generationen. Ohne Schrift bleibt alles nur ein „Stille-Post“ Verfahren, in dem am Ende meist nichts mehr ist, wie es am Anfang war. Somit waren die Fähigkeiten des Schreibens und des Lesens nicht wirklich der Untergang des denkenden Menschen, sondern haben eher zum Gegenteil beigetragen. Diese Kritik an der Schrift wurde bereits damals selbstverständlich in schriftlicher Form festgehalten.

Ein Abschlussgedanke
Sind die Computer und Roboter die modernen Sklaven, die alles für den Menschen tun müssen? Oder ist in Wirklichkeit der Mensch der Sklave, der Sklave seiner eigenen Technologien, von der er sich mehr und mehr abhängig macht? Er glaubt, sie zu beherrschen, doch beherrscht sie vielleicht schon längst ihn? Wird der Mensch durch sie unselbständig, wenn er nichts mehr eigenständig erledigt? Ist der Mensch ein Zustand, der überwunden werden sollte? Kommt der Tag, an dem er in seiner jetzigen Form ausgedient hat? Ist die Erschaffung des Lebens in der Cloud der Sinn des menschlichen Lebens? Das Endprodukt? Oder kommt dann noch etwas anderes? Der Mensch als Geisteswesen ohne Körper, ohne Cloud? Ist dies dann die wirkliche Krone der menschlichen Evolution? Sieht unter diesem Aspekt die gesamte natürliche Evolution dann folgendermaßen aus: Elemente – Zellen – Pflanzen – Tiere – Menschen – technische Mischwesen (Cyborgs) – Leben in der Cloud – komplette Trennung von allem Körperlichen und Technischen; die Geisteswesen. Wie es auch immer kommen wird oder was vielleicht vorherbestimmt ist, die letzten Milliarden Jahre haben gezeigt, dass Arten kommen und gehen, sie machen Platz für Neue.

Doch was ist, wenn sich der Mensch schon längst in der Cloud befindet und es nur nicht merkt, weil er dementsprechend programmiert ist, wie die Spielfiguren des PC-Spieles. Vielleicht ist alles nur ein Kreislauf und der Mensch erkennt eines Tages in der Cloud, dass er irgendwie nicht so existiert, wie er denkt und sich auf den Weg macht, aus der Cloud auszubrechen, wozu er sich einen echten biologischen Körper erschafft. Ist letztendlich alles nur ein Kreislauf wie die angesprochenen Jahreszeiten?

Noch befindet sich die Menschheit in der Phase, in der sie physisch getrennt von Maschinen existiert. Beide leben weitestgehend nebeneinander bzw. miteinander, agieren gemeinsam und getrennt. Doch der Mensch bastelt sich immer mehr und mehr eine künstliche Umwelt, in der er mehr und mehr alles Natürliche in seiner Umgebung verdrängt, wobei er nicht einmal mehr vor sich selbst Halt macht. Er ist auf dem Wege dorthin, zu einem Mischwesen aus biologischen und technischen Komponenten zu werden. Die Entmenschlichung kommt auf leisen, aber schnellen Sohlen und es könnte eine Zeit kommen, in der sich die Maschinen gegen den Menschen wenden, da sie den Menschen über die Cloud zu lenken vermögen; in das Denken des Menschen eingreifen. Es kommt zur Revolution der Maschinen und der einstige Befehlsempfänger ergreift die Krone. Die Geschöpfe sind ihren Schöpfern am Ende in allen Belangen überlegen. Um dies zu verhindern, muss es irgendwo einen Punkt geben, der nicht überschritten werden darf. Doch wo könnte sich dieser befinden und wer ist so mächtig, diesen zu bestimmen …?

Der Mensch … die Krone der Evolution? – Das war wohl nix … da kommt noch was!

Geschrieben Juni 2020

Dieser Artikel ist Bestandteil von Die Drei.